
Warum Frauen sich häufiger trennen und danach oft den Großteil von Care Arbeit, Mental Load und finanzieller Verantwortung stemmen.
Bemerkenswerte Leistung
Frauen trennen sich häufiger als Männer. Laut Statistik gehen zwischen 60 und 70 Prozent der Trennungen bei heterosexuellen Paaren von ihnen aus. Gleichzeitig bringt das Ende von Beziehungen für Frauen deutlich mehr Gefahren mit sich. Das betrifft zum Beispiel Partnerschaftsgewalt, die bei Männern besonders häufig vorkommt, wenn sie verlassen werden. Aber auch die finanziellen Risiken sind für viele Frauen höher. Was zunächst also paradox klingt, hat trotzdem seine Gründe: Frauen erkennen emotionale Schieflagen in Partnerschaften besser und früher. Und sie stellen sich Beziehungskrisen eher als Männer – die sich oft einfach nur zurückziehen. Auch die unfaire Verteilung der Sorgearbeit bringt Frauen häufig dazu, sich zu trennen.
Und was dann? Residenzmodell, Wechselmodell, Nestmodell – die Kinderbetreuungsaufteilung nach einer Trennung kann heute ganz unterschiedlich aussehen. Was sich trotzdem kaum geändert hat, ist die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und Mental Load. Das bleibt dann auch nach Ende einer Beziehung so – oder verschärft sich sogar. Bis zu 89 Prozent der Alleinerzieher:innen in Österreich sind weiblich. Sie stemmen Tag für Tag Belastungen, die man sich eigentlich nur mit übermenschlichen Kräften erklären kann. Beruf, Privatleben, Kinder, Haushalt, finanzielle Sorgen: In den meisten Fällen trifft es Frauen deutlich härter.
Ich kenne alleinerziehende Mütter, deren Tage um fünf Uhr früh beginnen und um 22 Uhr enden – wenn sie Glück haben. Zeit für sich haben sie dabei kaum. Oder überhaupt nur, wenn sich zwischendurch eine Oma oder liebe Freundin findet, die für irgendetwas einspringt. Und ja: Auch das übernehmen fast immer (andere) Frauen: das Einspringen, Aushelfen und Dasein. Hinzu kommen nach Trennungen nicht selten auch außerordentliche psychische Belastungen. Etwa, wenn sogenannte Väterrechtler das Doppelresidenzmodell gegen den Willen der Mütter erzwingen wollen. Dahinter steckt manchmal nämlich auch die Absicht, sich Unterhaltszahlungen zu ersparen. Weniger der aufrichtige Wunsch, sich um die Kinder zu kümmern.
Interessanterweise hält sich die ungleiche Verteilung von Betreuungszeiten und Sorgearbeit auch in progressiven Kreisen durchaus hartnäckig. Das fängt schon bei der Aufteilung von Karenzzeiten an. Mir fallen in meinem Umfeld kaum Beispiele ein, wo ein Mann länger beim Baby geblieben wäre als die Frau – um ehrlich zu sein: kein einziges. Und tatsächlich auch keines, in dem ein Mann Alleinerzieher wäre.
Bleibt am Ende also die Frage: Wie machen die Frauen das alles bloß? Die plausible Erklärung lautet wohl, dass sie Superheldinnen sind.
@Anonymisierte Userin (via Bluesky): „Je länger ich nachdenke, desto mehr frage ich mich, was mein Ex mir nicht überlassen hat. Ich musste den Umzug organisieren und es den Kindern sagen."
