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„Küss mich, Libussa“ - die Geschichte einer lesbischen Casanova

Der Debütroman „Küss mich, Libussa“ von Sophie Strohmeier provoziert mit poetischer Lesbenerotik.

von

Zwei Frauen kurz vor dem Kuss
© Thinkstock

Erotikromane sind ja zur Zeit hoch im Kurs, aber eigentlich findet sich darin immer Liebesgeschichten in der klassischen Konstellation von Mann und Frau. Sophie Strohmeier (25) möchte dieses Verhältnis um die Beziehung zwischen Frau und Frau erweitern und präsentiert mit ihrem Debütroman „Küss mich, Libussa“ einen selbst titulierten Freudenroman“, in dem Sex bewusst eine entscheidende Rolle spielt.

In überaus poetischer, manchmal vielleicht etwas zu schwülstiger Sprache beschreibt sie hierin die Geschichte der Slawistikstudentin Marie während ihres Auslandssemesters in Prag, die sich unsterblich in ihre unnahbare Professorin verliebt. Erstmals in eine Frau und daher entdeckt sie ausgiebig ihre Vorliebe fürs gleiche Geschlecht und das Lesbischsein, denn keine Frau kann ihr widerstehen. Ganz im Gegensatz zur vergötterten "Schneekönigin".

Strohmeiers Ziel ist es nicht nur Leserinnen und Leser mit ein paar neuen erotischen Fantasien zu versorgen, sondern ebenso die Stellung lesbischer Frauen in Kultur und Medien zu verbessern. „Obwohl es mehr Lesben als Schwule gibt, sind Lesben fast nicht sichtbar“, sagt sie. „Es braucht deshalb mehr überzeugende und positive lesbische Heldinnen in Büchern, aber auch in Filmen und Fernsehserien.“

Dabei orientiert sie sich keineswegs an bisheriger queerer Literatur, dessen Fokus oftmals auf Selbstfindung und Emanzipation liegt und nicht auf Lust und Leidenschaft. „Die lesbische Literatur ist voller Sonnenuntergänge und Stege, die hinaus aufs Wasser führen. Gute erotische Lesbenromane gab es im deutschsprachigen Raum hingegen schon lange nicht mehr“, sagt sie. „Ich habe das Buch nicht nur für Frauen geschrieben, und schon gar nicht nur für lesbische Frauen.

Leseprobe 1:

Offenbar brauchte ich eine Frau. Zwischen meinen Beinen wurde es warm und wärmer. Die Hand, die wie ein Brett daliegen sollte, hatte sich selbsttätig erhoben und fand ihren Weg von alleine. Schon war sie ihrem Ziel näher, schon war sie nah, schon berührte sie fast die empfindlichste Stelle. Aber da entwich mir ein ungeschicktes Geräusch.
»Marie?«, hörte ich Daphne aus der Dunkelheit.
Ich drückte meinen Kopf ins Kissen. Dann schluckte ich und antwortete. »Was ist denn?«
»Kannst du auch nicht schlafen?«
Ich rollte mich auf den Rücken, fühlte mich meiner Träume beraubt. »Mach dir doch einen Tee«, sagte ich zornig.
Daphne war einundzwanzig, zwei Jahre jünger als ich, und stammte aus New York. Sie studierte Biochemie, betrachtete sich aber gleichzeitig als Künstlerin und fotografierte am liebsten Asphalt, Mülltonnen und Baumrinden sowie hässliche kleine Hunde und nachdenkliche Kinder. Ihre Eltern hatten sie nach Europa geschickt, weil sie angesichts einiger Exzesse befürchteten, dass sie daheim auf die schiefe Bahn geraten und der Drogensucht anheim fallen würde. Daphne hielt diese Sorge für lächerlich, hatte aber nichts gegen ein Auslandsstudium einzuwenden gehabt.
»Ich möchte keinen Tee«, sagte sie. Weil sie offenbar davon ausging, dass mich alles an ihr interessierte, fügte sie noch hinzu: »Ich habe gerade so schlecht geträumt. Von malmenden, rollenden Steinen. Jetzt tun mir die Zähne weh.«
Ich verstand nicht gleich, dass sie offensichtlich Nähe suchte und seufzte nur enttäuscht, weil ich meine Selbstbefriedigung auf später verschieben musste. Ich musste an ihre Zähne denken. Sie waren irgendwie typisch für eine Tochter reicher amerikanischer Eltern. Kräftig durch gute Pflege und von einer teuren Zahnspange schön geordnet, füllten sie ihren kleinen, hübschen Mund. Er war rot und hatte eine feste, plumpe Unterlippe.
Es war immer noch stockfinster im Raum. In meiner Vorstellung entwickelte sich aus ihren roten Lippen ihr ganzer jugendlicher Körper. Sehnig, gebräunt, mit runden kleinen Schultern, sportlichen Schenkeln und einem fülligen Hintern. Die Brüste waren fein, dezent und gekrönt von prominenten, dunkelrosa Brustwarzen. Ich konnte mich erinnern, wie sie gleich nach der Dusche locker und geschwollen waren von der Hitze des Wassers, um sich nach dem Abtrocknen an der kühlen Luft zu feinen, zuckenden Sonnen zusammenzuziehen.
Meine Fantasien hatten zunächst vor allem der Schneekönigin gegolten. Nun bestärkte ich mich darin, dass mein Verlangen auch mit einem anderen weiblichen Körper befriedigt werden konnte, dass es sogar unbedingt mit welchem weiblichen Körper auch immer befriedigt werden musste.
»Was ist mit deinen Zähnen?«, fragte ich, als ob es mich kümmerte.
»Ich weiß nicht«, murmelte Daphne traurig, »sie fühlen sich ganz blutig an.«
»Jetzt aber ...«, sagte ich unbestimmt, aber entschlossen, schlüpfte unter meiner Decke hervor und machte den einen Schritt auf die andere Seite des winzigen Zimmers, wo sich Daphnes Bett befand. Sie lag mir zugewandt auf der Seite, ihre langen, roten Locken auf dem Kissen ausgebreitet. Ich strich ihr über die Stirn, nahm sie mit beiden Händen sanft an den Wangen und hob leicht ihren Kopf. »Zeig her. Mach deinen Mund auf.«
Folgsam öffnete Daphne ihren Mund. »Aah«, machte sie.
Ich sah überhaupt nichts, weil es stockdunkel war. Nur ihre weißen Zähne glänzten ein wenig in der Ahnung von Licht, das durch die Jalousien drang. Ihr Atem roch nach Schlaf und Zahnpasta. Ihre Wangen waren zart und flaumig.
»Ist doch alles in Ordnung«, sagte ich, und ohne ihre Wangen loszulassen, küsste ich sie am Haaransatz. Daphne berührte meinen Arm und räkelte sich ein wenig. Sie trug ihr weißes Rüschenunterhemd und bestimmt auch eine ihrer winzigen Unterhosen, die eigentlich genau gar nichts verdeckten. Ich war unter meinem Hemdchen nackt und fühlte diese Nacktheit umso mehr, je mehr meine Muschi die Steuerung des Körpers übernahm. »Ich bleibe noch ein bisschen bei dir«, flüsterte ich und kletterte unter ihre Decke.
Daphne holte scharf Luft. Ihre Hand umschlang fest meinen Unterarm. Mit der Fingerkuppe des Mittelfingers strich ich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, löste die verkrampfte Umklammerung ihrer Hand, führte sie zu meinem Mund und küsste ihr leise die Handfläche. Dabei stellte ich mir vor, die schneeweiße Hand der Königin zu liebkosen. »Möchtest du, dass ich noch ein wenig bleibe?«, fragte ich mit schwerer Zunge, weil ich jetzt doch ein wenig schüchtern geworden war und nicht einfach schweigen konnte. Daphne atmete schnell und antwortete nicht, also küsste ich sie auf den Mund.

Leseprobe 2:

»Ich folgte ihr weiter, bis sie in einer dunklen Gasse verschwand. Ich wurde panisch, rannte los und rief ›Hey!‹. In einem Haus rechts von mir brannte Licht, die Haustür und eben das Gartentor standen offen. Ich schloss das Gartentor hinter mir. Über die Sträucher waren Jutesäcke gespannt, sodass sie nicht wie Rosen aussahen, sondern wie Grabsteine, die auf einem aufgelassenen Friedhof aus der verschneiten Erde ragen.
Ich beeilte mich, das Haus zu betreten. Da war eine große Treppe, wie in einer Villa in Georgia oder irgendwo anders in den Südstaaten. Oben stand wieder eine Tür offen. Ich rannte die Treppe hinauf, spähte durch den Türspalt. Drinnen war es hell. Das Licht hinter mir in der Eingangshalle ging aus. Ich betrat die Wohnung, machte die Tür hinter mir zu. Zuerst wartete ich ab. Aber sie kam nicht zu mir, also musste ich sie suchen.
Ich ging durch die Wohnung. Dort waren viele alte Sachen, wie in einem Schloss. Vorsichtig öffnete ich jede Tür. Nichts. Die Zimmer waren dunkel. Manchmal fragte ich leise ›Hallo?‹, aber niemand antwortete. Als ich dann zur letzten Tür kam und sie öffnete, fassten mich zwei zarte Hände am Hals und zogen mich in ein Schlafzimmer. Ich sah das Gesicht der Frau und war sofort verliebt. Für sie würde ich alles machen.
Für dich mache ich auch alles, Marie, aber diese Frau war einfach zu schön. Wie aus einem Film. Sie sah mich an, lächelte nicht. Ich muss ängstlich ausgesehen haben. Meine Augen waren weit aufgerissen, ich fühlte mich blass. Ihre Hände schlossen sich fester um meinen Hals, dann noch fester, bis ich keine Luft mehr bekam. Sie würgte mich und komischerweise verging mir dabei die Angst. Ich griff mir selbst zwischen die Beine und rieb mich wie wahnsinnig. Sie warf mich aufs Bett und zog sich langsam aus. Ich sah sie an. Sie hatte eine Figur, wie es im ganzen Universum keine schönere gibt. Ihre Hüften glänzten, als sie sich niederbeugte, um aus den Strümpfen zu schlüpfen. Ich war schon nackt, bevor sie überhaupt den Rock unten hatte. Und ich machte es mir selbst, so gut ich konnte. Ich kam zum ersten Mal, als sie ihren BH öffnete und ihre schimmernden Brüste sich absenkten wie Äste auf einem großen Apfelbaum, wenn ein Windstoß kommt.
Sie schien aus vollkommen glatt poliertem Marmor zu bestehen. Sie legte sich neben mich, küsste mich. Dann schob sie mich an ihrem Körper entlang, tiefer und tiefer. Ich ließ meine Wangen und meine Lippen über ihre Haut gleiten, ich fühlte ihren Atem und Herzschlag, die feinen Bewegungen ihrer Muskeln. Ich schwang mich zwischen ihre Beine, die Haut wurde weicher, ich erreichte die elegant gestutzten Schamhaare und legte meine Lippen auf ihre Muschi. Ich hielt mich zurück und ging es langsam an, achtete auf alles, was ich von dir und von Tereza gelernt hatte. Ich machte meine Zunge breit und leckte in Zeitlupentempo über ihre Klitoris. Ihre Schamlippen waren so rosa, viel heller als bei allen anderen Frauen, die ich bis jetzt hatte. Sie zuckte mit ihrem Becken, ich rieb meine Schläfen an ihren Oberschenkeln. Sie seufzte leise.
Später in der Nacht holte sie einen Dildo unter dem Bett hervor und schnallte ihn sich um. Er war schwarz und ziemlich gewaltig. Jetzt erst öffnete sie ihre hochgesteckten Haare, und sie fielen auf ihre Schultern wie eine Lawine aus Weißgold und Duft. Weißgold bei Sonnenuntergang im Winter, das ist ihre Haarfarbe. Sie besorgte es mir mit dem Dildo, als wäre sie ein wütendes Tier. Sie achtete kaum darauf, dass der Dildo länger war als ich tief. Aber sie machte es wirklich gut. Sie trieb es immer wilder und wilder, machte es schneller und fester, bis es mir wehtat. Dann wurde sie wieder vorsichtiger und konzentrierte sich mehr auf meine Klitoris. Ich weiß nicht mehr, wie lang sie mich von vorne und von hinten behandelte, jedenfalls war ich zum Schluss vollkommen erledigt.
Nach einer kurzen Ruhepause war ich an der Reihe. Sie schloss die Schnallen für mich, legte sich hin, hob ihre festen Beine an. Ich beugte mich über sie und saugte mit meinen Augen ihre Schönheit in mich auf. Das gab mir so viel Energie, dass ich wochenlang hätte weitermachen können. Ich führte ihr das Spielzeug ein und machte zuerst etwas ungeschickt, dann immer flüssiger weiche Stoßbewegungen.
Was für ein Gefühl! In eine schöne Frau so hineinzufahren, bis sie die Augen zusammendrückt und vor Lust beinah entsetzte Schreie ausstößt. Ich stützte mich mit beiden Händen an ihren Schultern ab, um gute Sicht auf sie zu haben. Sie hielt ihre Hände über dem Kopf, ihre Oberarme gehörten mir, ihr Bauch gehörte mir, ihre Brüste. Da fühlte ich, dass ich mit ihr eins werden musste, ich ließ mich auf sie fallen, küsste ihr Gesicht überall, vergrub mich dann an ihrem Hals, atmete den Duft ihres Haars ein. Sie drückte mich an sich, ich fuhr mit meinen Armen unter ihren Oberkörper, wir umarmten uns so fest wir konnten, unsere Bewegungen wurden eins. Endlich fühlte ich, wie sich ihre Muskeln verkrampften, erbebten, und sich wieder entspannten. Es war einfach super. Wir redeten kein Wort miteinander, ich schlief ein paar Stunden, zu Mittag schrieb ich ihr meine Telefonnummer auf und fuhr nach Hause.«

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