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Cortisoltest im Alltag: Wie gestresst bin ich wirklich?

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Aktualisiert
Lesezeit
5 min
©Getty Images

Mit einem Cortisoltest habe ich einen Tag lang verfolgt, was mein Körper wirklich treibt, während ich so tue, als wäre alles easy. Spoiler: In mir herrscht offenbar mehr Alarm als von außen sicht

Alle rund um mich sind überzeugt: Stress sieht man mir nicht an. „Du wirkst immer so entspannt!“, sagen Kolleg:innen. Anscheinend habe ich ein Talent dafür, fordernde Situationen leicht aussehen zu lassen. Ich bin eine von denen, die Anspannung eher archivieren als ausdrücken. Außen bleibt alles möglichst höflich, innen stapeln sich To-dos und Erwartungen wie schlecht sortierte Ordner. Weil ich wissen wollte, was mein Körper von meiner inneren Dauersprint-Haltung hält, habe ich mir vor ein paar Wochen den Cortisoltest von MavieMe bestellt. Ein Selbsttest, der zeigt, wie gestresst man biochemisch tatsächlich ist. Und der funktioniert verblüffend einfach: über den Tag verteilt entnimmt man aus dem Mund zu bestimmten Zeitpunkten Speichelproben, die man am nächsten Tag im mitgelieferten Rücksendebeutel zurückschickt. Ein paar Tage später erhält man seine persönliche Auswertung inklusive ärztlicher Tipps.

Doch bevor wir zu meinem Ergebnis kommen, werfen wir einen Blick darauf, was dabei eigentlich eruiert wird. „Die Messung im Speichel hat sich als zuverlässige Methode etabliert, weil die Speichel-Cortisolwerte sehr gut mit den Serumwerten – insbesondere dem freien, biologisch aktiven Cortisol – korrelieren“, erklärt Fanni Hofer, Geschäftsführerin von MavieMe. „Bei einer Blutprobe beeinflusst die Abnahme selbst durch Stress, Zeitpunkt etc. das Ergebnis stärker als beim Speichel. Die Zuverlässigkeit entspricht klinischen Standards, und die Auswertung erfolgt in zertifizierten Laboren.“

Was sagt mein Körper?

Normalerweise steigt Cortisol morgens an. Eine „gesunde“ Kurve hat den Höhepunkt etwa 30 Minuten nach dem Aufstehen („cortisol awakening response“), sinkt dann über den Tag ab und erreicht den Tiefpunkt in der Nacht (siehe Bild rechts unten). „Diese dynamische Spannbreite über den Tag ermöglicht es dem Körper, den Alltag – und dessen Stress (den positiven wie negativen) – gut zu bewältigen“, so die Expertin.

Mein Ergebnis zeigt keinen typischen Peak mit folgendem Abfall nach dem Aufstehen. Über den Tag fällt mein Cortisollevel kaum ab, sondern steigt sogar leicht an und liegt an mehreren Messpunkten über dem normalen Level. Typisch für eine chronische Stressbelastung – so die medizinische Schlussfolgerung. Ein Befund, der mich ehrlich gesagt kurz geschockt hat. Noch spüre ich zum Glück keine weiteren Beschwerden wie Bluthochdruck, Gewichtszunahme, Hang zu blauen Flecken, Depression, Thrombosen. Doch der Befund zeigt klar: Mein Körper fühlt sich dauerbelastet. Die medizinische Analyse unterstreicht das: „Eine flache Cortisolkurve ist ein Marker für stressbedingte Dysregulation und kann langfristig gesundheitliche Risiken mit sich bringen.“

Was jetzt tun?

„Wir empfehlen dir“, heißt es weiter, „den hohen Stresslevel Schritt für Schritt durch kleine Alltagsänderungen zu reduzieren.“ Zum Beispiel: Konsequente moderate sportliche Betätigung mindestens zwei bis drei Stunden in der Woche – am besten am Morgen oder frühen Nachmittag und outdoor – hilft abzuschalten und bedeutet positiven Stress für den Körper. Auch die Ernährung ist ein essenzieller Hebel: „Insbesondere eine kohlenhydratlastige Kost, häufiges Snacken und ein hoher Anteil an hoch verarbeiteten Lebensmitteln wirken sich negativ auf unser Wohlbefinden aus. Mindfulness-Training, Yoga, Tai Chi oder Meditation können dafür nachgewiesenermaßen deutliche subjektive Stressreduktion veranlassen. Schon fünf bis zehn Minuten pro Tag machen sich positiv bemerkbar!“ Genauso wichtig ist ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: mindestens sieben Stunden pro Nacht!

Was ich für mich mitnehme: Stress ist nicht zwangsläufig das, was wir ausstrahlen, sondern auch das, was unser Körper still mitträgt. Der Test war für mich ein Reality Check – und ein Anfang: kein Smartphone mehr ab 21 Uhr. Täglich zehn Minuten für kleine Achtsamkeitsübungen. Öfter Nein sagen. Und auch dabei bleiben. Mein Ziel: innen so ruhig zu werden, wie ich von außen wirke.

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