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Sprach- und Sprechentwicklung beim Kind

Wann beginnen Kinder mit dem Sprechen, und wie kann man sie in ihrer Sprachentwicklung fördern? Finde es in unserem Artikel heraus!

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Sprach- und Sprechentwicklung beim Kind
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Du wartest schon sehnsüchtig auf das erste Wort deines Kindes? Hier erfährst du, in welchen Phasen die Sprachentwicklung verläuft und was du tun kannst, um dein Kind zu fördern.

Ob "Mama", "Papa", "Auto" oder "Ball": Das erste Wort des Nachwuchses ist immer etwas ganz Besonderes. Viele Kleinkinder beginnen schon früh mit ihren ersten Sprechversuchen, andere lassen sich dafür ein bisschen mehr Zeit.

Jedes Kind ist anders – aber wie verläuft die Sprachentwicklung bei Kindern im Durchschnitt? Wie erkennst du eine Sprachentwicklungsstörung, und wie kannst du bei deinem Kind die Sprachentwicklung fördern und den Wortschatz erweitern? Die Antworten findest du in unserem Artikel zum Thema Sprach- und Sprechentwicklung beim Kind.

Was ist Sprache und warum ist sie für die kindliche Entwicklung wichtig?

Sprache ist das wichtigste Mittel zur Verständigung. Lernen Kinder sprechen, eröffnet sich ihnen eine völlig neue Welt.

Durch den Erwerb von Sprache lernen Kinder …

  • … ihr Umfeld besser zu erfassen
  • … Beziehungen aufzubauen
  • … mit anderen in Kontakt zu treten
  • … Gefühle auszudrücken
  • … abstrakte Begriffe zu verstehen

Wann beginnen Kinder zu sprechen?

Wie eingangs erwähnt, verlaufen die Phasen der Sprachentwicklung nicht bei allen Kindern im selben Tempo. Manche sprechen bereits mit etwa neun Monaten ihr erstes Wort, bei anderen dauert es bis zum zweiten Geburtstag. Im Allgemeinen verläuft die Sprachentwicklung jedoch in folgenden Phasen:

Geburt bis ca. 1 Jahr: Vorstufe

  • Kommunikation durch verschiedene Arten des Schreiens

6 Monate bis 1 Jahr: Lallmonologe

  • Wiederholung einfacher Silben
  • Lautkombinationen

1 Jahr bis 18 Monate: Ein-Wort-Sätze

  • erste Wörter oft noch ohne Sinnverknüpfung
  • Namen von Personen und Gegenständen

18 Monate bis 2 Jahre: Zwei- und Mehrwortsätze

  • Aneinanderreihen einfacher Wörter
  • Fragen nach bestimmten Dingen

2 bis 3 Jahre: Grammatikausbau

  • Festigung der Grammatik
  • Fragen stellen
  • Zusammenhänge erläutern

3 bis 4 Jahre: Festigung

  • Warum-Fragen
  • Ausbau von Grammatik, Wortschatz und Satzbau

ca. 5 Jahre: vollständige Beherrschung

  • Ober- und Unterbegriffe
  • Zeitbegriffe
  • kompliziertere Satzgefüge
Vorlesen: Sprachentwicklung bei Kindern
(c) iStock

Warum beginnen manche Kinder später mit dem Sprechen?

Eines vorweg: Nur weil dein Kind ein „Late Talker“ ist, heißt das noch lange nicht, dass etwas nicht mit ihm stimmt! Viele Kinder beginnen erst spät mit dem Sprechen, daraus ergibt sich für sie aber grundsätzlich kein Nachteil.

Der spätere Beginn des Spracherwerbs kann unterschiedliche Gründe haben:

  • Entwicklungsphase: das Kind ist gerade damit beschäftigt, etwas anderes zu lernen
  • genetische Voraussetzungen: bei Kindern, die spät zu sprechen beginnen, ist dies zu etwa 40 Prozent vererbt
  • eingeschränkte Hörfähigkeit oder häufige Infekte: Ohrenentzündungen können sich auf das Hörvermögen auswirken
  • körperliche Beeinträchtigungen: Motorikstörungen, Wahrnehmungsstörungen etc.
  • neuronale Schädigungen: z.B. frühkindliche Hirnschäden
  • geistige Beeinträchtigung: z.B. Down-Syndrom

Wie erkenne ich eine Sprachentwicklungstörung?

Noch einmal: Nur weil andere Kinder mehr oder besser sprechen als dein eigenes, heißt das nicht, dass eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt! Auch bestimmte Fehler wie das Auslassen von Lauten, das Zusammenziehen von Wörtern oder eine falsche Lautreihenfolge sind beim Sprechen lernen vollkommen normal.

Dennoch gibt es Signale, die bereits früh auf eine gestörte Sprachentwicklung hinweisen (können):

6 bis 12 Monate

  • Kind plappert kaum
  • verwendet keine Silbenabfolgen

12 bis 18 Monate

  • Kind kommuniziert nur mit Gestik und Mimik
  • zeigt kein Interesse an Kinderversen

18 bis 24 Monate

  • Kind spricht nur wenige Wörter richtig aus
  • betont die Silben falsch

2 bis 3 Jahre

  • Kind zeigt kein Interesse am Vorlesen
  • spricht nur zögerlich
  • keine Zweiwortsätze

Was kannst du bei einer Sprachentwicklungsstörung tun?

Auch wenn kein Grund zur voreiligen Panik besteht: Stellst du bei deinem Kind Defizite in der Sprachentwicklung fest, sollte das spätestens mit drei Jahren abgeklärt werden. Dazu hast du verschiedene Möglichkeiten:

  • Untersuchung des Hörvermögens (HNO-Ärzt:innen)
  • Untersuchung des Sprachentwicklungsstandes (Logopäd:innen)
  • Untersuchung des kognitiven Entwicklungsstandes (Psycholog:innen)

Tipps für Eltern: Wie fördere ich die Sprachentwicklung meines Kindes?

Du kannst dein Kind nicht zum Sprechen zwingen. Aber mit einigen Tipps und Tricks kannst du es während des Spracherwerbs stärken und fördern:

  • Sei geduldig und ermutige dein Kind!
  • Lass es ausreden und verbessere es nicht sofort!
  • Korrigiere es eher passiv durch richtiges Nachsprechen!
  • Kommentiere wiederkehrende Vorgänge im Alltag (z.B. Tisch decken)!
  • Lies deinem Kind viel vor!
  • Motiviere es mit Fingerspielen, Reimen oder Rollenspielen zum Sprechen!
  • Lass es öfter Seifenblasen machen, das fördert die Mundmuskulatur und Atemtechnik!

Babysprache? Bitte nicht! Auch wenn es ganz am Anfang sinnvoll sein mag: Dein Kind profitiert in seiner sprachlichen Entwicklung viel mehr, wenn du in ganzen Sätzen mit ihm sprichst!

Exkurs: Und wie ist das mit bilingualer Erziehung?

Sprechen die Eltern unterschiedliche Muttersprachen, wachsen Kinder oft bilingual, also zweisprachig, auf. Die Entscheidung, ob du dein Baby von Anfang an in beiden Sprachen erziehst, liegt natürlich bei dir. Die Bilingualität hat jedoch nicht nur Vorteile.

Zweisprachig erzogene Kinder …

  • + können sich in mehreren Sprachen (meist akzentfrei) verständigen.
  • + haben später häufig weniger Schwierigkeiten, neue Sprachen zu lernen.
  • + können sich laut Studien oft besser in andere hineinversetzen.
  • – beherrschen oft keine der beiden Sprachen auf Muttersprachler-Niveau (Semilingualität).
  • – vermischen häufig die Sprachen.
  • – lehnen eine der Sprachen manchmal komplett ab.

Fazit: So unterschiedlich entwickelt sich die Sprache bei Kindern

Der Nachbarsbub hat sein erstes Wort schon mit neun Monaten gesprochen? Die Tochter deiner Kollegin spricht schon in ganzen Sätzen? Lass dich von solchen Vergleichen nicht verunsichern! Jedes Kind lernt in einem anderen Tempo, und statistisch gesehen holen 50 Prozent der "Late Talker" bis zu ihrem dritten Geburtstag alles auf. Höre aber auch auf dein Bauchgefühl und lass bei Zweifeln eventuelle Defizite rechtzeitig abklären!

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog "Hand aufs Herz" darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt's auf HandaufsHerzblog.

Themen: Erziehung,
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