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Frauen in der Philanthropie: Empathie statt Ego

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©Christophe Ena / AP / picturedesk.com

Wie die weibliche geprägte Form der Philanthropie Wirkung über Prestige stellt.

Noch immer besitzen Männer den Großteil des globalen Vermögens. Und meist sind es auch ihre Namen, die mit hohen Spendensummen für gute Zwecke in Verbindung gebracht werden. Doch die Philanthropie befindet sich im Wandel – sie wird weiblicher. Frauen erben heute gleichberechtigter, gründen Netzwerke, schaffen eigene Strukturen und erwirtschaften zunehmend eigenes Kapital. Immer häufiger treten sie – von Wirtschaft bis Zivilgesellschaft – als gesellschaftliche Gestalterinnen auf. Ein relativ neuer Begriff für dieses Phänomen heißt Felanthropy, ein Kofferwort aus „female“ und „Philanthropy“. Frauen verändern aber auch, wie gegeben wird: langfristig, vertrauensvoll, ungebunden und auf Augenhöhe mit den Empfänger:innen.

Leise, aber wirkungsvoll

Statt auf Sichtbarkeit oder Prestige setzen viele Philanthropinnen auf Wirksamkeit und Nähe. Ein Beispiel ist die US-amerikanische Autorin und Geschäftsfrau MacKenzie Scott: Seit ihrer Scheidung von Amazon-Gründer Jeff Bezos 2019 hat sie bereits über 19 Milliarden Dollar verschenkt. Statt vom „Spenden“ spricht sie lieber vom „Geben“. Wer von ihr eine Zuwendung erhält, darf selbst entscheiden, ob das publik wird. Damit vertritt sie eine philanthropische Einstellung, die weniger mit Macht und mehr mit Verantwortung zu tun hat – und es gibt viele weitere prominente Beispiele …

Melinda French Gates

Die Bill & Melinda Gates Foundation gilt als größte Privatstiftung der Welt. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Bill, mit dem sie bis 2021 verheiratet war, mobilisierte sie mit dieser mehr als 100 Milliarden Dollar für globale Gesundheits-, Bildungs- und Gleichstellungsprojekte. 2024 verließ Melinda Gates die Stiftung, um sich eigenen Projekten zu widmen. Ihr Fokus: Familien und Frauen – reproduktive Gesundheit, finanzielle Unabhängigkeit und politische Teilhabe. Bereits 2015 gründete Gates etwa die unabhängige Organisation Pivotal Ventures, die sich diesen Anliegen verschrieben hat.

Oprah Winfrey

Die US-amerikanische Talkshow-Moderatorin, Schauspielerin und Unternehmerin ist eine der einflussreichsten Medienfrauen der Welt. Aber nicht nur das: Winfrey, die es selbst aus dem Nichts zur Selfmade-Milliardärin brachte, engagiert sich auch für Bildung, Chancengleichheit, Empowerment und psychische Gesundheit. Über die Oprah Charitable Winfrey Foundation werden Millionen von Dollar in wohltätige Zwecke investiert. Ein besonderes Leuchtturmprojekt ist die Oprah Winfrey Leadership Academy for Girls in Südafrika: Seit 2007 erhalten junge Frauen dort eine hochwertige Ausbildung.

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 © Mario Anzuoni / REUTERS / picturedesk.com

Abigail Disney

Die Enkelin des Walt-Disney-Company-Mitbegründers Roy O. Disney investiert ihr Vermögen nicht in Glamour, sondern in soziale Anliegen. Die Dokumentarfilmerin, Philanthropin und Sozialaktivistin kritisiert offen Unternehmenspraktiken, die Armut und Ungleichheit verstärken – und schreckt nicht davor zurück, mit den Geschäften ihrer Familie hart ins Gericht zu gehen. Außerdem plädiert sie dafür, Superreiche stärker zu besteuern. Unter anderem startete sie 1991 mit ihrem Ehemann Pierre Hauser die Daphne Foundation und investiert Millionen in Gleichstellung, Frauenrechte und faire Löhne.

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 © Justin Jun Lee / Guardian / eyevine / picturedesk.com
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