
Als Institution für Kosmetik und Düfte kennt die Wiener Hofparfümerie Nägele & Strubell die Beauty-Wünsche der Österreicher:innen. Und weiß, wie sich Einzelhändler zwischen Online-Angeboten und KI durchsetzen können.
„Schönheit ist heute mehr als nur Produkt oder Prestige – es geht um den Ausdruck der Persönlichkeit“, so Silvia Schwab-Stubenvoll, Geschäftsführerin bei Nägele & Strubell, über den Stellenwert von Kosmetik in Österreich. 1880 als Gemischtwarenhandlung im 1. Bezirk in Wien gegründet, wurde die Hofparfümerie schnell zur Anlaufstelle für Feines und Schönes und schließlich sogar offizieller „K. u.K Hoflieferant“. Heuer feiert die Parfümerie ihr 145-jähriges Jubiläum, und uns interessiert: Was braucht es, um als stationärer Händler zwischen Großkonzernen und künstlicher Intelligenz Erfolg zu haben?
Nähe statt Masse
„Wenn Algorithmen entscheiden, was wir gut finden, und Online-Tipps unendlich verfügbar sind, wächst die Sehnsucht nach echter Beratung“, so Schwab-Stubenvoll. Denn sowohl Hautbedürfnisse als auch Duft- und Make-up-Vorlieben sind individuell und bedürfen daher besonderer Beratung. Die Aufgabe moderner BeautyBoutiquen sieht die Geschäftsführerin aber auch in der Orientierungshilfe: „Es ist wichtig, nicht jede Trendwelle zu reiten, sondern für die Kund:innen bewusste Gegenpole zu setzen.“ Ihr Anspruch, sowohl in der Ansprache der Kund:innen als auch im Sortiment, lautet deshalb: besonders statt offensichtlich. Mit der Spezialisierung auf Nischenmarken und exklusive Kosmetikbehandlungen bedient das Unternehmen damit bereits seit Beginn das Bedürfnis nach maßgeschneiderten Pflegekonzepten und Beauty-Individualismus – und ist damit Vorreiter bei Themen, die für 2026 als Top-Trends prognostiziert wurden.
Möglichkeiten
Was bei all der Pionierarbeit schließlich überrascht: Es gibt keinen eigenen Online-Shop. Schwab-Stubenvoll begründet: „Kosmetik muss erlebt werden. Um richtige Entscheidungen zu treffen, müssen wir Produkte erst wirken lassen und sie nicht einfach nur in den Warenkorb werfen.“ Dabei dennoch wichtig: Auch Einzelhändler können digitale Möglichkeiten sinnvoll nutzen – etwa mit Online-Tools zur richtigen Farbauswahl bei Make-up oder, wie am Beispiel Nägele & Strubell, durch die telefonische Beratung oder einen praktischen „Phone & Collect“-Service.


„Wir möchten nicht ‚alle‘ bedienen, sondern jede:n persönlich“, so Silvia Schwab-Stubenvoll. Hier gemeinsam mit Geschäftsführer Georg Oelschlägel (r.).
© Nägele & Strubell

