
DER MANN HINTER DER FARBEXPLOSION. Okuda San Miguel begann als Straßenkünstler in seiner Heimat Spanien und zählt heute zu den erfolgreichsten Street-Art-Künstlern der Welt.
©Getty ImagesOkuda San Miguel kreiert auf der Fassade des APA-Towers in Wien Österreichs größtes Wandgemälde. Am 7. Mai wird das Werk des spanischen Künstlers enthüllt. Doch wer ist dieses Ausnahmetalent der Street-Art-Szene?
Wer derzeit am seit 20 Jahren leer stehenden Gebäude der Austria Presse Agentur (APA) in Wien-Döbling vorbeigeht, wird überrascht sein. Die Fassade des nüchternen Komplexes aus den 1970er-Jahren ist zur Leinwand eines der auffälligsten zeitgenössischen Künstler Europas geworden: Okuda San Miguel. Der Spanier, bekannt für geometrische Bildsprache und explodierende Farbwelten, verleiht dem Geisterhaus (endlich) eine neue Identität. Noch weiß keiner genau, mit welchem Gemälde Okuda, der eigentlich Oscar San Miguel heißt, die Fassade des 52 Meter hohen Turms überzieht, am 7. Mai wird „In Equality“ jedenfalls enthüllt. Versprochen wird ein „farbenfrohes, 1.100 m² großes Kunstwerk, das für Vielfalt, Toleranz und Offenheit steht“, so ein Sprecher der Spanischen Botschaft in Wien.
Philosophie & Inspiration
Okuda, der aus einfachen Verhältnissen stammt und ein Kunststudium abgeschlossen hat, erinnert sich an seine Jugend: „Ich habe am liebsten in verlassenen Fabriken meiner Heimatstadt Santander abgehangen, mit Spraydosen und Rap-Musik. Mein Ausweg vom Mainstream.“ Jetzt bemalt er die Welt, weil er „Farbe braucht“, und bewegt sich zwischen Street-Art und Pop-Surrealismus mit kaleidoskopischen Mustern und einer Palette, die von Neonfarben bis hin zu sanften Pastelltönen reicht: „Alles, was mich umgibt, inspiriert mich, das können auch ganz alltägliche Dinge sein.“ Dabei setzt der 46-Jährige auf mehr als „nur eine visuelle Wirkung“. In seinen Werken – von monumentalen Wandgemälden über Skulpturen bis zu Installationen – stellt Okuda Themen wie Freiheit und Identität in den Mittelpunkt: „Dazu mache ich mir extrem viele Gedanken und versuche sie zu verarbeiten.“
Nicht nur in seiner Heimat Spanien, auch international hat der Kunstschaffende, der sich zur Polyamorie bekennt und gerne ein Kind adoptieren möchte, seine einzigartigen Spuren hinterlassen: in den USA, Japan, Brasilien und Indien schmücken seine großflächigen Murals Städte. Okuda sieht sein Schaffen „nicht nur als Beruf, sondern als Bedürfnis und Glücksquelle“. Die Fassadengestaltung des APA-Towers bleibt bis zur Enthüllung spannend. Eines ist sicher: Wien wird um ein Highlight reicher.
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