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Vivienne Westwood: Die ikonische Modedesignerin im Portrait

Sie ist so etwas wie die Grand Dame des Punks und noch viel mehr: Vivienne Westwood prägte die Mode wie keine zweite mit ihren extravaganten Designs. Wir haben uns den Werdegang der britischen Modedesignerin mal genauer angesehen.

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Vivienne Westwood - 2005
© Getty Images

Hellrotes Haar, wilde Muster und ebenso wilde Farben – diese Assoziationen kommen uns als erstes in den Sinn, wenn wir an die Modedesignerin und Powerfrau Vivienne Westwood denken. Nicht umsonst gilt sie als "Queen of Punk" – war sie doch maßgeblich an dessen Erfolg in Großbritannien beteiligt. Heute möchte sie nicht mehr auf dieses Label reduziert werden und setzt sich für Themen wie Menschenrechte, Abrüstung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein. Aber alles der Reihe nach …

Steckbrief: Vivienne Westwood

  • Name: Dame Vivienne Isabel Westwood, DBE
  • Geboren am: 08. April 1941
  • Sternzeichen: Widder
  • Geburtsort: Derbyshire, Großbritannien
  • Wohnort: London
  • Beruf: Modedesignerin und Aktivistin
  • Ehepartner: Andreas Kronthaler
  • Kinder: 2 Söhne, Benjamin und Joseph

Konventioneller Start ins Berufsleben

Vivienne Westwood ist weit mehr als die exzentrische Rebellin der Modeszene, als die wir sie häufig sehen. Ihr Start ins Leben spielte sich nämlich fernab der großen Laufstege dieser Welt ab: Geboren 1941 als Vivienne Isabel Swire, war sie das älteste von drei Kindern.

Ihre Mutter war Weberin und ihr Vater stammte aus einer Familie von Schuhmachern – die Liebe zur Mode wurde ihr also bereits in die Wiege gelegt. So kam es auch, dass sie ein Semester lang die Harrow Art School im Großraum von London besuchte, wo sie Kunst, Mode und Silberschmiedekunst studierte.

Doch als Arbeiterkind befürchtete sie von einem solchen Gewerbe nicht leben zu können. Schließlich brach sie die Ausbildung ab und wurde Volksschullehrerin. Ab 1961 unterrichtete sie zehn Jahre lang im Norden Londons. Ein Jahr darauf, im Jahr 1962, heiratete sie den Werkzeugmacher Derek Westwood. Sein Nachname sollte sie später weltberühmt machen. Neben dem Namen bekam die junge Lehrerin auch einen Sohn von Westwood: Benjamin "Ben" Arthur wurde 1963 geboren.

Vivienne Westwoods Anfänge als Modedesignerin

Bereits zwei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes wurde die Ehe zu Derek Westwood wieder geschieden. Bald darauf verliebte Vivienne sich in einen Freund ihres Bruders, den unter dem Namen "Malcolm McLaren" bekannten Malcolm Edwards. Dieser führte ein durch und durch exzentrisches Leben, welches Vivienne faszinierte und sie dazu veranlasste, ihren bisher konventionellen Lebensweg zu überdenken.

McLaren brachte unter anderem die Band "The Sex Pistols" zusammen und wurde später deren Manager. 1967 kam ihr gemeinsamer Sohn Joseph Ferdinand Corre zur Welt. Fakt am Rande: Dieser sollte später in die Fußstapfen seiner Mutter treten und Mitbegründer des Dessous-Label "Agent Provocateur" werden.

Als Mutter zweier Söhne begann Vivienne Westwood bald eigene Kleidung zu schneidern. Das Nähen brachte sie sich selbst bei, indem sie Kleidung auseinander nahm und anschließend wieder zusammen nähte. Ihr Partner erkannte ihr Talent und schon bald entwickelten die beiden eine Businessidee.

"Let It Rock": Der erste Laden

Während in London noch die Hippie-Bewegung vorherrschte, eröffneten Vivienne und Malcom 1971 ihren ersten Laden in der 430 Kings Road in Chelsea: "Let it Rock" war der Name des extravaganten Shops, der später sehr prägend für die Punk- und New Wave-Szene Englands werden sollte.

Der größte Teil der Kleidung, welche auch Second-Hand war, richtete sich an die sogenannten Teds, eine Jugend-Protestkultur gegen das Establishment. Vivienne Westwood entwarf dabei die Modelle und ein Schneider sowie eine Näherin sorgten für die Anfertigung. Jacketts, enge Hosen und Creepers-Schuhe (Anmerkung: flache Turnschuhe mit besonders dicken, weichen, durchgängig gestreiften Kreppsohlen) gehörten zum Grund-Sortiment des Ladens.

Als Rassismus und Sexismus der Teds immer offensichtlicher wurden, benannte das Paar den Laden um: In Erinnerung an den frühen Tod von James Dean hieß das Geschäft nun "Too Fast To Live, Too Young To Die". Auch inhaltlich änderten sie den Fokus und verkauften Rocker-Mode. Doch es sollte nicht die letzte Neuausrichtung bleiben.

Ende 1974 änderten Westwood und McLaren den Namen des Ladens in "Sex" und auch das Sortiment wechselte zu Erotikwäsche und Fetischmode. Seit 1979 heißt der Laden übrigens "World's End" und unter diesem Namen besteht er bis heute. Letztlich wurde der Shop zu einem Treffpunkt der Londoner Punkrock-Szene.

Neben anderen Szene-Mitgliedern hielten sich auch Sid Vicious und andere Band-Mitglieder der Sex Pistols regelmäßig dort auf. 1975 wurde McLaren schließlich der Manager der Sex Pistols, die 1977 mit "God Save The Queen" einen Nummer 1-Hit landeten und bei jedem Auftritt Werbung für Vivienne Westwoods Mode machten.

Aufstieg zur "Queen Of Punk" und Gründung ihres Modelabels

Mit den schrillen, avantgardistischen Designs, mit denen Vivienne Westwood die Sex Pistols ausstattete, gelang ihr nicht nur der Aufstieg zur Stilikone, sondern auch zur "Queen of Punk". Anfang der 80er Jahre beschloss die Designerin, sich aus der Punkszene zu verabschieden und ihre Mode einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

1981 gründete sie ihr eigenes Label "Vivienne Westwood". Auch ihre erste professionelle Kollektion mit dem Titel "Pirates", die mit wallenden Hosen und Rüschenhemden von Seefahrern inspiriert war, schneiderte und präsentierte sie in diesem Jahr. Mit einem fast schon romantischen Look bestehend aus Korsett, Reifrock und dem "cul de Paris" – einem Po-Kissen – eroberte Vivienne Westwood die internationalen Laufstege.

Die folgende Kollektion namens "Savage" war von Indianern und dem Wilden Westen inspiriert. Ab 1982 ließ Westwood ihre Kollektionen auch in Paris, der Welthauptstadt der Mode, vorführen und war dort die erste englische Modemacherin seit Mary Quant in den 60er Jahren. Als 1983 schließlich die Scheidung von ihrem zweiten Ehemann Malcolm McLaren erfolgte, führte sie die kommenden Kollektionen gänzlich eigenständig durch.

1992 heiratete Vivienne Westwood einen Österreicher

Eine ganz besondere Beziehung hat die britische Modedesignerin auch zu Österreich: Denn von 1989 bis 1991 lehrte sie während ihrer Professur an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Dabei verliebte sie sich in einen ihrer Studenten, den 25 Jahre jüngeren Tiroler Andreas Kronthaler. 1992 heirateten die beiden und drei Jahre später übernahm er die Männerkollektion.

Seit 2016 trägt außerdem die gehobene Damen-Laufstegkollektion seinen Namen: "Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood". Auch heute noch teilt ihr Ehemann regelmäßig Schnappschüsse aus ihrem gemeinsamen Leben auf Instagram:

Vivienne Westwood vereint Mode und Aktivismus

Neue und exzentrisch zusammengesetzte Kombinationen von historischer Bekleidung, seltenem Textilgewebe und Webmustern haben Vivienne Westwood weltberühmt gemacht. Auch ihrer Vorliebe für schottische Karos, Wolle und Tweed ist die Britin bis heute treu geblieben. Darüber hinaus verarbeitet sie auch gerne ethnische Einflüsse in ihren Entwürfen.

Immer mit einer Prise Ironie, Zeitkritik und Extravaganz ermuntert Vivienne Westwood bis heute Frauen mit ihren unkonventionellen Kollektionen zu Originalität und Mut in der Kleiderwahl.

Doch Mode ist für die Designerin nicht nur ein Mittel, um die Persönlichkeit des Trägers bzw. der Trägerin hervor zu streichen. Vielmehr nützt sie ihr Lebenswerk auch dafür, politische Botschaften zu verbreiten und die Gesellschaft zum Umdenken zu bewegen.

So bezeichnet sich Westwood selbst gerne als "Eco-Warrior": Als sie 2007 bekannt gab, bei ihren Kollektionen komplett auf Pelz verzichten zu wollen, war sie eine der ersten Luxusmarken mit diesem Vorhaben. Darüber hinaus positionierte sie sich häufig als kritische Gegnerin der Konsumgesellschaft. Vielmehr will sie die Menschen zu bewusstem Konsum ermutigen. Ihr Mantra:

»Buy less, choose well, make it last.«

Doch das sind längst nicht alle Themen, die Vivienne Westwood auf ihrer politischen Agenda hat. So setzte sie sich etwa für die Schließung von Guantánamo Bay sowie gegen den Bau von Atom-U-Booten ein. Auch die Kampagne "End Ecocide" welche sich dafür einsetzt, dass auch der Mord an unserem Okö-System strenger bestraft wird, unterstützt Vivienne Westwod.

Ihre jahrelangen Verdienste – egal ob auf kreativer oder politischer Ebene – verschafften ihr internationale Hochachtung, die sogar zu zwei Auszeichnungen von der Queen höchstpersönlich führten: 1992 wurde sie von Queen Elizabeth zum "Officer Ot The Order Of The British Empire" (OBE) geschlagen. Nach der Zeremonie löste Westwood prompt einen Skandal aus, als sichtbar wurde, dass sie nur mit Strumpfhose aber ohne Unterwäsche zum königlichen Termin erschienen war.

Etliche Jahre später, im Jahr 2006 wurde sie zur "Dame Commander Of The Order Of The British Empire" ernannt.

Was wir von der Modeikone lernen können

Vivienne Westwood ist eine Frau, die auf Konventionen pfeift und der es schlichtweg egal ist, was andere von ihr denken – sie schnappt sich einen deutlich jüngeren Mann, erscheint ohne Höschen bei der Queen und zieht Themen, die ihr am Herzen liegen, beinhart durch.

Doch was wir besonders an ihr schätzen, ist, dass sie nach den Grundsätzen, die sie predigt, auch selbst lebt: So besitzt sie nach eigener Aussage nur 20 Paar Schuhe, fährt bei jedem Wetter mit dem Fahrrad und lebte 30 Jahre lang trotz ihres Erfolges in einer Sozialwohnung mit zwei Zimmern in London. Ihre Einstellung ist höchst bescheiden, wie man auch in ihren Interviews erkennt. So sagte sie einmal:

»Besitz stört mich. Er macht das Leben nur komplizierter.«

Erst im Jahr 2000 ließ sie sich von ihrem Mann zum Umzug in ihr 1703 erbautes Haus im Queen Anne-Stil überreden. Wir finden: Vivienne Westwood ist eine durch und durch inspirierende Persönlichkeit und bei weitem mehr als nur die "Queen Of Punk".

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