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Gebärmutterkrebs: Symptome, Heilung und Impfung

Gestern erreichte uns die traurige Nachricht, dass unsere Gesundheits- und Frauenministerin Sabine Oberhauser den Kampf gegen den Unterleibskrebs verloren hat. Wir informieren über die Ursachen, Symptome, Früherkennung und Heilungschancen von Gebärmutterkrebs.

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Gebärmutterkrebs - Unterleibskrebs - Sabine Oberhauser
© istockphoto.com

Unterleibskrebs ist (nach Brustkrebs) weltweit der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen. Vor allem Frauen über 50 sind gefährdet an Gebärmutterkrebs oder Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung ist wichtig, um den Tumor rechtzeitig entdecken und behandeln zu können.

Gesundheits- und Frauenministerin Sabine Oberhauser hat jahrelang gegen den Unterleibkrebs gekämpft und den Kampf letztendlich gestern verloren. Hier noch einmal einige rührende Reaktionen aus dem Netz: So trauert das Netz um Sabine Oberhauser

Was ist Unterleibskrebs?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Formen von Unterleibskrebs:
- Gebärmutterhalskrebs (Kollumkarzinom)
- Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom)

Was ist Gebärmutterhalskrebs?

Der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist ein bösartiger Tumor des Gebärmutterhalses (Cervix uteri) und ist weltweit der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen.

Wer ist gefährdet?
Frauen zwischen 35 und 55 Jahren sind am häufigsten von Gebärmutterhalskrebs betroffen, allerdings können Krebsvorstufen schon bei 20- bis 30-jährigen Patientinnen auftreten.

Risikofaktoren für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs:
- Zunehmendes Alter
- Übergewicht
- Längerfristige Einnahme von Östrogenen ohne Gabe von Gestagen
- frühe Menarche und/oder spät einsetzende Menopause
- Kinderlosigkeit
- Diabetes mellitus II
- Rauchen
- Stoffwechselstörung mit Fettleibigkeit (metabolisches Syndrom)
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom), bei dem zahlreiche Eierstockzysten vorliegen und diese zu Unfruchtbarkeit führen können
- Brustkrebserkrankung
- Eine seltene Erbkrankheit (Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer Syndrome, kurz HNPCC-Syndrom), die zusammen mit Dickdarmkrebs auftritt
(Quelle: www.unterleibskrebs.at)

Die Einnahme der Anti-Baby-Pille scheint der Entstehung eines Endometriumkarzinoms entgegenzuwirken. Auch (mehrere) Schwangerschaften und Stillen gelten als Schutzfaktoren.

Gebärmutterkrebs - Unterleibskrebs - Sabine Oberhauser

Symptome von Gebärmutterhalskrebs
Gebärmutterhalskrebs bildet sich in der Regel völlig unauffällig und ohne Schmerzen. Nur gelegentlich können leichte Schmierblutungen auftreten. Symptome treten meist erst dann auf, wenn die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten ist. Dann kommt es zu fleischwasserfarbigem, süßlich riechendem, schleimig-eitrigem Ausfluss, unregelmäßigen, abnormen vaginalen Blutungen und Kontaktblutungen beim Geschlechtsverkehr. Typisch sind auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Schmerzen im Bereich des Beckens. Ist das Karzinom in das umliegende Gewebe eingewachsen, können Darm- oder Blasenbeschwerden wie Druck, blutiger Urin, Blut im Stuhl, Harnwegsinfekte und Rückenschmerzen auftreten. Eine ungewollte und unerklärliche, deutliche Gewichtsabnahme kann ein Anzeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung sein.

Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung
In Österreich kann jede Frau einmal im Jahr zu einer kostenlosen zur "Vorsorge" zu ihrem Frauenarzt gehen. Wichtigste Untersuchung zur Krebsfrüherkennung ist ein einfacher Zellabstrich vom Gebärmutterhals, der "Pap-Test". Er dient dazu, Zellveränderungen am Gebärmutterhals aufzuspüren. Damit steigt die Chance, Krebsvorstufen zu erkennen und behandeln zu können - noch bevor Gebärmutterhalskrebs entsteht.

In Österreich werden jährlich ungefähr 900 Fälle von invasiven Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert, ungefähr 300 Frauen sterben jährlich an dieser Erkrankung.
In den letzten 50 Jahren kam es zu einer Reduktion der Sterblichkeit in den entwickelten Ländern. Dies ist hauptsächlich auf Krebsfrüherkennungsprogramme zurückzuführen.

Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs

Was ist HPV?
Die WHO schätzt, dass etwa 18 % der Krebserkrankungen weltweit auf chronische (persistierende) Infektionen mit Viren, Bakterien oder Parasiten zurückzuführen sind. Humane Papillomviren (HPV) sind weit verbreitete Viren, mit denen sich sowohl Männer als auch Frauen infizieren können. Mehr als zwei Drittel der Menschen (Männer, Frauen - auch Kinder) infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV - ohne dass sie es wissen oder bemerken. Die Übertragung von HPV erfolgt am häufigsten durch sexuellen Kontakte. HPV kann aber auch durch einfache (Haut-)Kontakte übertragen werden (z.B. auch in seltenen Fällen bei der Geburt durch Übertragung von Mutter auf das Kind). In Europa sind die Typen 16 und 18 die häufigsten onkogenen (krebserregenden) HPV-Typen, die zu Krebsvorstufen und in weiterer Folge zu Gebärmutterhalskrebs, Scheidenkrebs und Krebs der Schamlippen, Penis- und Analkrebs sowie zu Krebsformen im Bereich des Rachens und des Kehlkopfes führen können.

Rauchen stellt einen weiteren Risikofaktor für die Entstehung eines Zervixkarzinoms dar.

Impfung gegen HPV
Nach jahrelanger Forschung und Nachweis der Wirksamkeit in klinischen Studien sowie weltweiten Zulassungsverfahren sind seit 2006/2007 zwei Impfstoffe gegen Humane Papillomaviren verfügbar und in über 120 Ländern weltweit zugelassen. Seit 2016 ist in Österreich ein dritter HPV-Impfstoff verfügbar. Die Österreichische Krebshilfe spricht eine klare Empfehlung für die HPV-Impfung aus (siehe nachstehend) und hat auch eine Internet-Plattform eingerichtet, auf der die führenden ExpertInnen zu dem Thema Stellung beziehen.

NEU: In Österreich gibt es eine kostenlose HPV-Impfung für Mädchen und Buben in der 4. Schulstufe (ab dem 9. Geburtstag bis zum vollendeten 12. Lebensjahr).

Was ist Gebärmutterkörperkrebs?

Bei Gebärmutterkörperkrebs handelt es sich um eine bösartige Neubildung des Gebärmutterkörpers. Am häufigsten sind Frauen nach den Wechseljahren davon betroffen. Tumoren, die in der Schleimhaut des Uterus entstehen, sind die häufigste Form (über 90 Prozent) des Gebärmutterkörperkrebses. Es gibt aber auch andere, seltenere Krebsformen, die ihren Ursprung in der Muskelschicht des Uterus haben (Uterussarkome).

Wer ist gefährdet?
Betroffen sind überwiegend Frauen in den Wechseljahren (Klimakterium), mit einem Altersgipfel zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 68 Jahren. Aber auch jüngere Frauen können betroffen sein. Etwa 20 % der Fälle betreffen prämenopausale Frauen, 4-5 % der Fälle treten bereits vor dem 40. Lebensjahr auf.

Symptome von Gebärmutterkörperkrebs
Blutungen nach der Menopause (postmenopausale Blutungen) sind das häufigste Symptom von Gebärmutterkörperkrebs. Auch Veränderungen und Abweichungen der gewohnten Blutungsdauer und -stärke vor der Menopause kommen als frühe Anzeichen eines Karzinoms infrage. Wird ein Endometriumkarzinom im Frühstadium entdeckt, sind die Heilungschancen sehr gut.
Wie beim Zervixkarzinom stellen auch hier Schmerzen im Unterbauchbereich und eine ungewollte und unerklärliche Gewichtsabnahme eher Spätsymptome dar. Alle oben genannten Symptome sollten durch den Gynäkologen abgeklärt werden.

Früherkennung von Gebärmutterkörperkrebs
Für das Endometriumkarzinom gibt es keine Methode zur Früherkennung (Screening) bei beschwerdefreien Frauen. Deshalb ist es besonders wichtig, bei jeder auffälligen Blutung zum Frauenarzt zu gehen, um diese abzuklären. Das gilt vor allem für Frauen nach den Wechseljahren. Wird der Gebärmutterkörperkrebs frühzeitig erkannt, kann er in der Regel gut behandelt werden.

Die Seite www.unterleibskrebs.at klärt weiter auf und bietet Hilfestellungen für PatientInnen und ihre Angehörigen.