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Gewalt während der Geburt: Zwei Frauen berichten über den Schmerz des Ausgeliefertseins

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22 min

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Gewalt im Kreißsaal. Viele Frauen erleben bei der Geburt ihres Kindes Gewalt, werden fremdbestimmt und fühlen sich hilflos. Es geht um Zeit und Geld - immer weniger um das Wohl der Frauen.

*Achtung Trigger Warnung: In diesem Artikel geht es um Gewalt während der Geburt. Im Bereich der Schwangerschaft und Geburt können das Geburtsberichte, Schilderungen von Gewalt oder Übergriffen oder die Beschreibung von Interventionen unter der Geburt sein sowie Verhalten oder Aussagen des Personals. Auch sachliche Informationen können triggern, wenn damit ein negatives Gefühl traumatisch verknüpft ist.

Die Geburt des eigenen Kindes sollte eigentlich zu den schönsten Erfahrung von werdenden Eltern zählen. Doch für viele Gebärende ist sie genau das Gegenteil. Gewalt während der Geburt kommt nämlich viel öfter vor, als man denkt.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Gewalt in der Geburtshilfe als Schwerpunktthema identifiziert, was die globale Relevanz und Dringlichkeit dieses Problems unterstreicht. Eine traurige Wahrheit, die einige Frauen in einem der vulnerabelsten Momente ihres Lebens betrifft.

Gewalt während der Geburt kann viele Formen annehmen, von physischen Übergriffen und medizinischen Eingriffen ohne Einverständnis bis hin zu psychischer Gewalt in Form von Herabwürdigung, Ignoranz oder mangelnder Unterstützung.

Für woman.at habe ich mit zwei Frauen gesprochen, denen Gewalt während ihrer Geburten widerfahren ist. Ihre Erfahrungen sind keine Einzelfälle. Sie teilen mit uns ihre Geschichte. Ein Thema, das mehr Aufmerksamkeit verdient.

*Die Namen der Frauen wurden von der Redaktion anonymisiert.

Was bedeutet Gewalt im Kreißsaal?

Eine Geburt ist für Eltern, besonders aber für Frauen, eine tiefgreifende und individuell unterschiedliche Erfahrung, die mit großen Glücksgefühlen, aber auch mit Leid und Verzweiflung verbunden sein kann. Sie kann auch traumatisierend sein, insbesondere wenn sich Frauen während der Geburt ausgeliefert, ignoriert oder schlecht behandelt fühlen.

Ein Umgang dieser Art kann sowohl für die Mutter als auch für den Säugling unmittelbar negative Folgen haben. Berichte weltweit über geringschätzige und missbräuchliche Behandlung unter der Geburt in geburtshilflichen Einrichtungen beinhalten unter anderem körperliche Misshandlung, tiefe Demütigung und verbale Beleidigung sowie aufgezwungene oder ohne ausdrückliche Einwilligung vorgenommene medizinische Eingriffe.

Hier sind einige Beispiele für Gewalt während der Geburt:

Physische Gewalt

  • Festhalten (z.B. der Beine), keine freie Entscheidung der Geburtsposition (liegend, kniend, im Wasser, etc.)

  • Dammschnitt, der medizinisch nicht notwenig ist

  • Medikamentengabe, die nicht notwendig ist (z.B. eine PDA damit die Frau ruhig ist)

  • grobe Behandlung, medizinisch nicht notwendige Untersuchungen oder Handlungen (z. B. Verwendung der Saugglocke, grobe Abtastung des Muttermundes, Krysteller Handgriff)

Psychische Gewalt

  • Anschreien oder Druck ausüben, Witze, Sätze wie "Stellen Sie sich nicht so an", "Wenn Sie das nicht so machen, dann stirbt ihr Kind", "Schreien Sie nicht so. Eine Geburt tut halt weh"

  • Beschimpfungen oder Diskriminierung (über bspw. Alter, Gewicht, Hautfarbe, Aussehen, etc.)

  • Gebärende allein lassen (außer, wenn sie dies ausdrücklich will) oder sie nicht über weitere Vorgehen informieren

  • Medicineplaining, wenn Ärzte oder Ärztinnen erklären, dass alles genau so sein muss, auch wenn die Frau traumatisiert ist.

Ursachen: Mängel im Gesundheitssystem, Personalmangel und wirtschaftliche Faktoren

Für eine sanfte Einleitung bleibt keine Zeit. Schichtwechsel und Personalmangel sorgen für Stress, Druck und im schlimmsten Fall, zur Gewalt im Kreißsaal. Die Ursachen dafür sind vielschichtig und bedürfen dringender Aufmerksamkeit.

In einem Umfeld, das ohnehin schon von hoher Belastung geprägt ist, können Personalmangel und Schichtwechsel zusätzlichen Stress verursachen. Hebammen, Ärzte und Ärzt:innen finden oft nicht genug Zeit für jede einzelne Frau.

In einem solchen Umfeld können Frauen leider oft Opfer von verbalen oder sogar physischen Angriffen werden. Sie werden angeschrien, grob angefasst oder herumgerissen, was nicht nur traumatisch ist, sondern auch ernsthafte gesundheitliche Folgen haben kann.

Mit einem Kaiserschnitt lässt sich mehr Geld verdienen

In unserer Gesellschaft sind Geburten zu einem Aspekt des kapitalistischen Systems geworden, das oft den Profit über die Bedürfnisse von Müttern und Babys stellt. Diese Realität wird deutlich, wenn man sich mit den wirtschaftlichen Anreizen und Strukturen auseinandersetzt, die in Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen existieren.

Ein beunruhigendes Beispiel ist die Tendenz, Geld mit Kaiserschnitten zu verdienen, aber auch um Zeit zu sparen. Der Anreiz, diese Eingriffe in kürzerer Zeit durchzuführen und mehr Geld verdienen zu können, als bei einer natürlichen Geburt, ist gegeben.

Eine Sectio wird als Operation eingetragen, was bedeutet, dass das Krankenhaus dafür mehr Geld erhält. Diese Praxis stellt die Prioritäten auf den Kopf und führt dazu, dass Geburtshelfer:innen weniger motiviert sind, Gebärende bei der natürlichen Geburt zu unterstützen. Auch der Personalmangel spielt hier natürlich wieder eine Rolle. Natürlich gibt es auch Geburten, bei denen ein Kaiserschnitt notwendig ist, es kommt jedoch immer mal wieder vor, dass dieser aus finanziellen Gründen bevorzugt wird, anstatt die beste Entscheidung für die Gesundheit von Mutter und Kind zu treffen.

Ärzte und Ärztinnen genießen in unserer Gesellschaft ein hohes Ansehen. Sie in Frage zu stellen, kommt für viele Frauen nicht in Frage. Dies kann dazu führen, dass Gewaltvorfälle im Kreißsaal nicht angemessen gemeldet oder thematisiert werden, was das Problem weiter verschärft.

Ich habe mich noch nie so entwürdigt und machtlos gefühlt in meinem Leben

Maria

Zwei Frauen berichten von ihren traumatischen Geburten

Der Schmerz des Ausgeliefertseins. Gewalt während der Geburt wird oft als oft subjektive Empfindlichkeit der Frau dargestellt. Wenn eine Frau gegen ihren Willen, ohne Aufklärung, ohne Einverständnis körperlich oder seelisch verletzt wird, ist das Gewalt.

Fruchtblasen werden geöffnet oder massive Druckausübungen ausgeübt, bei denen man sich auf den Bauch wirft, um die Geburt zu beschleunigen. Ein Verfahren, das auch unter dem Krysteller Handgriff bekannt ist.

Ich habe mit Maria* gesprochen. Sie ist Akademikerin Ende 30 und erlebte während der Geburt ihres Kindes in der Pandemiezeit eine Reihe von Herausforderungen und Gewaltmomente, die ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden stark beeinträchtigten. Trotz ihrer umfassenden Vorbereitung und ihres Wissens über Geburtsprozesse fühlte sie sich im Kreißsaal entmündigt und respektlos behandelt.

"Ich hab mir wirklich gedacht: Also mir kann nix passieren ich kenn mich aus", sagte sie.

Ihr ist es wichtig, dass Frauen ihr Patient:innenrecht kennen und Awareness für dieses Thema geschaffen wird. Sie fragt sich auch, wie wohl eine Frau mit Migrationshintergrund behandelt wird, die nicht der deutschen Sprache mächtig ist? Denn sie ist der deutschen Sprache mächtig und war dem Prozess trotzdem ausgeliefert.

Maria erzählt, wie ihre Hebamme während der Geburt vorschlägt, die Fruchtblase zu öffnen. "Dann haben sie ihre Tochter schon, dann müssen sie nicht mehr warten". Maria fühlte sich aber noch nicht bereit, dass Baby zu bekommen.

"Ich konnte spüren, dass sie nicht ganz einverstanden waren mit meiner Entscheidung. Es war Samstagabend, und ich vermutete, dass sie einfach nach Hause gehen und nicht die nächsten Stunden in Bereitschaft verbringen wollten. Als die Hebamme weiterdrückte, spürte ich, dass meine Entscheidung nicht vollständig akzeptiert wurde."

Am nächsten Tag lässt ihr eine Hebamme aus dem Krankenhaus eine Badewanne im Kreißsaal ein.

"Ich lag in der Badewanne und habe gedacht, dass ich mich nun endlich öffnen kann. Plötzlich ging die Tür auf, eine Ärztin kam herein, hat mich angeschrien und gesagt: Was machen sie da in der Badewanne? Sie sind nicht auf Wellness-Urlaub, sie sollen endlich Wehen bekommen".

"Das hat mich so getroffen, dass ich ganz furchtbar zu weinen begonnen hatte", sagt Maria. Sie war bereits 24 Stunden in einem Ausnahmezustand. "Das ist genau das, was man nicht hören möchte, wenn man sich öffnen soll und Wehen bekommen soll", erklärt sie mir.

Wir sind hier nicht auf Wellness Urlaub, Sie sollen Wehen bekommen.

Maria

Bei der darauffolgenden Untersuchung, habe die Hebamme so lange auf ihrem Bauch herumgedrückt, bis die Fruchtblase offen war. Ihr Einverständnis dazu, habe Maria zu keinem Zeitpunkt gegeben.

"Das waren solche Schmerzen am Muttermund, dass sich mein gesamter Unterleib verkrampft hat. Ich hab nun mehr geschrien. Bei der Geburt selbst hat man mir die Beine angeschnallt und mir ein Wehenmittel gegeben“, erklärt sie. Wofür dieses Mittel genau war, habe man ihr auch nicht erklärt.

"Irgendwann hat die Hebamme begonnen, mir in den Bauch zu hauen. Das hat mir so weh getan, dass ich gesagt habe: 'Bitte hör auf. Ich schaffe das nicht, ich habe solche Schmerzen'".

Dabei hat es sich um den sogenannten Krysteller-Griff gehandelt. Eine umstrittene Methode, mit der die Kopfgeburt des Kindes beschleunigt werden soll. In einer Studie in der Zeitschrift "Hypertension Pregnancy" wird Kristellern als nicht sicher bezeichnet.

Nicht nur das Kind, auch die Mutter ist Risiken ausgesetzt. Der heftige Druck presst das Baby durch womöglich noch nicht ausreichend weite Geburtswege. Tiefe Dammrisse bis hin zu schwerwiegenden Verletzungen des Darmschließmuskels können bedeuten, dass die Frauen den Abgang von Urin und Darminhalt nicht mehr kontrollieren können.

Aufgehört habe die Hebamme nicht, als Maria sie darum gebeten hat. "Die Ärztin hat mich angeschrien und gesagt, dass ich aufhören soll zu denken. Ich soll meine guten Manieren vergessen und anfangen zu pressen. Das waren zwei Schlüsselsätze, die ich nicht vergessen kann“, sagt sie.

Im Nachhinein habe Maria erfahren, dass die Herztöne ihres Kindes nicht abgefallen sind, sie wollten die Geburt einfach nur beschleunigen. Zur Welt sei ihre Tochter am Ende mit einer Saugglocke gekommen.

Nach der Geburt

"Danach dürfte ich massiv Blut verloren haben, ich hatte das Gefühl, dass ich ohnmächtig werde und mir das Baby aus der Hand fällt. Plötzlich wurde mir die Kleine weggenommen. Offenbar wurde in dieser Zeit auch die Plazenta entfernt. Danach wurde mir gesagt, dass ich sofort in den OP muss, weil ich eine schwerwiegende Geburtsverletzung habe."

Im OP wurde sie eine Stunde lang genäht. Maria hatte einen schweren Dammriss. Rückblickend war es eine medizinische Indikation und Maßnahme nach der anderen. Schlechte bis keine Kommunikation.

Für die Geburtsverletzung gab man am Ende ihr die Schuld. Behandelt hat Maria ihre Verletzung in einer speziellen Dammriss-Ambulanz. Ihre Ärztin kann und will sie bis heute nicht sehen. Zu traumatisierend war diese Erfahrung.

Nach der Geburt hatte sie zudem ein schlimmes Hämatom am Oberbauch, wie sie mir berichtet. Auch dies sind Folgen des Krysteller-Handgriffes.

Zwischen Realität und Inszenierung: Social Media und das Idealbild von Geburten

Sanfte und schöne Geburten. Social Media vermittelt oft unrealistische Bilder einer Geburt. Nur wenige Sequenzen werden gezeigt. Man ist regelrecht gebrainwasht von diesen sanft scheinenden und schönen Geburten, inklusive Geburtsmusik und ätherischen Ölen. Auch die Fotos direkt nach der Geburt zeigen ein Bild, das viele so nicht erleben. Denn die wenigsten von uns sehen nach der Geburt aus, als ob sie gleich auf das nächste Glamourevent gehen könnten.

Influener:innen berichten von Geburtskarten, Geburtsplänen und personalisierter Geburtsmusik.

Diese Bilder haben viele Frauen vor Augen. Auch sie wünschen sich eine schöne Geburt. Die Realität sieht leider oft anders aus. Die eigene Geburtserfahrung steht dann in keinem Verhältnis zu den gezeigten Bildern. Dieser Vergleich trägt dazu bei, das Erlebte anzuzweifeln. Viele Frauen fragen sich: Bei den anderen sah es so leicht aus. Stimmt was mit mir und meinem Körper nicht?

Eine andere Frau erzählt ihre Geschichte. Auch Franziska ist Mitte 30 und Akademikerin. Die Erfahrungen, die sie während der Geburt gemacht hat, hinterließen tiefe Spuren. Ursprünglich plante sie eine Hausgeburt, fühlte sich bei ihrer Hebamme zu Hause sicher. Doch kurz vorher entschied sie sich doch für das Krankenhaus, vermeintlich die sicherere Option. Dort angekommen wollte sie nur eins: Sich ausruhen.

Ausruhen können Sie sich nach der Geburt.

Franziska

Ausruhen war aber nicht möglich. Eine Ärztin untersucht Franziska. Ihr Muttermund war mit 8cm-9cm schon weit geöffnet. Plötzlich hieß es: "Bei der nächsten Untersuchung können wir ja die Blase sprengen." Franziska ist schockiert und fragt: "Wieso müssen wir die Blase sprengen? Geschieht das nicht natürlich?"

Sie erzählt mir, wie stressig die ganze Situation für sie war. Nach einer halben Stunde, wollten sie sie wieder untersuchen. Nachdem Franziska einwendete und sagte, dass sie das doch grade erst getan hätten, wird ihr nur gesagt, sie solle sich nicht in deren Arbeit einmischen. Sie fühlet sich nicht gehört. Die Untersuchungen waren sehr unangenehm. Durch "Zufall" platzt nach einer der vielen Untersuchungen die Blase.

Zusätzlich wird ihr wird gedroht: Wenn sie keine PDA nehmen würde, komme es zu einem Kaiserschnitt. Bei einer PDA (Peridurale Anästhesie), handelt es sich um eine Form der regionalen Anästhesie, die während der Geburt eingesetzt wird, um Schmerzen im unteren Teil des Körpers zu lindern.

Wird diese jedoch zu spät gesetzt, kann es sein, dass man nichts mehr spürt. Weil sie keinen Kaiserschnitt wollte, habe sie sich für eine PDA entschieden. Beim Setzen der PDA hat sich ihr Arzt drei Mal verstochen.

Die Geburt selbst war geprägt von Druck seitens des medizinischen Personals. Franziska fühlte sich nicht unterstützt, im Gegenteil – ihr wurde das Gefühl vermittelt, sie sei zu dumm zum Pressen.

Die Ärztin hat mir vermittelt, ich wäre zu dumm zu pressen.

Franziska

"Die haben dort meine Hände und Füße gehalten", sagt Franziska.

Dann hieß es, sie würden jetzt von oben pressen. Franziska wollte den Krysteller-Griff auf keinen Fall. Als sie den Krysteller Griff verweigerte, wurde ihr erneut mit einem Kaiserschnitt gedroht.

Ihr wurde gesagt: Das wäre so vorgegeben. Schlussendlich wurde auch ihre Tochter mithilfe einer Saugglocke zur Welt gebracht.

"Aus einer unkomplizierten Geburt, wurde irgendwie eine Notfall-Geburt gemacht. Hätte ich mich vorher nicht so gut informiert, hätte man denken können - das wäre normal. Ich höre von so vielen Frauen, denen es so ähnlich ergangen ist, die aber nicht wissen, was sie damit anfangen sollen", sagt sie.

Dieses Geburtserlebnis hat tiefe Narben bei Franziska hinterlassen.

Es würde viel weniger Saugglockengeburten, Kaiserschnitte und Krysteller-Griffe geben, wenn man einfach auf die Patientinnen eingehen würde.

Franziska

Wie kann man gegen diese Missstände vorgehen?

Die Geburt eines Kindes und die Bedürfnisse der Frau unter der Geburt, müssen sich in den meisten Kliniken nach dem Arbeitsplan der Belegschaft richten. Das Problem ist, dass die Bedürfnisse der Mutter bei der Geburt oft keine Priorität haben.

Es braucht Gesetze und Richtlinien, um die Rechte von Schwangeren und Gebärenden zu schützen. Dies kann den Zugang zu einer respektvollen Geburtshilfe und die Möglichkeit zur Anzeige von Missständen erleichtern.

Medizinisches Personal sollte umfassend in den Bereichen Kommunikation, Empathie und gewaltfreie Geburtshilfe geschult werden. Dadurch kann eine sensiblere und respektvollere Betreuung während der Geburt gewährleistet werden.

Gewalt unter der Geburt: Selbstbestimmungsrechte von Frauen müssen diskutiert werden

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Richtlinien zur natürlichen Geburt entwickelt, die darauf abzielen, die Geburtserfahrung für Frauen sicherer und respektvoller zu gestalten. Prinzipiell gehen diese Empfehlungen davon aus,

  1. dass jede Frau ein grundlegendes Recht auf eine umfassende Betreuung in der Schwangerschaft hat.

  2. dass sie bei allen Aspekten dieser Betreuung im Mittelpunkt steht und an der Planung, Durchführung und Beurteilung der Vorsorgemaßnahmen teilnimmt.

  3. dass neben der medizinischen Vorsorge soziale, emotionale und psychische Faktoren entscheidend sind für eine umfassende Betreuung in der Schwangerschaft.

"Die fortschreitende Medikalisierung natürlicher Geburtsprozesse untergräbt die Fähigkeit einer Frau, ihr Kind natürlich auf die Welt zu bringen. Das kann negative Geburtserlebnisse zur Folge haben.“, so Dr. Princess Nothemba Simelela, stellvertretende Generaldirektorin für Familie, Frauen, Kinder und junge Erwachsene der WHO.

Wenn die Entbindung komplikationsfrei verläuft, der Muttermund sich beständig öffnet und Mutter als auch Kind in einem guten Zustand sind, besteht keine Veranlassung (aus medizinischer Sicht), die Geburt künstlich zu beschleunigen.

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© istock

Hilfsangebote für Frauen nach Geburtstrauma

Wenn dir Gewalt bei deiner Geburt widerfahren ist, kannst du folgendes tun:

  • Vorfall der Spitalsleitung melden: Melde den Vorfall der Spitalsleitung oder dem Krankenhauspersonal, um sicherzustellen, dass deine Erfahrung ernst genommen wird und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.

  • Psychologische Betreuung zur Aufarbeitung: Suche nach psychologischer Unterstützung, um die erlebte Gewalt zu verarbeiten und mit den daraus resultierenden Emotionen umzugehen.

  • Geburtsaufarbeitung für Mütter bei Nanaya: Bei Nanaya gibt es Unterstützung durch den Austausch mit anderen Müttern, das Erzählen der eigenen Geburtsgeschichte und das Erleben aus der Sicht des Babys.

  • Vortrag für Mütter/Väter von Babys und Kleinkindern bei Nanaya, deren Geburt anders als erwünscht verlaufen ist: Im Vortrag geht es darum, wie solche Geburtserfahrungen aufgearbeitet werden können, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt und was ohne Begleitung getan werden kann.

  • Rechtswege nach Gewalt in der Geburtshilfe. Du hast Gewalt erlebt und möchtest gerichtlich oder außergerichtlich dagegen vorgehen? Beim Verein Traum(a)Geburt e.V. findest du weitere Informationen

  • Bei der nächsten Geburt ein Krankenhaus mit Hebammenfokus wählen, das mit wenig Interventionen arbeitet. Das AKH in Wien hat beispielsweise einen Hebammenkreißsaal. Das Bestreben der Hebammen dort ist, die schwangeren Frauen bei ihrem individuellen und persönlich gestalteten Geburtserlebnis zu unterstützen.

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