Emma Felbermayr: Mit Vollgas auf der Überholspur

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Mit gerade einmal 19 Jahren zählt Emma Felbermayr zu den vielversprechendsten Nachwuchstalenten im Motorsport. Im Interview gibt sie Einblicke in ihren Alltag als Rennfahrerin, spricht über Ehrgeiz, mentale Stärke und ihren Traum von einer erfolgreichen Karriere im internationalen Motorsport.

Freitagmorgen am Formel-1-Wochenende in Spielberg. Rund um die Strecke herrscht bereits geschäftiges Treiben. Die Teams bereiten sich auf die ersten Freien Trainings vor, überall wird letzte Hand angelegt und die Spannung sowie die große Vorfreude ist förmlich spürbar. Mitten in diesem exklusiven Umfeld, in der imposanten Audi Hospitality, treffen wir Emma Felbermayr zum Gespräch. 

Trotz der besonderen Atmosphäre und der Aufregung eines Rennwochenendes begegnet uns die 19-Jährige offen, ruhig und erstaunlich gelassen. Als erste Österreicherin in der Formel 1 Academy lebt sie ihren Traum auf der größten Bühne des Motorsports – und wirkt dabei so bodenständig, als wäre all das ganz selbstverständlich. Im Interview spricht sie über den Druck, Höchstleistungen zu bringen, den Umgang mit Rückschlägen und darüber, wie sie sich ihren Spaß am Rennsport trotz aller Herausforderungen bewahrt hat. 

WOMAN

Sie durften gestern erstmals in einem Formel-1-Auto Platz nehmen. Wie war dieses Erlebnis für Sie? 

Emma Felbermayr

Ich habe zwar nur die Abläufe eines Boxenstopps geübt und der Motor war nicht einmal an, aber allein im Auto zu sitzen, war ein unglaubliches Gefühl. Besonders beeindruckt hat mich, wie groß ein Formel-1-Auto tatsächlich ist – schon die Reifen sind riesig. Der Sitz war zwar nicht auf mich angepasst, deshalb konnte ich nicht besonders viel sehen, aber allein das Lenkrad mit seinen vielen Funktionen war faszinierend. Ich war schon nervös, weil ich alles richtig machen wollte, aber es war eine großartige Erfahrung. 

WOMAN

Sie sind die erste Österreicherin in der Formel 1 Academy. Welche Bedeutung hat das für Sie persönlich? 

Emma Felbermayr

Es ist etwas ganz Besonderes, Österreich auf einer so großen Bühne vertreten zu dürfen. An einem Formel-1-Wochenende zu fahren und von einem Formel-1-Team unterstützt zu werden, hätte ich mir früher nie vorstellen können. Besonders emotional sind Momente wie jener in Shanghai (Anm.: Felbermayr erzielte im März den 1. Platz beim Hauptrennen), als bei der Siegerehrung die österreichische Hymne gespielt wurde. Darauf bin ich unglaublich stolz. Insgesamt genieße ich jede Minute und freue mich, Österreich repräsentieren zu dürfen. 

WOMAN

Gratulation! In der Meisterschaft der Formel 1 Academy liegen Sie auf dem zweiten Platz. Die Erwartungshaltung ist hoch. Stresst Sie das? 

Emma Felbermayr

Der meiste Druck kommt jedenfalls von mir selbst, weil ich so gut wie möglich sein will. Aber bisher habe ich mein Maximum gegeben und all meine Kraft reingesteckt. 

WOMAN

Wer ist Emma Felbermayr abseits der Rennstrecke? 

Emma Felbermayr

Sehr ruhig. Ein Party-Leben liegt mir gar nicht. Wenn ich mal zu Hause bin, genieße ich, statt zu feiern, lieber einen Netflix- Abend oder gehe shoppen.  

WOMAN

Wie gehen Sie mit Scheitern um? 

Emma Felbermayr

Die Verarbeitung von Fehlern habe ich in den letzten Jahren relativ gut gelernt. Ab einem gewissen Zeitpunkt kann ich Negatives beiseite schieben und konzentriere mich lieber auf das nächste Rennen. Und Ergebnisse, wie in Shanghai (Anm.: Felbermayr erzielte im März den 1. Platz beim Hauptrennen), geben mir viel Vertrauen in mein Können.  

WOMAN

Wobei schalten Sie ab? 

Emma Felbermayr

Ich gehe gerne ins Gym. Klar, ich muss körperlich fit sein, aber ich mache das auch zum Ausgleich. Ich studiere ja neben dem Motorsport auch noch Wirtschaft bei einer Fern-Uni. Durch meine vielen Reisen wäre es anders gar nicht möglich. Beides kann dann schon mal stressig werden und beim Training wird mein Kopf komplett frei. 

WOMAN

Wann wurde Ihnen bewusst, dass aus Ihrer Leidenschaft für den Motorsport einmal mehr als nur ein Hobby werden könnte? 

Emma Felbermayr

Mit sieben Jahren war Motorsport für mich einfach ein Hobby. Der Gedanke, das einmal beruflich zu machen, spielte damals noch keine Rolle. Mit zwölf oder dreizehn hat sich das geändert. Wir sind international im Kartsport angetreten und ich wollte mich immer stärker mit den Besten messen. Mit jeder Welt- und Europameisterschaft wurde mir bewusster, dass ich das Potenzial dafür habe. Ich musste zwar einiges aufholen, weil viele andere schon viel früher auf diesem Niveau gefahren sind, aber genau das hat mich zusätzlich motiviert. 

WOMAN

Wie haben Sie Schule und Motorsport unter einen Hut gebracht? 

Emma Felbermayr

Ich hatte das Glück, von meiner Schule unglaublich unterstützt zu werden. Im vergangenen Jahr habe ich rund 40 Schultage gefehlt. Ohne dieses Entgegenkommen wäre das kaum möglich gewesen. Für meine Eltern war es immer wichtig, dass ich meine Ausbildung abschließe, deshalb habe ich auch die Matura gemacht. Unsere Schule bot ein besonderes Lernmodell an, bei dem ich versäumten Stoff gemeinsam mit den Lehrkräften nachholen konnte. Das hat mir sehr geholfen. Ich wollte sowohl im Motorsport als auch in der Schule mein Bestes geben. 

WOMAN

Mussten Sie auf dem Weg zum Erfolg viel entbehren? 

Emma Felbermayr

Nein, ich habe entschieden, dass ich professionell in den Motorsport einsteigen möchte, weil ich es machen wollte und nicht, weil ich musste. Das ist ein Unterschied. Für mich muss ganz einfach der Spaß-Faktor beim Job hoch sein. Und das ist er definitiv. 

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Was ist die wichtigste Lektion, die Ihnen der Motorsport bisher mitgegeben hat?

Emma Felbermayr

Der Motorsport hat mir gezeigt, dass man sich ständig weiterentwickeln kann. Oft glaubt man, eine bestimmte Leistung niemals erreichen zu können. Doch mit jedem Training und jeder neuen Chance wächst man über sich hinaus. Ich erinnere mich an eine Kart-Weltmeisterschaft, bei der ich in den Trainings weit hinten lag. Im Qualifying schaffte ich es dann plötzlich unter die Top Ten von 120 Fahrerinnen und Fahrern. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass jede Session eine neue Möglichkeit ist, sich zu verbessern. Genau diese Einstellung nehme ich auch abseits der Rennstrecke mit. 

WOMAN

Viele verbinden Motorsport mit Reisen, Erfolgen und einem glamourösen Lebensstil. Was unterschätzen die meisten? 

Emma Felbermayr

Dass das Reisen oft viel anstrengender ist, als es von außen wirkt. Viele glauben, man lernt ständig neue Länder und Kulturen kennen. Tatsächlich sehe ich meistens nur den Weg vom Flughafen ins Hotel und von dort zur Rennstrecke. Ich bin dort, um meinen Job zu machen – nicht, um Urlaub zu machen. Dazu kommen Jetlag, lange Reisetage und Verspätungen. Das kann auf Dauer schon sehr fordernd sein. 

WOMAN

Wie sieht Ihr Alltag während der Saison aus? 

Emma Felbermayr

Ich bin im Monat mindestens zwei Wochen unterwegs, oft sogar noch länger. In den kommenden vier Wochen bin ich insgesamt nur sechs Tage zu Hause. In dieser kurzen Zeit wird Wäsche gewaschen, neu gepackt und alles für die nächste Reise vorbereitet. Viel Zeit bleibt da nicht. 

WOMAN

Haben Sie inzwischen gelernt, mit dem ständigen Reisen besser umzugehen? 

Emma Felbermayr

Ja, mit der Zeit entwickelt man eine gewisse Routine. Trotzdem bleibt es herausfordernd. Besonders den Jetlag habe ich anfangs unterschätzt. Während der Schulzeit war es noch schwieriger, weil ich direkt nach den Renn-Wochenenden wieder im Unterricht saß. Heute kann ich meine Zeit etwas flexibler einteilen, aber einfach ist das Reisen deshalb noch lange nicht. 

WOMAN

Haben Sie das Gefühl, sich als Frau im Motorsport stärker beweisen zu müssen? 

Emma Felbermayr

Persönlich empfinde ich das nicht so. Natürlich gibt es Vorurteile, aber am Ende zählt für alle das Gleiche: Leistung. Auch bei den Männern schaffen es nur die Besten nach oben. Wer nicht liefert, verliert seinen Platz. Deshalb sehe ich keinen Grund, warum für Frauen andere Maßstäbe gelten sollten. 

WOMAN

Was motiviert Sie in schwierigen Phasen, dranzubleiben? 

Emma Felbermayr

Auf meinem Helm steht der Satz „Follow your Dreams“. Das begleitet mich schon lange. Jeder Mensch hat Träume, und ich habe das Glück, an meinem arbeiten zu dürfen. Ob ich mein großes Ziel erreiche, weiß ich nicht. Aber solange ich mit Leidenschaft dabei bin und weiß, dass ich alles gegeben habe, kann ich zufrieden sein. Nicht immer lassen sich alle Faktoren beeinflussen, doch den eigenen Einsatz schon. 

WOMAN

Wo sehen Sie sich in Zukunft? 

Emma Felbermayr

Mein großer Traum ist es, professionelle Rennfahrerin zu sein und vom Motorsport leben zu können. Dafür arbeite ich jeden Tag. 

WOMAN

Welchen Rat würden Sie Frauen mit einem ähnlich großen Traum geben? 

Emma Felbermayr

Immer weitermachen, auch wenn es zwischendurch mal schwierig wird. Wenige bekommen eine Karriere geschenkt, für die meisten ist der Weg steinig und man muss sich beweisen. Also: Go for it! Träume zu verwirklichen, zahlt sich aus.   

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