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36 Fragen und zu viel Rotwein - Teil 1

Ein Fremder und ich. 36 Fragen – plötzlich ist es Liebe. Diese von US-Psychologen aufgestellte These klingt so simpel... WOMAN-Redakteurin Nadja wagte den Selbstversuch!

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Diese 36 Fragen führen zu Liebe - WOMAN testet

36 Fragen, die wir einander ehrlich beantworteten.

© Nadja

Ein Fremder und ich. 36 Fragen, die wir einander ehrlich beantworten. Plötzlich ist es Liebe. Diese von US-Psychologen aufgestellte These klingt so einfach. Und trotzdem unmöglich. Geht das?

In der New York Times beschrieb der Journalist Daniel Jones, wie er sich nach Abarbeitung des Fragenkatalogs in eine ihm zuvor völlig unbekannte Frau verliebte.

Ich bin 26. Ich bin Single. Ich will mich wieder verlieben. Also beschloss ich, mich dem Liebes-Experiment ebenfalls zu stellen. Was kann schon passieren? Im schlimmsten Fall war es einfach nur ein schlechtes Date.

Einen passenden Testpartner zu finden, war kein Problem. Wozu gibt es Tinder, jene Sehnsuchtsbörse für junge Städter. Wisch-weg-wisch: Dann hatte ich Tom gefunden. 29, aus Berlin, abenteuerlustig und optisch, nun: mein Fall. „Willst du diese 36 Fragen mit mir durchgehen? Auf die Gefahr hin, dass wir uns ineinander verlieben?“
Er wollte. Jackpot.

Wir trafen uns in der Bar des 25Hours-Hotels in Wien. Dort ist es nicht zu laut, das Licht ist gedimmt, die Tische haben ausreichend Abstand zueinander. Ich wollte schließlich keine Lauscher. Denn die 36 Fragen sind sehr intim. Das ist auch die Idee der Psychologen: man gibt einander Persönliches preis, macht sich dadurch verwundbar und schafft so Nähe. Daraus entsteht dann Liebe.

Weder Tom noch ich hatten die Fragen vor unserem Date gelesen. Das war vereinbart. Wir wollten spontan reagieren. Nicht mit bereits zuvor vorbereiteten und auf Wirkung ausgelegten Antworten punkten.

Ich war vor Tom da. Aufgemaschelt und mit einem A4-Zettel voller Fragen saß ich da und wartete auf den Mann, in den ich mich noch heute Abend verlieben sollte. Dann kam er. Sah gut aus, vor allem aber: Auf Anhieb sympathisch! Tom wirkte nicht weniger hibbelig als ich, plapperte irgendwas, was ich nicht verstand. Dann atmete er durch und begann von vorne: „Hi, ich bin Tom.“ Ich mochte ihn schon jetzt.

Außerdem hatte er einen Notizblock mit, um sich während unseres Experiments Stichworte aufzuschreiben. Er nahm die Sache also genauso ernst wie ich.

»Mir fiel auf einmal auf, dass ich in 26 Jahren noch nie mit meinem Vater alleine essen war.«

Frage 1 – und schon war ich hin und weg

Dann ging es ans Eingemachte. Frage 1: „Wenn du jeden und jede auf der Welt einladen könntest, mit wem würdest du gerne essen gehen?“

Während ich noch grübelte, welchen Star ich denn gerne mal treffen würde, sah Tom mich an und meinte: „Meine Oma. Sie ist über 90, mein Opa leidet an Parkinson. Sie hat es nicht leicht im Leben. Ein Abendessen würde ihr Freude bereiten.“

Uff. Diese Antwort zog mir die Schuhe aus. Meine Antwort wäre „Jared Leto“ gewesen (jajajaja, Girls-Crush, I know). Aber Toms Antwort brachte mich dazu, intensiver nachzudenken. Mir fiel auf einmal auf, dass ich in 26 Jahren noch nie mit meinem Vater alleine essen war. Also: mit der gesamten Family, mit Freunden – klar. Aber alleine? Auf einmal mochte ich Tom noch mehr. Denn er hatte mich mit seiner Antwort überrascht. Etwas in mir angestoßen, mich zum Nachdenken gebracht. He! Soll es in einer Beziehung nicht so sein? Dass der andere inspiriert, herausfordert, zum Nachdenken bringt...?
Okay, ich schweife ab, denn wir waren bei Frage 1 und von Liebe oder Beziehung noch keine Rede....

Und dann flossen Tränen...

Der Fragenkatalog der Forscher ist in drei Sets à 15 Minuten aufgeteilt. Macht in Summe 90 Minuten. Ganz ehrlich: Das ist zu kurz. Zumindest, wenn man die Sache ernst nimmt. Und wenn man sich auf Anhieb versteht. Die Fragen lassen sich nicht mit einem Satz beantworten. Bei den meisten Antworten muss man nachdenken. Bei vielen nachfragen. Wie kam es dazu? Warum ist dir das so wichtig? Wenn es anders wäre...

Vielleicht muss man die Fragen auch so betrachten: Als eine wunderbare Anleitung zu einem tiefgehenden Small Talk. Redestoff, der dazu führt, dass man das Gefühl bekommt, einen bis dahin völlig Fremden auf einmal zu kennen. Seine Familie. Was er an Freunden schätzt. Wie er zu dem Menschen geworden ist, der er ist.
Das ist spannend, aufregend, witzig ... und teilweise auch verdammt hart.

»Wir hatten vereinbart nicht Miss Topcheckerbunny und Mr. Supercool zu sein.«

Frage 18: „Was ist deine schrecklichste Erinnerung?“
Mein Hund wurde vor zwei Jahren vor meinen Augen überfahren. Das zu erzählen, tut wahnsinnig weh. Vor allem aber habe ich noch nie darüber gesprochen, welche Schuldgefühle mich seitdem plagen. Dass ich manchmal Angst habe, ob ich überhaupt jemals Verantwortung für ein anderes Wesen übernehmen kann. An diesem Abend konnte ich es. Wir hatten vereinbart nicht Miss Topcheckerbunny und Mr. Supercool zu sein.
Mir schossen die Tränen in die Augen. Tom sah mich an. Ruhig. Ernsthaft. Als ich aufstand, um schnell am Klo meine Wimperntusche (fatalerweise nicht wasserfest – nur ein Tipp am Rande) zu checken, nahm er mich in den Arm. Ein Mann, den ich vor zwei Stunden noch nicht kannte, tat in einem Moment, in dem ich sehr verwundbar war, genau das Richtige.

Bei Frage 32 war dann Schluss...

Vorweg: Wir sind mit den 36 Fragen nicht fertig geworden. Bei Frage 32 war Ladenschluss. Der Kellner setzte uns vor die Tür. To make a long story short: Wir landeten in Toms Wohnung. Nein. Es war kein plumper, bedeutungsloser One Night Stand nach zu viel Wein und lauter Musik.
Das war anders. Das war eine Nacht zwischen zwei Menschen, die einander sehr schnell sehr nahe gekommen sind. Aber eben zuerst auf geistiger, und erst dann auf körperlicher Ebene...

Verknallt und verkatert

Schützt dieses Gefühl vor der Schrecksekunde am nächsten Morgen? Natürlich nicht. Der erste Gedanke nach dem Aufwachen: „OH NO! Das hätte nicht passieren sollen.“ Klar, es war eine tolle Nacht, aber das Experiment war noch nicht fertig und...

Und dann war da Tom. Nett. Sanft. Lieb. „Verdammt. Ich bin verkatert. Und verknallt,“ schoss mir durch den Kopf. „Was ist mit dem Experiment? Machen wir es noch zu Ende?“

Heute Abend ist es soweit. Er kommt zu mir. Diesmal kein Wein. Sondern Kamillentee und vier weitere Fragen. Danach, so sieht es das Experiment vor, blicken wir einander für vier Minuten in die Augen. Vielleicht auch länger, wir werden sehen.

Bin ich bereits verliebt? Haben die US-Psychologen recht und man kann die Gefühle durch einen Fragenkatalog beeinflussen?

Eines kann ich euch jetzt schon sagen: Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich das Gefühl, dass es mir nicht egal ist, ob es klappt oder nicht. Mehr noch. Ich habe sogar richtig Angst, dass es nicht klappen könnte.

Und das nach einem Date. Nennt mich verrückt, aber ich hab mich verknallt.

Alle 36 Fragen findet ihr hier: Diese 36 Fragen führen zu Liebe

Wollt ihr wissen, wie es mit uns weiterging? Hier der 2. Teil von "36 Fragen und zu viel Rotwein".

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