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Stalking: Was tun, wenn der Ex-Partner stalkt?

Hilfe, mein:e Ex stalkt mich. Wenn dein:e Ex-Partner:in dir ständig und überall auflauert, kannst und musst du etwas dagegen tun. Wie du dich schützen kannst, erfährst du bei uns.

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Stalking: Was tun, wenn der Ex-Partner stalkt?
© iStock

Das Ende einer Beziehung ist niemals schön. Trennungen tun verdammt weh und oft möchte der andere vielleicht nicht wahrhaben, dass Schluss ist. Da ist auch der Liebeskummer nicht weit, was auch völlig normal ist. Gefährlich wird es aber dann, wenn dein:e Ex-Partner:in nicht loslässt, anfängt dich zu stalken und dir ständig auflauert.

Das ist eine sehr belastende Vorstellung, die große Angst machen kann. Wenn du davon betroffen bist und Hilfe benötigst, geben wir dir jetzt Ratschläge an die Hand, wie du damit am besten umgehen kannst. Eine beharrliche Verfolgung, die dich so stark in deiner Lebensführung beeinträchtigt, ist in Österreich nämlich strafbar!.

Hol dir Hilfe! Sprich offen über deine Ängste und lass dir von deinem Umfeld helfen. Wenn du dich bedroht fühlst, kannst du auch jederzeit eine einstweilige Verfügung oder eine anonyme Anzeige bei der Polizei aufgeben. In jedem Falle bist du mit deinem Problem nicht allein.

Was ist Stalking und was fällt alles darunter?

Du verlässt das Haus und hast sofort das Gefühl beobachtet zu werden? Du wirst von einer unbekannten Nummer mehrmals angerufen und das sogar mitten in der Nacht? Dein:e Ex-Partner:in lauert dir ständig an unterschiedlichen Orten auf? Dann ist es leider sehr wahrscheinlich, dass du gestalked wirst.

Aktuelle oder ehemalige Intimpartner stellen eine große, wenn nicht sogar die größte Kategorie von Stalking-Tätern unter Frauen dar. Unter Stalking fällt vor allem das beharrliche Verfolgen einer Person, also das ständige Aufsuchen von räumlicher Nähe und Orten, an denen du dich oft aufhältst.

Was sind Anzeichen für Stalking?

Typisches Stalking-Verhalten zu erkennen, ist nicht immer leicht. Es gibt allerdings einige Warnsignale, auf die du unbedingt achten solltest. Stalker tätigen sehr viele Anrufe und terrorisieren ihre Opfer mit Nachrichten und das zu jeder Tages -und Nachtzeit.

Außerdem wird dein:e Ex-Partner:in keine Situation unversucht lassen dir zu begegnen. Das kann im Supermarkt, am Arbeitsplatz oder sogar bei dir zu Hause sein. Beim Stalking handelt es sich nie nur um eine einzelne, sondern immer um mehrere Taten über einen längeren Zeitraum hinweg. Die psychische Belastung durch die ständigen Annäherungsversuche des Stalkers sind für die Opfer eine enorme Belastung.

Weitere Anzeichen dafür, dass dein:e Ex-Partner:in dich stalkt sind:

  • Missbrauch deiner Daten für Bestellungen oder Dienstleistungen
  • Beschädigung deiner persönlichen Sachen, wie beispielsweise dein Auto
  • Hausfriedensbruch
  • Der Versuch über dritte den Kontakt zu dir aufzubauen
  • Verletzung deiner persönlichen Rechte (Veröffentlichung privater Fotos im Internet)

Wenn Liebe zum Wahn wird, wie kann man sich gegen Stalking schützen?

Wenn du das Gefühl hast, gestalked zu werden, solltest du unbedingt offen darüber sprechen. Teile deine Sorge mit Freund:innen oder deiner Familie. Wenn dein Umfeld Bescheid weiß, kann es schneller eingreifen und handeln, wenn es zu Bedrängungen oder bedrohlichen Situationen kommt.

Stalking ist nämlich kein simples Eifersucht-Drama, sondern eine echte Straftat. Aus diesem Grund gibt es in Österreich seit 2006 das Anti-Stalking-Gesetz, das Betroffene besser vor Belästigungen schützt und deinen Stalker strafrechtlich verfolgbar macht.

Am besten hältst du außerdem jede Begegnung, jede Nachricht und jeden Anruf mit Datum und Uhrzeit fest. Mache Screenshots von WhatsApp-Nachrichten und deinen E-Mails. So hast du handfeste Beweise, die du später bei der Polizei vorzeigen kannst. Im Ernstfall kannst du auch einen Anwalt einschalten, der deine:n Ex Partner:in mit einem offiziellen Schreiben auffordert, die Kontaktaufnahme zu dir sofort zu beenden.

Wenn du dich aktuell bedroht fühlst, kannst du dich natürlich auch jederzeit an eine Gewaltschutzeinrichtungen wenden.

Was sind die Folgen von Stalking für Betroffene?

Stalking stellt nach wie vor ein erhebliches und ernst zu nehmendes Problem dar. Die meisten Opfer, die über einen längeren Zeitraum verfolgt werden, zeigen sehr rasch spezielle Verhaltensmuster. Je länger und intensiver sie verfolgt werden, desto eher sind sie einem gefährlich hohen Maß an Angst und psychologischen Stress ausgesetzt.

Weitere Folgen können ebenfalls Unruhe, Schlafstörungen, Depressionen und Vereinsamung darstellen. Aus diesen Gründen stellt Stalking für viele Betroffene eine potenzielle traumatische Erfahrung dar.

Eine Studie über Stalking-Opfer zeigt, dass 86 % der Frauen aufgrund von Stalking Erfahrungen langfristige Veränderungen ihrer Persönlichkeit feststellen (Hall, 1998). Viele der Frauen werden paranoid und fühlen sich ängstlich und aggressiv.

Im schlimmsten Fall kommt es bei Stalking auch zu eskalierenden Verläufen mit sexueller und körperlicher Gewalt. Leider enden einige Fälle auch im Femizid.

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(c) Unsplash

Wie sieht die Gesetzeslage aus?

Wie bereits erwähnt, ist Stalking in Österreich strafbar und mit einer Freiheitsstrafe mit bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen bedroht. Außerhalb vom Strafverfahren gehen Anzeigen wegen Stalking normalerweise mit einer einstweiligen Verfügung einher. Durch diese kann das Gericht die Kontaktaufnahme zu dir, sowie das ständige Verfolgen und Auflauern deines Stalkers unterbinden.

Solltest du Angst davor haben eine Anzeige in deinem Namen aufzugeben, ist es natürlich auch möglich diese anonym bei der Polizei einzureichen. Die Polizei wird dann Ermittlungen gegen deinen Stalker aufnehmen und diesen zu den Vorkommnissen befragen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass du alle Situationen, in denen du das Gefühl hast, verfolgt zu werden, dokumentierst. So steht am Ende nicht dein Wort gegen seins.

Wo kann ich mir Hilfe holen (wenn ich mich trennen möchte)?

Keine Angst, du bist mit deinem Problem nicht allein! Frauen sind von Stalking überdurchschnittlich häufiger betroffen als Männer. Das Ziel von Stalkern ist jedes Mal gleich: Sie möchten Macht und Kontrolle über dich erlangen. Damit ihnen das nicht gelingt, musst du dein Problem mit möglichst vielen Personen deines Vertrauens teilen.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass vor allem schnelles und konsequentes Einschreiten der Polizei gegen Stalkende Wirkung zeigt und die Belästigungen nach einer Anzeige häufig aufhören.

Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555 / Beratung rund um die Uhr, anonym und kostenlos, 365 Tage im Jahr.

Halt der Gewalt: Online-Beratung täglich von 18-22 Uhr.

Opfer Notruf: Telefonnummer: 0800 112 112 Telefonberatung rund um die Uhr. Beratung per Kontaktformular

Zusammenschluss Österreichische Frauenhäuser: Ziel des Vereins ist es, die Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen und deren Kindern österreichweit voranzutreiben. Mitglieder des Vereins ZÖF sind die Frauenhäuser Wien (4 Frauenhäuser), Graz, Kapfenberg, Klagenfurt, Lavanttal, Spittal, St. Pölten und Villach.

Frauenhäuser Wien: Der Verein Wiener Frauenhäuser bietet misshandelten und bedrohten Frauen und ihren Kindern Schutz und Hilfe. Insgesamt stehen rund 175 Plätze für Frauen und Kinder zur Verfügung. Neben den Frauenhäusern betreibt der Verein auch eine ambulante Beratungsstelle. Die Beratungen sind anonym und kostenlos.

Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: kostenlose und vertrauliche Hilfe bei Gewalt an Frauen, familiärer Gewalt und Stalking.

Rat auf Draht: Telefonnummer 147 - die österreichische Notrufnummer für Kinder und Jugendliche.

Bundesverband der Gewaltschutzzentren Österreichs

Thema: Trennung
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