Starke Frauen, starke Oper: Der besondere Moment beim ELEVATE Circle

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
7 min

GROSSE GEFÜHLE. Ein Klassiker ganz neu interpretiert: „Killing Carmen“ ist ein Publikumsmagnet. Doch Hauptdarstellerin Katia Ledoux musste die letzte Februar-Vorstellung mit gerissener Achillessehne absagen

©Jenni Koller / Volksoper Wien

Oper kann Drama, aber auch Zusammenhalt. Statt in „Killing Carmen" zu brillieren, saß Katia Ledoux bei unserem ELEVATE Circle in der Volksoper im Rollstuhl - und wurde zur größten Unterstützerin ihrer Kollegin Wallis Giunta.

Eigentlich hätte Katia Ledoux an diesem Abend selbst als Carmen auf der Bühne der Volksoper Wien stehen sollen. Stattdessen sitzt sie im Rollstuhl. Die Achillessehne ist gerissen. „Ich bin bei den Proben falsch aufgekommen“, erzählt sie. Für eine Sängerin, deren Körper ihr Instrument ist, ein Schockmoment. „Gerade für diese Produktion hat es mir schon das Herz gebrochen. Wir haben das Stück gemeinsam mit Nils Strunk, Lukas Schrenk und Gabriel Cazes entwickelt. Es ist wie unser Baby.“

„Killing Carmen“ erzählt die Geschichte 13 Jahre nach dem Tod der Zigarettenfabrik-Arbeiterin weiter. Die Überlebenden treffen sich und fragen sich: Wie konnte es dazu kommen? Der Abend ist eine überraschende Mischung aus Western, Musical und GeorgesBizet-Remake. „Carmen kommt nur noch als Erinnerung vor – und jeder denkt anders an sie zurück“, erklärt Ledoux. Für die Künstlerin ist Carmen mehr als eine Rolle. „Sie ist der Grund, warum ich Opernsängerin geworden bin. Das Stück hat mich schon als Kind begeistert. Aber es war ein schwieriger Weg dorthin …“

Lange habe man ihr gesagt, sie werde diese Figur nie singen, „wenn ich nicht 20 oder 30 Kilo abnehme“. Dann kam die Direktorin der Volksoper Lotte de Beer. „Sie meinte zu mir: ,Du willst Carmen singen? Okay, machen wir!‘“

Von Konkurrenz keine Spur

Dass die Mezzosopranistin nun zusehen muss, während eine andere ihren Part übernimmt, sei anfangs schwer gewesen, sie sieht es aber auch als Bereicherung: „Ich habe ein bisschen bei den Proben zugeschaut, es ist nicht mehr meine Carmen. Sie macht jetzt ihre eigene. Und ich freue mich, dass ich das Stück zum ersten Mal aus der Publikumsperspektive sehen darf.“

Sie ist der Grund, warum ich Opernsängerin geworden bin. Das Stück hat mich schon als Kind begeistert.

Katia LedouxSchauspielerin

Die „Neue“, das ist Wallis Giunta, seit 2022 Volksopern-Ensemblemitglied und kurzfristig eingesprungen. Innerhalb einer Woche wurden Texte gelernt, Choreografien einstudiert, Kostüme angepasst. „Fast jede Abteilung im Haus musste reagieren“, erzählt Ledoux. „In solchen Situationen merkt man, was Teamwork wirklich bedeutet.“ Giunta nimmt es mit jener Mischung aus Professionalität und Adrenalin, die nur erfahrene Bühnenmenschen kennen: „Ein bisschen Adrenalin ist gut. Ich bräuchte das nicht jeden Monat – aber ein- oder zweimal im Jahr liebe ich es.“

Female Empowerment

Katia Ledoux probt währenddessen bereits für ihre nächste Premiere – ab 27. März steht sie in „Die Piraten von Penzance“ als Piratenkönig auf der Bühne. Oper erzählt gern von großen Gefühlen. Hinter den Kulissen dieses Abends dominieren Vertrauen, Professionalität, Zusammenhalt. Zwei Künstlerinnen teilen sich eine Rolle und feiern sich gegenseitig. Was auf der Bühne als Drama verhandelt wird, wird im echten Leben als Teamarbeit gelöst. Standing Ovations kann Ledoux ihrer Kollegin an diesem Abend nicht geben, aber niemand jubelt lauter als sie. Aus der Loge ruft sie „Brava“, klatscht – und beweist, was Solidarität wirklich bedeutet.

Über die Autor:innen

Bild von Melanie Zingl

Melanie Zingl

Chefredakteurin für Gesellschaft, Karriere & Kultur

Melanie ist seit 2007 bei der Verlagsgruppe News (VGN) tätig. 2016 wurde sie Leitende Redakteurin und 2018 Stellvertretende Chefredakteurin. Seit 2024 ist Melanie Chefredakteurin bei WOMAN. Ihr erklärtes Ziel: "Make the World more WOMAN. Weil wir davon überzeugt sind, dass eine gleichberechtigte Welt eine bessere ist."

-20% auf das WOMAN Abo