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Marie Curie: Begründerin der Radiochemie und zweifache Nobelpreisträgerin

In einer Zeit, in der Frauen an Universitäten und in der Forschung eine Seltenheit waren, oft noch nicht einmal an Universitäten zugelassen wurden, erkämpfte sich Marie einen Platz an der Hochschule in Paris, forschte dort und wurde die erste Professorin, die an der Sorbonne lehrte. Letztendlich wurden ihr zwei Physik-Nobelpreise für die Entdeckung der Radioaktivität und der Elemente Radium und Polonium überreicht.

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Marie Curie: Begründerin der Radiochemie und Nobelpreisträgerin
© Getty Images

Zwei Nobelpreise ... das verbinden viele von uns mit Maria Salomea - kurz Marie genannt - Curie. Eine Gelehrte, die den Begriff Radioaktivität prägte und bis heute die einzige Frau unter fünf Personen ist, denen mehrfach ein Nobelpreis verliehen wurde.

Steckbrief: Marie Curie

  • Name: Maria Salomea "Marie" Curie geb. Skłodowska
  • Geburtstag: 7. November 1867
  • Geburtsort: Warschau
  • Todesdatum: 4. Juli 1934
  • Sternzeichen: Skorpion
  • Beruf: Physikerin und Chemikerin
  • Ehepartner: Pierre Curie † (1859-1906)
  • Kinder: Irène, Ève
  • Größe: 152 cm

Marie Curies steiniger Weg zur Hochschule

Marie Curie wuchs in Polen - das damals zu Russland gehörte - auf. Eine sehr intelligente junge Frau, gefördert von ihrem Vater. Öffentlich war es weit schwieriger, höhere Bildung zu erreichen. Denn es war Frauen in Polen zu Maries Zeit nicht erlaubt, eine Universität zu besuchen. So begann Marie zunächst in der Wohnung ihres Vaters als Privatlehrerin zu arbeiten.

Dabei spezialisierte sie sich auf die Fächer Physik sowie Mathematik und konnte neben dem Unterrichten Bücher zu den Themen zu lesen, um sich so weiterzubilden. Daneben führte sie mit Hilfe ihres Vaters auch Experimente durch. Für Marie war Wissenschaft die schönste Aufgabe der Welt, auch wenn sie langwierig und anstrengend sein kann. So wurde auch ihr Wunsch, ein naturwissenschaftliches Studium in Paris zu beginnen, immer größer. Dort durften Frauen zu dieser Zeit bereits studieren.

Fleiß wird belohnt: Ihr Studium an der Universität Sorbonne in Paris

1891 war es so weit - Marie inskribierte sich an der Universtität Sorbonne für ein Physikstudium. Dabei war sie unter 1800 Studierende eine von nur 23 Frauen. Auch wenn sie zunächst Probleme mit der Sprache hatte, kämpfte sich Marie durch und schnitt immer als Beste ab.

Ihr Erfolg führte dazu, dass sie ein Stipendium für ihre Studien erhielt. Darüber hinaus wurde sie von der Gesellschaft zur Förderung der Nationalindustrie gebeten, eine Studie anzufertigen - dabei sollte sie die magnetischen Fähigkeiten einiger Stahlsorten untersuchen. Im Rahmen dieser Studien begegnete Maria Skłodowska auch Pierre Curie. Der Physiker war begeistert von der Leidenschaft und Intelligenz Maries. Die beiden verliebten sich und heirateten.

Zwei Jahre später, 1897, brachte Marie nicht nur ihre erste Tochter Irène zur Welt, sondern veröffentlichte auch ihre erste wissenschaftliche Arbeit über die Magnetisierung von Stahl - die Forschungsergebnisse ihrer Studie.

Wie die Physikerin den Begriff Radioaktivität prägte

Als Marie Curie auf der Suche nach einem Thema für ihre Doktorarbeit war, fiel ihr ein Aufsatz des französischen Forschers Henri Becquerel in die Hände. Dieser hatte das Schwermetall Uran untersucht und dabei bemerkt, dass dieses Strahlen aussendet. Doch Becquerel beantwortete eine für Marie wichtige Frage nicht: Woher stammen die Strahlen und wie entstehen sie?

So beginnt sie die Vorbereitungen für ihre Doktorarbeit und untersucht zusammen mit ihrem Mann Metalle, Salze und Mineralien. Dabei stellte sie eine Art Aktivität fest. Sie war überzeugt, dass sich die Strahlung von Uran auch bei anderen Elementen nachweisen lässt. Bei ihren Experimenten isolierte sie zwei bisher unbekannte Elemente: Radium und Polonium – das sie nach ihrer Heimat Polen benennt – deren Strahlung sie später "radioaktiv" nennt.

Im Beruf erfolgreich, privat Tragödien ausgesetzt

Marie und Pierre Curie waren sich sicher, dass die Strahlen halfen, Krankheiten zu heilen. Wie wir heute wissen, sind sie jedoch auch höchst gefährlich. Doch Marie und Pierre setzten sich in ihren Studien dieser Strahlung immer wieder aus. Ihre Forschungen brachten der Wissenschaftlerin Erfolg und eine große Auszeichnung. Sie erhielt 1903 gemeinsam mit ihrem Mann den Nobelpreis für Physik.

Das Positive an der größten Auszeichnung für ihr Fach ist, dass Marie und ihr Mann Geld für ihre Forschungen erhalten. Andererseits wurden sie nach der Verleihung auch auf Schritt und Tritt von der Presse verfolgt, die ihre Rolle bei der Erforschung der Radioaktivität öffentlich unterschätzte.

»Mein Leben ist so zerstört, dass es sich nie mehr einrichten wird.«

1904 brachte Marie ihre zweite Tochter Eve zur Welt. Nur zwei Jahre später - im Jahr 1906 - stirbt ihr geliebter Mann bei einem Verkehrsunfall. Eine Tragödie für Marie. Das Angebot, den Lehrstuhl ihres Mannes an der Sorbonne-Universität zu übernehmen, gab ihr wieder Kraft. So war Marie Curie die erste Frau, die an der Sorbonne aktiv lehren durfte und eine ordentliche Professur für Physik erhielt.

Marie Curie schreibt Geschichte und erhält einen zweiten Nobelpreis

Ein weiterer Erfolg folgte 1911: Da wurde Marie als erste Person der Geschichte ein zweites Mal der Nobelpreis verliehen – ein Nobelpreis der Chemie. Obwohl sie damals bereits schwer krank war - eine Folge der Radioaktivität, der sie jahrelang ausgesetzt war - forschte sie unbeirrt weiter. Dies sollte in der Zeit des ersten Weltkriegs zu einer bis heute wichtigen medizinischen Errungenschaften führen: mobile Röntgeneinrichtungen.

Zusammenarbeit mit Tochter Irène

So widmete sich Marie Curie im ersten Weltkrieg der Behandlung von verwundeten Soldaten. Dabei entwickelte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Irène einen Röntgenwagen, der es ermöglichte, radiologische Untersuchungen in unmittelbarer Nähe der Front vorzunehmen. Dabei steuerte Curie selbst einen dieser Röntgenwagen. Darüber hinaus beteiligte sie sich an der Qualifizierung der notwendigen Techniker und Krankenschwestern.

Dabei wurden auch Frauen zu Röntgentechnikerinnen ausgebildet. Bis Kriegsende schlossen etwa 150 Frauen diese Kurse erfolgreich ab. Während dieser Zeit entstanden circa 200 neue oder verbesserte radiologische Zentren unter Mitwirkung Maries.

Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen von Wissenschaftler:innen

Nach dem ersten Weltkrieg engagierte sich Marie Curie weiter energisch. So setzte sie sich in der Internationalen Kommission für Geistige Zusammenarbeit des Völkerbundes für bessere Arbeitsbedingungen von Wissenschaftler:innen ein. Ebenso war ihr die Förderung von weiblichen und ausländischen Student:innen an dem von ihr geleiteten Pariser Radium-Institut wichtig.

Darüber hinaus reiste sie nach Amerika und verbreitete ihr Wissen in Form von Vorlesungen. Dabei wurden ihr für ihren unermüdlichen Einsatz und ihre Forschungen weiterhin wichtige Auszeichnungen verliehen.

Doch Ende der 1920er-Jahre forderte das langjährige radioaktiver Strahlung ausgesetzt sein ihr Tribut. Maries Augen und Ohren versagen und so musste sich die engagierte Wissenschaftlerin schweren Herzens aus der Forschung zurückziehen. 1934 verstirbt Marie Curie schließlich nach langer, schwerer Krankheit, die durch die Schädigung ihres Knochenmarks entstanden war.

Marie Curies Tochter Irène erhält den Nobelpreis

Aufgrund ihres unerwarteten Todes erlebte Marie Curie auch die Verleihung des Chemie-Nobelpreises an ihre Tochter Irène nicht mehr. Diese war in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten und erhielt die höchste Auszeichnung gemeinsam mit ihrem Ehemann "in Anerkennung ihrer Synthese neuer radioaktiver Elemente".

Ève Curie schreibt eine Biografie über ihre Mutter

Marie Curies jüngere Tochter Ève schrieb eine Biografie über ihre Mutter, die lange das Bild der zweifachen Nobelpreisgewinnerin in der Öffentlichkeit bestimmte. Dabei stellt Ève ihre Mutter sehr erhöht dar. Ganz so, als hätten ihr Niederlagen, der fast nicht mögliche Zugang zu universitärer Bildung oder auch, dass die Öffentlichkeit ihre Rolle bei den Forschungen zu Erhalt des ersten Nobelpreises oft klein schrieb und redete, nichts ausgemacht.

So, als wäre sie einfach mit ihrer Leidenschaft über jeden Widerstand hinweg gegangen. Tatsächlich war es natürlich nicht so einfach für Marie Curie: Lange wurde nicht darüber gesprochen, dass Marie in Warschau nicht studieren durfte oder die französische Akademie der Wissenschaft ihr die Aufnahme verweigerte. Ebenso spielte ihr Engagement im Völkerbund in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle. Doch all diese Aspekte prägten ihren Werdegang und das Bild, das wir heute von Marie Curie haben!