
Zu Besuch bei Elisabeth von Samsonow: Die Künstlerin und Philosophin sucht nach neuen Antworten auf eine Welt im Umbruch – und spricht über ihren Draht nach oben, die Liebe zum Holz und das Gute an der Weitsicht des Alters.
Es ist Montagvormittag, wir spazieren durch eine unscheinbare Nebengasse im 2. Gemeindebezirk. Trübe Sonnenstrahlen kämpfen sich langsam durch die grauen Häuserschluchten der Wiener Leopoldstadt, parkende Autos säumen den Gehsteig, der von den morgendlichen Gassirunden merklich frisch markiert wurde. An der Zieladresse angekommen, steht die Haustür offen: Ha! Schon wieder ein Hund! Dieses Mal ist es Romeo, der Dackel von Elisabeth von Samsonow, der uns mit lautem Kläffen als Eindringlinge meldet. Da kommt auch schon seine Chefin in grauen Filzschlapfen, türkisem Tüllrock und Hoodie. Romeo kapituliert und geht in Deckung. „Ich hoffe, Sie haben keine Angst“, schmunzelt Samsonow zur Begrüßung und führt uns durch einen kleinen Garten, der noch im Winterschlaf dahindämmert. Es ist ein faszinierendes Abenteuerreich, das sich die Künstlerin und Philosophin am Areal einer ehemaligen Eisenfabrik geschaffen hat. Vor gut 15 Jahren kaufte sie die leer stehende Baracke, die niemand mehr wollte, und verwandelte sie Schritt für Schritt in ihre „Basilika“, wie sie uns erzählt. Auf 200 Quadratmetern und drei Ebenen verteilt, lebt und arbeitet die emeritierte Universitätsprofessorin und Bildhauerin hier in ihrer Wiener „Kommunikationszentrale“. Mit im Team drei Mitbewohner:innen: Dackel Romeo sowie zwei Katzen. Eine davon macht es sich jetzt mit uns im Wohnzimmer auf dem Sofa gemütlich, während Samsonow mit charmant bayerischem Akzent über ihre Arbeit zu erzählen beginnt. Die international gefragte Künstlerin arbeitet am liebsten mit Holz, genauer gesagt mit Lindenholz. „Die Lindenbäume sind von einer überlegenen Schönheit und Poesie. Die reden mit mir“, schwärmt die 69-jährige Bildhauerin.
