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Was Porno-Stars nach dem Ausstieg treiben

Etwa 6 Mrd. Euro werden alleine in den USA mit Pornos umgesetzt. Die Darstellerinnen schauen meist durch die Finger. Was sie nach dem Ausstieg treiben.

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Was Porno-Stars nach dem Ausstieg treiben

Der ehemalige Sex-Star Jenna Jameson

© Instagram/JennaJameson

San Fernando Valley, ein Tal westlich von Los Angeles. Hier drängen sich dicht auf dicht mehr als 200 Studios. Sie fahren Gewinne ein, die jenen ihres Nachbarortes Hollywood seit langem übersteigen. Geschätzte 6 Milliarden Euro Umsatz werden im Epizentrum der amerikanischen Pornoindustrie pro Jahr gemacht.

Im Schnitt produziert jedes Studio einen Film pro Woche, macht mehr als 10.000 pro Jahr. Etwa 6.000 Menschen leben im Valley von der Sexfilm-Produktion. Nur ein Viertel davon sind die tatsächlichen Darsteller.

Nur wenige davon schaffen es, tatsächlich Karriere zu machen, zu Stars der Branche zu werden und gutes Geld zu verdienen. Noch weniger können dem Porno-Business irgendwann den Rücken zu kehren und ein geregeltes Leben führen.

"Du arbeitest als Frau in einer Branche, in der du ein Stück Ware bist," so die Ex-Pornodarstellerin Lisa Ann. "Nur wenige überstehen das unbeschädigt."

Ex-Pornostar: "Die Fantasien der User werden immer extremer!"

Zumal der Markt sich verändert. Ähnlich wie bei normalen Filmen arbeitet auch die Porno-Industrie zielgerichtet mit Internet-Marktforschung, richtet sich algorithmisch basiert nach den Wünschen der User. Und die werden immer extremer. "Verfilmte Gewaltphantasien, Anal-Szenen – früher war das Special Interest, heute ist es Standard," erzählte Aussteigerin Lexi Lowe in einem Interview mit "Buzzfeed". "Viele Porno-Darsteller halten das nur mit Drogen durch."

Wer aussteigt, wird zum gesellschaftlichen Paria. "Es wird immer Menschen geben, die dich aufgrund deiner Porno-Vergangenheit erkennen. Dann wirst du geächtet," so der ehemalige Sex-Star Bree Olson,"Du darfst auch nicht als Krankenschwester oder Kindergärtnerin arbeiten, wenn du einmal Pornos gedreht hast. Ein normales Leben ist unmöglich."

Sex-Branche: Warum ein endgültiger Ausstieg so schwierig ist

Olson warnt junge Mädchen mittlerweile in Kampagnen davor, Pornos zu drehen. "Du willst schnelles Geld? Mach' dir keine Illusionen: Mit Sex wirst du es nicht verdienen. Dafür steigst du sehr wahrscheinlich als zerstörter Mensch aus."

Manche probieren es, kehren der Branche den Rücken. Doch nach ein paar Jahren ohne Job und mit gesellschaftlicher Ächtung bleibt vielen nichts anderes übrig, als ein Porno-Comeback zu machen.

Wir haben uns angesehen, was aus einigen der bekanntesten Porno-Darstellerinnen nach dem Ausstieg wurde – und wer es geschafft hat, die Branche wirklich zu verlassen:

Jenna Jameson

Als Kind gewann Jenna Marie Massoli (so Jenna Jamesons eigentlicher Name) etliche Schönheitswettbewerbe, besuchte eine High School und war Cheerleaderin. 1990 wurde sie nach einem Football-Spiel von einer Gruppe Männer niedergeschlagen und mehrfach vergewaltigt. "Dieses Verbrechen hat nichts damit zu tun, dass ich in der Porno-Branche gelandet bin," so Jameson in ihrer 2005 erschienenen Autobiographie. Um Geld zu verdienen modelte sie für Männermagazine wie den "Hustler", ehe 1993 in ihrem ersten Porno auftrat. "Ich kam bald in Kontakt mit Kokain und LSD, in der Branche waren das die Zuckerl zum Tee."

Sie wurde zu einem der bekanntesten Stars der Branche, verdiente dank eines Exklusiv-Vertrags 60.000 Dollar für einenhalb Tage Dreh. Jameson wurde zu einem Promi auch abseits der Branche, hatte Affären mit Marilyn Manson und Tommy Lee. 2007 wollte sie der Branche den Rücken kehren und ließ ihre Brust-Implantate entfernen. Doch bereits 2013 gab sie ihr Comeback bekannt. Nebenbei launchte sie die Web-Plattform "ClubJenna", die sie erfolgreich an Playboy Inc. verkaufte. Jameson trat als Comic-Charakter in Filmen und Video-Spielen wie "Family Guy" oder "Grand Theft Auto" in Erscheinung und schrieb mit "Sugar" einen erotischen Roman. Ihre Drogensucht hat sie bis heute nicht besiegt.

Lisa Ann

Lisa Ann gilt vielen Porno-Darstellerinnen als Vorbild. Die heute 45jährige war zwischen 1994 bis 1997 aktiv, zog sich dann aber wegen der ansteigenden Zahl an HIV-Infektionen für einige Zeit komplett zurück und versuchte sich als Immobilienmaklerin. 2006 kehrte sie in die Sex-Branche zurück und wurde zu einer der bekanntesten MILF-Darstellerinnen (MILF = "Mother I Like To Fuck", wird als Bezeichnung für ältere Porno-Stars verwendet). Weltweit berühmt wurde sie, als sie in einer Sexfilm-Parodie die republikanische Politikerin Sarah Palin spielte. Enimen castete Lisa Ann daraufhin für sein Video "We Made You". 2014 beendete sie ihre Karriere vor der Kamera und widmete sich dem Aufbau ihrer Casting-Agentur "Lisa Ann's Talent Management", über die sie hunderte Darstellerinnen, Regisseure und Kameramänner für die Sexfilm-Industrie vermittelt. Dazu widmet sie sich dem Fantasy Football, einer Art virtuellem "American Football"-Game.

Sasha Grey

Marina Ann Hantzis aka "Sasha Grey" wuchs in einer streng katholischen Familie auf und recherchierte heimlich im Internet die Arbeitsbedingungen von Sexfilm-Darstellerinnen. Als sie 18 Jahre alt war, nahm sie via MySpace Kontakt zu einer Porno-Schauspielerin auf und zog nach Los Angeles. Während ihrer Karriere galt sie als Ausnahmeerscheinung: Grey verzichtete auf Brustimplantate oder Intimrasur. "Ich bin Feministin," erklärte sie in der "Tyra Banks"-Show, "Meine Filme betrachte ich als Performance-Kunst, bei der ich meine Stimme und meinen Körper einsetze." 2011 erschien im Zusammenhang mit ihrem Ausstieg aus der Pornobranche ihr Fotoband "Neü Sex". Das Buch enthält Polaroidaufnahmen und essayistische Texte von ihr und dokumentiert ihr Leben in den letzten Jahren vor ihrem Ausstieg aus der Branche. Seitdem veröffentlichte sie mehrere Romane, die von Kulturkritikern des New Yorkers und des Spiegel gelobt wurden. Dazu spielte sie in mehreren Alternative-Filmen mit und trat politisch mehrmals gegen Donald Trump und für das Recht auf Abtreibungen auf.

Sunny Leone

Geboren als Karenjit Kaur Vohra arbeitete die in Kanada aufgewachsene Inderin zunächst als Model, ehe sie über eine Fotostrecke im "Penthouse Magazin" für Pornofilme entdeckt wurde. Anfangs drehte sie ausschließlich Solo-Erotik oder Lesben-Szenen, erst später arbeitete sie auch mit männlichen Darstellern. 2004 war sie Teil der „No More Bush Girls“, einer Gruppe von Pornodarstellerinnen, die ihre Schamhaare abrasierten, um gegen die Präsidentschaft von George W. Bush zu demonstrieren. 2012 erhielt sie ein Angebot, in einem Bollywood-Film mitzuwirken. Darauf beendete "Sunny Leone" ihre Porno-Arbeit und wirkte seither in mehr als 20 indischen Filmen mit. Außerdem engagiert sie sich für die Tierschutzorganisation PETA.

Mia Khalifa

Die Amerikanerin mit libanesischen Wurzeln nutzte auch das Pseudonym Mia Callista für einige ihrer pornografischen Filme. 2014 startete die heute 24-Jährige eine kurze, aber steile Porno-Karriere und wurde bald zu einer der erfolgreichsten Darstellerinnen - und zum Hassobjekt. Grund: In vielen ihrer Filme trägt Khalifa einen Hijab, das muslimische Kopftuch. Der IS drohte ihr mit Enthauptung. Obwohl sie inzwischen längst das Fach gewechselt hat, als Sport-Bloggerin tätig ist und gerade ihr Geschichtsstudium absolvierte, ist sie nach wie vor das Ziel islamistischer Anfeindungen.

Themen: Report, Porno