
Diese fünf Shows aus Mailand und Paris waren stilprägend. Wie wir die Megalooks für den Sommer interpretieren. Plus: die Keypieces.
Schon länger hat mich keine Fashion Week mehr wirklich berührt. Sicherlich, es gab immer schöne Bilder, starke Looks, virale Momente – aber wenig Substanzielles, das geblieben ist. Doch diese Saison haben die Modewochen in Paris und Mailand etwas für mich zurückgebracht, das mir zuletzt oft gefehlt hat: echte Visionen. Es war ein perfektes Zusammenspiel aus frischer, kreativer Energie und einem spürbaren Aufbruch in den großen Häusern – ohne die Wurzeln und die Tradition der Maisons zu negieren. Etwa bei Chanel, wo Matthieu Blazy die Codes des Hauses so großartig modernisierte, dass er Stammkundinnen und junge Fashionistas gleichzeitig bezauberte. Oder Jonathan Anderson, der Diors erzählerische Richtung wieder klarer definierte.
Große Mode-Momente
Die Kollektionen wirken nicht mehr wie lose Ideen, sondern wie durchdachte Kapitel eines größeren Ganzen. Silhouetten sind präziser, Referenzen bewusster gesetzt, die Stylings samt Accessoires überraschend, und selbst opulente Looks verlieren nicht ihre Leichtigkeit. Nach dem Sichten aller Schauen, haben sich fünf klare Favoriten herauskristallisiert, die weit über den Laufsteg hinaus Impact haben und Lust machen, sich auch persönlich stilistisch neu auszuprobieren. Denn genau darum geht es am Ende: Inspiration. Die wenigsten werden die Originale tragen, und das ist auch nicht der Punkt. Viel spannender ist, was sich übertragen lässt. Eine neue Proportion, ein unerwartetes Element, der Mut zu Kontrasten. Das Motto: Habt Spaß!
Prada
Ganze 60 megacoole und vor allem kreative Layering-Looks schickten Miuccia Prada und Raf Simons ins Fashion-Rennen. Handarbeit stand im Fokus, alles funkelte und war kunstvoll bestickt, dazu geniale Details wie XL-Manschetten, Zipp-Cardigans und gestrickte Streifenschals. Ein genialer Styling-Hack zum Nachmachen: das Spiel mit Socken und Strümpfen, selbstverständlich ebenfalls kunstvoll verziert. Neben maskulinen Schnürschuhen gab es vor allem spitze, flache Ballerinas und Kitten-Heel-Pumps.
Dior
Er ist ohnehin der Darling der Szene, doch mit der jüngsten Dior-Schau sorgte Kreativdirektor Jonathan Anderson für echte Begehrlichkeiten. Unter freiem Himmel in den Jardin des Tuileries zeigte der Brite seine zweite Ready-to-Wear-Kollektion und kombiniert verspielte Bar-Jacken mit voluminösen Miniröcken und Blumenmotiven – eine fröhliche Hommage an die berühmten Gärten von Paris. Außerdem lässt sich Anderson bekanntlich gerne von Literatur inspirieren, seine Show-Notes bezogen sich auf „À une passante“, die Ode eines Flaneurs an eine schöne Frau aus Charles Baudelaires Gedichtsammlung „Les Fleurs du Mal“ von 1857, und Radclyffe Halls Roman „The Well of Loneliness“ von 1928. Auf unserer Wishlist: schwingende Minis!
Loewe
Das Designerduo Jack McCollough und Lazaro Hernandez hat es nach dem Abgang von Jonathan Anderson geschafft, Loewe eine neue Handschrift zu verpassen. Luxuriös, sportlich und mit einer Prise Ironie kommen ihre Catwalk-Styles daher, vor allem die Farb- und Materialkombis haben es dem Publikum angetan. Styling-Ideen zum Nachmachen: Spaghettiträgerkleider zu blickdichten Thights, Pulli und Hemd unterm Anzug.
Chloé
Mon Dieu, einmal alles, bitte! Kreativdirektorin Chemena Kamali besinnt sich auf die modische Key-Kompetenz der Maison: Romantik mit Boho-Flair. Schwingende Kleider, wunderschöne Farbkombinationen und semitransparente Optiken verzauberten nicht nur die Fashion-Crowd, sondern auch uns. Die Keypieces: A-Linien-Kleider in vielen Lagen und mächtige Volants. Für Lässigkeit sorgen dunkle Boots, Plateau-Heels mit Holz, Ketten mit Anhängern und die zart getönten Metallbrillen.
Chanel
Selbst die strengsten Kritiker von Matthieu Blazys Chanel-Looks waren mit dieser Show versöhnt. Die französische Maison hat den Sprung in die nächste Ära geschafft. Das Chanel-Kostüm weckt wieder Begehrlichkeiten, wurde merklich verjüngt und ist damit so zeitgemäß, relevant und cool wie noch nie. Was wir uns fürs tägliche Styling abschauen: matching Sets mit entspannten Cuts, fantasievolle Materialkombinationen, helle Taschen, das Comeback der großen Ohrringe und mehrreihigen Ketten und – mais oui! – metallische Glanzeffekte im Haar sowie auf den Lidern. Ein Hit von Kopf bis Fuß!
