
Gesundheit ist kein Zufall, sondern erlernbar: Orthopädin Dr. Cordelia Schott verrät, warum es nicht die komplizierten Biohacks sind, sondern oftmals simple Routinen, die für mehr Energie und Wohlbefinden sorgen.
Wir ahnen es bereits: Es ist nicht egal, was wir essen, wie wir mit Stress umgehen und wie aktiv wir im Alltag sind. Doch kaum jemand legt diese Fakten so pointiert auf den Tisch wie Cordelia Schott: „Pizza ist kein Gemüse“, sagt die renommierte Orthopädin mit eigener Praxis in Essen. Sie hat soeben ein Buch veröffentlicht mit einer klaren Titelbotschaft: In „Gesundheit kannst du lernen“, erschienen bei Becker Joest Volk, verrät die Ärztin sieben Schlüssel für mehr Energie und Lebensfreude. Auch Schotts gleichnamiger Podcast überzeugt mit einer frischen, praxisnahen Sicht auf Gesundheit.
Ihre wichtigste Botschaft lautet: Wie wohl wir uns fühlen, haben wir größtenteils selbst in der Hand – durch bewusste Ernährung, regelmäßige Bewegung, erholsamen Schlaf, hormonelle Balance, ein starkes Mindset und den gezielten Einsatz innerer Energie. Schott liefert einen Kompass, der zu mehr Eigenverantwortung anregt. Der Mix aus ärztlichem Insiderwissen und alltagstauglichen Strategien trifft den Nerv der Zeit. Denn das Konzept fordert dazu auf, alte Denkmuster zu durchbrechen und Gesundheit aktiv zu erschaffen – für mehr Lebensqualität und nachhaltige Veränderung.
Stellen Sie sich vor, Sie laufen die Stiegen hoch, ohne nach Luft zu schnappen. Sie heben den Einkaufskorb, ohne dass der Rücken protestiert. Für viele klingt das wie Luxus. „Gesundheit ist unser kostbarster Besitz“, sagt Dr. Cordelia Schott – und sie weiß, wovon sie spricht. Seit über 20 Jahren ist die Fachärztin täglich für ihre Patient:innen da. Keine Medfluencerin mit schwer umsetzbaren Fitnesstipps, sondern eine Frau, die Medizin lebt. Mit Herz, Verstand und der festen Überzeugung: Jeder und jede kann lernen, gesund zu leben.
Cordelia Schott ist eine Ausnahmeerscheinung. In der von Männern dominierten Orthopädie hat sie sich nicht nur behauptet, sondern ist bis an die Spitze geklettert. Von der Kaffee kochenden Assistenzärztin bis zur Präsidentin der Fachgesellschaft IGOST (Interdisziplinäre Gesellschaft für orthopädische/unfallchirurgische und allgemeine Schmerztherapie). Ihr Rezept? Neugier, Mut und ein Satz, der sie durchs Leben trägt: „Lass doch mal schauen, wie weit ich komme, wenn ich es probiere.“


Die Expertin. Dr.in Cordelia Schott ist Fachärztin für Orthopädie, Sportmedizin, Chirotherapie, Akupunktur, Naturheilverfahren, Spezielle Schmerztherapie. Plus: Sie hostet den Podcast „Gesundheit kannst du lernen“. Instagram: @drcordeliaschott
© Dr. Cordelia SchottDie sieben unterschätzten Schlüssel
Ihre Geschichte zeigt, dass Stärke und Empathie kein Widerspruch sind. Dass man als Frau auch in einer harten Männerdomäne Maßstäbe setzen kann – mit Einfühlungsvermögen und Entschlossenheit. Die Ärztin und Vordenkerin teilt ihre Erkenntnisse unmissverständlich – und mit einer Prise Humor. Auch in ihrem Podcast, einem der erfolgreichsten unabhängigen Medizinpodcasts im deutschsprachigen Raum, spricht sie regelmäßig darüber, wie wir Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen können, statt sie im Wartezimmer abzugeben. Diese Botschaft möchte sie auch in ihrem neuen Buch vermitteln: keine komplizierten Theorien, dafür einfache, oft unterschätzte Schlüssel, die sich sofort umsetzen lassen. Denn die Ärztin weiß: „Wissen allein verändert nichts.“ Erst wenn wir ins Handeln kommen, passiert etwas.


1. Bewusstsein: Schluss mit Ausreden!
Gesundheit ist kein Zufallsprodukt. Sie entsteht durch Ihre täglichen Entscheidungen. Hören Sie auf, sich hinter Ausreden wie „zu wenig Zeit“ oder „ungünstige Gene“ zu verstecken. Denn diese Gedanken rauben Ihnen nur die Eigenverantwortung – und damit auch die Chance, wirklich etwas zum Besseren zu verändern. Beginnen Sie stattdessen ab sofort, Ihren Körper und Ihre Bedürfnisse bewusster wahrzunehmen. Jeder kleine Schritt zählt.
Umsetzungstipp: Stellen Sie sich abends eine wirkungsvolle Frage: „Was habe ich heute für meine Gesundheit getan?“ Notieren Sie jeden Tag mindestens eine Kleinigkeit – vielleicht ein Glas Wasser mehr, ein kurzer Spaziergang, fünf Minuten bewusste Atmung oder ein Workout. So machen Sie sichtbar, wie viel tatsächlich in Ihrer Hand liegt – und wie schnell sich neue, gesunde Muster entwickeln.
2. Ernährung: Qualität statt Trends
Eine Ernährung, die langfristig gesund hält, weist folgende Merkmale auf: hohe Qualität der Lebensmittel, also viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse; moderate Mengen an gesunden tierischen Produkten oder pflanzlichen Alternativen. Je weniger stark verarbeitet, desto besser. Crash-Diäten und schnelllebige Trends führen selten zu nachhaltigem Erfolg. Sie hinterlassen meist nur Frust – und das Gefühl, versagt zu haben. Ihr Körper braucht keine Kalorienrechnerei, sondern nährstoffreiche Energie. Denken Sie an Ernährung nicht als Einschränkung, sondern als bewusste Entscheidung für Vitalität, Konzentration und Wohlbefinden.
Umsetzungstipp: Richten Sie sich eine „gesunde Schublade“ ein – eine kleine, gut sichtbare Ecke in Ihrer Küche, gefüllt mit Snacks: Nüsse, Trockenfrüchte, hochwertige Riegel, vielleicht etwas Grüntee. So haben Sie immer eine sinnvolle Alternative griffbereit, wenn der kleine Hunger kommt. Mit der Zeit greift Ihre Hand automatisch häufiger zum Richtigen – ganz ohne Zwang.


Bewusst. Es sind die kleinen Entscheidungen des Alltags, nicht die großen Umbrüche, die den Weg zu einem gesünderen Leben ebnen.
© Stocksy3. Bewegung: Sofa oder Schwitzen?
Bewegung ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Ihr Körper ist nicht dafür geschaffen, stundenlang im Bürostuhl zu verharren. Er möchte sich bewegen und ab und zu kräftig schwitzen. Regelmäßige Aktivität hält nicht nur Muskeln und Gelenke fit, sondern stärkt auch Herz, Geist und Stimmung. „Studien zeigen, dass nur fünf Minuten Dehnen am Arbeitsplatz mit deutlich besserer Leistung einhergeht“, weiß Schott.
Umsetzungstipp: Integrieren Sie Mikro-Bewegungen in Ihren Alltag. Boykottieren Sie den Fahrstuhl und nehmen Sie die Treppe. Gehen Sie beim Telefonieren einige Schritte. Nutzen Sie jeden Türrahmen, um kurz Schultern und Arme zu dehnen. Diese kleinen Gewohnheiten summieren sich – und entfalten mit der Zeit eine erstaunliche Wirkung.
4. Schlaf: Wer nicht schläft, verliert
Schlaf ist kein Luxus, sondern Ihr stärkster Regenerations-Booster. Während Sie schlafen, repariert und erneuert sich Ihr Körper – Zellen regenerieren sich, das Immunsystem wird gestärkt. Wer dauerhaft zu wenig schläft, zahlt dafür mit Konzentrationsmangel, Energielosigkeit und langfristig mit seiner Gesundheit. Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen ist es, jede Nacht möglichst zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und morgens zur gleichen Zeit aufzustehen, auch an Wochenenden. Diese Regelmäßigkeit stabilisiert die innere Uhr (den „zirkadianen Rhythmus“) und hilft dem Körper, Schlaf- und Wachphasen besser zu koordinieren.
Umsetzungstipp: Optimieren Sie Ihre Schlafumgebung: Reduzieren Sie Lärmquellen und vermeiden Sie digitale Lichtreize – insbesondere das Licht von Smartphones oder Tablets. Ihr Körper benötigt Dunkelheit und Ruhe, um das Schlafhormon Melatonin optimal auszuschütten. Oft ist bereits ein blickdichter Vorhang im Schlafzimmer ein Gamechanger.
5. Hormone: In Balance bleiben
Hormone sind die unsichtbaren Dirigenten Ihres Lebens. Sie steuern Stimmung, Energie, Gewicht, Schlaf, Verdauung und sogar Schmerzen – ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht, spüren wir es sofort: in Form von Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, Heißhunger oder unerklärlichen Beschwerden. Dennoch verstehen nur wenige, wie sensibel und wirkungsvoll dieses Zusammenspiel tatsächlich ist. Da hormonelle Gesundheit viele Systeme betrifft – wie Knochen, Herz, Stoffwechsel, Gehirn und Lunge –, ist eine integrative Sicht sinnvoll. Sollten Sie sich in der Perimenopause oder frühen Menopause befinden und Symptome haben (wie etwa Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen), lohnt sich eine frühzeitige Abklärung mit Fachärzt:innen. Eine Hormonersatztherapie kann dann nicht nur Symptome lindern, sondern auch langfristige Vorteile bringen – etwa für den Stoffwechsel und die Gefäßgesundheit. Es geht aber nicht nur um „mehr Östrogen“ oder „mehr Progesteron“: Dosierung, Zeitpunkt, Form (z. B. transdermal versus oral) und individuelle Risikobewertung sind entscheidend.
Umsetzungstipp: Wie beim Schlaf gilt auch hier: Schenken Sie Ihrem Körper Regelmäßigkeit. Feste Mahlzeiten und wiederkehrende Routinen schaffen Stabilität – und genau die brauchen Ihre Hormone, um im Gleichgewicht zu bleiben. Denn Chaos im Alltag bedeutet meist auch Chaos im Hormonhaushalt. Kleine Strukturen im Tagesablauf wirken hier oft stärker als jede Pille.
6. Mindset: Warum Sie auf Selbstwirksamkeit setzen sollten
Häufig untergraben wir unsere eigenen Ziele – nicht aus mangelndem Willen, sondern durch automatische Gedankenmuster wie „Das schaffe ich sowieso nicht“ oder „Ich habe einfach kein Durchhaltevermögen“. Solche inneren Überzeugungen wirken unbewusst auf Motivation, Stressverarbeitung und sogar auf physiologische Prozesse. Studien zeigen: Wer seine Selbstwirksamkeit stärkt – also das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen –, aktiviert messbar andere neuronale Netzwerke, steigert Ausdauer und Willensstärke. Ein realistisch-zuversichtliches Denken ist damit kein bloßes „Positivreden“, sondern ein zentraler Bestandteil mentaler und körperlicher Gesundheit.
Umsetzungstipp: Studien wie jene von US-Psychologin Kristin Neff zeigen: Selbstmitgefühl ist nachhaltiger als Selbstkritik oder forciertes Positivdenken. Ein realistischer, mitfühlender Satz wäre zum Beispiel: „Ich bin noch müde – das ist okay. Ich gebe mir jetzt einen Moment, um gut in den Tag zu starten.“ Das reduziert Stress und verbessert langfristig emotionale Resilienz.
7. Energie: Aktivieren Sie Ihr Lebensfeuer!
Energie ist weit mehr als das Gegenteil von Müdigkeit. Sie ist das Lebensfeuer, das Sie jeden Moment Ihres Tages antreibt – physisch, geistig und emotional. Sie bestimmt, wie leistungsfähig Sie sind, wie belastbar Sie mit Stress umgehen, wie konzentriert Sie arbeiten und wie viel Freude Sie haben. Ohne Energie leidet nicht nur Ihre Leistungsfähigkeit, sondern auch Ihre Gesundheit: Zu wenig Energie bedeutet oft, dass der Körper seine Reparatur- und Regenerationsprozesse nicht optimal ausführen kann. Muskeln werden schwächer, das Immunsystem wird anfälliger, die Wahrscheinlichkeit für Entzündungen, Verletzungen oder chronische Erkrankungen steigt. Wer dauerhaft erschöpft ist, leidet schneller unter Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit oder depressiven Verstimmungen. Energieverlust blockiert Kreativität, Motivation und Problemlösungsfähigkeit. Energie gibt Ihnen die Kraft, Beziehungen aktiv zu gestalten und positive Erfahrungen bewusst zu genießen. Ohne sie fühlen sich selbst kleine Aufgaben mühsam an.
Umsetzungstipp: Fragen Sie sich täglich: „Was gibt mir Energie, und was raubt sie mir?“ Streichen Sie Energieräuber: Das kann eine belastende Verabredung sein, zu langes Scrollen in sozialen Medien oder ungesunde Gewohnheiten, die Sie erschöpfen. Fügen Sie gleichzeitig Energiequellen hinzu: Spaziergänge in der Natur, inspirierende Gespräche, Musik, ausreichend Wasser, gesunde Mahlzeiten oder bewusst geplante Pausen. Mit der Zeit entwickeln Sie ein Gespür dafür, welche Aktivitäten und Routinen Ihre Energie fördern und welche sie blockieren.


Buchtipp. Cordelia Schott: „Gesundheit kannst du lernen. Sieben unterschätzte Schlüssel zur Gesundheit, die dir niemand beigebracht hat“. Becker Joest Volk um € 26,80.
Radikal einfach und deshalb so mächtig
Cordelia Schott macht deutlich: Mit einfachen Routinen und einem bewussten Umgang mit Körper und Geist können Sie Ihre Gesundheit und Lebensqualität nachhaltig optimieren. Wenn Sie sich mehr Tipps zur Umsetzung wünschen: In Schotts Ratgeber finden Sie ein Gesundheitslogbuch, das Sie über zwölf Wochen begleitet – ein flexibler Plan mit Übungen und Reflexionen, die Sie Schritt für Schritt in Ihr Leben einbauen können. Die Praxis zeigt: Zwölf Wochen sind lang genug, um alte Gewohnheiten zu durchbrechen, und kurz genug, um motiviert zu bleiben. Schotts Ansatz ist radikal einfach – und genau darin liegt seine Kraft: Nicht die komplizierten Biohacks, nicht die exotischen Superfoods oder teuren Wearables sind die Gamechanger, sondern die simplen, machbaren Dinge – wie Gedankenhygiene, ausreichend Schlaf, ein Spaziergang, eine Handvoll Nüsse statt Chips.
Wir tendieren dazu, unsere Gesundheit auf „später“ zu verschieben – wenn wir mehr Zeit haben, wenn die Kinder groß sind. Doch die brutale Wahrheit lautet: Wenn wir ernsthaft krank werden, müssen sich alle Prioritäten in Sekundenschnelle ändern. Warum also warten, bis es wehtut? „Fangen Sie an, bevor Sie müssen“, rät Schott, die trotz ihres Erfolgs ein äußerst bodenständiges Leben führt. Mit ihrem Mann Heiko und ihren zwei Kindern lebt sie im Raum Essen, wo sich ihre orthopädische Praxis befindet. Sie liebt es, mit ihrem Schäferhundrüden X-Man durch den Wald zu streifen oder beim Tauchen und Fallschirmspringen „komplett abzuschalten“. Für sie sind das keine Abenteuer, sondern Momente intensiver Lebendigkeit.
Ihr Lieblingsgericht ist Kartoffelpüree, schwach wird sie bei Nougat. „Ärzt:innen“, meint sie, seien Expert:innen für Krankheiten. „Aber der Experte für Ihre Gesundheit – das sind Sie selbst.“


Think Pink ? Zwanghaftes Optimismusdenken führt selten weit. Doch eine positive Haltung kann viel für die Gesundheit bewirken.
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