Wie sage ich ihm, was mir im Bett gefällt? So klappt's ohne Kränkung

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
11 min

©Unsplash

Du weißt genau, was dich zum Höhepunkt bringt – aber wie sagst du es ihm, ohne dass er sich angegriffen fühlt? Die gute Nachricht: Es gibt Wege, deine Wünsche zu äußern, die ihn nicht verletzen, sondern anmachen. Die noch bessere Nachricht: Er will es wahrscheinlich wissen. Hier erfährst du, wie du die Kunst der Bett-Kommunikation meisterst.

Warum wir uns so schwer damit tun

Du bist nicht allein. Die meisten Frauen tun sich schwer damit, im Bett zu sagen, was sie wollen. Die Gründe sind vielfältig – und keiner davon ist deine Schuld.

Wir wurden nicht dazu erzogen

Mädchen lernen früh, höflich zu sein, nicht anzuecken, die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen. Im Bett setzt sich das fort: Wir sorgen uns mehr darum, wie er sich fühlt, als darum, ob wir auf unsere Kosten kommen.

Wir wollen sein Ego schützen

Der männliche Stolz rund um sexuelle Performance ist legendär. Wir haben Angst, ihn zu kränken, seine Männlichkeit in Frage zu stellen, ihn unsicher zu machen. Also schweigen wir – und faken im schlimmsten Fall.

Wir kennen unsere Wünsche selbst nicht genau

Manchmal ist das Problem nicht das Aussprechen, sondern das Wissen. Wenn du selbst nicht sicher bist, was dir gefällt, wie sollst du es dann kommunizieren? Hier hilft Selbsterkundung – aber das ist ein anderes Thema.

Wir haben Angst vor seiner Reaktion

Was, wenn er beleidigt ist? Was, wenn er denkt, der bisherige Sex war schlecht? Was, wenn er das Interesse verliert? Diese Ängste sind verständlich, aber meistens unbegründet.

Der richtige Zeitpunkt: Wann du es ansprichst

Timing ist alles. Und es gibt bessere und schlechtere Momente für Feedback im Bett.

Gute Zeitpunkte

Währenddessen – sanft und im Moment: "Genau so, das fühlt sich gut an" oder "Etwas langsamer" lässt sich während des Sex einbauen, ohne dass es wie ein Kritikgespräch wirkt. Du leitest ihn an, in Echtzeit.

Danach, beim Kuscheln: Die entspannte Phase nach dem Sex ist ideal für tiefere Gespräche. Ihr seid beide zufrieden, intim, offen. "Das war toll. Weißt du, was ich auch mal ausprobieren würde...?"

Außerhalb des Schlafzimmers, aber locker: Beim Abendessen, auf dem Sofa, während eines Spaziergangs. Der Vorteil: Kein Druck, keine Performance-Situation. "Ich hab da mal gelesen/gehört, dass... Wollen wir das mal probieren?"

Schlechte Zeitpunkte

Direkt vor dem Sex: Dann ist er in Erwartungshaltung, und Kritik wirkt wie eine Bremse.

Mitten im Akt, wenn es nicht läuft: "Du machst das falsch" killt die Stimmung komplett.

Im Streit: Sexuelle Kritik als Waffe zu benutzen, ist unfair und zerstört Vertrauen.

Vor anderen Leuten: Auch als Witz getarnt – niemals. Das ist demütigend.

Die Sandwich-Methode: Kritik zwischen Lob

Die effektivste Technik für heikles Feedback: Verpacke deinen Wunsch zwischen zwei positiven Aussagen.

Statt: "Du fasst meine Klitoris immer zu fest an."

Besser: "Es fühlt sich so gut an, wenn du mich dort berührst. Wenn du etwas sanfter bist, wird es noch intensiver für mich. Ich liebe es, wie du dich um mein Vergnügen kümmerst."

Das Prinzip: Anerkennen, was er gut macht. Dann den Verbesserungsvorschlag. Dann wieder etwas Positives.

So fühlt sich das Feedback nicht wie Kritik an, sondern wie eine Einladung, etwas noch besser zu machen.

Konkrete Formulierungen, die funktionieren {#formulierungen}

Theorie ist gut, Praxis ist besser. Hier sind Sätze, die du direkt übernehmen kannst:

Für mehr Vorspiel

  • "Ich brauche etwas länger, um richtig in Stimmung zu kommen. Nimm dir Zeit mit mir – ich verspreche, es lohnt sich."

  • "Wenn du mich länger küsst und streichelst, bevor wir richtig loslegen, werde ich so viel erregter."

Für andere Berührungen

  • "Es fühlt sich unglaublich an, wenn du mich hier berührst" (und zeig ihm, wo).

  • "Probier mal langsamer/schneller/fester/sanfter – ja, genau so!"

  • "Meine Klitoris ist super empfindlich. Wenn du drumherum streichelst statt direkt drauf, ist es perfekt."

Für andere Stellungen

  • "Ich würde so gerne mal [Stellung] ausprobieren. Ich stell mir vor, das fühlt sich für uns beide gut an."

  • "In dieser Position komme ich besonders leicht – können wir das öfter machen?"

Für Oralsex

  • "Ich liebe es, wenn du mich leckst. Was mich verrückt macht, ist wenn du [konkret beschreiben]."

  • "Bleib genau da, das ist perfekt" – im Moment selbst.

Für Tempo und Rhythmus

  • "Langsamer – ich will jeden Moment spüren."

  • "Bleib in diesem Rhythmus, hör nicht auf."

Für neue Dinge

  • "Ich hab eine Fantasie, die ich gern mit dir ausprobieren würde..."

  • "Ich hab gelesen, dass [Technik/Toy/Position] sich gut anfühlen soll. Hättest du Lust, das mal zusammen zu testen?"

Allgemeine Formulierungstipps

Verwende "Ich"-Aussagen statt "Du"-Vorwürfe:

  • Nicht: "Du machst nie genug Vorspiel."

  • Sondern: "Ich brauche mehr Vorspiel, um richtig erregt zu sein."

Formuliere positiv statt negativ:

  • Nicht: "Hör auf, so fest zu drücken."

  • Sondern: "Es fühlt sich so gut an, wenn du ganz sanft bist."

Mach es zu einem gemeinsamen Projekt:

  • Nicht: "Du solltest mal lernen, wie man..."

  • Sondern: "Lass uns zusammen herausfinden, was uns beiden gefällt."

Zeigen statt sagen: Die nonverbale Variante

Manchmal sind Worte nicht der einfachste Weg. Körpersprache kann genauso effektiv sein – und fühlt sich oft natürlicher an.

Seine Hand führen

Nimm seine Hand und leg sie dorthin, wo du sie haben willst. Zeig ihm mit deiner Hand auf seiner, wie viel Druck und welche Bewegung sich gut anfühlt. Das ist intim, sexy, und er lernt direkt, was funktioniert.

Vor ihm masturbieren

Klingt mutig, ist aber unglaublich effektiv. Wenn er dir zusieht, wie du dich selbst berührst, sieht er genau, was dich erregt. Tempo, Druck, Stelle – alles wird klar, ohne ein Wort.

Körperreaktionen nutzen

Stöhne lauter, wenn etwas gut ist. Atme schneller. Bewege dein Becken ihm entgegen. Dein Körper kann ihm sagen, dass er auf dem richtigen Weg ist – oder ihn sanft umlenken, wenn nicht.

Die "Ja, genau so"-Methode

Statt zu sagen, was er falsch macht, reagiere enthusiastisch, wenn er etwas richtig macht. "Ja", "genau so", "oh Gott, weiter" – positives Feedback verstärkt das gewünschte Verhalten.

Was du vermeiden solltest

Genauso wichtig wie das Wie ist das Wie-nicht. Diese Fehler können nach hinten losgehen:

Vergleiche mit anderen

"Mein Ex hat immer..." – Nichts killt das Ego schneller. Auch nicht: "Ich hab gelesen, dass die meisten Männer..." Er ist nicht die meisten Männer, er ist er.

Kritik im falschen Moment

Direkt nach einem misslungenen Versuch zu sagen "Das war nicht so toll" ist grausam. Warte, bis sich die Situation entspannt hat.

Übertreibung

"Du machst NIE..." oder "IMMER machst du..." sind Killerphrasen in jeder Beziehung. Sie stimmen selten und lösen Abwehr aus.

Passiv-aggressive Andeutungen

"Naja, war okay" mit einem Seufzer sagt ihm, dass etwas nicht stimmt, aber nicht was. Das ist frustrierend für beide.

Vorwürfe statt Wünsche

"Du kümmerst dich nie um meinen Orgasmus" ist ein Angriff. "Ich wünsche mir, dass wir mehr Zeit für mein Vergnügen nehmen" ist eine Einladung.

Wenn er beleidigt reagiert

Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass er gekränkt ist. Das ist menschlich – sein Ego ist angeknackst. Wie du damit umgehst:

Erst mal: Verständnis zeigen

"Ich wollte dich nicht verletzen. Mir ist wichtig, dass du weißt, wie sehr ich unseren Sex genieße." Das nimmt die Schärfe raus.

Klarstellen, worum es geht

"Es geht nicht darum, dass du etwas falsch machst. Es geht darum, dass ich dir zeigen will, was mich noch verrückter nach dir macht."

Ihm Zeit geben

Manchmal braucht er einen Moment, um die Information zu verarbeiten. Lass ihn. Dräng nicht auf sofortige Reaktion.

Langfristig: Muster erkennen

Wenn er JEDES Mal beleidigt reagiert, wenn du irgendetwas ansprichst, ist das ein Problem. Ein Partner, der nicht in der Lage ist, sexuelles Feedback anzunehmen, wird auch langfristig nicht auf deine Bedürfnisse eingehen. Das sagt mehr über ihn aus als über die Art, wie du es formuliert hast.

Übung macht die Meisterin

Die ersten Male werden sich vielleicht holprig anfühlen. Das ist normal. Je öfter ihr über Sex redet, desto natürlicher wird es.

Startet klein. Du musst nicht beim ersten Gespräch deine gesamte sexuelle Wunschliste abarbeiten. Ein Hinweis hier, ein Wunsch dort. Mit der Zeit baut ihr eine Kommunikationskultur auf, in der es normal ist, über Sex zu reden.

Und denk dran: Es geht nicht nur um dich. Frag auch ihn, was ihm gefällt. Zeig Interesse an seinen Wünschen. Wenn er merkt, dass Offenheit in beide Richtungen geht, fällt es ihm auch leichter, dein Feedback anzunehmen.

Guter Sex entsteht nicht durch Zufall. Er entsteht, wenn zwei Menschen bereit sind, miteinander zu reden – auch über die unbequemen Dinge. Deine Wünsche zu äußern ist nicht egoistisch. Es ist der Grundstein für ein Sexleben, das euch beiden gefällt.

Also: Trau dich. Er wird es dir danken. Dein Körper sowieso.

Du willst mehr über Sex und Kommunikation erfahren? Dann lies auch unsere Artikel über Dirty Talk, Sexting und 10 ungewöhnliche Sex-Tipps.

Über die Autor:innen

-20% auf das WOMAN Abo