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Liebeskummer: das Herzleid, das unerträglich scheint

Es tut so weh - es fühlt sich an, als wären wir am Ende unseres Lebens. Unglücklich Verliebte machen einen Entzug, Süchtigen vergleichbar, durch. Schuld sind verrückt spielende Hormone. Doch mit gezielten Strategien lässt sich der Seelenschmerz mindern. Wir sagen, wie.

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Liebeskummer: das Herzleid, das unerträglich scheint
© (c) Stockbyte

Schön wär's, wenn es eine Impfung gäbe. Irgendwelche Antikörper, die sofort wirken, wenn sich Liebeskummer ins System schleicht. Aber leider: keine Medizin in Sicht. Und keiner von uns, der auf Dauer vom großen Seelenschmerz verschont bleibt. Einem Schmerz, der so groß sein kann, dass man im normalen Alltag nicht mehr richtig funktioniert, ja manche Menschen sogar so weit bringt, dass sie nicht mehr leben wollen.

Die "Krankheit" bricht aus, wenn man unter dem Entzug eines Liebespartners leidet. Ob es der Traummann aus dem letzten Urlaub ist, der sich nicht mehr meldet, der langjährige Partner, der sich trennen will, oder (eher selten) der Bürokollege, in den man unsterblich, aber einseitig verliebt ist - man leidet "wie ein Hund". Das Herz tut richtig weh, man kann nicht mehr essen, nicht mehr schlafen, hat ständig ein "Schularbeitsgefühl" im Magen, und nichts freut einen mehr. Dass man sich mit dem Verstand hundertmal zu sagen versucht, dass es vielleicht ohnehin keine Zukunft hatte, so besser ist, nützt so gut wie gar nichts. "Der Kopf mag alles klar und logisch verstehen", so Lebenscoach Michael Adam ( www.sonnenscheinseminare.at ), "aber unsere emotionale Wirklichkeit ist eben viel stärker als unsere mentale."

Das Unterbewusstsein quält sich mit Minderwertigkeitsgefühlen – ich bin nichts wert, weil er mich verlassen hat -, die noch stärker werden, wenn eine andere Frau im Spiel ist. "Man fragt sich: Was hat die, was ich nicht habe", so Adam, "warum ist sie besser? Außerdem geht es bei einer Trennung üblicherweise dem Partner ja auch schlecht. Wenn es allerdings schon eine andere gibt, dann rangiert er auf der besseren Seite. Das ist ziemlich demütigend." Sofort werden Urängste getriggert: Angst vor dem Alleinsein, vor dem Verlassenwerden, vor dem Nichtgenügen. Die so geborene Eifersucht macht zusätzlich rasend. Dass Menschen mit gesundem Urvertrauen überzeugt sind, "dass alles, was bei uns bleiben soll, bei uns bleibt, und wenn etwas weggeht, etwas Besseres nachkommt", klingt ja erstrebenswert und plausibel. Aber wo gibt's diese Übertypen?!

"Die erste Zeit nach einer Trennung ist einfach schrecklich schmerzhaft", redet Psychotherapeutin Eva Tesar ( www.eva-tesar.at ) Klartext, "Gefühle wie Hilflosigkeit, Angst und Hass wechseln sich ab." Und auch die Medizin hat längst erkannt, dass ein gebrochenes Herz nicht die Erfindung von Schnulzensängern ist. Das "Broken-Heart-Syndrom" ist klinisch beschrieben, äußert sich u. a. durch herzinfarktähnliche Symptome wie Herzschmerzen und Brustenge und muss nötigenfalls behandelt werden. Stresshormone wie Adrenalin sollen für die Beeinträchtigung des Herzmuskels verantwortlich sein. Dass verrückt spielende Hormone generell Liebeskummer bedingen, ist eine Tatsache. Der seines Liebespartners Beraubte macht einen Entzug, einem Drogensüchtigen vergleichbar, durch. Der Spiegel an Glückshormonen sinkt, denn die gewohnte "Injektion Partner" fehlt. Adrenalin und Cortisol bringen den Körper zusätzlich unter chronischen Stress, was Appetit- und Schlaflosigkeit zur Folge hat. Um das Liebesleid besser überwinden zu können, ist es gut, die einzelnen Phasen zu kennen, die man auf dem Weg zur Heilung durchlaufen muss:

Bedrohung.
Der erste Schock, man ahnt/spürt etwas. Aber man will es nicht wirklich wahrhaben. Vielleicht ist man jetzt besonders nett zum Partner, überspielt alles vor Freunden.

Verzweiflung.
Die Trennung nimmt Form an. Lähmung, Ratlosigkeit und Verzweiflung machen sich breit. Tränenausbrüche sind an der Tagesordnung. Was bis jetzt fix war, die tägliche Routine, die Sicherheit, scheint sich in Luft aufzulösen. Man glaubt, ohne den Partner nicht leben zu können.

Verhandeln.
Viele verhandeln noch um Alternativlösungen - "wir können ja von nun an alles anders machen" - und versuchen die endgültige Trennung zumindest aufzuschieben. Doch es gilt seit der Steinzeit: Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende.

Trauerprozess.
Alle Versuche, die Beziehung zu retten, waren erfolglos. Die Gedanken kreisen nun ständig um den Partner und das, was alles nicht mehr sein wird. Selbstzweifel und Selbstvorwürfe plagen einen, man fühlt sich sehr allein. "Manche Menschen sind in der Phase sogar arbeitsunfähig", gibt Eva Tesar zu bedenken. Und es ist einem häufig alles egal, was nichts mit der Beziehung zu tun hat wie Haushalt, Erlagscheine, die Kartenrunde, die Pflege der eigenen Person. Rückzugsorte wie die Wohnung, das Bett oder die Badewanne sind sehr beliebt. Vielen Menschen machen depressive Verstimmungen bis hin zu schweren Depressionen zu schaffen. Wenn eine "g'sunde Wut" Oberhand gewinnt, kündigt sich bereits das Ende dieser schlimmsten Phase an. Rachegedanken oder gar Rachehandlungen können damit einhergehen, doch: Telefonterror und den Partner beim Finanzamt anzuzeigen bringen ihn auch nicht zurück. Man rechnet nun auf, was man alles für ihn getan hat und wie unfair er sich verhalten hat.

"Die Versuche, sich in dieser Phase abzulenken, sind unterschiedlich", weiß Expertin Tesar, "manche werfen sich in schnelle Sexabenteuer, andere beginnen zu schlemmen, sich in die Arbeit zu stürzen oder sich mit Alkohol oder Tabletten zu betäuben." Was wohl die schlechteste Lösung ist, da der Schmerz nach Nachlassen der Wirkung nur umso größer ist. "Wobei", so die Psychotherapeutin, "die Einnahme von Medikamenten nach Absprache mit einem Arzt kurzfristig hilfreich sein kann." Schließlich können die durchs Liebesleid bedingten Symptome bis zu Panikattacken, Herzrasen, Atemnot und Beeinträchtigung des Immunsystems gehen. Sinnvoll wäre es, die aufgewühlten Gefühle mit Sport abzureagieren, sich mit Reisen und einer Veränderung der Wohnsituation abzulenken. Sich ständig auszumalen, was der Ex gerade macht und warum er mit seiner Neuen gar nicht glücklich werden kann, ist hingegen kontraproduktiv. Am besten ist, mit sich selbst ganz bestimmte Zeiten am Tag auszumachen, wo ER wieder anklopfen darf. Die übrige Zeit werden die Gedanken an ihn mit Stopp belegt.

Akzeptanz.
Das Gefühl hat verstanden, dass der Liebespartner endgültig verloren ist und man sich sein Leben wieder neu gestalten kann, darf und muss. Erste freudvolle Gefühle auf eine neue Zukunft kommen auf, Rückfälle in Verzweiflung und Wut werden immer seltener. Man kann wieder in der Einzahl denken, ohne dass es weh tut.

Abhängigkeit.
Wie lange es dauert, bis man alle Phasen durchlitten hat, ist individuell verschieden. Über den Daumen gepeilt spricht man (Urlaubs- und Kurzlieben ausgenommen) vom berühmten Trauerjahr. Auch die Heftigkeit des Liebeskummers hängt von Faktoren wie Alter, Erfahrung, der Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen, vom sozialen Netz und nicht zuletzt vom Selbstvertrauen ab. Je mehr man sich vom Partner – emotional bis finanziell – abhängig gemacht hat, desto härter wird die Trennung, desto größer der Liebeskummer. Für Lebenscoach Adam hat da auch der "Emotionalkörper", bei den Menschen unterschiedlich groß, ein Wörtchen mitzureden. "Emotionale Zombies leiden nur wenig, können sich aber auch nie wirklich freuen. Menschen, die mit offenem Herzen durchs Leben gehen, fühlen auch Liebesleid stärker." So gesehen ist die einzige Möglichkeit, Liebeskummer zu vermeiden, sich nie zu verlieben. Aber welch - trotz allem - unangemessen hoher Preis wäre das!

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