
Ein langer Tisch, Kerzenlicht auf Weingläsern, irgendwo klirrt Besteck. Neben einem sitzt jemand, den man noch nie gesehen hat, gegenüber wird gerade ein köstlich duftender Teller herumgereicht. Man kostet, fragt nach, kommt ins Gespräch. Und plötzlich ist man mitten in einem Abend, der sich nicht wie ein Restaurantbesuch anfühlt. Willkommen im Supper Club.
Das Format ist keine Erfindung unserer Instagram-Gegenwart, sondern wurzelt im 19. Jahrhundert, vor allem in England und den USA. Heute wird in Wohnungen, Ateliers oder Hinterhöfen aufgetischt. Mal gibt es Naturwein und mehrere Gänge, mal einfach gute Pasta. Und für Köchinnen und Gastgeber ist es eine Gelegenheit, sich auszutoben, ohne gleich ein Restaurant eröffnen zu müssen. Die Formate sind dabei so unterschiedlich wie ihre Gäste. Es gibt Supper Clubs für Food-Nerds, für Fans bestimmter Küchen und inzwischen auch für Singles. Das Pariser Konzept „Dinner for One“ von Köchin Sutanya Dacres richtet sich ausdrücklich an alleinstehende Frauen, die gemeinsam einen schönen Abend erleben wollen.
„Menschen suchen nach Verbindung und Gemeinschaft, und Essen eignet sich wunderbar dafür“, sagt auch Rebecca Spanos. Als Culinary Artist und Rezeptentwicklerin wird sie bald ihren eigenen Supper Club im The Social Hub in Wien starten (Updates dazu unter instagram.com/rebecca.spanos). Ihr Fokus: pflanzenbasierte Gerichte und Überraschungsmomente, für die die Kreative bereits bekannt ist. Auf den Geschmack kam sie gleich beim ersten Versuch, als sie für die Eventreihe „ClubGigi“ ein intimes Dinner für Fremde kochte. „So ein Supper Club bietet die Möglichkeit, die Komfortzone zu verlassen und interessante Leute kennenzulernen.“ Damit spricht sie einen wichtigen Aspekt an: Theoretisch können wir heute nämlich jederzeit mit Hunderten Menschen verbunden sein und trotzdem gelegentlich feststellen, dass niemand Zeit für ein gemeinsames Dinner findet. Echte soziale Kontakte müssen zwischen Kalendern, Jobs und unzähligen WhatsApp-Gruppen untergebracht werden – und das kann nerven.
Supper Clubs sind ein erfrischender Gegenentwurf. Sie vereinen Genuss und Begegnung. Und wer beim Lesen denkt, dass man eigentlich auch selbst einen starten könnte: Ein Tisch, ein Menü und ein paar Menschen, die sich noch nicht kennen, sind ein guter Anfang.