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Krach? Drohe NICHT mit Trennung!

Streit kommt in jeder Beziehung vor. Trotzdem sollte man nie leichtfertig mit Trennung drohen. Welche Auswirkungen dieses Liebes-Druckmittel hat.

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Krach? Drohe NICHT mit Trennung!

"Ich will so nicht mehr, ich gehe..."

© Corbis

Eine kleine Meinungsverschiedenheit, die sich zum ernsthaften Konflikt auswächst. Tobias ist wütend, Hannah auch. Sie biestern sich an, jeder gibt dem anderen die Schuld, beide sind verzweifelt und wissen nicht mehr weiter. Plötzlich wird Tobias sehr ruhig, sehr distanziert. "Ich will so nicht mehr. Lass' es uns einfach vergessen. Es ist immer derselbe Scheiß. Eine Trennung ist wahrscheinlich besser."

Dann steht er auf, dreht sich um und geht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hannah diese Situation erlebt. Jeder größere Krach endet damit, dass Tobias die Reißleine ziehen will. Oder besser: damit droht.

Auch der weitere Verlauf folgt einem Muster. Sie bettelt, dass er es bitte weiter mit ihr versuchen soll. Dass doch all die schönen Zeiten nicht plötzlich umsonst gewesen sein können. Oder sie wird wütend, stellt die Beziehung ebenfalls in Frage und droht ihrerseits mit dem Ende.

Am Ende gestehen sich beide tränenreich ihre Liebe. Aber die Androhung des Liebes-Aus, die sitzt tief in ihnen.

Trennungs-Androhung als Bestrafung und Bestätigung

Die Verhaltensweise von Tobias ist nicht weiter ungewöhnlich. Es erinnert ein wenig an unsere Kindheit und die Trotzphase. Wenn wir von Mama nicht das bekommen haben, was wir wollten, dann haben wir uns einfach auf den Boden gesetzt und nicht mehr weitergemacht. Oder wenn wir beim Brettspiel am Verlieren waren, dann sind mittendrin aufgestanden und haben gesagt: "Jetzt mag' ich nicht mehr."

Betrachten wir die Liebe einmal als Spiel (und vermutlich ist das auch die beste Betrachtungsweise, denn im Regelfall sollte sie Spaß machen). Es kommt bei einem Spiel aber eben auch vor, dass wir foulen oder uns ungerecht behandelt fühlen. Solange beide Seiten mitspielen und versuchen, die Regeln wieder herzustellen, ist alles okay. Wenn aber einer damit droht, das Beziehungs-Spielfeld zu verlassen, nur um seinen Willen durchzusetzen oder das Machtverhältnis zu seinen Gunsten zu verändern (indem der andere bettelt und die Liebe bestätigt), dann gerät die Sache in Schieflage.

Denn die Trennungsdrohung stellt die Beziehung selbst in Frage. Und das wirkt sich dauerhaft problematisch auf die Partnerschaft aus.

Ein Streit ab und an ist notwendig. Um die Fronten zu klären und danach wieder Nähe zu spüren. Doch wenn Konflikte gelöst werden sollen, brauchen beide Partner die Sicherheit, dass der andere nicht aufgibt, bloß weil es jetzt mal zwischenzeitlich schwierig ist.

Drohen wir leichtfertig damit, den anderen zu verlassen, sobald es brenzlig wird, dann zerstören wir diese Sicherheit. Nicht unbedingt beim ersten Mal. Aber die Liebe wird mit jeder leichtfertigen Trennungs-Androhung Stück für Stück ausgehöhlt, bis das Fundament endgültig zusammenkracht. Die Basis ist weg.

Wenn euer Partner also bei fast jedem Streit sofort die gesamte Beziehung in Frage stellt, dann müsst ihr das mit ihm klären. Ihm sagen, was das auslöst, was es bedeutet, wenn man voreilig droht. Denn ein Paar ist immer nur dann auch wirklich ein Paar, wenn es sich mit absoluter Bestimmtheit als solches versteht.