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WOMAN: Liebes-Check im Singlehotel

1,4 Millionen Singles gibt es in Österreich. Klar, dass sich da das „Aviva“, Europas erstes Singlehotel, steigender Besucherzahlen erfreut. Doch was tragen Dampfbad, Kommunikationswürfel und Flirtcoaching zur Suche nach der großen Liebe bei? Zwei WOMAN-Redakteurinnen machten ein Wochenende lang den Test.

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WOMAN: Liebes-Check im Singlehotel
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Freitag, später Nachmittag in der verschlafenen oberösterreichischen Gemeinde St. Stefan am Walde, unweit entfernt von der tschechischen Grenze. Im Minutentakt rollen Autos am Parkplatz vor dem Hotel Aviva an. Frauen – mit ihrer besten Freundin und einem Trolley im Schlepptau – checken in dem modernen Glaskubus ein, um übers Wochenende nach einer anstrengenden Arbeitswoche zu entspannen...

Das Ziel der meisten: Den potenziellen Traumpartner kennen zu lernen. Denn das gläserne Spa-Resort ist Österreichs erstes Singlehotel – und jeder, der hier einen Schritt über die Türschwelle macht, weiß das...

Reise ins Liebesglück?

Noch bevor wir es zur Rezeption schaffen, streift unser Blick die Bar in der Lobby: Eine Handvoll Männer, zwischen 20 und 50, sitzt im weißen Frotteebademantel am Tresen und nippt am „kühlen Blonden“. Wir fühlen uns wie bei der Einreise nach Amerika, werden mit Röntgenaugen gescreent. Vom Scheitel bis zur Sohle. Oder besser gesagt: Vom Busen bis zur Hüfte.

Amüsiert über den Testosteronschwall schieben wir unsere Koffer zum Empfang, wo wir erfahren, wann es Frühstück gibt, welche traumhaften Massagen angeboten werden, wo der Whirlpool ist und die Sauna. Und wann wir abends zum „Get together“ antreten sollten, bevor das Kommunikationsdinner startet. Die Rezeptionistin kann sich eine Bitte nicht verkneifen: „Meine Damen, es wäre wünschenswert, wenn Sie in schönen Kleidern erscheinen, um so zum Erfolg des Abends beizutragen...“

Dresscode für den Flirt-Erfolg.

Zum Glück haben wir nicht nur Bikini und Freizeitoutfits dabei. Erwartungsvoll nehmen wir den Lift in unser Doppelzimmer, das wir die nächsten drei Tage kollegial teilen. Rechts vom Doppelbett erstrecken sich die Berge, links trennt nur eine Glasfront das Zimmer von der Toilette und der Regenwalddusche. Man muss schon sehr verliebt sein, oder ein eingespieltes Team wie wir, um da vor lauter intimen Einblicken nicht den Lagerkoller zu kriegen. Wir beschließen es, sportlich zu nehmen.

Etwas Frischluft auf dem Balkon soll unsere Gedanken klären. Denkste! Die Idee hatten auch zwei Freundinnen aus Kärnten, die das Zimmer nebenan bewohnen und uns motiviert mit Prosecco zuprosten. Ein paar Stunden später beim Fünfgängemenü sind sie dann auch etwas lockerer drauf als wir. Zum Glück liegt der Kommunikationswürfel auf dem Tisch! „Was machst du beruflich?“ steht da zum Beispiel. Oder: „Was sind deine Hobbys?“ und „Küsst du gerne?“

Love-Talk zwischen Entenbrust und Schoko-Mousse.

Während uns Heusuppe, Carpaccio, Entenbrust, Saibling und Mousse au choccolate kredenzt werden, erfahren wir von den Kärntnerinnen, dass sie vier Stunden Anreise in Kauf genommen haben, „um endlich einen netten Mann kennenzulernen“. Denn die Herren in Klagenfurt seien entweder „Klammeraffen“ oder „Beziehungsphobiker“. Und die Ladys, süße 21, haben „die Schnauze voll von solchen und wollen endlich wieder g’scheit schmusen“. Die eine, die übrigens aussieht wie die blonde Agnetha von ABBA, schlägt gleich vor: „Wenn’s wollt’s, kommt’s mit in die Alm-Disco!“

Während wir uns besprechen, erhebt sich ein Feschak (optisch ist er eine Melange aus einem österreichischen Erbprinz und John Travolta in seinen besten Jahren) im Speisesaal und nimmt sein Dessert im Stehen ein. Er hat offenbar keine Zeit zu verlieren, lechzt nach Aufmerksamkeit. Wie ein Adler auf Beutefang kreisen seine Blicke durch den Saal; auch uns mustert er. Es kommt zum ersten Blickkontakt, doch wir sind sicher: In unseren Augen sucht er nur sein eigenes Spiegelbild. Der „Platzhirsch“, wie wir ihn fortan liebevoll nennen, auf Streifzug also...

Ein bisserl Schmusen...

Uff! Wir haben genug gesehen für heute, fühlen uns müde und entscheiden, auf unser inneres Bedürfnis zu hören: „Schnell hinauf ins Zimmer!“ Statt bei dröhnenden Diskobeats wollen wir lieber beim Frühstück mit den Hotelgästen plaudern, um zu erfahren, welche Hoffnungen sie hegen. Eine Dame mittleren Alters, geschieden und zweifache Mutter, bringt’s ohne Umschweife – und im Beisein von einem Dutzend Ohrenzeugen – auf den Punkt: „Bis zum Ende des Jahres will ich unter der Haube sein!“

In diesem Moment biegen unsere Kärntner Zimmernachbarinnen um die Ecke – und flüstern uns freudestrahlend zu: „Die letzte Nacht hat sich ausgezahlt. Verliebt sind wir nicht, aber das bisschen Schmusen in der Disko war super!“

Der Platzhirsch hat Sitzfleisch.

Der „Platzhirsch“ hingegen ist noch nicht da. Erst kurz bevor das freundliche Personal Kaffeehäferl und Teller abräumt, lässt er sich blicken. Dunkle Augenringe verraten, dass es gestern noch spät wurde. Aber der Mann hat Energie, und kurz später im Ruheraum verwickelt er uns quasi beim Vorbeigehen in ein erstes Kennenlerngespräch. Die Liege neben uns ist noch frei – für ihn. Ende 30 ist er (fühlt sich aber wie 17), Münchner, Waage im Sternzeichen und bereits zum vierten Mal hier.

Sein Freund mit dem „Giftschippel“ turtelt unterdessen mit einer attraktiven Blondine im Garten auf der Hollywoodschaukel. „Die haben sich vergangene Nacht in der Disko kennengelernt. Seither bin ich ihm wurscht!“

30 Minuten später zieht sich das Paar aufs Zimmer zurück – und der „Platzhirsch“ bleibt bei uns picken. Liebevoll serviert er uns Mehlspeisen und Fruchtsäfte vom Buffet und lädt uns ein, unsere Unterhaltung in die Sauna zu verlagern, weil es ihm „im Ruheraum zu kalt“ sei. Lustiger Versuch, aber damit macht er bei uns keinen Meter.

„Darth Vader“ in der Unterhose.

In seinem Ego erschüttert, fängt der Weißwurst-König an, mit seinen „Vorzügen“ zu prahlen. Der Inhalt seiner Hose mache ihn zu „Darth Vader“ unter den Männern. Wir kriegen uns vor Lachen nicht ein. Was ihn noch mehr anspornt, sich in Szene zu setzen. Als eine von uns zur Gesichts- und Dekollete-Behandlung aufbricht, möchte er mitgehen. Nur mit Müh’ und Not lässt er sich bremsen. Und macht sich – weil wir ihm gleich Saures geben – vor den schüchternen Herren ringsum, die das Geschehen beobachten, zum „Held des Tages“. Oder zur Lachnummer. Je nachdem.

Sein Freund, „Mr. Giftschippel“ lenkt im Hormonrausch geschickt vom Thema ab und verkündet lautstark vor seiner Flirtpartnerin: „Wir überlegen noch eine Nacht zu bleiben...“ Noch einmal geht’s rauf ins Zimmer. Doch beim Abendessen steht er dann doch mit seinem Köfferchen da und winkt zum „Adieu“.

Flirt-Training mit Profis.

Damit uns so etwas nicht widerfährt, unterziehen wir uns am nächsten Tag einem ausführlichen Flirttraining. Lovecoach Nicole Aigner zieht mit Single-Model Karli alle Register: Der Jude-Law-Verschnitt mit den Augen, so blau wie ein Bergsee, ist extra beauftragt, unsere Herzen noch schnell höher schlagen zu lassen, bevor wir abreisen.

Nach 60 Minuten wissen wir, wie man(n) sich galant anpirscht. Dass frau beim Werben besser passiv bleibt. Und man sich trotz aller Euphorie immer vergewissern sollte, ob auch das Herz tatsächlich frei ist – denn nur so kann der Richtige kommen. Bis dahin amüsieren wir uns einfach mit den „Falschen“. Und was unser Wochenende im Singlehotel angeht: Eviva Aviva!

Mehr Infos zum Singlehotel "Aviva" : Hier klicken!

Love-Coach Nicole Aigner : Hier klicken!

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