Abnehmen durch Bewegung - aber nicht so, wie du denkst

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
9 min

©Getty Images / Unsplash

Stundenlang aufs Laufband? Jeden Tag ins Gym? Muss nicht sein. Die neuesten Erkenntnisse zeigen: Beim Abnehmen durch Bewegung kommt es nicht auf Schweiß und Quälerei an, sondern auf die richtige Art und das richtige Maß. Und das ist viel entspannter, als du denkst.

Warum klassisches Kardio überbewertet wird

Lass uns mit einem Mythos aufräumen: Du kannst eine schlechte Ernährung nicht weglaufen. Eine Stunde Joggen verbrennt etwa 400 bis 600 Kalorien – ein Schokoriegel und ein Latte Macchiato haben das locker wieder drin. Wer nur auf Kardio setzt, erlebt oft eine frustrierende Rechnung: viel Aufwand, wenig Ergebnis auf der Waage.

Das liegt auch daran, dass sich unser Körper an regelmäßiges Ausdauertraining anpasst. Je fitter du wirst, desto weniger Kalorien verbrennst du bei derselben Aktivität. Das heißt nicht, dass Kardio schlecht ist – es ist großartig für Herz, Kreislauf und Stimmung. Aber als alleinige Abnehm-Strategie ist es nicht besonders effektiv.

Dazu kommt: Wer sich im Fitnessstudio quält, neigt dazu, sich danach zu „belohnen" – mit einem großen Essen, einem süßen Getränk oder einfach damit, den Rest des Tages auf der Couch zu verbringen. Unter dem Strich hast du dann manchmal sogar mehr Kalorien aufgenommen, als du verbrannt hast.

NEAT: Die geheime Waffe im Alltag

Was ist das?

NEAT steht für Non-Exercise Activity Thermogenesis – also all die Kalorien, die du verbrennst, ohne bewusst Sport zu machen. Treppen steigen, zu Fuß gehen, im Garten arbeiten, kochen, putzen, beim Telefonieren herumlaufen. All diese kleinen Aktivitäten machen in Summe einen riesigen Unterschied.

Warum funktioniert es?

NEAT kann zwischen 200 und 800 Kalorien am Tag ausmachen – teilweise mehr als eine Stunde Sport. Der Vorteil: Es fühlt sich nicht nach Anstrengung an und lässt sich in jeden Alltag integrieren. Menschen, die sich im Alltag viel bewegen, nehmen leichter ab und halten ihr Gewicht besser als reine Fitnessstudio-Gänger:innen.

So probierst du es aus

Steh beim Telefonieren auf und geh herum. Nimm die Treppe statt den Aufzug. Geh in der Mittagspause 15 Minuten spazieren. Fahr mit dem Rad zum Einkaufen. Stell einen Timer auf deinem Handy, der dich jede Stunde daran erinnert, aufzustehen. Es sind die kleinen Dinge, die sich summieren.

Krafttraining: Dein Stoffwechsel-Booster

Was ist das?

Training mit Widerstand – ob mit Gewichten, Widerstandsbändern, Maschinen oder dem eigenen Körpergewicht. Kniebeugen, Liegestütze, Deadlifts, Planks: alles zählt.

Warum funktioniert es?

Muskeln verbrennen auch in Ruhe mehr Kalorien als Fettgewebe. Je mehr Muskelmasse du hast, desto höher ist dein Grundumsatz – also die Energie, die dein Körper allein fürs Existieren braucht. Krafttraining sorgt außerdem dafür, dass du beim Abnehmen Fett verlierst und nicht wertvolle Muskeln.

Für wen geeignet?

Für alle. Wirklich. Du musst nicht wie eine Bodybuilderin aussehen oder schwere Gewichte stemmen. Zwei bis drei Einheiten pro Woche mit dem eigenen Körpergewicht reichen für den Anfang völlig aus. Und nein: Du wirst davon nicht „bulky" – Frauen bauen hormonell bedingt deutlich langsamer Muskeln auf als Männer.

So probierst du es aus

Starte mit drei Übungen, die du zu Hause machen kannst: Kniebeugen, Liegestütze (gern an der Wand oder auf den Knien) und Planks. Mach drei Sätze à 10 bis 15 Wiederholungen, dreimal pro Woche. Wenn sich das leicht anfühlt, steigere dich. YouTube ist voll mit kostenlosen Anfänger:innen-Workouts – such dir etwas, das dir Spaß macht.

Spazierengehen: Unterschätzt und hochwirksam

Wenn jemand das perfekte Workout erfinden müsste, das beim Abnehmen hilft, den Stress reduziert, die Stimmung hebt, die Verdauung anregt und für fast alle Menschen geeignet ist – es wäre Spazierengehen. Kein Witz.

Ein täglicher Spaziergang von 30 bis 45 Minuten kann Wunder wirken. Er verbrennt moderate Kalorien, senkt den Cortisol-Spiegel (das Stresshormon, das Bauchfett fördert), verbessert die Insulinsensitivität und hilft bei der Verdauung – besonders nach dem Essen.

Das Beste: Spazierengehen ist low impact, kostet nichts, braucht keine Ausrüstung und lässt sich überall machen. Du kannst dabei Podcasts hören, telefonieren oder einfach deine Gedanken sortieren. Viele Menschen berichten, dass ein täglicher Spaziergang das Einzige war, was sie verändert haben – und dass es den größten Unterschied gemacht hat.

Bewegung und Psyche: Der Feel-Good-Effekt

Bewegung hilft nicht nur deinem Körper – sie verändert dein Gehirn. Schon 20 Minuten moderate Aktivität setzen Endorphine frei, reduzieren Stresshormone und verbessern deine Schlafqualität. Und all das hat wiederum einen direkten Einfluss auf dein Essverhalten.

Wer gut schläft, hat weniger Heißhunger. Wer weniger gestresst ist, greift seltener zu Comfort Food. Wer sich nach Bewegung gut fühlt, trifft bessere Entscheidungen. Es entsteht eine positive Spirale: Bewegung verbessert dein Wohlbefinden, dein Wohlbefinden verbessert deine Ernährung, deine Ernährung verbessert deine Energie – und die nutzt du für mehr Bewegung.

Deshalb ist die Art der Bewegung so wichtig: Wenn du dich zum Sport quälst, wird diese positive Spirale nie in Gang kommen. Dein Körper verbindet Bewegung mit Stress statt mit Wohlbefinden. Such dir etwas, das dir Freude macht – auch wenn es „nur" Tanzen in der Küche ist.

Body Neutrality: Beweg dich für dich, nicht gegen dich

Body Positivity sagt: Liebe deinen Körper. Das ist ein schönes Ideal, fühlt sich für viele aber unerreichbar an. Body Neutrality sagt stattdessen: Du musst deinen Körper nicht lieben – aber du kannst ihn respektieren und gut behandeln. Und genau das ist die Basis für nachhaltige Veränderung.

Wenn du dich aus Hass auf deinen Körper bewegst, wird jede Sporteinheit zur Bestrafung. Wenn du dich bewegst, weil du spürst, wie gut es dir tut, wird Bewegung zum Geschenk. Dieser Unterschied klingt subtil, ist aber fundamental.

Frag dich vor jeder Aktivität: Tue ich das FÜR meinen Körper oder GEGEN meinen Körper? Wenn die Antwort „gegen" ist, wähle etwas anderes. Dein Körper hat dich dein ganzes Leben lang getragen – er verdient Wertschätzung, keine Strafe.

Dein Bewegungsplan: So startest du

Woche 1 bis 2: Fundament legen

Täglich 20 Minuten Spazierengehen. Das war's. Mach es zur festen Gewohnheit – nach dem Mittagessen, nach Feierabend oder morgens vor der Arbeit. Kein Druck, kein Tempo, einfach gehen.

Woche 3 bis 4: Kraftelemente einbauen

Ergänze zwei- bis dreimal pro Woche 15 Minuten Kraftübungen zu Hause. Kniebeugen, Liegestütze, Planks, Ausfallschritte – mit dem eigenen Körpergewicht. Die Spaziergänge bleiben.

Ab Woche 5: Freude finden

Jetzt wird experimentiert: Probiere aus, was dir Spaß macht. Schwimmen, Tanzen, Yoga, Radfahren, Wandern, Klettern, ein Team-Sport. Die beste Bewegung ist die, die du gerne machst und deshalb durchhältst. Dein Ziel: eine Mischung aus Alltagsbewegung, leichtem Kraft- und einer Aktivität, die dir Freude bereitet.

Fazit: Bewegung darf Spaß machen

Vergiss das Bild von schweißtreibenden Gym-Sessions als einzigen Weg zum Abnehmen. Die effektivste Bewegung ist die, die du tatsächlich machst – regelmäßig, freiwillig und mit Freude. Mehr Alltagsbewegung, etwas Krafttraining und eine Aktivität, die dein Herz höher schlagen lässt: Das ist alles, was du brauchst.

Dein Körper ist dein Zuhause. Beweg ihn nicht, um ihn zu bestrafen, sondern um ihn zu feiern. Der Rest – inklusive der Zahl auf der Waage – kommt dann ganz von allein.

Weiterführende Artikel:

Welche Bewegung hilft am besten beim Abnehmen?

Eine Kombination aus Alltagsbewegung (NEAT), Krafttraining und Spazierengehen ist effektiver als reines Kardio-Training.

Was ist NEAT und warum hilft es beim Abnehmen?

NEAT ist die Energie, die du im Alltag verbrennst: Treppen steigen, zu Fuß gehen, putzen. Es kann 200 bis 800 Kalorien pro Tag ausmachen.

Muss ich ins Fitnessstudio, um abzunehmen?

Nein. Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht zu Hause, tägliche Spaziergänge und mehr Alltagsbewegung reichen für den Anfang völlig aus.

-20% auf das WOMAN Abo