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Familienaufstellung: Familiäre Probleme visualisieren und lösen

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Familienaufstellung

Familienaufstellung

©Elke Mayr
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Eine Familienaufstellung liefert ein neues Bild auf die eigene Familie und auf unsere Gefühle den anderen Familienmitgliedern gegenüber. Wir erklären dir, wie das funktioniert.

Die Familie ist die Grundlage für jeden Menschen. Sie bietet Sicherheit, Zugehörigkeit und Nähe. Traumata, Verletzungen oder negative Erfahrungen mit Familienmitgliedern können daher extrem belastend sein und sogar psychische Probleme hervorbringen. Eine Familienaufstellung kann dabei helfen unbewusste Bindungen und Verstrickungen, die zu emotionalen Problemen führen, aufzuarbeiten und zu lösen.

Die Familienaufstellung, die in der Regel in Gruppen durchgeführt wird, basiert auf dem systemischen Ansatz, dass jeder Mensch immer in Beziehungen steht. Ziel ist es verschiedene Beziehungen zu visualisieren, zu hinterfragen und zu verbessern. Wir erklären dir, wie das genau funktioniert.

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Was versteht man unter einer Familienaufstellung?

Eine Familienaufstellung ist eine Therapiemethode, die in der Regel in Gruppen durchgeführt wird und darauf abzielt, unbewusste Bindungen und Verstrickungen innerhalb einer Familie oder eines sozialen Systems aufzudecken und aufzulösen.

Die Familienaufstellung ist eine Methode aus der Familientherapie oder Systemischen Therapie, bei der einzelne Personen stellvertretend für Familienmitglieder im Raum positioniert (aufgestellt) und miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Warum macht man eine Familienaufstellung?

Einander in Beziehung gesetzt werden. Das fasst es gut zusammen, was dich bei einer Familienaufstellung erwartet. Dadurch soll das Beziehungsgeflecht innerhalb einer Familie visualisiert werden. Familienaufstellungen können außer in einer Gruppe auch mit Hilfe von Figuren und Symbolen auf einem Familienbrett erfolgen.

Eine Aufstellung kann Klarheit in die Beziehungsmuster einer Familie bringen, neue Erkenntnisse über Mechanismen und eingespielte Muster, die wir in unserer Familie unbewusst und unreflektiert übernommen haben, aufzeigen.

Andere Familienkonstellationen wie Patchworkfamilien oder Regenbogenfamilien haben besondere Herausforderungen zu bewältigen. Eine Familienaufstellung stellt eine Möglichkeit dar, diese sichtbar zu machen und zu überwinden.

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© iStock

Eine Familienaufstellung ist sinnvoll, um sich von belastenden Erinnerungen zu befreien

Unser Leben und Weltbild ist zu einem großen Teil von unserer Ursprungsfamilie geprägt. Wenn das Verhältnis von Eltern und Kindern gestört ist, kann sich dieses über Jahre hinweg bis ins Erwachsenenalter hinausziehen und starke psychische Belastungen hervorbringen. Eine Familienaufstellung kann auch dabei helfen, dysfunktionale Familien zu retten.

Glaubenssätze oder unausgesprochene Regeln, die unser Fühlen und Handeln beeinflussen, können existieren, ohne dass uns diese bewusst ist. Ziel ist es, von einer anfänglichen, problembasierten Beziehungskonstellation zu einer abschließenden erleichternden Aufstellung zu gelangen.

Diese Vorteile bringt eine Familienaufstellung

Auch wenn eine Familienaufstellung keine klassische Familien Therapie ersetzt, ist sie ideal, wenn die Probleme in der (Ursprungs-) Familie vermutet werden.

  • #1.

    Visualisieren hilft besser zu verstehen. Verschiedene Blickwinkel auf die neue Situation ermöglichen es unterschiedliche Perspektiven von Familienmitgliedern zu verstehen.

  • #2.

    Beziehungen stärken. Eine schwierige Eltern-Kind Beziehung kann sich durch eine Familienaufstellung verbessern.

  • #3.

    Familienfrieden schaffen. Die ganze Familie profitiert davon.

  • #4.

    Schuldgefühle erkennen und lösen. Es ist wichtig, nicht länger vor der Angelegenheit wegzulaufen.

  • #5.

    Verstrickungen lösen. Sie entstehen überall dort, wo traumatischen Erfahrungen nicht genügend Platz eingeräumt wurde, um sie entsprechend zu verarbeiten.

Wie funktioniert eine Familienaufstellung?

Ein Klient, der sich für eine Familienaufstellung entscheidet, positioniert die einzelnen Mitglieder seiner Familie so, wie er die Beziehungen zwischen den einzelnen Beteiligten und zu seiner eigenen Person aktuell erlebt. Auch für sich selbst benennt er einen Stellvertreter und stellt ihn auf. Seine innere, gefühlte Realität wird also äußerlich sichtbar gemacht.

Bei der Familienaufstellung wird entweder die Ursprungsfamilie (Eltern mit Verwandtschaft und frühere Generationen) oder die Gegenwartsfamilie (die eigene Familie mit Partner:in und Kindern) angesehen.

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© iStock

Gemeinsam eine Lösung finden: So läuft die Familienaufstellung ab

Es ist wichtig zu beachten, dass die Details des Ablaufs von Familienaufstellungen je nach Therapeut, Methode und Gruppe variieren können. Du kannst es dir aber ungefähr so vorstellen:

  • Vorbereitung: Die Gruppe trifft sich und erhält eine kurze Einführung in die Methode und den Ablauf der Sitzung.

  • Der/Die Therapeut:in wählt nun eine:n Klient:in aus, der eine Aufstellung durchführen möchte. Der/Die Klient:in gibt eine kurze Beschreibung seines Problems oder Themas, an dem er arbeiten möchte. Zum Beispiel die Tochter, die ein Problem mit der Rolle ihres Vaters innerhalb der Familie hat.

  • Auswahl der Stellvertreter:innen: Der/Die Therapeut:in fordert die anderen Teilnehmer:innen auf, als Stellvertreter:innen zu fungieren. Die Teilnehmer:innen werden gebeten, in einem Raum herumzugehen und intuitiv zu spüren, welcher Platz (innerhalb der Familie) ihnen am besten entspricht. Jede Person fühlt sich in ihre zugewiesene Rolle ein und berichtet von ihren Eindrücken, Wahrnehmungen und Gefühlen.

  • Der/Die Therapeut:in führt den/die Klient:im und die Stellvertreter:innen an ihre Plätze und bittet sie, ihre Positionen und ihre Beziehungen zueinander darzustellen. Die Stellvertreter:innen sind nun Repräsentanten der Personen, die sie darstellen,

  • Der/Die Therapeut:in arbeitet mit dem/der Klient:in und den Stellvertreter:innen daran, die Beziehungen zwischen den Repräsentanten und den Themen, die der/die Klient:in behandelt, zu verstehen. Der/Die Therapeut:in kann die Positionen der Stellvertreter:innen ändern, um die Beziehungen zwischen den verschiedenen Personen oder Themen zu verändern und neue Perspektiven zu ermöglichen.

  • In manchen Aufstellungen dürfen auch die Stellvertreter:innen ihre Plätze verlassen oder werden an eine andere Stellen geführt, bis alle zufrieden sind und sich ein Lösungsbild ergibt.

Wie funktioniert die Familienaufstellung nach Bert Hellinger?

Bert Hellinger ist der Begründer des Familienstellens. Er begann 1978 mit seiner Forschung über das Stellvertreter-Phänomen. Der Familienaufstellung nach Hellinger liegt die Idee zugrunde, dass alle Mitglieder einer Familie durch emotionale Bande miteinander verknüpft sind. Sind diese Verbindungen gestört, zum Beispiel, wenn ein Kind seine Eltern hasst oder wenn der Kontakt zwischen Familienmitgliedern abreißt , kann dies zu psychischen Problemen oder Krankheiten bei Mitgliedern der Familie führen.

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Was ist eine systemische Familienaufstellung?

Der Fokus der systemischen Familienaufstellung liegt in der Betrachtung auf dem individuellen Erleben einer Person innerhalb eines für sie wichtigen sozialen Systems. Eine Familie stellt ein System dar, bei dem alle Familienmitglieder tief miteinander verbunden sind. Ziel des Systems Familie sollte es sein, dieses zu erhalten und zu stabilisieren.

Genau das geschieht in der systemischen Familienaufstellung. Einzelne Personen werden stellvertretend für Familienmitglieder im Raum positioniert (aufgestellt) und miteinander in Beziehung gesetzt.

Was sollte das Ergebnis sein?

Bei einer Familienaufstellung geht es nicht um Schuldzuweisungen. Vielmehr geht es darum, neue Sichtweisen und Lösungsansätze aufzuzeigen. Im Inneren werden Prozesse aktiviert damit sich Altes und festgefahrenes lösen kann. Ziel ist es beispielsweise länger bestehende Familienkonflikte, die seither nicht geklärt werden konnten, zu lösen.

Eine Aufstellung kann sehr in die Tiefe gehen und lang verschüttete Gefühle wieder an die Oberfläche bringen. Die Familienaufstellung kann emotional sein, wenn sich blockierte Gefühle auflösen. Fragt man Menschen ganz direkt, was ihnen Sinn im Leben gibt, lautet die häufigste Antwort "Familie". Es lohnt sich also daran zu arbeiten. Für uns und unseren Seelenfrieden.

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