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Gender Pay Gap: Was hat es mit der Lohnlücke auf sich?

Was bedeuten der Gender Pay Gap (Lohnlücke) und der Equal Pay Day? Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer. Welche Ursachen & Maßnahmen gibt es?

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Was ist der Gender Pay Gap

Gender Pay Gap ist die englische Bezeichnung für die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern (gender). Der Gap (Lücke) wird dabei als prozentualer Anteil des durchschnittlichen Brutto-Stundenlohns von Männern angegeben. Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern werden seit den 70er Jahren in der Öffentlichkeit diskutiert. Das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum) veröffentlicht jährlich den internationalen Global Gender Gap Report, der Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern in mehr als 150 Ländern aufzeigt und vergleicht.

Wie wird der Gender Pay Gap berechnet?

Für die Berechnung werden die Brutto-Verdienste von Männern und Frauen innerhalb einer bestimmten Gruppe, beispielsweise nach Alter, Branche oder Bundesland, ins Verhältnis zueinander gestellt. Werden keine weiteren Faktoren berücksichtigt, ist das Ergebnis der unbereinigte Gender Pay Gap.

Folgende Formel wird für die Berechnung benutzt:

(Durchschnittlicher Bruttostundenverdienst der Männer – durchschnittlichem Bruttostundenverdienst der Frauen) / durchschnittlicher Brutto­stundenverdienst der Männer) x 100.

Was ist der bereinigte Gender Pay Gap?

Bei diesem wird jener Teil des Verdienstunterschieds herausgerechnet, der auf strukturelle Differenzen zwischen den Geschlechtergruppen zurückzuführen ist. Dies bedeutet, dass Unterschiede bei Berufsgruppen, Beschäftigungsumfang, Bildungsstand und Berufserfahrung sowie der geringere Anteil von Frauen in Führungspositionen in die Berechnung miteinbezogen werden.

Der bereinigte Gender Pay Gap gibt daher an, wie viel Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer für vergleichbare Arbeit mit gleicher Qualifikation.

Der Gender Pay Gap in Österreich

Frauen verdienten laut der Statistik Austria 2020 in der Privatwirtschaft um 18,9% brutto pro Stunde weniger als Männer. Vor zehn Jahren lag die Lohnlücke noch bei 24,0%. Der Rückgang des Gender Pay Gap war in Österreich im Pandemiejahr 2020 doppelt so stark wie im Durchschnitt der letzten zehn Jahre davor. Österreich zählt aber nach wie vor zu den Ländern, mit einem sehr großen Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern.

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Der Gender Pay Gap in Europa

Österreich zählt im EU-Vergleich zu den negativen Spitzenreitern, oft wird als Grund die hohen Teilzeitquote bei Frauen genannt. Die Situation von Frauen ist in Österreich nicht besonders gleichberechtigt, was das Gehalt betrifft. Frauen verdienten im Jahr 2020 in der Privatwirtschaft brutto ungefähr ein Fünftel (18,9 Prozent) weniger pro Stunde als Männer. Der EU-Durchschnitt liegt im Vergleich bei 13 Prozent.

In Lettland und Estland war der Gender Pay Gap 2020 noch größer als bei uns. Am niedrigsten waren die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern in Luxemburg (0,7 Prozent), Rumänien (2,4 Prozent) und Slowenien (3,1 Prozent).

Die hohe Lohndifferenz beruht laut den Analysen der Statistik Austria teilweise auf geschlechtsspezifischen Unterschieden am Arbeitsmarkt. Unterschiede in den Arbeitszeiten in Bezug auf Teilzeit wurden berücksichtigt. Faktoren wie Branchen, Beruf, Beschäftigungsausmaß und Dauer der Unternehmenszugehörigkeit wurden ebenfalls in die Berechnung miteinbezogen.

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Equal Pay Day in Österreich

Die Lohnlücke wird auf Basis des jährlichen Einkommensberichts der Statistik Austria berechnet. Aus dieser Differenz erschließt sich dann der Equal Pay Day, der von der BPW (Business and Professional Women) Austria ermittelt wird. Das internationale Frauennetzwerk berechnet diesen seit 2009 für Österreich.

Leider ist der Pay Gap auch bei uns immer noch nicht geschlossen, Frauen und Männer werden noch immer ungleich entlohnt werden. Die aktuelle Differenz laut der Berechnungen der BWP kommt auf 12,7%. Dies entspricht ungefähr 46 Arbeitstage, die Frauen im Vergleich zu Männern, kostenlos arbeiten. In Jahren würde das bedeuteten, dass eine Frau zirka jedes 8. Jahr nicht bezahlt bekommt.

Der aktuelle Pay Gap wird also durch den Equal Pay Day visualisiert. Dieser steht am Ende der unbezahlten Lohnlücke in Arbeitstagen und wird von 1. Jänner ausgehend angegeben. Im Jahr 2022 fiel der Gender Pay Gap niedriger aus.

Trotzdem leider kein Grund zur Freude – wir Frauen arbeiten immer noch ungefähr eineinhalb Monat gratis. Der Aktionstag Equal Pay Day fiel 2022 auf den 15. Februar. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Equal Pay Day 6 Tage nach vorne gerückt.

Was ist der Equal Pay Day

Der „Tag für gleiche Bezahlung“ hat seinen Ursprung eigentlich in den USA. Er wurde 1966 vom „National Committee on Pay Equity“ (NCPE) ins Leben gerufen. Die Organisation ist ein Zusammenschluss von amerikanischen Frauen- und Bürgerrechtsorganisationen, Gewerkschaften sowie religiösen und beruflichen Vereinigungen. Es soll auf die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen hingewiesen werden, um die Gender Pay Gap zu schließen.

2008 wurde der Equal Pay Day dann in Österreich und Deutschland eingeführt. Im Jahr 2011 hat die Europäische Kommission den Europäischen Equal Pay Day ins Leben gerufen. Unter anderem beteiligen sich Länder wie Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Polen, Rumänien, Schweiz, Spanien, Schweden und Tschechien.

Wie wird der Equal Pay Day berechnet?

Basis der Berechnung sind die mittleren Bruttojahreseinkommen der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten (ohne Lehrlinge) gemäß der Lohnsteuerdaten der Statistik Austria. Diese werden zu Jahresende auf Basis der Vorjahresdaten publiziert. Daher wird der Equal Pay Day jedes Jahr auf Basis der Daten von vor 2 Jahren berechnet. Der Lohnunterschied in Prozent wird dann in Tage umgerechnet. Daraus ergibt sich dann das Datum.

Wieso gibt es zwei Equal Pay Days (Frühjahr & Herbst)?

Wird der Lohnunterschied in Tagen vom Ende des Jahres abgezogen, fällt der Tag in den Herbst, er symbolisiert dann den Anfang der Zeit, die Frauen im Durchschnitt im Vergleich zu Männern "gratis" arbeiten. Wird die Lohnlücke in Tagen vom Anfang des Jahres aus berechnet fällt der Equal Pay Day dann in das Frühjahr.

Ursachen für den Gender Pay Gap

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wieso Frauen schlechter bezahlt werden? Der Gender Pay Gap hat verschiedene strukturelle Ursachen. Wenn man nur den Faktor Ausbildung berücksichtigt, dann müssten Frauen eigentlich mehr verdienen als Männer. Der Anteil an Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen nimmt laut Statistik Austria nämlich langfristig zu: 2010 verfügten 16,2% der erwerbstätigen Frauen über einen Hochschulabschluss im Vergleich zu Männer mit 14,1%, 2020 waren es dann 24,1% bei den Frauen und 18,9% bei den Männern.

Als Ursachen für den Einkommensunterschied werden vielfältige Gründe diskutiert. Einige davon haben definitiv mit fehlender Fairness zu tun, beispielsweise wenn Männer und Frauen für gleiche Arbeit einfach unterschiedlich bezahlt werden. Aber auch wenn Männern bessere Chancen auf den beruflichen Aufstieg eingeräumt werden – obwohl sie unter Umständen vielleicht gar nicht besser qualifiziert sind. Einige davon wollen wir uns jetzt genauer ansehen:

Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit im Alltag

Im Durchschnitt leisten Frauen mehr unbezahlte Arbeit als Männer, dazu gehören vor allem die Kinderbetreuung, die Pflege von älteren Angehörigen oder Hausarbeit. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied bei der unbezahlten Arbeitszeit lässt sich in allen EU-Staaten feststellen.

Dadurch bleiben Frauen meist weniger Zeit für die bezahlte Arbeit und sie sind öfter in Teilzeitbeschäftigung. Werden die Stunden der unbezahlten und der bezahlten Arbeit gleichwertig betrachtet, arbeiten Frauen mehr Stunden pro Woche als Männer.

Außerdem sind es meist Frauen, die ihre Karriere aus familiären Gründen zurückstecken und ihre beruflichen Entscheidungen hinter den familiären Aufgaben anstellen müssen. Im schlimmsten Fall werden Frauen aufgrund dieser Entscheidungen auch noch am Arbeitsplatz diskriminiert - zum Beispiel wenn sie nach der Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub zurückgestuft werden.

Frauen sind unterrepräsentiert in Führungspositionen

Frauen sind zudem im Vergleich zu Männern weniger oft in Führungspositionen zu finden. In Bezug auf den Gender Pay Gap sind weibliche Manager:innen am stärksten benachteiligt und verdienen pro Stunde im Durchschnitt einiges weniger als ihre männlichen Kollegen. Oft werden Frauen in ihrer beruflichen Karriere auch bei Beförderungen übergangen. Männer bleiben in der Führungsriege gerne unter sich, als Grund wird hier oft der mögliche Ausfall wegen Mutterschutz vorgeschoben.

Frauenbranchen sind unterbezahlt

Hinzu kommt, dass Frauen meist in Sektoren und Berufen mit schlechterer Bezahlung wie Pflege, Verkauf oder Bildung tätig sind. Außerdem gibt es nach wie vor besser bezahlte Branchen, wie beispielsweise in den Bereichen Wissenschaft und Technik, die noch immer von Männern dominiert sind.

Soziale Berufsfelder, die vor allem von Frauen ausgeübt werden, haben oft viel mit Menschen zu tun wie Kinderbetreuung oder Pflege. Diese werden leider meist schlechter bezahlt als technische Branchen, in denen viel mit Maschinen gearbeitet wird. Hierbei wird einfach schlichtweg nicht berücksichtigt, dass die Anforderungen in beiden Bereichen schwierig sind. Eine Pfleger:in verrichtet beispielsweise genauso anstrengende körperliche Arbeit, wie jemand am Bau, wenn sie eine hilfsbedürftige Person mit über 60 kg in den Rollstuhl hebt. Hinzu kommt dann auch noch die psychische Komponente der Arbeit.

Mangel an Transparenz

Viele Frauen wissen oft nicht, was der Kollege oder die Kollegin im gleichen Job verdient. Deswegen werden Unterschiede beim Lohn für die Betroffenen manchmal gar nicht sichtbar oder nur durch Zufall entdeckt.

Fazit: Frauen erhalten geringere Stundenlöhne und leisten mehr unbezahlte Arbeit. Zudem sind sie aufgrund familiärer Pflichten häufiger erwerbslos als Männer. Dadurch ergibt sich ein durchschnittlicher geschlechtsspezifischer Gesamteinkommensunterschied, der sogenannte Gender Pay Gap.

Auswirkungen durch die Corona Pandemie

Krisen auf dem Arbeitsmarkt können ebenfalls den Gender Pay Gap beeinflussen. So war beispielsweise die weiblich dominierte Branche der Beherbergung und Gastronomie besonders stark von der COVID-19-Krise betroffen. Da vor allem gering entlohnte Arbeitsplätze verloren gingen, blieben verhältnismäßig mehr Frauen mit besseren Verdiensten auf dem Arbeitsmarkt. Dies trug beispielsweise zu einer ungewöhnlich großen Verkleinerung der zuletzt berechneten Lohnlücke bei.

Man sollte aber auch berücksichtigen, dass Mehrleistungen im Betreuungsbereich, die während der Pandemie anfallen, meist zu lasten der Frauen gehen und nicht wirklich in den Berechnungen aufscheinen!

Notwendige Maßnahmen um das Lohngefälle zu schließen

Bei Eintritt in den Arbeitsmarkt ist der Gender Pay Gap meist eher gering, mit dem Alter der Beschäftigten steigt dieser jedoch in die Höhe. Er wird also im Verlauf der Karriere größer und nimmt mit dem Entstehen familiärer Verpflichtungen zu. Frauen sind daher häufiger Altersarmut ausgesetzt.

Das Schließen der Lohnlücke würde aber auch Vorteile für die Wirtschaft mit sich bringen. Frauen könnten mehr Geld in diese investieren. Zudem würde sich die Steuerbasis allgemein erhöhen und das Sozialsysteme dadurch entlastet werden. In Schätzungen wird davon ausgegangen, dass eine Verringerung des Pay-Gaps um einen Prozent zu einem Anstieg des BIP um 0,1 Prozent führen würde.

Mehr Transparenz bei Gehältern

Mit offen deklarierten Gehältern, lassen sich Unterschiede aufdecken und Fairness könnte besser umgesetzt werden. Die Organisator:innen des Equal Pay Day fordern diese ein:

»Die Politik ist gefordert, Einkommenstransparenz zu schaffen und alle dafür nötigen Daten von Unternehmen einzufordern. Nur so kann die Basis für gerechte Entlohnung geschaffen werden, die weder Frauen noch Männer diskriminiert!«

Von politischer Seite wird vor allem auf berufliche Förderungen für Frauen und Unterstützung bei der Kinderbetreuung gesetzt:

  • Förderungen der Karriereperspektiven für Mädchen und Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen.
  • Bereitstellung von Kinderbetreuungs- und Pflegeplätze, um Frauen zu entlasten und Karrieren besser zu ermöglichen.
  • Initiativen und Netzwerke um Frauen in wirtschaftlichen Führungs- und Entscheidungspositionen zu fördern.
  • Gesetzliche Schritte, um die Einkommenstransparenz in Österreich zu erhöhen.

Weniger Einkommen wirkt sich auch auf die Pension aus

Die monatlichen Alterspensionen der Frauen waren laut den letzten Berechnungen der Statistik Austria um 42,1% niedriger als jene der Männer - Frauen bekamen 2020 durchschnittlich 1.219 Euro und Männern 2.104 Euro brutto pro Monat. Ohne ein finanzielles Vorsorgeprogramm führen diese niedrigen Pensionen in die Altersarmut.

Vor allem alleinlebende Pensionistinnen sind armutsgefährdet. Dies trifft auch auf Ein-Eltern-Haushalte zu, die meist nur aus Frauen mit ihren Kindern bestehen.

Thema: Karriere
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