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Jamie Chadwick - von der Kartfahrerin zum dreifachen Champion in der W Series bis in die Formel 1

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Jamie Chadwick bei den Sport Industry Awards, Battersea, London

Jamie Chadwick bei den Sport Industry Awards, Battersea, London, 08.09.2021

©IMAGO / PA Images
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Jamie Chadwick ist die erste weibliche Rennfahrerin, welche die Meisterschaft der W Series dreimal gewonnen hat. Außerdem schrieb sie Motorsportgeschichte, als sie nicht nur die erste Frau, sondern auch die jüngste Teilnehmerin war, welche die britische GT-Meisterschaft gewann. Mit Jamie Chadwick ist die Zeit für die Rückkehr einer Frau in die Formel 1 gekommen. Erste Schritte in diese Richtung macht sie als Entwicklungsfahrerin für das Williams-F1-Team. Ihr Weg in die Königsklasse ...

Betrachtet man die gegenwärtige Situation und die Geschichte des Motorsports, so sind Frauen an der Seite männlicher Konkurrenten ein seltener Anblick. Tatsächlich gibt es nur zwei Frauen, die sich jemals für einen Formel-1-Grand-Prix qualifiziert haben und dort gestartet sind, die letzte in den 1980er-Jahren.

Dennoch gibt es Fahrerinnen, die versuchen, Stereotypen zu durchbrechen und zu beweisen, dass der Rennsport keine Segregation braucht. Eine dieser aufstrebenden Powerfrauen ist Jamie Chadwick. Die britische Rennfahrerin ist auf dem besten Weg, als weibliche Ikone des Motorsports Geschichte zu schreiben.

Steckbrief Jamie Chadwick

  • Name: Jamie Laura Chadwick

  • Geburtstag: 20. Mai 1998

  • Geburtsort: Bath, England

  • Sternzeichen: Stier

  • Beziehungsstatus: vergeben

  • Wohnort: Tilbury

  • Beruf: Rennfahrerin

Jamie Chadwicks Kindheit

Jamie Chadwick wurde 1998 in Bath, England geboren und verbrachte ihre ersten Jahre auf der Isle of Man, bevor sie nach Gloucestershire zog, wo sie das Cheltenhamcollege besuchte und seit einigen Jahren in der Nähe von Tilbury lebt. Sie schloss ihre Ausbildung mit dem Abitur in Chemie, Geografie und Sportwissenschaften ab.

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Jamie hat sich schon immer für verschiedene Disziplinen interessiert und sich darin hervorgetan. Neben dem Kartsport war die Britin eine talentierte Skiläuferin, Reiterin und Hockeyspielerin, wo sie sogar eine Einladung zu einem Probetraining mit der englischen U18-Mannschaft erhielt.

Jamies Eltern arbeiten in der Finanz- und Immobilienbranche. Ihre Mutter ist eine in Indien geborene Geschäftsfrau, während ihr Vater in der Immobilienbranche und in der Landwirtschaft tätig war. Jamie wuchs auf einem kleinen Bauernhof auf und durfte mit ihrem Vater auf diesem Gelände bereits sehr früh einen Land Rover Defender herumfahren. Obwohl sie alles andere als eingefleischte Rennsportler sind, haben sie den Traum ihrer Tochter nach Kräften unterstützt.

Der Beginn einer großen Rennfahrkarriere

Ihr Interesse am Rennsport begann 2010, als sie im Alter von 11 Jahren mit dem Kartsport begann und in der Juniorenserie auf Vereinsebene zahlreiche Siege und Podiumsplätze erreichte.

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2013 erhielt die junge Frau ein Stipendium für die Saison 2013 der Ginetta-Junior-Meisterschaft. Zwei Jahre später stieg sie in die britische GT-Meisterschaft 2015 auf und fuhr für Beechdean Motorsport in der GT4-Klasse. Mit ihrem Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Silverstone wurde Jamie die erste Frau und der jüngste Champion der britischen GT-Meisterschaft.

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Im Jahr 2018 wechselte Jamie zu Douglas Motorsport und gewann als erste Frau überhaupt ein britisches F3-Rennen in Brands Hatch.

Jamie folgte ihrem Erfolg mit dem Gewinn der MRF Challenge Formula 2000 Championship 2018-19, womit sie die erste Frau war, die diese Serie gewann. 2019 nahm Jamie Chadwick an der Eröffnungssaison der W-Serie der Frauen und der Formel-3-Asienmeisterschaft 2019 teil. Dort gewann sie ihre erste W-Series-Meisterschaft und machte damit Schlagzeilen auf der ganzen Welt.

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Jamie Chadwick dominiert die W Series

Bei der W Series, eine internationale Rennserie, dürfen ausschließlich Fahrerinnen teilnehmen. Die Rennen werden nach den Regeln in der Königsklasse gefahren und finden als Rahmenprogramm bei den Grand Prix statt.

Die 2019 eingeführte W Series ist vor allem als Sprungbrett für Talente wie Jamie gedacht. Weil es so schwierig ist, Sponsorengelder aufzutreiben, übernimmt die W Series alle Kosten für die Pilotinnen. Durch diese enormen Kosten kam es aber beispielsweise 2022 zum vorzeitigen Abbruch der Meisterschaft. Somit kürte sich Jamie Chadwick drei Rennen vor dem eigentlichen Saisonfinale zur dreifachen Titelträgerin der W Series.

So großartig die W Series auch war, es fehlte die notwendige Fahrzeit und Entwicklung.

Das Ziel der ehrgeizigen Rennfahrerin bleibt weiterhin die Formel 3 oder Formel 2. Bislang fehlten ihr aber die finanziellen Mittel um teilnehmen zu können. Eine weitere Teilnahme an der W Series schließt sie nicht komplett aus, aber wegen der finanziellen Probleme der Frauen-Meisterschaft fokussiert sie sich auf andere Rennklassen.

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"Die Optionen sind offen. Formel 2, Formel 3 und Indy Lights.Es war bisher sehr schwierig für die Formel 3 die nötige Unterstützung zu finden. Indy Lights ist in diesem Sinne eine bessere Option. Ich wiege derzeit die Möglichkeiten ab. Gespräche finden jedoch statt, sowohl in Europa als auch in Amerika", verrät Jamie in einem Interview.

Ihr Traum: In der Formel 1 fahren

Für Jamie ist es natürlich das ultimative Ziel, in der Formel 1 zu fahren. Williams eröffnet ihr 2019 einen Weg, auf dem sie sich bereits intensiv auf diesen Job vorbereitet. Als Entwicklungsfahrerin für Williams im Formel-1-Team verbringt Jamie viel Zeit mit dem Simulator des Teams. Diese Umgebung unterscheidet sich deutlich von ihrer Erfahrung in der Formel 3 und bereitet sie auf Rennen in der höchsten Klasse des Motorsports vor. Aber auch schon vor diesem professionellen Umfeld hat Jamie das Simulationsrennen zum Üben genutzt und es zu einem Teil ihrer Routine gemacht.

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Sie geht aber auch zu Rennwochenenden, studiert die Daten und lernt von den bestehenden Fahrern und Ingenieuren. Für sie gibt es keine Nachteile, eine Rennfahrerin zu sein, und sie glaubt, dass Frauen genauso schnell sein können wie Männer, wie sie gegenüber Sky Sports erklärte.

Ich möchte innerhalb der nächsten fünf Jahre in der Formel 1 sein.

Jamie ist eine zielstrebige Kämpferin mit den passenden Fähigkeiten und der richtigen Mentalität, um ihre Ziele zu erreichen. Von all ihren weiblichen Konkurrentinnen scheint Jamie also derzeit einen Vorsprung zu haben, wenn es darum geht, diesen schwer zu fassenden Formel-1-Traum zu verwirklichen. Der erste Schritt ist Dank dem Williams-Team getan. Sie könnte also etwas an einem Sport ändern, der immer noch von vielen als eine Männerdomäne angesehen wird. Damit könnte sie nicht nur ihren Traum verwirklichen, sondern ein Vorbild für viele Mädchen oder Frauen werden, die das selbe Ziel verfolgen.

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Derzeit scheitert sie aber nach wie vor daran, dass es keine Sponsoren gibt, die den Mut haben, an den Erfolg einer Frau in der Formel 1 zu glauben. Auch die Aussagen des Formel-1-Chef Stefano Domenicali machen nicht gerade Mut. "Realistisch gesehen, glaube ich nicht, dass in den nächsten fünf Jahren eine Frau in die Formel 1 schafft", so der Italiener. Doch Jamie gibt nicht auf und glaubt daran, dass dies in naher Zukunft sehr wohl möglich sein wird. Sie gilt auch als Vorbild für Luna Fluxa, welche mit 11 Jahren als erste und bisweilen einzige Frau in das Mercedes-Junior-Programm aufgenommen wurde. Genau für solche weiblichen Talente kämpft Jamie Chadwick.

Wenn ich es nicht bin, bin ich zuversichtlich, dass ein anderes junges Mädchen die Gelegenheit hat, in die Formel 1 zu kommen. Sie müssen inspiriert werden und wissen, dass sie die Möglichkeit haben.

Übrigens: Die erste Frau, die in der Formel 1 teilnahm war Maria Teresa de Filippis. Sie fuhr 1958 zwei Rennen und ihr bestes Resultat war Platz 10. Lella Lombardi schaffte es als zweite Frau in der Formel 1 bei einem Rennen zu starten und holte als einzige Rennfahrerin 1975 Punkte. Seit einigen Jahren findet man immer wieder Frauen in der Formel 1, aber leider nicht hinter dem Steuer.

Jamie Chadwicks Erfolgsrezept: Mit Selbstbewusstsein in den Rennsport

Jamie Chadwick hat ihr Erfolgsrezept verraten, mit der ihre Fahrerkarriere immer weiter voranschreitet: Selbstvertrauen. Geht nicht, gibt's nicht - ist ihr Motto. Sie gilt als erste weibliche Hoffnung in der Königsklasse seit über 40 Jahren (seit die Italienerin Lella Lombardi 1976 ihren letzten Grand Prix bestritt).

Ich denke, es ist für Athleten in allen Sportarten dasselbe - es geht um Vertrauen und Selbstvertrauen, darum, sich selbst zu unterstützen.

Im Nachhinein glaubt Jamie auch, dass ihre Schulzeit sie auf die Erfahrung vorbereitet hat, als einzige Frau in einer weitgehend von Männern dominierten Sportart zu sein. So meinte sie in einem Interview: "Ich war auf einer wirklich kleinen Vorschule mit nur vier Mädchen in meinem Jahrgang, was bedeutete, dass wir in den Pausen alle mit den Jungs Fußball spielten. In meinem Kopf kam es mir also nie komisch vor, ein Mädchen in der Minderheit zu sein. Als ich zum Kartsport kam, war es genau dasselbe - einfach eine Fortsetzung dessen, was sich bereits normal anfühlte."

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Rivalität mit dem Bruder Ollie

Letztendlich sagt Jamie Chadwick heute, dass sie ihrem Bruder Ollie dafür danken muss, dass er sie zu einem Sport geführt hat, der jetzt zu ihrer Leidenschaft und Beruf geworden ist. Ollie verliebte sich in den Sport und überredete Jamies Eltern zu einer Investition. Was die berufliche Laufbahn angeht, so war diese nach Jamies Aussage zufällig.

Es gab keinen offensichtlichen Weg - also folgte ich einfach dem Weg, der mir Spaß machte. Mir wurde die Möglichkeit gegeben, es zu versuchen, und ich habe mich darauf eingelassen.

Wie die meisten Menschen mit Geschwistern wissen, kann es zu Problemen kommen, wenn man die gleichen Interessen verfolgt und gegeneinander antritt. Beide haben deswegen vermieden, gegeneinander anzutreten und haben bis heute nur an einem einzigen offiziellen Rennen zusammen teilgenommen.

Würde Jamie Chadwick ihr Leben eintauschen?

Eine hochkarätige Rennfahrerin zu sein, ist jetzt ein normaler Teil von Jamies Identität, aber hat sie jemals darüber nachgedacht, das alles gegen etwas weniger Spektakuläres einzutauschen? Im Interview der W Series meint Jamie dazu: "Nein, nicht wirklich. Mein Leben besteht jetzt aus Rennen. Wenn ich aus irgendeinem Grund nicht mehr fahren könnte, wäre mein Plan B, das ich versuche, eine Rolle als Teamchef oder etwas Ähnliches zu bekommen. Ich habe in dieser Welt zu viel gelernt, um jetzt umzukehren."

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