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Rassismus: Wie Alltagsrassimus unser Denken und Handeln beeinflusst und was wir dagegen tun können

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Rassismus

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Der aufdringliche Griff in die Haare. Die Frage, wie lange man denn schon in Österreich lebe. Alltagsrassismus ist allgegenwärtig. Manchmal tritt er offen und gewalttätig auf, manchmal versteckt und unbeabsichtigt. Das kannst du dagegen tun.

Rassismus ist allgegenwärtig. Der Begriff "Rassismus" hingegen ist oft nur schwer abzugrenzen. Er ist hoch politisiert, führt zu Auseinandersetzungen und Diskussionen. "Aber das war doch gar nicht so gemeint...". Mutmaßungen über die Herkunft von anderen Menschen. Mutmaßen über ihre Hautfarbe, ihren Namen oder ihre Sprache. Rassismus und Diskriminierung sind Probleme, die uns alle angehen. Deshalb müssen wir uns informieren, hinschauen, hinhören, solidarisch sein - und Haltung zeigen.

Was versteht man unter Rassismus?

Der Begriff "Rassismus" ist oft nur schwer abzugrenzen, welches an seinen vielfältigen Erscheinungsformen liegt. Der Verein ZARA-Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, versteht unter Rassismus ein gesellschaftliches Instrument, das seit Jahrhunderten strukturell verankert ist und Macht ungleich verteilt.

Dieses System sichert weißen Menschen soziale, wirtschaftliche sowie politische Privilegien, ebenso wie eine machtvollere Position in der Gesellschaft. Es wird ein "wir" gegen "die anderen" geschaffen, wobei "die anderen" abgewertet bzw. herabgewürdigt werden.

Woher kommt die Diskriminierung geschichtlich?

Die Herkunft der Diskriminierung gegenüber "den anderen", reicht geschichtlich weit zurück. Während des Kolonialismus diente Rassismus als Rechtfertigung für die Unterwerfung und Ausbeutung einheimischer Völker.

Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt wurden durch europäische Mächte erobert, versklavt und unterdrückt. Die Idee von "Rassen" wurde oft verwendet, um Menschen in überlegene und minderwertige Gruppen einzuteilen.

Auch der transatlantische Sklavenhandel, der im 16. Jahrhundert begann, war von tief verwurzeltem Rassismus geprägt.

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Unterscheidungen von Diskriminierung: Struktureller und Institutioneller Rassismus

Rassismus kann sich in vielfältigen Ausprägungen zeigen:

Struktureller Rassismus

Struktureller Rassismus ist tief verwurzelt und bedeutet, dass unser gesellschaftliches System durch verschiedene Gesetze zu Ausgrenzungen beitragen kann. Struktureller Rassismus ist ein Teil unserer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systeme, in denen wir alle aufgewachsen sind und leben.

Er kann somit unsere Denk- und Redeweisen, Einstellungen ebenso wie unsere Handlungen nachhaltig beeinflussen.

Institutioneller Rassismus

Beim Institutionalisierten Rassismus handelt es sich um eine Form von systematischer Diskriminierung, die tief in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Institutionen verankert ist.

Wenn bestimmte Organisationen den Zugang zu Ressourcen (Bildung, Arbeit Gesundheitssystem, Sozialleistungen, öffentlichen Gütern, Macht) und zu politischen wie gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten einschränken oder verweigern, dann spricht man von institutionellem Rassismus.

Was ist die "Black lives Matter"- Bewegung (BLM)?

White Silence Is Violence (Weiße Stille ist Gewalt)

Die soziale Bewegung möchte auf Missstände aufmerksam machen, die für People of Color aufgrund ihrer Ethnie und den durch jahrhundertelangen Rassismus bis heute bestehen. Bereits 2013 wurde die Bewegung durch einen Hashtag ins Leben gerufen, erreichte aber 2020 durch den Tod von George Floyd, ihren Höhepunkt. Ein Polizist kniete 9 Minuten und 29 Sekunden mit vollem Körpergewicht auf Floyds Hals. Seither richtet sich die Bewegung verstärkt gegen rassistische Gewalt durch die Polizei in den USA.

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Alltagsrassismus: Die Macht der Mikroaggressionen

Rassismus findet auf unterschiedlichen Ebenen statt: im privaten und öffentlichen Raum, in Alltagssituationen wie bei der Job- oder Wohnungssuche, aber auch institutionell in Gesetzgebung, Schulsystem oder Polizei.

"Oh, Sie können sich ja gut ausdrücken", ist nur ein Beispiel von vielen, welches zeigt, wie Rassismus im Alltag sichtbar wird. Auch wenn es vielleicht "nicht so gemeint" war, es kann verletzen. "Sie sprechen aber gut Deutsch". Wenn wir so etwas sagen, nehmen wir Dinge über Menschen an.

Wir unterstellen ihnen eine "Heimat" fern von Österreich. Schlimmer noch: dass sie hier nicht "richtig" dazugehören. Gib also zu, wenn du dich falsch ausgedrückt hast, entschuldige dich.

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Vorurteile werden meist aus Gewohnheit angewendet. Deshalb ist es so wichtig, sich im Alltag die eigene automatische Voreingenommenheit bewusst zu machen und immer nach Wegen zu suchen, diese zu kontrollieren.

Prof. Konrad SchnabelDifferentielle Psychologie und Diagnostik

Denk mal an deine Kindergartenzeit zurück. Wenn du gemalt hast, was war für dich "die Hautfarbe"? Wahrscheinlich wurde eher zu einem hellen Ton gegriffen. Aber es gibt nicht "die eine" Hautfarbe. Die Hautfarben-Buntstifte stellen sich dem gesellschaftlichen Problem von Rassismus und Diskriminierung im Alltag entgegen.

Mit den Produkten sollen Kinder, den Wert von Vielfalt selbst zu entdecken. Eltern und Erzieher:innen werden dabei unterstützt, die neue Generation diversitätsbewusst zu erziehen, ohne Stereotype weiterzugeben.

Viele von uns haben das Glück in einer Welt zu leben, in der sie sich repräsentiert fühlen. Wir haben in der Regel einen leichten Zugang zum Arbeitsmarkt, zum Bildungssystem und zum Wohnungsmarkt. All das sind Privilegien. Und aus diesen Privilegien erwächst eine Verantwortung. Die Verantwortung zu handeln, wenn du Rassismus beobachtest.

Antimuslimischer Rassismus und Kopftuchdiskriminierung

Antimuslimischer Rassismus definiert eine Form des Rassismus, die sich speziell gegen Muslim:innen oder als solche wahrgenommene richtet.

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Warum müssen wir immer Dinge über Menschen annehmen? Wir picken uns einzelne Teilinformationen anhand des Äußeren eines Menschen heraus und ziehen schnelle Schlüsse. Machen uns ein Bild von der Person. "Sie trägt ein Kopftuch? Dann wird sie bestimmt von ihrem Mann unterdrückt". "Wer in Österreich ein Kopftuch trägt, will sich nicht anpassen".

Die Reichweite der verbundenen Zuschreibungen vom Tragen eins Kopftuches reichen in unserer Gesellschaft von Integrationsverweigerung bis hin zur Unterdrückung von Frauen. Diese Vorurteile führen nicht selten zu diskriminierenden Äußerungen und Taten.

Schaut man sich eine Studie der Johannes-Kepler-Universität in Linz an, lässt sich institutioneller Rassismus beobachten. Muslimische Frauen mit Kopftuch müssen sich 4,5- mal öfters bewerben als ihre Kolleginnen. Umso höher die Stelle, umso geringer sind die Chancen, trotz gleicher Qualifikation.

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ZARA - Zivilcourage & Anti-Rassismus-Arbeit

Der Verein ZARA wurde 1999 mit dem Ziel gegründet, eine rassismuskritische Gesellschaft und einen respektvollen Umgang miteinander sowohl online als auch offline zu fördern.

Der Verein ermutigt Betroffene, sich zu melden. Hier werden sie ernst genommen und erhalten eine Entlastungsmöglichkeit. Gemeldete Vorfälle von Rassismus werden systematisch dokumentiert. Menschen, die mit Rassismus konfrontiert wurden, erhalten hier kostenlos Information, Unterstützung, Hilfe und auch rechtliche Beratung.

ZARA Projekte

ZARA verwirklicht neben der laufenden Beratungstätigkeit aber auch Projekte in den Bereichen Anti-Rassismus und Bekämpfung von Hass im Netz. Das Butterfly Projekt verfolgt beispielsweise das Ziel, sich gegen rassistische Vorfälle einzusetzen und junge Betroffene zu stärken. Das Projekt konzentriert sich auf den Aufbau von Wissen von Jugendlichen, des Lehrpersonals, weiterer Personen im Kontext von Schule und Bildung sowie Jugendorganisationen.

ZARA Trainingsangebote

Trainingsangebote ermöglichen es, sich bewusst mit den verschiedenen Formen von Rassismus auseinanderzusetzen und Vorurteile zu erkennen. Die ZARA Trainingskonzepte und Vorträge für Kinder, Jugendliche und Erwachsene stützen sich auf praktische Erfahrungen aus der Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich unter Einbeziehung wissenschaftlicher Theorien und international anerkannter Trainingsmethoden.

Wo (in Österreich) findet Rassismus heutzutage noch immer statt?

Diese Frage hat ZARA Geschäftsführerin Caroline Kerschbaumer für WOMAN beantwortet.

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"Überall. Im ZARA Rassismus Report zeigen wir exemplarisch auf, wie Rassismus in Österreich in den unterschiedlichsten Lebensbereichen stattfindet. Wir unterscheiden dabei die Bereiche Internet, öffentlicher Raum, Zugang zu Gütern und Dienstleistungen (Wohnen&Nachbarschaft, Handel, Gastro und sonstige Dienstleistungen), staatl. Behörden und Institutionen, Pol&Medien und Polizei.

Für uns ist wichtig zu verstehen, dass Rassismus Struktur hat und wir alle damit aufgewachsen und so sozialisiert sind. Um rassismuskritisch zu sein, braucht es daher ein aktiv werden.

Die im Rassismus Report aufgezählten rassistischen Vorfälle spiegeln lediglich ein Gesamtbild wieder. In diesem Sinne beginnen auch unsere Forderungen für einen nationalen Aktionsplan gegen Rassismus mit dem ersten Teil "Aufbrechen von strukturellem und institutionellem Rassismus" (im aktuellen ZARA-Rassismus-Report 2022 ab S 59 nachlesbar).

7 Dinge, die du gegen Rassismus tun kannst

Wir agieren oft aus dem Unterbewusstsein heraus und die Stereotype, die wir über Menschen verinnerlichen, können unser Verhalten ihnen gegenüber (unterbewusst) beeinflussen. Es ist wichtig, sich mit den eigenen rassistischen Handlungen und Denkweisen auseinanderzusetzen. Für alle, die sich gegen Rassismus einsetzen wollen, lautet die erste Empfehlung: Informiere dich!

  • 1.

    Caroline Kerschbaumer empfiehlt: Beginnen, über Rassismus und Diskriminierung nachzudenken, zu reflektieren, Fragen zu stellen – was sind meine eigenen Bilder/Vorurteile? Akzeptiere ich (vielleicht unbewusst) rassistische Strukturen? Wie gehe ich damit um, wenn ich Rassismus erlebe? Bemerke ich es überhaupt wenn Rassismus stattfindet?

  • 2.

    Bücher für die eigene Selbstreflexion. Die Autorin Tupoka Ogette hat tolle Bücher geschrieben wie z.B. " exit RACISM" oder "Und jetzt du" – die bei der Selbstreflexion unterstützen, erklärt ZARA Geschäftsführerin Caroline Kerschbaumer.

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  • 3.

    Zeige Haltung und greif ein. Wenn du Rassismus wahrnimmst, nimm Position ein. Hilf Betroffenen und sprich Diskriminierungen direkt an.

  • 4.

    Unterstütze Organisationen wie ZARA Zivilcourage. Mit einer Spende oder durch eine Fördermitgliedschaft ermöglichst du Betroffenen eine kostenlose Unterstützung und Beratung.

  • 5.

    Folge Instagram-Kanälen, die Aufklärungsarbeit leisten. @Tupoka Ogette, @Say My Name, @africaandivaa oder @blacklivesmatter.

  • 6.

    Nimm an Kundgebungen, Demonstrationen oder anderen Veranstaltungen teil, die entschieden gegen Rassismus aussprechen und für soziale Gerechtigkeit eintreten.

  • 7.

    Höre Leuten zu, die Dinge außerhalb deiner Lebenswirklichkeit erlebt haben.

Es bedarf Aufklärungsarbeit, Präventionsarbeit an Schulen und Sensibilisierungstrainings, um gegen Rassismus vorzugehen. Menschen müssen lernen Rassismus zu benennen, wenn sie diesen miterleben. Mitmenschen auf rassistische Äußerungen aufmerksam zu machen, trägt dazu bei, Rassismus sichtbar zu machen und das eigene Umfeld zu
sensibilisieren.

Wir müssen verstehen, dass Vorurteile und Rassismus nicht nur Phänomene "bei anderen" sind, sondern einen großen Teil unserer Gesellschaft und unseres Alltags sind.

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