Ressort
Du befindest dich hier:

Mindestpension: Was alle Frauen dringend wissen sollten!

Du willst später nicht mit einer Mindestpension auskommen? Rechtsexpertin Carmen Thornton: Pensionssplitting kann Frauen vor der Altersarmut bewahren.

von

Mindestpension: Was alle Frauen dringend wissen sollten!
© iStockphoto

JA, wir wissen. Pension, das ist kein wahnsinnig sexy Thema. Aber bisserl Angst kann man schon bekommen, wenn man mal so ausrechnet, mit wie wenig Geld man später mal haushalten soll. Vor allem als Frau.

Carmen Thornton, auf Scheidungs-, Obsorge- und Unterhaltsverfahren spezialisierte Rechtsanwältin aus Wien (Thornton-law.at) erklärt, warum gerade Mütter in die Gefahr der Altersarmut laufen. Und warum sie deshalb auf einem Pensionssplitting mit dem Vater ihrer Kinder bestehen sollten...

Das sollten alle Frauen wissen, damit sie später nicht mit einer Mindestpension auskommen müssen!

Du möchtest nach der Geburt deines Kindes gerne etwas länger zuhause bleiben und trotzdem später eine Pension bekommen, von der du leben kannst? Das muss doch möglich sein. Wenn man dann einen Blick auf das Pensionskonto wirft, erkennt man oft, dass man in der Pension wahrscheinlich mit 500,-- Euro über die Runden kommen musss. Für viele Frauen ist das die traurige Realität.

In Österreich rangieren die Pensionen der Frauen noch immer um bis zu 50 % unter jenen der Männer. Die durchschnittliche Pensionshöhe bei Frauen liegt deutlich unter 1.000,- Euro, während Männer immerhin über 1.400,- Euro bekommen. Die Unterschiede bei den Pensionen sind also noch größer als bei den Einkommen.

Dies liegt vor allem daran, dass immer noch die Mütter öfter und länger zu Hause bei den Kindern bleiben und daher beim Pensionsantritt weniger Beitragsjahre angesammelt haben. Das wirkt sich natürlich nachteilig auf ihre Pension aus.

Warum es fair ist, wenn sich die Eltern die Pensionszeiten teilen

Was leider noch immer viel zu wenige Frauen wissen: In Österreich gibt es eine Möglichkeit, den durch die Kindererziehungszeit entstehenden finanziellen Verlust zu reduzieren, nämlich das freiwillige Pensionssplitting .

Der berufstätige Elternteil kann nach der Geburt des Kindes bis zu 50% seiner Pensionsbeiträge auf seinen Partner, der sich der Kindererziehung widmet, übertragen lassen. Dieser bekommt dadurch eine Gutschrift auf seinem Pensionskonto. Das Pensionssplitting ist für die ersten 7 Lebensjahre des Kindes (und insgesamt für 14 Jahre) möglich und kann bis zum 10. Geburtstag des jüngsten Kindes beantragt werden. Für das Pensionssplitting müssen die Eltern weder verheiratet sein noch in einem gemeinsamen Haushalt leben.

Leider wird diese Möglichkeit kaum genützt. Das liegt vor allem daran, dass viele Eltern nicht ausreichend informiert werden und es in Österreich auch keine automatische Anrechnung der Beiträge gibt. Es müssen also beide Elternteile zustimmen und einen Antrag bei der Sozialversicherung stellen.

Mütter haben kaum die Möglichkeit, die fehlenden Beitragsjahre für die Pension aufzuholen

Expertin Carmen Thornton, Rechtsanwältin und zweifache Mutter

Frauen sollten aber keine Scheu haben, dieses Thema anzusprechen. Vor allem Mütter, die mehrere Jahre zu Hause bei den Kindern waren, haben keine Möglichkeit mehr, die fehlenden Beitragsjahre wieder aufzuholen, schon gar nicht, wenn sie nach der Karenz nur einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, um genügend Zeit für ihre Familie zu haben. Wenn die Mutter die Betreuung der Kinder übernimmt, ist es sicher nicht zu viel verlangt, dass sich die Eltern in dieser Zeit zumindest die Pensionszeiten aufteilen. Das ist nicht nur ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber dem Partner, der sich hauptsächlich um die Kinderbetreuung kümmert, sondern auch ein Gebot der Fairness und sollte daher eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Obwohl das Pensionssplitting eine gute Sache ist, hat der Gesetzgeber noch einiges an Nachholbedarf. Dass auch der berufstätige Elternteil zustimmen muss und das Pensionssplitting nur von beiden Elternteilen gemeinsam beantragt werden kann, ist für die meisten Paare offenbar ein zu großes Hindernis. Freiwillig funktioniert die Gleichberechtigung in einer Partnerschaft anscheinend nicht.

Lücke beim Pensionssplitting: Frauen, die Teilzeit arbeiten, haben erneut massive Nachteile

Außerdem ist das Pensionssplitting nur möglich, wenn ein Elternteil überhaupt nicht arbeiten geht. Frauen, die neben der Kinderbetreuung in Teilzeit arbeiten gehen, erleiden auch hier wieder massive Nachteile. Daher sollten die Beiträge beider Elternteile für die Zeiten der Kindererziehung automatisch jeweils zur Hälfte auf die Pensionskonten beider Eltern angerechnet werden. Es ist höchste Zeit für eine Gleichstellung von unbezahlte Familienarbeit und bezahlter Erwerbstätigkeit!

Andere Länder sind hier deutlich fortschrittlicher: In der Schweiz wurde das automatische
Pensionssplitting schon vor 20 Jahren eingeführt. Auch in Schweden werden die Beiträge der Eltern für zehn bis maximal 15 Jahre automatisch zwischen den beiden Partnern aufgeteilt, sofern sie sich nicht bewusst (und einvernehmlich) dagegen entscheiden. Ein solches Modell wäre auch in Österreich wünschenswert.

Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien. Ihre Kanzlei "Thornton-Law" ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Themen: Eltern,

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .