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Blutspenden: Wenn 20 Minuten ein Leben retten

In Österreich werden täglich rund 1000 Blutkonserven gebraucht. Wir stellen uns die Frage: Warum gehen nicht mehr Leute zur Blutspende?

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Blutspenden - alle Informationen
© istockphoto.com

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der es ganz selbstverständlich war regelmäßig Blut zu spenden. Es gibt keine einfachere Art etwas Gutes zu tun. Nette Gespräche, eine kostenlose Jause und viel Dankbarkeit. Das ganze Prozedere dauert nicht länger als eine Stunde und am Ende kann man damit ein echtes Menschenleben retten. Trotzdem ist es so, dass ganz viele Menschen noch nie in ihrem Leben Blut gespendet haben. Warum denn eigentlich nicht? Ich habe in meinem Freundeskreis nachgefragt - da gibt es ganz unterschiedliche Gründe: "Nadeln machen mir Angst", "Es ist mir zu aufwändig dort extra hinzugehen". All diese Gründe sind nachvollziehbar - aber irgendwie keine echten Gründe. Es ist nämlich keineswegs so, dass "ohnehin ohne Probleme genug Blut da ist", erklärt Dr. Ursula Kreil, stv. medizinische Leiterin Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und Burgenland

»Wir sind ständig auf der Suche nach Personen, die die Blutspende zu einem regelmäßigen Teil ihres Lebens machen wollen.«

Darum ist Blutspenden gesund

Wir möchten Menschen motivieren für andere ihr Blut zu spenden. Man hat nämlich als Spender:in auch eine Menge Vorteile (neben all der ganzen Karmapunkte natürlich):
1. Du kannst mit jeder Blutspende Leben retten!
2. Beim Aderlass werden Blutzellen und Stammzellen neugebildet.
3. Regelmäßiges Blutspenden kann den Blutdruck senken.
4. Du erfährst deine Blutgruppe.
5. Du erhältst jedes mal einen Gesundheitscheck (z.B. HIV, Hepatitis B oder C)
6. Du bekommst einen Blutspendeausweis.

Blutspendeausweis

Gemeinsam ist es leichter

Wenn man es alleine nicht schaffst, weil einfach keine Zeit bleibt oder man etwas Angst hat, dann nimmt man eben einen Freund/eine Freundin mit oder gleich eine ganze Gruppe. So wird die Spende zu einem kleinen Event, ihr habt Zeit zum Tratschen und am Ende kann man stolz sein, dass man gemeinsam etwas geleistet hat.

Wer noch immer verunsichert ist oder Fragen zur Blutspende in Österreich hat, bekommt hier alle wichtigen Informationen von Dr. Ursula Kreil.

1. Wer darf Blut spenden?

Blut spenden dürfen grundsätzlich alle Menschen ab 18 Jahren, die gesund sind und gewisse gesetzlich festgelegte Kriterien erfüllen. Eine Voraussetzung ist zum Beispiel ein Mindestkörpergewicht von 50 kg. Wer Blut spenden möchte, sollte am Tag der Blutspende ausreichend Flüssigkeit getrunken und auch gegessen haben. Vor jeder Blutspende muss ein Fragebogen ausgefüllt werden und es gibt ein Arztgespräch. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet dann über die Zulassung.

2. Wie oft darf man Blutspenden?

Frauen dürfen vier bis fünf Mal pro Jahr, Männer bis zu sechs Mal pro Jahr Blut spenden. Der Mindestabstand zwischen zwei Vollblutspenden muss acht Wochen betragen.

3. Wie viel Blut wird abgenommen?

Bei einer Spende werden 465 Milliliter Blut abgenommen.

4. Wie lange dauert eine Blutspende?

Die Blutabnahme selbst ist schnell vorbei und dauert maximal zehn Minuten. Für die gesamte Blutspende sollte man circa eine Stunde einplanen, da man nach der Abnahme eine Ruhepause von 30 Minuten einhalten sollte.

5. Wie lange dauert es, bis das gespendete Blut und Plasma vom Körper wieder reproduziert wird?

Blutspenden sind generell gut für Spender:innen verträglich. Unsere Blutzellen erneuern sich im Körper in regelmäßigen Abständen, deshalb ist eine kontrollierte Abgabe von Blut für den Körper auch kein Problem. Die bei einer Blutspende abgenommene Flüssigkeit (das sogenannte Plasma ) wird innerhalb weniger Stunden ersetzt, die festen Blutbestandteile (rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen ) werden im Lauf weniger Wochen nachgebildet.

6. Wann darf ich kein Blut spenden?

Wer Blut spenden darf, ist in Österreich gesetzlich festgelegt. Ein Ausschluss dient immer dem Schutz der Patient:innen und auch der Spender:innen. Einschränkungen zu spenden gibt es zum Beispiel bei einer Erkältung, Aufenthalten in Malariagebieten oder wenn man Medikamente einnimmt oder eingenommen hat. Genaue Informationen zu eventuellen – oft auch nur zeitlich begrenzten - Ausschlussgründen gibt es unter www.blut.at oder der kostenlosen Servicenummer 0800 190 190.

7. Ist die Blutspende von homosexuellen Männern erlaubt?

Ab Herbst 2022 soll das Blutspendeverbot für Homosexuelle fallen - dies wurde im Mai 2022 verkündet. "Die sexuelle Orientierung darf beim Blutspenden keine Rolle spielen, das sage ich aus tiefer Überzeugung. Wenn jemand mit einer Blutspende helfen will, soll die Person nicht aufgrund der sexuellen Orientierung oder des Geschlechts daran gehindert werden." – Bundesminister Johannes Rauch

8. Wofür wird mein Blut verwendet?

Blut ist bei Unfällen, großen Operationen, oder chronischen Erkrankungen und selten auch bei Geburten ein lebensrettendes Notfallmedikament. Alle 90 Sekunden wird in Österreich eine Blutkonserve benötigt. Das Rote Kreuz hat sich dem Ziel verschrieben, dass jede:r Patient:in die für ihn oder sie passende Blutkonserve bekommen soll.

Blutspenden infos

9. Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen für mich als Spender:in?

Nein. Fürs Blutspenden wird ausschließlich steriles Einwegmaterial verwendet. So ist Blutspenden für den Spender völlig ungefährlich. Damit es auch für den oder Empfänger:in sicher ist, muss eine Blutspende mehr als 20 Labortests "absolvieren".

10. Wie viele Blutspenden werden in Österreich pro Tag benötigt?

Bis zu 1.000 Blutkonserven werden pro Tag in Österreich benötigt. Das ist rund alle eineinhalb Minuten eine Konserve, rechnete das heimische Rote Kreuz (ÖRK) Blutkonserven können rund um die Uhr von Spitälern angefordert werden. Rund 70 Prozent davon werden - etwa für Operationen - langfristig vorbestellt, 30 Prozent werden akut verabreicht. Dem gegenüber stehen rund 3,7 Prozent der spendefähigen Bevölkerung ab 18 Jahren, die auch tatsächlich zur Blutspende gehen. Die Blutkonserven sind maximal 42 Tage haltbar.

11. Wo und wann kann ich Blutspenden?

Unter www.blut.at kannst du nach Spendemöglichkeiten in deiner Nähe suchen und findest alle Adresse und Öffnungszeiten der Rotkreuz-Blutspendzentralen sowie alle Informationen zu mobilen Blutspendeaktionen des Roten Kreuz.

Übrigens: Im Jahr 1930 hatte der österreichische Naturwissenschafter Karl Landsteiner für seine Entdeckung der Blutgruppen A, B, 0 und AB den Nobelpreis für Medizin erhalten. Seine Forschungserkenntnisse haben eine moderne Transfusionsmedizin ermöglicht. Seit dem Jahr 2004 wird daher jährlich am 14. Juni, dem Geburtstag von Landsteiner, der internationale Weltblutspendetag gefeiert. An diesem Tag sollen die Menschen weltweit daran erinnert werden, wie wichtig die Blutspende ist.

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