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Inklusion: Jeder Mensch ist ein Teil der Gesellschaft

Inklusion fängt am besten schon im Kindergarten sowie in der Schule an und sollte sich über alle Lebensbereiche erstrecken, um soziale Gerechtigkeit und gleiche Chancen zu garantieren.

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© iStock / Rawpixel

Wir Menschen sind alle verschieden und einzigartig. Die Gesellschaft und Unternehmen mit Inklusion profitieren somit von der Vielfalt und dem Ideenreichtum Einzelner.

Laut der Statistik Austria sind in Österreich 18,4 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren dauerhaft - damit ist ein Zeitraum länger als ein halbes Jahr gemeint - eingeschränkt. Das entspricht hochgerechnet 1,34 Millionen Personen.

Was bedeutet Inklusion, Integration und Diversität?

Inklusion meint, dass kein Mensch ausgeschlossen oder ausgegrenzt werden darf. Das heißt zum Beispiel, dass kein Kind in der Schule abgewiesen wird, sondern mit allen anderen gemeinsam lernen kann oder dass alle Menschen - egal welche Einschränkungen - am regulären Arbeitsmarkt teilhaben dürfen.

Menschen mit Behinderung sollten ihr Leben nicht mehr an vorhandene Strukturen anpassen müssen. Unternehmen die Inklusion leben, bieten Arbeitsplätze mit den passenden Strukturen für ALLE Arbeiter:innen und Angestellte.

Ziel von Inklusion in Unternehmen ist es nicht nur als ersten Schritt, Mitarbeiter:innen mit Behinderung einzustellen, das Ganze muss noch deutlich weitergehen. Sie sollten auch die gleichen Chancen in der Berufswelt haben sowie Möglichkeiten Karriere zu machen. Dafür müssen sie gefördert und ermutigt werden, sich beruflich zu verwirklichen.

Unter Integration versteht man die persönliche Anpassungsleistung des zu integrierenden Menschen. Das System selbst, in diesem Fall das Unternehmen, ändert sich dabei nur wenig.

Der Begriff Diversität kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie Vielfalt oder Verschiedenheit. Dabei wird auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Menschen fokussiert. Diese entstehen meist gesellschaftlich und bringen oft soziale Ungleichheiten hervor. Sie können auf individueller oder gesellschaftlicher Ebene betrachtet werden. Sie betreffen alle Menschen und nicht nur einzelne bestimmte Gruppen.

Inklusion in Unternehmen von Menschen mit Behinderung kann und sollte Teil eines Diversity Managements sein. Die Chancengleichheit von Frauen und Männern in Form von beispielsweise einer Frauenquote zählt ebenfalls dazu. Dabei sollte in der Arbeitswelt Rücksicht auf sichtbare wie auch unsichtbare Gemeinsamkeiten und Unterschiedlichkeiten der Angestellten genommen werden. Weitere Punkte der Diversität sind Alter, sexuelle Orientierung, ethnische Herkunft oder Religion.

Recht auf Inklusion und Teilhabe

Die Inklusion hat zur Zielsetzung, dass alle Menschen in einer Gesellschaft gleichberechtigt nebeneinander leben. Menschen mit Behinderungen sollen dazugehören, teilhaben und vor allem auch selbst bestimmen können. Das betrifft nicht nur Arbeit sondern auch Bildung, Wohnen und Freizeit. Inklusion ist in der Menschenrechtscharta geregelt.

»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.«

Artikel 1, "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte"

Die UN-Behindertenrechtskonvention soll die Bedingungen für ein selbstbestimmtes Leben sichern:

  • Alle sind in einer Gesellschaft gleichberechtigt.
  • Menschen sind verschieden und können voneinander lernen.
  • Es gibt keine Ausgrenzung.
  • Menschen mit Behinderungen werden anerkannt und sind selbstverständlich in der Gesellschaft dabei.
  • Teilhabe an Bildung, am Arbeitsleben, Freizeit sowie Wohnen, mit der jeweils benötigten Unterstützung.
  • Recht auf Selbstbestimmung des eigenen Lebens.

Bürger:innen in einer inklusiven Gesellschaft leben also eigenverantwortlich mit Aufgaben und Pflichten, denen sie nachkommen sollen. Das betrifft inklusive Bildung sowie gesellschaftliche Teilhabe.

Für Menschen mit Behinderungen sollen akzeptable Wahlmöglichkeiten in allen Bereichen zur Verfügung stehen, die ihnen ermöglichen über das eigene Leben selbst bestimmen zu können.

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Wenn Menschen mit Behinderungen von Beginn an selbstverständlich in unserer Gesellschaft dabei sind, von Geburt an über die Schule und Arbeit bis hin zu Unterstützung im Alter, dann leben wir Inklusion und Teilhabe. Dazu gehört auch, dass sie als Bürger:innen mit allen Rechten und Pflichten anerkannt und ebenso geschätzt sind!

Inklusion in Schulen

Die Lebenshilfe setzt sich für eine Abschaffung von Sonderschule und für ein inklusiveres Bildungssystem ein, das niemanden ausgrenzt:

»Was wir brauchen, sind wohnortnahe inklusive Schulen, an denen Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam beschult werden. Nur so kann das Recht auf inklusive Bildung für alle Kinder verwirklicht und somit der Grundstein für eine inklusive Gesellschaft gelegt werden.«

Markus Neuherz, Generalsekretär Lebenshilfe Österreich

Laut der Lebenshilfe verletzt das derzeitige Schulsystem in Österreich die Menschenrechte. Sonderschulen halten Menschen mit Behinderungen auf einen lebenslangen Sonderweg am Rande der Gesellschaft. Menschen mit Behinderungen haben aber das Recht auf Inklusion in der Bildung, auf dieses sie sich seit 2008 (UN-Behindertenrechtskonvention) berufen können.

Wie würde die Schule dann ausschauen?

Ein inklusives Schulsystem würde bedeuten, dass alle Kinder mit und ohne Behinderungen von Anfang an gemeinsam die Schule besuchen. Kinder werden nicht in die Kategorien eingeteilt. Der Unterricht richtet sich nach den jeweiligen individuellen Fähigkeiten jedes einzelnen Kindes, unter Berücksichtigung der persönlichen Lerngeschwindigkeit. Die Unterrichtsumgebung passt sich strukturell den persönlichen Bedürfnissen an.

In dieser Schule würden nur Talente und nicht Defizite zählen. Kinder können voneinander lernen und alle würden davon profitieren.

Was macht den inklusiven Unterricht aus?

In den Universitäten Österreichs wird Inklusion gefördert und für Lehramt-Studenten passende Studiengänge angeboten. Beispielsweise bietet die Uni Graz eine Spezialisierung für "Inklusive Pädagogik mit Fokus Behinderung" als Masterstudium an.

Ein inklusives Schulangebot geht von unterschiedlichen Bildungsanforderungen und Bedürfnissen aus. Es werden verschiedene Methoden eingesetzt wie Kleingruppen-Arbeiten, Peer-Teaching, Multilevel-Teaching und individuelle Lehrpläne um Kinder gezielt zu fördern. Beispielsweise haben Kinder mit Behinderungen oft starke emotionale Begabungen, mit denen sie ihre Kolleg:innen ohne Behinderungen herausfordern. Das führt zu einem gegenseitiges Lernen und einer natürlichen Solidarität.

Inklusion in Unternehmen und am Arbeitsplatz

In Österreich sind Unternehmen mit mindestens 25 Arbeitnehmer:innen gesetzlich verpflichtet, eine Person mit Behinderung einzustellen oder eine entsprechende Ausgleichstaxe zu leisten. Aufgrund vieler Kleinbetriebe trifft das Behinderteneinstellungsgesetz nur 2% der heimischen Betriebe und 98% müssen keine Menschen mit Behinderungen einstellen.

Wie sieht es mit Maßnahmen seitens der Unternehmen aus?

Es herrscht laut einer Studie von Ward Howell(2021) in österreichischen Unternehmen noch ein unzureichendes Verständnis zu den Begriffen Diversität und Inklusion. Die beiden Punkte nehmen in den Nachhaltigkeitsstrategien eher keine große Gewichtung ein. Die Unternehmen zeigen sich aber aufgeschlossen - für zwei Drittel sind die Begriffe von Bedeutung. Interessanterweise ist das Bewusstsein für das Thema bei kleinen und mittleren Unternehmen etwas stärker ausgeprägt als bei großen Betrieben. Bei denen bis 200 Mitarbeiter:innen gaben 75% an, sich mit Fragen der Vielfalt und Teilhabe zu beschäftigen, während es bei den großen nur 69% waren.

Die Studie zeigt, dass in Österreich definitiv noch einiges zu tun ist . Erst 24% bei den kleinen/mittleren und 19% bei den großen Betrieben haben Maßnahmen gesetzt. Ganze 62% haben weder Initiativen noch einzelne Schritte in Richtung Inklusion und Vielfalt gemacht.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch diverse Verbände, die sich mit dem Thema beschäftigen und fordern einen neuen Blick seitens der Gesellschaft:

»Der Gedanke, dass Inklusion keine Last, sondern eine wertvolle Bereicherung für die Gesellschaft, die Wirtschaft und für jeden Betrieb ist, muss immer wieder in den Diskurs gebracht werden, denn nicht wirtschaftliche Notwendigkeiten oder technische Begrenzungen stehen heute einer vollständigen Inklusion im Wege, sondern Unkenntnis und Vorurteile vieler Handelnder. «

Geschäftsführer von DAS BAND, Tom Schmid am Europäischen Inklusionstag 8. Mai 2022

Der Weg zu einer vollständigen Inklusion in Unternehmen, Schulen und anderen Bereichen wird wohl noch ein etwas längerer werden, auch wenn der Wille bei den meisten eigentlich da wäre. Außerdem gibt es in Österreich auch noch eine Inklusionsförderung für Betriebe, die beeinträchtigte Menschen einstellen. Letztere wünschen sich im Endeffekt auch nichts anderes, als ein normales gleichgestelltes Leben in der Gesellschaft zu führen.

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