Ressort
Du befindest dich hier:

Gewalt, Fernbeziehung, Untreue, Krankheit, soziale Ausgrenzung: 5 Frauen erzählen von der Herausforderung Liebe

Bleiben, gehen, kämpfen? Manche Beziehungen verlangen uns einfach alles ab. Und Garantie, dass sich der Einsatz lohnt, gibt es leider keine. Fünf Frauen erzählen, wie die Geschichte bei ihnen ausging. Und wie sie die Hürden von Fernbeziehung über Krankheit bis zu Untreue genommen haben.

von
Kommentare: 0

Gewalt, Fernbeziehung, Untreue, Krankheit, soziale Ausgrenzung: 5 Frauen erzählen von der Herausforderung Liebe
© iStockphoto.com

Die Liebe ist eine Himmelsmacht, heißt es doch so schön. Bedeutet allerdings noch lange nicht, dass für zwei "Auserwählte" pausenlos die Englein singen. Im Gegenteil: Am Band, das sie verbindet, wird allzu oft so gezerrt, dass es immer wieder kurz vorm Zerreißen ist. Und manchmal tut es das auch. Widrige Umstände, Schicksalsschläge oder nicht aufgearbeitete Probleme, die man selbst in eine Partnerschaft mitbringt, fordern ein Höchstmaß an besten Eigenschaften wie Geduld, Mut, Willensstärke, Zuversicht und Optimismus.

Die fünf Frauen, die wir euch hier vorstellen, haben alle für ihre Liebe gekämpft. Die einen wurden durch ein Happy End belohnt, die anderen kämpften vergebens. Aber auch sie gehen nicht mit leeren Händen, sondern um wichtige Erfahrungen reicher. Da ist zum Beispiel Emmy. Die 42-jährige Schwedin, die lange in Wien lebte, folgte blind ihrem Herzen. Sie stand zu dem Mann, in den sie sich verliebt hatte: einem Obdachlosen auf der Parkbank. Nach zwölf gemeinsamen Jahren weiß sie, dass sich das Überwinden aller Stolpersteine - wie Unverständnis der anderen oder finanzielle Flaute - gelohnt hat. Sie schätzt sich glücklich, ihren Vic getroffen zu haben. Mirjam, 30, hingegen musste irgendwann einsehen, dass sie ihren untreuen Partner endgültig verloren hatte. "Ich wollte ihm die zweite Chance geben, um die er gebeten hatte, weil ich ihn so liebte. Rückblickend weiß ich, dass er mich nur hingehalten hat." Es gehören halt immer zwei dazu.

WARUM GEBEN MANCHE WENIGER LEICHT AUF?

Paare, die in der Lage sind, Krisen besser als andere durchzustehen, "haben eine gute emotionale Verbindung", definiert Paar-Coach Nicole Katzenschlager (emotions-coaching.at). "Sie zweifeln nie an der Liebe oder der Sicherheit, füreinander da zu sein." Voraussetzung für diese sogenannte "gesunde" Bindungsprägung ist, dass die Partner nicht zu viele Altlasten aus vergangenen Beziehungen mitbringen, oder von tiefen Bindungsverletzungen aus der Kindheit bestimmt werden. "Dann sind sie eher geneigt, oft schon bei ersten Problemen alles hinzuwerfen." Und das ist keine empfehlenswerte Strategie - einfach deshalb: "Weil wir ja nicht so leicht einen Partner treffen, an dem wir Gefallen finden."

Da hat es die Expertin auf den Punkt gebracht. Denn nach der neuesten Studie von "Elite Partner" gibt es 1,7 Millionen Singles in Österreich. Sie tummeln sich teilweise auf diversen Partnerbörsen und suchen mehr oder weniger erfolgreich nach dem "perfekten Match". Wozu Emmy, die aus einer Akademikerfamilie stammt und einen Mann ohne Geld und Status heiratete, etwas sagen möchte: "Vic und ich sind in allem das komplette Gegenteil. Und trotzdem ist unsere Ehe glücklich. Es geht um die Chemie", ist sie überzeugt. Stimmt die, dann lässt sich bei gegenseitigem Respekt alles weitere finden.

NUR DER EINE KOMMT INFRAGE. 4,4 Millionen Österreicherinnen und Österreicher haben ihr Beziehungsrezept, zumindest zeitabschnittsweise, gefunden. Sie leben in einer festen Partnerschaft, die Hälfte davon ist verheiratet. 14 Jahre sind wir hierzulande durchschnittlich mit einem Partner bzw. einer Partnerin zusammen. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass sechs Prozent der Befragten gerade überlegten, sich zu trennen.

Genau das war nie eine Option für Patricia. Sie und ihr Lebensgefährte waren gezwungen, sieben Jahre lang eine Fernbeziehung zwischen Wien und Tirol zu führen, weil er keinen Job in der Hauptstadt fand. Aber die 34-Jährige dachte nicht einen Moment daran, es sich eventuell mit einem anderen Mann leichter zu machen. Und als sie schließlich mit dem Wunschkind schwanger war, war es für beide klar: Wir ziehen zusammen, egal, was kommt. Notfalls wollte Hannes in Karenz gehen und sie das Familieneinkommen sichern. Aber dann baute das Schicksal eine neue Hürde ein: Er wurde schwer krank - ist aber nach etlichen Chemos zum Glück auf dem Weg der Besserung.

STARK ZU ZWEIT. Ein langer, steiniger Weg liegt auch hinter Janine und Michael, ihrem Mann und Vater der drei gemeinsamen Kinder. Als die heute 23-Jährige mit 16 schwanger wurde, änderte sich ihr Leben von heute auf morgen. "Ich war geschockt, und meine Eltern waren auch nicht gerade begeistert", erzählt sie. Aber weil die beiden jungen Verliebten zusammenhielten, konnten sie alle Schwierigkeiten meistern. Janine machte sogar vier Monate nach der Geburt mit ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau weiter. Inzwischen kamen noch zwei Kinder. Die Formel für ihre glückliche Beziehung? "Wir nehmen uns an, wie wir sind, mit allen Stärken und Schwächen", so Janine. "Ganz wichtig ist auch, einander verzeihen zu können. Jeder Mensch hat und macht Fehler!"

Aufhören müsste jedes Verständnis allerdings, wenn es um Gewalt geht. Von außen oft leichter gesagt, als wenn man sich schon mitten in der destruktiven Spirale befindet. Rebecca hat es erlebt. "Nach einem halben Jahr hat mein Ex-Freund damit angefangen, mich verbal und körperlich immer wieder anzugreifen. Und jedes Mal versprach er, dass es nie wieder vorkommen würde. Ich hab lang geglaubt, dass er sich ändert." Nach drei Jahren sah sie aber endlich ein, dass es immer so weitergehen würde, trennte sich - und hat noch immer irgendwie Angst vor ihm. "Inzwischen ist mir bewusst, dass man um manche Lieben nicht kämpfen muss und schon gar nicht sollte."

BIN ICH IHM WICHTIG?

Für Rebecca und alle anderen, die sich endlich eine harmonische, wertschätzende Beziehung wünschen, hat unsere Coachin noch ein paar Tipps: "Arbeite, wenn nötig mit professioneller Hilfe, Altlasten auf. Dann gibt es keine überspitzte Erwartungshaltung an den neuen Partner. Frag dich, sobald es ernst werden könnte: Wird er für mich da sein, wenn ich ihn brauche? Bin ich wichtig für ihn? Genüge ich ihm? Liebt er mich? Akzeptiert er mich so, wie ich bin?" Und umgekehrt natürlich auch. "Sind alle diese Fragen positiv beantwortet, dann ist das ein guter Start für eine Beziehung." Wobei nicht verboten ist, diese Punkte auch in einer langjährigen Partnerschaft immer wieder mal durchzugehen ...

EMMY ABRAHAMSON, 42, BUCHAUTORIN: ICH HAB EINEN OBDACHLOSEN GEHEIRATET

Herz entschied. "Ich bin glücklich. Ich habe Vic, zwei gesunde Kinder und kann von meinem Einkommen als Autorin leben. Nach ein paar harten Jahren, in denen es finanziell sehr eng war, ist das Leben wundervoll. Ich traf Vic, er ist Amerikaner, auf einer Parkbank in Amsterdam. Er war obdachlos, ohne Ausbildung, Alkoholiker, aber gleichzeitig auch der netteste und witzigste Mensch, den ich je getroffen hatte. Ich fühlte sofort: Mit dem will ich zusammen sein." Ausgrenzung. "Ich bin Schwedin, lebte damals vor zwölf Jahren in Wien. Als er mir mit seinem letzten Geld nachreiste, war ich glücklich. Aber ich machte mir Sorgen, was die anderen sagen würden. Heute kümmert mich das einen Aber dass sich zwei Freundinnen tatsächlich wegen Vic von mir abwandten, tut noch heute weh. Meine Eltern kannten nicht die ganze Wahrheit, bis sie mein Buch lasen. Haha. Es heißt 'Wie ich mich auf einer Parkbank in einen bärtigen Mann mit sehr braunen Augen verliebte'. Aber sie mochten Vic von Anfang an." Liebe siegt. "Die größten Hürden waren, meinen Mann vom Alkohol wegzukriegen. Zum Glück war er so motiviert, dass er es schaffte. Und zweitens, ihn zu einer Ausbildung zu überreden. Ich war die Erste, sagt er, die je an ihn geglaubt hat. Heute arbeitet er als Maschinenbauingenieur. Ich bin fest überzeugt: Liebe überwindet jedes Hindernis."

JANINE BACHLEITNER, 23, EINZELHANDELSKAUFFRAU: ICH WURDE MIT 16 UNGEWOLLT SCHWANGER

Ungeplante Jungfamilie. "Ich war 16, mein Mann 21, als wir uns kennenlernten. Ich war nach einem Mopedunfall auf Reha, er hat dort als Koch gearbeitet. Nach einem Monat Beziehung wurde ich ungewollt schwanger. Wir und unsere Eltern waren zunächst bestürzt, aber eine Abtreibung ist für ihn und mich nie infrage gekommen. Von einem Moment zum nächsten hieß es für uns, als werdende Eltern Verantwortung übernehmen, erwachsen werden. Wir mussten uns an die Situation und an uns als Paar gewöhnen. Die Eltern und das Jugendamt redeten dauernd mit. Ich war mir oft nicht sicher, ob unsere Beziehung langfristig eine Chance haben würde. Fünf Monate nach der Geburt von Luca, er ist heute sechs, dann der nächste Schock: Bei Michael wurde Krebs diagnostiziert." Starker Zusammenhalt. "Mittlerweile hat er die Krankheit überwunden. Auch sonst hat sich bei uns in den letzten sechs Jahren viel getan: Wir haben geheiratet, ein Haus in Oberösterreich gekauft und noch zwei Söhne bekommen. Jona ist drei Jahre alt, Noah drei Monate. Hinter uns liegen viele Momente, in denen wir um unsere Beziehung kämpfen mussten. Müssen wir auch heute noch. Aber wir schaffen es: Mit Verständnis, Gesprächen und Vertrauen. Wir halten nichts von der heutigen Wegwerfgesellschaft. Deshalb verlieren wir nie unser Ziel aus den Augen: unser Leben gemeinsam zu leben und gemeinsam alt zu werden."

PATRICIA LEITNER, 34, DIPLOM-KRANKENSCHWESTER: WIR SAHEN UNS LANGE NUR AM WOCHENENDE

Große Liebe. "Wir waren ein Jahr zusammen, als Hannes mir eröffnete, er würde von Wien nach Tirol zurückgehen. Ich war ich todunglücklich, verstand aber, dass er näher bei seiner vierjährigen Tochter sein wollte. Sie stammte aus einer früheren Beziehung. Ich war damals 21, Hannes elf Jahre älter. Die einzige Lösung, die ich sah: Ich wollte mit ihm nach Kitzbühel gehen, fand auch schnell einen Job im Krankenhaus dort. Leider sperrte das Spital ein paar Jahre später zu. Nach einem Abstecher nach Salzburg wollten wir zurück nach Wien. Hannes' Tochter war inzwischen im Internat. Ich fand gleich wieder einen Job in Gugging auf der Wachkoma-Station, er wollte nachkommen, sobald auch er einen hätte. Aber obwohl hochspezialisierter IT-Admin, gelang das einfach nicht. Er blieb bei seiner Firma, und wir sahen uns nur alle 14 Tage am Wochenende. Wir hatten Träume, Ziele, aber was kann man realisieren, wenn man nicht zusammenlebt? Ich war oft verzweifelt, hab viel geweint. Aber niemals kam es mir in den Sinn, aufzugeben. Ich wollte immer nur ihn." Neue Prüfung. "Als ich schwanger wurde, war klar: Jetzt muss die Fernbeziehung nach sieben Jahren vorbei sein. Wir heirateten. Er wollte gegebenenfalls das Karenzjahr nehmen. Doch als ich im sechsten Monat war, bekam er die Diagnose Magenkrebs. Jetzt kämpfen wir zusammen gegen die Krankheit, unser Luis, acht Monate, gibt uns viel Kraft. Wir schaffen auch das!"

REBECCA, 30, ANGESTELLTE: MEIN FREUND WAR GEWALTTÄTIG

Große Gefühle, böses Erwachen. "Er war perfekt: charmant, humorvoll, liebenswürdig. Und er legte mir die Welt zu Füßen. Zumindest im ersten halben Jahr. Danach hat er mir immer öfter sein zweites Gesicht gezeigt. Wenn er zu viel getrunken oder ich etwas gesagt hatte, das ihm missfiel, nannte er mich Hure oder schubste mich. Nach jedem dieser Vorfälle entschuldigte er sich, sagte, es würde nicht mehr vorkommen. Ich glaubte ihm, glaubte, er würde sich ändern, und suchte die Schuld bei mir selbst. Außerdem hatte ich Angst, mich zu trennen. Mit stündlichen Liebesschwüren per Handy habe ich versucht, ihn bei Laune zu halten." Neuanfang. "Nach drei Jahren erlebte ich den traurigen Höhepunkt meines Beziehungsalptraums: Weil ich beim Fortgehen mein Handy nicht gehört und nicht auf seinen Anruf reagiert hatte, rastete er komplett aus. Er schrie, dass er irgendjemandem den Schädel einschlagen würde. Er stieg ins Auto und überfuhr dabei fast seine eigene Mutter. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon die Polizei gerufen, weil ich dachte, er bringt alle um. Mit der Unterstützung meiner Familie und eines Psychiaters schaffte ich es, das Erlebte hinter mir zu lassen. Heute würde ich mir so etwas nie wieder gefallen lassen, weil ich weiß, wie stark ich eigentlich bin."

MIRJAM PENDL, 30, SELBSTSTÄNDIG: MEIN PARTNER HAT MICH BETROGEN

Doppelverbundenheit. "Mein Freund und ich hatten beruflich ähnliche Vorstellungen, also beschlossen wir nach zweieinhalb Jahren Beziehung, mit einer eigenen Firma durchzustarten. Wir waren ein Dreamteam! Trotzdem war es eine Herausforderung, plötzlich nicht nur Liebende, sondern auch Businesspartner zu sein. Der Druck war groß, wir wollten unbedingt erfolgreich sein. Vielleicht gingen wir zu verbissen an die ganze Sache heran." Betrogen. "Wir entfremdeten uns als Paar mehr und mehr. Irgendwann hatte ich so ein Gefühl, durchforstete sein Handy und fand Nachrichten von einer anderen Frau. Ich hab ihn darauf angesprochen, er bat mich um eine zweite Chance. Schlussendlich entschied er sich aber nie wirklich für mich, hielt mich wochenlang nur hin. Dieses ewige Hin und Her raubte mir meine ganze Energie und tat unglaublich weh. Ich musste irgendwann einsehen, dass das Festhalten an ihm nichts brachte. Trotzdem beschloss ich, weiterzukämpfen -um meinen Selbstwert und Stolz. Ich beendete den Kontakt und startete beruflich allein durch. Neben meinem Job als Immobilienmaklerin habe ich mein eigenes Beauty-Unternehmen aufgebaut. Für eines bin ich meinem Ex jedenfalls dankbar: Ich hab wahnsinnig viel gelernt. Vor allem über mich selbst."