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Sterilisation der Frau: Geplante Unfruchtbarkeit durch eine Operation

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Durch einen medizinischen Eingriff erzeugte Unfruchtbarkeit, die nicht rückgängig zu machen ist. Ablauf, Vorteile und Risiken - das solltest du über die Sterilisation der Frau wissen. Geplant Kinderlos? Auch das sollte gesellschaftlich akzeptiert werden.

Die Familienplanung ist beendet oder es gab nie einen Kinderwunsch. Die Pille führt zu depressiven Stimmungsschwankungen und die Kupferspirale tut einfach nur weh. Auf der Suche nach alternativen Verhütungsmethoden, denken einige Frauen über eine Sterilisation nach. Hierbei werden entweder beide Eileiter durchtrennt oder verschlossen, wodurch eine Schwangerschaft unmöglich wird.

Möchte sich allerdings eine Frau unter 35 Jahren sterilisieren lassen, stößt dies oft auf Unverständnis. Durch einen medizinischen Eingriff erzeugte Unfruchtbarkeit, die nicht rückgängig zu machen ist - dazu sagen viele Ärzte und Ärztinnen "Nein". Aber warum ist das so? Wir haben mit einer jungen Frau gesprochen, die mit uns ihre Erfahrungen teilt.

Was passiert bei einer Sterilisation der Frau?

Die Sterilisation der Frau ist ein operativer Eingriff, bei dem die Eileiter verschlossen oder - das kommt seltener vor - teilweise oder ganz entfernt werden. Die Eileiter können auch mithilfe von Hitze verödet oder mit einem Clip abgetrennt werden.

Mit dem Verschließen der Eileiter wird verhindert, dass die Spermien, die normalerweise beim Geschlechtsverkehr über die Gebärmutter in die Eileiter gelangen, diese erreichen und diese befruchten können. Eine Schwangerschaft ist somit ausgeschlossen.

Hormonfrei. Sicher. Dauerhaft.
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Wichtig:Eine Sterilisation kann nicht rückgängig gemacht werden. Nimm dir also genug Zeit, um darüber nachzudenken. Lass dich von niemandem zu dieser Entscheidung drängen.

Unterbindung: Diese unterschiedlichen Eingriffe einer Sterilisation gibt es

  • Bauchspiegelung unter Vollnarkose. In der Regel wird die Operation mittels eines kleinen Schnitts in der Nähe des Bauchnabels durchgeführt. Während des Eingriffs werden die Eileiter entweder durch elektrisches Veröden verschlossen oder mittels eines Clips durchtrennt.

  • Laparoskopische Verfahren: Hierbei werden kleine Schnitte im Unterleib vorgenommen, um ein Implantat in die Eileiter einzuführen, welches die Eileiter verschließt.

  • Essure-Methode: Hier wird ein kleines Gerät in die Eileiter eingeführt, das Narbengewebe bildet und die Eileiter verschließt.

Wie teuer ist eine Sterilisation?

Wenn du dich für eine Sterilisation als alternative Verhütungsmethode entscheidest, müssen die Kosten von ungefähr 1.400 bis 2.000 Euro (Richtwert) selbst getragen werden. Nur bei medizinischer Notwendigkeit, werden diese von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Das sind die Vorteile und Nachteile einer Sterilisation bei der Frau

Pro
  • Zuverlässigkeit. Nie wieder Gedanken machen über Verhütungsmethoden. Davon träumen viele Frauen. Eine Sterilisation ist eine sehr zuverlässige Form der Verhütung und schützt vor einer ungewollten Schwangerschaft.
  • Keine hormonelle Wirkung. Eine Sterilisation hat keine hormonellen Auswirkungen wie Krämpfe, Kopfschmerzen oder Übelkeit, auf den Körper der Frau.
  • Der Eingriff gilt als risikoarm und das sexuelle Empfinden wird dadurch nicht beeinträchtigt oder verändert.
Contra
  • Teuer. In Österreich liegen die Kosten bei etwa 1.400 Euro. In diesem Preis ist zwar ein Vorgespräch und auch die medizinische Nachsorge inbegriffen, dennoch ist es sehr teuer. In Deutschland ist es etwas günstiger, ca. 500 bis 1.000 Euro muss hier für den Eingriff bezahlt werden.
  • Kann nicht rückgängig gemacht werden. Der wohl wichtigste Punkt. Wenn man sich einmal für den Eingriff entschieden hat, ist es (fast) unmöglich diesen rückgängig zu machen. Die Sterilisation führt somit zu dauerhafter Unfruchtbarkeit.
  • Eingriff unter Narkose. Eine Sterilisation erfordert in der Regel einen operativen Eingriff unter Narkose, der natürlich wie bei jedem Eingriff, auch mit Risiken verbunden sein kann.

Hat man nach der Sterilisation noch seine Menstruation?

Keine Sorge. Bei einer korrekten Ausführung hat die Sterilisation keine Auswirkungen auf deinen Hormonhaushalt, den Menstruationszyklus oder dein Sexualverhalten. Der Eisprung findet weiterhin statt. Das Ei kann sich nach dem Eisprung und nach erfolgreicher Sterilisation im Eileiter allerdings nur noch bis zur Unterbrechungsstelle fortbewegen. Dort bleibt es dann stecken und löst sich auf.

Ab wann besteht der Verhütungsschutz?

Das ist abhängig davon, für welches der Verfahren sich entschieden wurde. Nach der Sterilisation mit einer Bauchspieglung, ist die Frau sofort unfruchtbar (steril) und der Verhütungsschutz besteht ab sofort.

Bei der Sterilisation mit Hilfe der Essure-Methode setzt die verhütende Wirkung in etwa erst nach drei Monaten nach dem Eingriff ein. Danach findet eine Kontrolluntersuchung per Ultraschall statt, welche ermittelt, ob die Eileiter sicher verschlossen sind.

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Ärzte und Ärztinnen weigern sich insbesondere bei jungen Frauen den Eingriff durchzuführen

Ab 25 Jahren und nach einem Beratungsgespräch ist es in Österreich eigentlich möglich eine Sterilisation durchführen zu lassen - die Realität sieht aber oft anders aus. Wir haben mit einer jungen Frau (26) gesprochen, die schon länger versucht sich sterilisieren zu lassen. Bisher ohne Erfolg.

"Ich sterilisiere nicht, Sie haben noch keine Kinder". Diesen Satz, hat Louise von mehreren Gynäkolog:innen zu hören bekommen. Eine Sterilisation von jungen Frauen lehnen diese aus Befürchtung ab, die Frauen könnten diesen Eingriff später bereuen.

"Das kann ich schon nachvollziehen, aber es ist frustrierend. Ich fühle mich nicht ernst genommen. Für mich steht fest, dass ich keine Kinder möchte. Durch meinen Job bin ich so oft unterwegs, das würde niemals funktionieren", so Louise. "Bisher haben mich alle Ärzte und Ärztinnen abgewiesen."

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Nur wenige Gynäkolog:innen führen diese Operation durch oder operieren erst, wenn die Frauen ein gewisses Alter (teilweise 35 oder älter) erreicht oder schon Kinder geboren haben. Manche setzen sogar ein psychologisches Gutachten voraus.

Eine Sterilisation ist gesellschaftlich umstritten - Frauen sollten selbstbestimmt entscheiden dürfen

Kritik ernten Frauen vor allem, wenn sie sich schon früh dafür entscheiden, selbst keine Kinder bekommen möchten oder oder einfach keine Kinder wollen. Wir sollten aber nie vergessen, dass es die unterschiedlichsten Gründe dafür gibt, wieso sich Frauen für eine Sterilisation entscheiden.

Zum Beispiel bei Erbkrankheiten, wenn die Patientin keine genetisch eigenen Kinder zeugen möchte, um die Krankheit nicht weiterzugeben. Oder, wenn das Muttersein in ihrem Lebensentwurf einfach nicht vorkommt oder wie bei Louise sich nicht mit dem Job vereinbaren lassen.

Der Verein Selbstbestimmt steril e. V. setzt sich für die Geichberechtigung von Frauen und Männern ein und informiert über das Thema Sterilisation. Der Verein sich dafür ein, dass volljährige, mündige Personen mit Uterus und Sterilisationswunsch Gynäkolog:innen in ihrer Nähe finden können.

Für mich steht fest, dass ich keine Kinder bekommen möchte. Bisher habe ich noch keine:n Arzt/Ärztin gefunden, die den Eingriff durchführen wollte.

Louise, 26

Die Sterilisation der Frau kann im Kontext der Emanzipation als ein Schritt zur Selbstbestimmung über den eigenen Körper betrachtet werden. Diese Entscheidung sollte natürlich niemals leichtsinnig getroffen werden, aber Frauen sollten selbstbestimmt entscheiden dürfen. Es ist ihr schließlich ihr Körper. Keine Kinder zu wollen sollte gesellschaftlich genauso akzeptiert werden, wie der Kinderwunsch von anderen Frauen.

Die Sterilisation beim Mann ist leichter durchzuführen und risikoärmer als bei der Frau

Wenn in einer Partnerschaft eine Sterilisation in Betracht gezogen wird, stellen sich Paare häufig die Frage: Wer macht es denn jetzt?

Tatsächlich ist die Sterilisation bei einem Mann einfacher. Der Eingriff (hier werden die Samenleiter durchtrennt) kann ambulant durchgeführt werden. Bei Frauen hingegen, stellt der Eingriff eine echte Operation dar, die nur unter Vollnarkose möglich ist. Komplikationen können hier also viel häufiger auftreten, als bei der Sterilisation des Mannes.

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© Martin Czwiertnia

Der Pearl-Index ist das Beurteilungsmaß für die Sicherheit von Verhütungsmitteln: Je kleiner der Pearl-Index, desto sicherer die Verhütungsmethode.

Einige Männer lehnen eine Sterilisation aus Angst vor Schmerzen ab. Sie befürchten, dass sie unter Erektionsproblemen leiden könnten oder dadurch nicht mehr "männlich" genug sind. Starre Geschlechterrollen und toxische Männlichkeitsideale - können wir das nicht endlich hinter uns lassen?

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