
Während draußen die Straßenbahn vorbeirumpelt, herrscht drinnen hoch konzentrierte Stille. In einem hofseitig angelegten Erdgeschosslokal im 15. Wiener Gemeindebezirk reihen sich die Schreibtische der Mitarbeiter:innen aneinander, mittendrin sitzt auch die Chefin: Wir treffen Barbara Blaha, 42, Leiterin des Momentum Instituts und Herausgeberin des Online-Magazins Moment.at. Der Anlass? Ihr neues Buch „Funkenschwestern. Wie Feminismus alles besser macht“ ist gerade im Molden Verlag erschienen, die erste Auflage ist jetzt schon ausverkauft. Dazu startet Blaha auch gleich noch ein gleichnamiges Showformat und bespielt damit ab 24. Februar die Bühnen zwischen Innsbruck, Salzburg und Wien. Ein Gespräch über unsichtbare Vorteile, geschlechtergerechte Erziehung und Aha-Erlebnisse am Küchentisch.
Ich habe letztens mit einer Kollegin über den Eindruck gesprochen, dass sich in puncto Gleichberechtigung einfach nichts weiterbewegt und wir jetzt schon seit Jahren immer wieder über die gleichen Baustellen stolpern. Kommt Ihnen dieses lähmende Gefühl bekannt vor?
BARBARA BLAHA: Total. Dieses „Wir reden seit Jahren über dasselbe“ kenne ich sehr gut. Das kann wahnsinnig frustrierend sein. Vor allem, wenn man sieht, wie langsam und zäh echte Veränderungen sind. Aber Stillstand heißt nicht, dass nichts passiert. Oft heißt es nur, dass sich etwas zusammenbraut. Müde ist man immer mal, das darf auch sein. Was bei mir überwiegt, ist die Entschlossenheit.
Ihr Buch „Funkenschwestern“ hat uns schnell aus der Lethargie geholt. Danke dafür! Was hat Sie dazu gebracht, ein faktenbasiertes, feministisches Buch zu schreiben?
Danke, das ist ein großes Lob! Und genau da will ich mit dem Buch auch hin: Ich möchte, dass die Leserinnen nach der letzten Seite klarer sehen und weniger an sich zweifeln. Mein Buch richtet sich an Frauen, die sehr genau spüren, dass etwas nicht stimmt, aber oft das Gefühl haben, allein damit zu sein oder an sich selbst zu scheitern. Es soll Mut machen, unbequem zu sein. Und große Lust auf Solidarität. Ich möchte zeigen, dass Ungleichheit weder zufällig noch unveränderbar ist.
Was war beim Schreiben die größte Herausforderung? Und was hat Ihnen geholfen, dranzubleiben?
Schwierig war vor allem die Balance. Ehrlich zu sein, ohne zu erschlagen. Persönlich zu erzählen, ohne ins Private zu kippen. Ich wollte zeigen, was das System mit uns macht, nicht nur, was es mit mir gemacht hat. Zu wissen, dass diese Erfahrungen viele teilen, hat mich getragen.
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