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Die gähnende Langeweile als Mutter

Andere erzählen vom Bali-Urlaub, Mamabloggerin Susanne vom Vormittag in der Sandkiste. Ist die Mutterschaft eine Phase gähnender Langeweile?, fragt sie.

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Die gähnende Langeweile als Mutter
© Instagram/Momblog

Zurzeit passiert es selten genug, dass ich mich mit erwachsenen Menschen an Orten treffe, die nicht der Spielplatz, der Zoo oder die Kinderecke von IKEA sind. Deswegen passiert es zurzeit auch noch viel seltener, dass ich mich mit Menschen treffe, die keine Kinder haben. Wenn es also dann doch mal geschieht, dass ich abends meinen Hintern von der Legostein-gespickten Couch hochbekomme, um mich mit Freunden aus meinem „alten Leben“ zu treffen, ist das immer ein kleines Highlight.

In letzter Zeit ist es aber immer öfter so, dass ich von solchen Highlights nicht über beide Ohren strahlend, sondern leicht grummelig nach Hause komme – und das aus einem ziemlich dämlichen Grund. Während die anderen von ihren Urlauben in Bali, ihren durchtanzten Nächten, den Grillfeiern, Konzerten und spontanen Städte-Trips erzählen, von all diesen Dingen, die ich in meinem alten Leben auch gemacht habe, komme ich mir daneben irgendwie langweilig vor. Soll ich jetzt etwa erzählen, dass mein Wochen-Highlight war, dass Noah heute ins Töpfchen gepinkelt hat? Oder dass es jetzt beim Hofer wieder günstige Kinderschuhe gibt?

Im Vergleich erscheint mir an solchen Abenden mein Leben einfach öd.

Leben als Mutter: Manchmal ist es einfach stinklangweilig

Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass meine kinderlosen Freunde mein Leben gar nicht wirklich öd finden, steigere ich mich innerlich trotzdem in höchste Empörung – mein Leben ist doch nicht langweilig, so eine Frechheit, was denken die überhaupt?! Nur weil ich jetzt Mama bin, kann ich doch wohl bitte noch immer ein voll geiles, spannendes, Instagram-würdiges Leben haben?! Die Antwort lautet natürlich ja.

Und ich lese beim Friseur auch wirklich besonders gern jene Klatschmagazin-Stories über Mütter, die mit ihren Babys auf Weltreise gehen oder zumindest drei Tage nach der Geburt mit ihnen im beschwingten Tragetüchlein auf den Mount Everest spazieren, aber jetzt sag ich’s mal ganz ehrlich: Ja, das Leben mit Kind IST an manchen Tagen auch einfach öde! Stinklangweilig sogar!

Oooh, ich sehe schon die kommentarwütigen Supermamis ihre Fingernägel wetzen – ich habe meine Kinder doch gar nicht verdient! Andere können überhaupt keine Babys haben und dann habe ich sogar zwei davon und wage es auch noch, mich darüber zu beschweren, dass mir langweilig ist! Meine Lieben, lasst den Zeigefinger bitte stecken – oder habt ihr euch wirklich, wirklich noch niiiie in eurem Leben über einen faden Tag in eurem Job beschwert? Den habt ihr euch nämlich auch selbst ausgesucht und das Glück hat auch nicht jeder – und trotzdem darf man am Abend auch mal bei einem Glas Wein so richtig drüber herziehen, oder?

Jedenfalls hat mich das Konzept „Langeweile“ im Zusammenhang mit Kindern echt überrascht. Als ich noch kinderlos war, dachte ich mir, dass mir auf jeden Fall eines nie mehr sein würde, wenn ich ein Baby hätte – fad. Und natürlich stimmt das auch irgendwie, denn an einem Tag mit meinen Jungs berührt mein Hintern wohl keine 10 Minuten am Stück einen Sessel und ich sitze sicher nicht Däumchen drehend in der Ecke und überlege mir, ob ich jetzt lieber „Shopping Queen“ anschalten oder ein Buch lesen soll.

Die Langeweile kommt eher durch die unglaubliche Vorhersehbarkeit gewisser Abläufe. Ich rede jetzt nicht von einem Tag, an dem wir in den Zoo fahren oder zum Spielplatz radeln (obwohl ich mir bei Gott auch etwas Spannenderes vorstellen kann, als zwei Stunden am Stück Sandkuchen zu backen), ich spreche von einem ganzen, langen, manchmal nicht enden wollendem Schlechtwettertag allein mit den beiden zu Hause.

Und ganz ehrlich – so ein Tag fühlt sich manchmal verdammt an, als wäre ich für alle Ewigkeit in „Täglich grüßt das Murmeltier“ gefangen. Manche Dialoge könnte ich wie in einem Lieblingsfilm auswendig vorhersagen und gewisse Details gleichen sich tagtäglich bis hin zum Silberfischchen ins Noahs Spielküche (Ich spüle es JEDEN Tag den Abfluss runter, wie schafft es dieser Zombie-Silberfisch da immer wieder raus??).

...früh aufstehen, Frühstück machen: Manche Tage ziehen sich wie Strudelteig

Viel zu früh aufstehen, neinichwillnichtZähneputzen, warumdauertdasFrühstücksolang, warumkannichkeineGummibärlihabenichwillaberjetztGummibärli haben….. Obwohl ich mittlerweile zur Spitzen-Animateurin geworden bin, ziehen sich solche Tage wie ein Strudelteig. Nachdem Noah jeden Programmpunkt unweigerlich nur 2 Sekunden interessant findet, weiß ich schon beim mühsamen Gefitzel mit dem Kartoffeldruck-Stempel (ich HASSE basteln!!!), dass ich genau sobald ich damit fertig bin, Malschürze, Pinsel, Wasserfarben, Zeitungspapier, Wasserglas, Block und Kartoffelschalen wieder wegräumen kann, weil der Herr dann lieber Verstecken spielen möchte.

Auch dieses Spiel ist jeden Tag wieder an Spannung nicht zu überbieten. Falls ihr noch nie mit einem 3-Jährigen Verstecken gespielt haben solltet: Er wird euch immer im Vorhinein sagen, wo er sich versteckt. So liegt er dann vor Freude quietschend mitten auf der Couch und schreit „Mama, I versteck mir jetzt auf die Couch!“, während ich mir größte Mühe gebe, ihn dort nicht zu finden. Auch dieses Spiel dauert selbstverständlich nur 5 Minuten und so ist es oft genug nach einer Runde Kartoffeldruck, Jausnen, Playmobil, Puzzeln, Jausnen, Autospielen, Verstecken, Malen, Jausnen und nochmal Jausnen erst 10.00 Uhr und ich überprüfe zum fünften Mal, ob bei meiner Armbanduhr schon wieder die Batterie leer ist.

Ich weiß, wenn man die 500 Mal Windeln wechseln dazuzählt, das schreiendes Kind trösten, Spielzeug wieder aufbauen, Anziehen, Ausziehen, Herumtragen, Sreithähne schlichten, verschüttetes Getränk aufwischen, komplett Umziehen, weil Nico jedes Mal genau dann in hohem Bogen auf mein frisches T-Shirt pinkelt, wenn ich seine Windel aufmache – dann kommt dabei alles andere als ein langweiliger Tag heraus. Im Gegenteil, oft bin ich nach solchen Tagen körperlich geschaffter als an anderen, aber trotzdem sind es gerade diese Tage, an denen ich mich oft dabei ertappe, wie ich mir einen ganz normalen 8h-Arbeitstag wünsche und davon fantasiere, mich (allein!) auf einem Sessel sitzend und mit einer Tasse Kaffee (die ich auch austrinken kann) mit einem erwachsenen, vernünftigen und realistischem Problem zu beschäftigen, das weder Gummibärli noch ständig runterfallende Playmobilhelm-Visiere beinhaltet.

Stattdessen sitzt man den Tag irgendwie ab, verkleidet sich als Pirat, baut ein Lego-Hotel nach dem anderen, liest 300 Mal „Leo Lausemaus“ und schielt dabei auf die Uhr, bis endlich „Tom und Jerry“ im Fernsehen läuft oder der Mann von der Arbeit heimkommt – der wahrscheinlich den ganzen Tag davon fantasiert hat, sich mit weniger erwachsenen, vernünftigen und realistischen Problemen zu beschäftigen.

Wie dem auch sei: Ich ziehe meinen Hut vor allen Mamas, die solche langen Tage zu Hause mit den Kleinen von A-Z nur genießen und denen beim Wasserfarbenmalen das Herz aufgeht. Ich für meinen Teil habe erkannt, dass wir spätestens zu Mittag raus aus dem Haus müssen. Und Gott sei Dank gibt’s da ja immer noch IKEA.

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog „Hand aufs Herz“ darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt’s auf Facebook/HandaufsHerz.

Themen: Eltern, Familie

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