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Astrid Lindgren: Das Leben der Pippi-Langstrumpf-Mama

Ein Leben voller Höhen und Tiefen – ein Leben voller Inspiration für Geschichten: Astrid Lindgren ist die bekannteste Kinder- und Jugendbuchautorin der Welt. Ihre rund 70 Kinderbücher wurden in 106 Sprachen übersetzt und sind in einer Gesamtauflage von sage und schreibe 165 Millionen erschienen.

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Astrid Lindgren
© Getty Images

Astrid Lindgren stirbt nie – auch wenn sie schon seit einiger Zeit nicht mehr unter uns weilt. Vor wenigen Jahren erst wurde ein Film über ihr Leben gedreht. Wer "Astrid" gesehen hat, weiß ein wenig mehr über jene Frau, die mit Pippi, Lotta, Michel und vielen mehr unsere Kindheit geprägt hat. Auch die derzeitige und die kommenden Generationen werden noch von den herrlichen Charakteren, die in Lindgrens Kopf entstanden sind, zehren und inspiriert werden.

Was allerdings wenige wissen: Die Schriftstellerin, die 94 Jahre alt geworden ist, hat sich zeitlebens für Menschen- und Tierrechte eingesetzt – nach ihr wurde sogar ein Tierschutzgesetz benannt: Das "Lex Lindgren". 1978 bekam sie dafür den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1994 einen "alternativen Nobelpreis", den Ehrenpreis des "Right Livelihood Awards".

Steckbrief

  • Name: Astrid Lindgren
  • Geboren am: 14. November 1907
  • Gestorben am: 28. Januar 2002
  • Nationalität: Schwedisch
  • Sternzeichen: Waage
  • Beruf: Kinderbuchautorin, Verlagsmanagerin
  • Kinder: Karin Nyman (geboren 1934); Lasse Lindgren (1926 bis 1986)
  • Ehepartner: Sture Lindgren (1898 bis 1952)

Idyllische Kindheit in Schweden

Astrid Lindgren wurde am 14. November 1907 als eines von vier Kindern auf dem Pfarrhof Näs bei Vimmerby in Småland mit dem Namen Astrid Anna Emilia Ericsson geboren. Man darf sich ihre Kindheit ebenso idyllisch vorstellen, wie sie das in ihren Klassikern Pippi Langstrumpf und Kinder von Bullerbü immer wieder beschreibt.

»Die beste Zeit meines Lebens war, wenn ich spielen durfte. Ich fand es nicht besonders lustig, größer zu werden«

Sehr früh ist bemerkbar, dass das Mädchen offenbar über großes sprachliches Talent verfügt: Neben ihrer Muttersprache sind es Englisch, Deutsch und Französisch, die sie leidenschaftlich und motiviert lernt. Sie geht gerne in die Schule und bringt gute Noten nach Hause.

Schon mit 17 Jahren bekommt sie ein Angebot: Der Chefredakteur der ortsansässigen Zeitung lässt sie Beiträge der Journalist:innen redigieren und bietet ihr eine journalistische Ausbildung an. Schon bald wird sie zum Liebling der Redaktion. Und das, obwohl sie sich die Zöpfe abschneidet und Herrenanzüge trägt (sie war Greta Garbo Fan) – was recht unüblich in der kleinen schwedischen Stadt war.

Astrid Lindgrens schwersten Jahre wurden zur größten Inspiration

Ihre Karriere in der ortsansässigen Redaktion soll nicht allzu lange dauern: Ein Jahr nach Dienstantritt wird sie schwanger – von ihrem Chefredakteur, einem Mann, der verheiratet ist. Auch wenn ihre Familie kämpft: Die Schande ist zu groß, um daheim bleiben zu können. Astrid muss nach Stockholm ziehen und nimmt dort einen Job als Sekretärin an.

Ihren 1926 geborenen Sohn darf sie nicht behalten: Seine ersten drei Lebensjahre verbringt Lasse mit einer Pflegemutter: Marie Stevens. Diese Zeit sei eine große Inspiration für ihre Bücher gewesen, meint die Schriftstellerin viel später. Schon damals habe sie jede Menge geschrieben: Tagebuch, Kurzgeschichten und auch Weihnachtsmärchen, die in Tageszeitungen veröffentlicht wurden.

1929 kann sich die Ersatzmutter Lasses wegen Herzbeschwerden nicht mehr um ihn kümmern und er darf zu seiner Mutter nach Stockholm – verbringt aber auch insgesamt ein Jahr bei seinen Großeltern auf dem Hof Näs. Als Astrid den Bürovorsteher ihres Arbeitgebers, Sture Lindgren heiratet, darf der Fünfjährige wieder zurück zu seiner Mutter, der mit acht Jahren eine kleine Schwester bekommt: Karin.

Karriere: Nur durch Zufall entstand "Pippi Langstrumpf"

Geschrieben hat Astrid Lindgern immer. 1939 etwa fing sie an, "Kriegstagebücher" zu schreiben. Diese wurden posthum unter dem Titel "Die Menschheit hat den Verstand verloren" veröffentlicht. Sie arbeitet geheim beim Nachrichtendienst bis Kriegsende. Somit hatte sie immer Insider-Informationen rund um das Kriegsgeschehen.

Erst 1940 wird es richtig ernst mit der Schriftstellerei. Die künftige Kinderbuchautorin erzählt am Krankenbett ihrer Tochter Stegreifgeschichten. Karin erfindet irgendwann den Namen Pippi Langstrumpf, der eine ganz besondere Geschichte im Kopf ihrer Mutter entstehen lässt.

»Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!«

Jahre später druckt der Verlag Rabén & Sjögren die Geschichte – nicht wissend, welch Kinderbuch-Kult sich daraus entwickeln wird. Die erste Illustration der Pippi-Figur soll von der Autorin selbst stammen. In weiterer Folge erhält Astrid Lindgren im Verlag auch eine Stelle als Lektorin.

Das erste Buch entsteht ebenfalls durch einen Zufall: 1944 nimmt Astrid Lindgren an einem Preisausschreiben für Mädchenbücher teil. Mit "Britt-Mari erleichtert ihr Herz" erhält sie den 2. Preis in der Kategorie "Mädchenbücher für das Alter 10-15 Jahre". Britt-Marie wird veröffentlicht und ist somit das erste gedruckte Werk.

Ihr Ehemann kann nicht mehr sehr lange an ihrem Erfolg teilhaben: Er stirbt bereits 1952 im Alter von 55 Jahren – er soll Alkoholiker gewesen sein.

Astrid Lindgren blieb Kinderbuchautorin bis zur Pension

Astrid Lindgren blieb dem Verlag treu – bis zu ihrer Pension 1970. Sie baute dort die Kinderbuchabteilung auf, kam täglich nach Mittag ins Haus, wo sie vornehmlich mit Autor:innen Gespräche führte und Manuskripte zu lesen hatte.

Morgens soll sie noch im Bett liegend an ihren eigenen Büchern geschrieben haben – und dies per Stenografie. Die Sprachmelodie musste stimmen, das war der Autorin immer enorm wichtig. Abgetippt wurde selbst – bis ins hohe Alter.

Die letzten Jahre: Humorvoll und kämpferisch bis zum Tod

Mit 80 noch auf Bäume klettern, launige Sprüche klopfen und quietschfidel durchs Leben gehen. So stellt man sich Mama-Pippi vor – und so war sie auch. Zeitlebens hat sie etwa ihre tausenden Briefe, die ihr Kinder geschrieben haben, gelesen und zum Teil auch beantwortet. Immer wieder machte sie mit ungewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerksam.

Etwa, als ihr 1997 der Preis zur Schwedin des Jahres verliehen wurde. Sie sprach mit folgenden Worten zum Publikum: "Ihr verleiht den Preis an eine Person, die uralt, halb blind, halb taub und verrückt ist. Wir müssen aufpassen, dass sich das nicht rumspricht."

Am 28. Januar 2002 stirbt die weltberühmte Autorin in ihrer Wohnung in Stockholm im Alter von 94 Jahren. Sie hinterlässt die bunte Welt der Pippi Langstrumpf.