Ressort
Du befindest dich hier:

Verändern Pornos dein Sexleben? Aber nicht zum Guten?

Viele Menschen schauen ab und zu einen Porno - statistisch gesehen weitaus mehr Männer. Aber was, wenn es "zu viel" wird? Und sich dadurch auch der Sex mit der eigenen Partnerin oder dem Partner verändert?

von

Verändern Pornos dein Sexleben? Aber nicht zum Guten?
© scyther5/ iStockphoto.com

"Mein Freund schaut Pornos - beim Sex mit mir stumpft er ab. "

"Ich bin seit fünf Jahren mit meinem Freund zusammen. Wir haben regelmäßig Sex, bestimmt drei Mal die Woche. Trotzdem schaut er dauernd Pornos. Am Anfang heimlich, jetzt nimmt er dafür den Laptop mit ins Bett - während ich im Wohnzimmer sitze.

Früher hat mich das weniger gestört, obwohl ich es immer etwas seltsam fand, dass man Pornos braucht, wenn man in einer aktiven Beziehung ist. Aber jetzt wird es mir zu viel. Kann man süchtig nach Pornos werden?

Wie soll ich mit meinen Freund darüber sprechen? Wir haben schon einmal darüber geredet, da meinte er, er brauche mehr Sex als ich, und das wäre doch eine gute Methode. Seit einiger Zeit bemerke ich aber, dass er beim Sex abstumpft, nicht mehr so liebevoll ist und es mehr mechanisch ist. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil ich hier einen Zusammenhang sehe."

Der Rat des Experten:

Der Paar-Berater, Psychologe und Autor Dr. Michael Schmitz kennt sich aus mit Beziehungen und berät realistisch, aus männlicher Sicht sowie mit viel Herz.

Dr. Schmitz: Dass dein Freund beim Sex "abstumpft" und "mechanisch" ist, bildest du dir vermutlich nicht ein. Dauerndes Pornoschauen verändert das Empfinden und schließlich das Verhalten.

Pornos stimulieren, aber es geht dabei nicht um persönliche Begegnung und Beziehung. In den meisten Pornos benutzen Männer Frauen als Sexobjekt. Sie geilen sich auf. Ruckzuck. Frauen sind Männern untertan. Männer bestimmen, wo was wie passiert. Vorzugsweise rammeln sie wie die Irren oder lassen sich "einen blasen". Alles derb. Nicht freundlich zum eigenen Geschlecht.

Frauen gehen devot in Position. Sie sind da, damit es an ihnen geschieht. Sie verrichten, was Männer verlangen. Nach Pornoscript finden sie das toll. Der Ablauf ist kein Spiel. Es ist einfältige Systematik. Nahaufnahmen reduzieren Frauen weiter auf einzelne Körperteile: Vagina, Busen, Po oder, je nach Präferenz des Konsumenten, auf diverse Eigenheiten oder Fetische.

Männer, die andauernd Pornos schauen, programmieren ihr Reizempfinden nach diesem Script. Erst macht sie nur noch Porno an - oder Pornoinszenierung zu Hause. Nach einer Weile brauchen sie immer mehr, immer schneller wechselnde Stimulation, neue Szenen, neue Bilder.

Pornos können zur Sucht werden. Der Sex von "heavy usern" wird immer mechanischer. Sie stumpfen immer mehr ab. Pornos werden so zum Lust- und Beziehungskiller. Moralvorträge oder Beziehungsappelle nutzen nichts gegen Pornomissbrauch. Einen Ausstieg finden Süchtige nur, wenn sie kapieren, wie viel sie sich versauen, indem sie sich weiter in die Pornofluten stürzen.

Was kannst du tun? Überlegt gemeinsam, möglichst unbefangen, ob bei euch im Schlafzimmer etwas fehlt, wie Bedürfnisse besser zusammenpassen könnten, was ihr euch gegenseitig mehr an lustvoller Sexualität bieten könntet. Eine Pornoabstinenz zu vereinbaren, ist dabei hilfreich. Fürs Erste mal für ein paar Wochen - um das pornografisierte Reizprogramm runterzufahren und die Stimulationsabhängigkeit zu reduzieren.


Du hast ebenso eine dringende Frage zu deiner Partnerschaft? Keine Sorge: Dein Name wird hier nicht genannt. Bitte schick dein Anliegen per E-Mail an fragensiedoch <AT> woman.at .

Thema: Sex & Erotik