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WOMAN testet: Mit Laser gegen Altersweitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit

Wie ist es, wenn man kurzsichtig ist, sich aber altersbedingte Weitsichtigkeit allmählich bemerkbar macht? WOMAN-Redakteurin Andrea Wipplinger-Penz hat sich ihre Fehlsichtigkeit lasern lassen und erzählt von ihren Erfahrungen.

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WOMAN testet: Mit Laser gegen Altersweitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit
© iStock

Kurzsichtigkeit kann sehr mühsam sein. Das weiß ich aus leidvoller Erfahrung. Auf minus 8 Dioptrien habe ich mich im Laufe der Jahre gesteigert, bis ich diese durch einen Lasereingriff vor über zehn Jahren korrigieren ließ. Der Eingriff klappte hervorragend, dennoch sehe ich seit etwa zwei Jahren leider wieder etwas schlechter und bin nun bei minus 1,5 Dioptrien.

„Das passiert nur in den seltensten Fällen, meistens bleibt das Ergebnis stabil“, meint mein Augenarzt des Vertrauens, Prof. Dr. Stefan Pieh, Leiter der refraktiven Augenambulanz im Wiener AKH. Es klingt zunächst nicht viel, reicht aber, um Gesichter auf der Straße nur mehr schwer zu erkennen oder Straßenschilder kaum lesen zu können. Grund dafür: Der Augapfel ist zu lang und das erzeugte Bild von Hornhaut und Linse liegt vor der Netzhaut.

Nun kommt bei mir ein Problem dazu: Die Altersweitsichtigkeit macht sich langsam bemerkbar. Mein Wunsch wäre, beide Fehlsichtigkeiten per Laser komplett korrigieren zu lassen. Prof. Pieh bremst meine Euphorie ein wenig ein: „Eine Korrektur für beide Probleme gibt es leider nicht. Man kann jedoch eine sehr gute Kompromisslösung anwenden.“

In meinem speziellen Fall, rät Pieh, der über jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Laserchirurgie verfügt, zu einer Monovision-Methode. Dabei wird jedes Auge einer unterschiedlichen Brechkraft-Korrektur unterzogen. Ein Auge wird für Weit-, das andere für Kurzsichtigkeit präpariert.

Es wird also sozusagen künstlich ein kurzsichtiges und ein weitsichtiges Auge hergestellt. Pieh möchte mir keine falschen Versprechungen machen: „Das Führungsauge wird für die Ferne, das andere für die Nähe korrigiert. Es gibt PatientInnen, die diese Methode bestens vertragen, andere wiederum fühlen sich damit nicht wohl.“

Ich beharre vorerst auf die vollständige Korrektur der Kurzsichtigkeit: „Ach, fürs Lesen nehme ich einfach eine Brille. Ist sicher kein Problem.“ Um diesen Zustand zu testen, soll ich drei Wochen lang eine Probebrille tragen, die das von mir erhoffte Ergebnis simuliert. Ich bin begeistert plötzlich in der Ferne scharf zu sehen. Doch die Ernüchterung kommt rasch. Mir wird bewusst was alles nicht mehr geht: Mal schnell in der U-Bahn Zeitung lesen, mit Bankomatkarte bezahlen – da ich den Code nicht mehr erkenne – oder am Handy etwas checken: Ich erkenne nichts. Falls ich die Lesebrille vergessen sollte, wäre ich im Alltag ziemlich aufgeschmissen.

Okay, Prof. Pieh hat vollkommen Recht, das ist nicht die Ideallösung. Dementsprechend ist er wenig überrascht über mein negatives Testergebnis und schlägt mir erneut den Kompromiss vor: ein Auge wird auf Minus 0,75 Dioptrie korrigiert, das andere auf Minus 1,0. So sehe ich in der Ferne relativ scharf und kann dennoch weiterhin lesen. Ich stimme zu.

Grundsätzlich gibt es zwei OP-Versionen: Lasek-PRK oder Lasik. Der größte Unterschied besteht darin, dass bei der Lasik-Methode vor der eigentlichen Laserabtragung die Hornhaut eingeschnitten wird. Dieser „Deckel“ dient später als körpereigenes Wundpflaster. Bei Lasek-PRK wurde früher die obere Schicht mittels Augentropfen aufgelöst, zur Seite gerollt und nach dem Eingriff wieder zurück geschoben. Seit einigen gibt es durch die Trans-PRK-Methode eine neue Entwicklung. Die Oberschicht der Hornhaut wird nicht mehr mechanisch beiseite geschoben, jetzt erledigt alles der Laser. „Zellbestandteile, die eine Vernarbung und schlechte Wundheilung auslösen könnten, werden dabei gleich verdampft. Zudem kommt bei diesem Verfahren der feinste Laserstrahl der Welt zum Einsatz. Die Wunde ist dadurch nicht nur kleiner, auch die Genauigkeit der Behandlung ist viel größer“, so Pieh.

Welche Methode angewendet wird, entscheidet der Chirurg oder die Chirurgin. Bei mir kommt die Trans-PRK-Methode zum Einsatz.
Nur mehr 40 Sekunden braucht das moderne Augenlasergerät, um eine Fehlsichtigkeit (Kurz-, Weitsichtigkeit oder Astigmatismus) erfolgreich zu beheben.

Alles verläuft völlig problemlos. Während zwei Voruntersuchungen, die jeweils etwa eine halbe Stunde dauern, wird ein exaktes Abtragungsprofil für den Laser errechnet. „Ausschließungskriterium für eine OP wäre eine zu dünne Hornhaut, denn sie dürfte nicht noch weiter abgeschliffen werden“, erklärt Pieh. Eventuell auftretende Nebenwirkungen: trübes Sehen, Doppelsichtigkeit oder trockene Augen. Lichtempfindlichkeit oder vermindertes Kontrastsehen könnten ebenso eine Folgeerscheinung sein. Der Grund: Die Epitelschicht wächst unregelmäßig nach, die neuen Zellen sind zunächst auch noch nicht so durchsichtig. In fast allen Fällen sind diese Unannehmlichkeiten nach spätestens wenigen Wochen vorüber.

Mein Fazit:

Vor dem Eingriff in der Wiener Privatklinik erklärt mir Prof. Piehs Assistentin den Ablauf des Eingriffs ganz genau. Sie wirkt sehr beruhigend auf mich. Gelasert wird in einem kleinen Raum, ich nehme auf einer bequemen Liege Platz und schon geht es los. Die Gabe von sehr starken Augenbetäubungstropfen bewirkt, dass ich keinerlei Schmerzen empfinde. An jedem Auge das gleiche Prozedere: Durch eine Art Klammer wird das Auge aufgespreizt und offen gehalten. Das ist etwas unangenehm, Blinzeln wird unmöglich. Dann wird auch schon der Laser positioniert. Ich werde angewiesen einen grünen Lichtpunkt zu fixieren. Keine Angst, schief gehen kann dabei nichts: Falls es nicht gelingt, diesen ein paar Sekunden lang anzustarren, schaltet sich der Laser augenblicklich ab. Nach wenigen Sekunden ist es auch schon vorbei und Prof. Pieh setzt mir eine Verbandskontaktlinse ein, die mir nach drei Tagen wieder entfernt wird. Ich spüre sie überhaupt nicht. Direkt nach der Behandlung sehe ich erstaunlicherweise sehr gut, am Tag darauf dafür wieder schlechter. Das wurde mir allerdings vorausgesagt und gehört zum Heilungsprozess. Bereits nach einer guten Woche ist alles perfekt. Ich sehe in der Ferne endlich wieder scharf und, da ich auf Minus 0,75 bzw. 1 Dioptrie korrigiert wurde, kann ich auch problemlos auf die Schnelle Texte lesen. Nur wenn ich ein Buch zur Hand nehme, benütze ich eine leichte Lesebrille. Eines ist klar: Ich würde es jederzeit wieder machen. Nur bei der Wahl des Chirurgen oder der Chirurgin sollte man aufpassen und verlockende Billigangebote auslassen. Denn das könnte allzu leicht ins Auge gehen.

Informationen zu den Methoden der Augenlaserkorrektur

Lasik-Methode: Mit dem Laser wird die Hornhaut eingeschnitten, zur Seite geklappt und darunter die Fehlsichtigkeit per Laser weggeschliffen. Der Heilungsprozess verläuft schnell.

Lasek-PRK-Methode: Bei der neuesten Variante, der Trans-PRK, kommt nur mehr der Laser zum Einsatz. Vorteil gegenüber Lasik: Die Hornhaut muss für diesen Eingriff nicht so dick sein. Beim Heilungsprozess braucht man nur etwas mehr Geduld, die Methode gilt jedoch als schonender, da kein Schnitt erforderlich ist.

Implantation der Vorderkammerlinsen: Je höher der Fehlsichtigkeitsgrad, desto größer ist ein OP-Risiko. Dann könnte eine Zusatzlinse (Artisanlinse) zur natürlichen Linse ins Auge gesetzt werden. Sie ist reversibel.

Kosten: Je nach Behandlung um die 2.000 Euro pro Auge. Die Kassen übernehmen in den meisten Fällen keine Kosten.
Kontakt: Zentrum für refraktive Augenchirurgie (Prof. Dr. Stefan Pieh), Pelikangasse 15, 1090 Wien, pieh.at, AKH, Ambulanz für refraktive Chirurgie, akhwien.at