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Ich habe mich in meinen Therapeuten verliebt - und es ihm gestanden!

Du hast eine dringende Frage zu deiner Partnerschaft? Unser Experte berät dich realistisch, aus männlicher Sicht und mit viel Herz.

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Ich habe mich in meinen Therapeuten verliebt - und es ihm gestanden!
© Photo by Xavier Sotomayor on Unsplash

Sehr berührt hat mich der Leserbrief zum Thema "Verliebt in den Therapeuten". Auch ich hatte mich in meinen Therapeuten verliebt. Ich habe es ihm gestanden. Daraufhin hat er mir gesagt, wenn wir eine Beziehung eingehen würden, müssten wir die Therapie abbrechen. Warum geben Therapeuten solche Antworten? Ich hatte auf Verständnis gehofft, war so gekränkt durch die anschließende Distanziertheit und habe die Therapie (voreilig) beendet. Drei Monate später haben wir versucht, das in sieben Sitzungen (!) aufzuarbeiten. Ich erlebe die Therapiebeziehung immer noch als angespannt, suche einerseits seine fachliche Hilfe, andererseits bin ich immer noch eingenommen von ihm."

Dr. Schmitz: Therapeuten müssen Menschen mögen, sich für sie interessieren und mitfühlend sein. Sie sollen Klienten helfen, sich selbst besser zu verstehen und zu mögen und Probleme, die ihnen zu schaffen machen, besser zu bewältigen. Dazu müssen Therapeuten Nähe und Vertrauen bieten. Aber eine Beziehung, die auf Partnerschaft oder Sexualität zielt, dürfen sie nie anstreben oder in Aussicht stellen, weil sie damit Hilfsbedürftigkeit ausnützen und ihre Aufgabe als Therapeuten aufgeben. So könnten sie als Therapeuten nicht mehr helfen. In ihrer Rolle, mit ihrer Aufmerksamkeit, ihrem Verständnis, dem Willen, zu helfen, dem Angebot, sich in der Therapie "fallen" zu lassen, mögen sie Klienten auch als Person stark und attraktiv erscheinen. Aber tatsächlich erleben Klienten sie nur in der besonderen Therapiesituation. Im Alltag sind Therapeuten ganz und gar nicht so ideal, wie es Klienten in der Therapie erscheinen mag. Außerdem sind sie (in aller Regel) selbst in einer Partnerschaft und daher auch nicht auf eine andere Beziehung aus. Wenn Sie es so bedenken, schaffen Sie von sich aus schon Distanz -die es leichter macht, das Verhältnis angemessen und für Sie nützlich zu gestalten. Ihr Therapeut hätte so mit Ihnen darüber sprechen sollen. Schroff zu sagen "Bei einer Beziehung müssen wir die Therapie abbrechen", ist mehr als schräg. Erstens weil er auf diese Weise droht, professionelle Hilfe zu entziehen. Zweitens schiebt er dafür Ihnen die Verantwortung zu. Und drittens deutet er an, dass es einen Weg in eine (andere) Beziehung geben könnte. Das ist allerdings für einen Therapeuten ein absolutes No-Go.

Der Paar-Berater, Psychologe und Autor (schmitz.at) kennt sich aus mit Beziehungen. In WOMAN beantwortet er Ihre Fragen. Bitte schicke dein Anliegen per Mail an fragensiedoch@woman.at. Viele Antworten kannst du bei uns und im Heft lesen.