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Die schönste Liebesgeschichte der Welt

Während der 2. Weltkriegs trafen der Arzt Brian und die Krankenschwester Katie in Graz aufeinander. Doch der Krieg trennte das Paar. 300 Liebesbriefe schrieben sie sich im Laufe der Zeit. Ihre Tochter Loraine hat die Liebesbriefe nun als Dokument einer wunderschönen Beziehung ins Netz gestellt.


Die schönste Liebesgeschichte der Welt

Katie und Brian Thomas: Eine epische Liebe

© Privat

Katie Thomas sitzt am Krankenbett ihres Mannes. Seit Monaten liegt Brian im Koma. Kurz beginnen die Augen des 72-Jährigen zu flackern. "Brauchst du irgendetwas, Darling?", fragt Katie.

"Nur dich!" antwortet der alte Mann. Es waren seine letzten Worte.

F. Brian Thomas und Katie Walker begegneten einander während des zweiten Weltkriegs. Es ist die Geschichte einer großen, einer epischen Liebe.

Dokumentiert ist diese Liebe in über 300 Briefen, die sich Katie und Brian im Laufe der Jahre schrieben. Kurz vor ihrem Tod 2009 übergab Katie die Liebesbriefe an ihre Tochter Loraine, die sie nun digitalisiert und auf ihrem Blog "With Love From Graz" erstmals veröffentlicht hat.

Über 300 Liebesbriefe schrieben sich Katie und Thomas im Laufe der Jahre

Loraine, die als Schriftstellerin in England lebt: "Ich habe mich erst zum 50sten Brief durchgearbeitet. Aber je mehr Briefe ich lese, desto klarer wird für mich, dass meine Eltern alle Versprechen, die sie sich schriftlich gegeben haben, auch wirklich eingehalten haben. Heutzutage ist es einfach, zynisch zu sein, wenn jemand von "unendlicher Liebe" spricht. Aber wenn mein Vater meiner Mutter schrieb 'Du bist die Liebe meines Lebens und ich werde dich nie weniger lieben!', dann meinte er jedes einzelne Wort auch wirklich genauso." Die 59-Jährige erinnert sich: "Sie haben nie gestritten. Machten wir Kinder mit ihnen einen Ausflug, haben sie sich immer an den Händen gehalten. Sie küssten sich und lachten viel. Das Geheimnis ihrer Liebe? Sie haben nie über das gejammert, was sie nicht – sondern sich an dem gefreut, was sie hatten."

»Darling, ich liebe dich so sehr – ich kann es gar nicht ausdrücken!«

Die ursprünglich aus dem englischen Burnham Speeches stammende Krankenschwester Katie Walker war 23 Jahre alt, als sie während des zweiten Weltkriegs in Graz stationiert wurde. Das erste Mal begegnete sie dem 34-jährige Arzt Brian, der mit den Allierten von Italien nach Österreich verlegt worden war, im Krankenhaus. Tochter Loraine: "Mein Vater kam in den Krankensaal und fragte meine Mutter nach einem Skalpell. Sie öffnete den Schrank – und blickte auf eine Reihe von Flaschen für Bluttransfusionen, die mit Kondomen gefüllt waren. Es war ihr unendlich peinlich. In dem Moment hat er sie gefragt, ob sie mit ihm ausgehen möchte."

Beiden war auf Anhieb klar, dass sie für einander bestimmt waren. Doch das junge Glück wurde durch den Krieg auf die Probe gestellt. Nur vier Monate nach ihrem ersten Treffen wurde Brian als Arzt nach Übersee verlegt.

Mike und Katie Thomas
Katie und Brian Thomas beim Skifahren. Tochter Loraine: "Sie konnten immer miteinander lachen."

Ehe sein Truppenkonvoi Graz im Jänner 1946 Graz verlassen musste, schrieb Brian seiner Katie den ersten von 300 Briefen, die sich das Paar im Laufe der Jahre schrieb:

Mein liebster Liebling! Wenn du diese Zeilen liest, werde ich schon weg sein. Und sogar jetzt, während ich dies schreibe, bin ich unendlich traurig. Wenn ich an all die kleinen Sachen denke, die ich an dir vermissen werde, weiß ich nicht, wie ich die kommenden Monate überstehen soll. Aber am Ende des Tages wird die Sonne wieder herauskommen und für uns scheinen. Die kurze gemeinsame Zeit, die uns in Graz vergönnt war, war die schönste Zeit meines ganzen Lebens. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Götter so boshaft sind, dass sie uns dieses Glück nur für einen kleinen Zeitraum gönnen, ohne für uns eine Zukunft vorzusehen. Ich liebe dich, liebe du mich – und vertrau' in uns, so wie wir bislang an uns geglaubt haben.

Ein Brief zu Ostern

Aus Venedig, Salzburg, London und Swansea schrieb Brian seiner Katie. Sie schickten einander Fotos, Anstecker, kleine Erinnerungen und Zeichnungen. Loraine: "Auch wenn sie räumlich getrennt waren – durch die Briefe hielten sie ihre Liebe, die Erinnerung und Vorfreude aufeinander am Leben."

Selbst als sich das Paar 1947 endlich wieder in den Armen halten konnte und im englischen Hereford heiratete, hörte es nicht auf, einander zu schreiben. "Die Briefe – und waren es auch nur kleine Zettelchen, die sie sich am Morgen vor der Arbeit schrieben – waren ein wichtiger Teil ihrer Beziehung geworden," so Loraine. Bis 1982, als Brian starb.

Knapp vor ihrem Tod 2009 übergab Katie ihrer Tochter die Briefe mit der Bitte, sie erst nach ihrem Ableben zu lesen. Loraine: "Ihre Briefe waren sehr intim. Meiner Mutter war es wohl unangenehm, dass ich die Briefe in ihrer Gegenwart lesen könnte. Doch es sind wunderschöne Dokumente einer ganz großen Liebe – und für mich dienen sie gerade heute, wo Partnerschaften so schnell auseinander brechen, als ein Lehrbeispiel für eine glückliche Beziehung. Deshalb – und als ewiges Andenken an meine geliebten Eltern – veröffentliche ich sie im Internet."

Thema: Liebe

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