Beautytrend Neurokosmetik: Diese Pflege geht uns auf die Nerven

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Close-Up von Model, das leicht zu Boden blickt mit grauem Hintergrund und minalem Make-up

Die revolutionäre Idee: Neurotransmitter in der Kosmetik sollen unser Hautbild verjüngen.

©Stocksy

„Haut an Hirn, bitte kommen!“ Richtig gehört: Der neueste Coup der Beauty-Welt ist Kosmetik, die über unser Nervensystem für einen schönen Teint und gute Laune sorgen soll.

Was ist Neurokosmetik überhaupt?

Haben wir besonders viel Stress, zu wenig Schlaf oder sind traurig beziehungsweise ängstlich, merkt das unsere Haut – der Teint wird fahl und trocken, kleine Falten erscheinen besonders prägnant, Unreinheiten werden zum Dauerproblem. Als Spiegelbild der Seele reagiert unsere Haut auf psychische Unruhen meist sofort. Denn über Neurotransmitter kommunizieren die Haut und unser Gehirn miteinander – eine Erkenntnis, die Wissenschaftler:innen und Kosmetikunternehmen zur Entwicklung und Erforschung der Neurokosmetik inspirierte. Doch was genau ist das?

Eine offizielle Definition gibt es bisher nicht. Pauline Poussin, Scientific Communication Managerin bei der Neurokosmetikmarke Neur|aé, wagt dennoch eine Zusammenfassung: „Die Neurowissenschaft widmet sich der Erforschung des Nervensystems, des Gehirns und seiner Milliarden von Neuronen sowie deren Wechselwirkungen mit dem Rest des Körpers. Ein Teil dieser Disziplin konzentriert sich auf die Wechselwirkungen zwischen unserem Gehirn und dem größten Organ unseres Körpers, der Haut. Neurokosmetik nutzt die Erkenntnisse aus Gehirnforschung und Kosmetik, um die Gefühlszustände, die beim Älterwerden die Haut beeinflussen, gezielt zu steuern.“ Diese Skincare-Innovation kann also über die Haut Signale an das Nervensystem senden und damit emotionale Prozesse beeinflussen, die für die Haut relevant sind. Im Unterschied zu „traditioneller“ Hautpflege, die auf die Zellen der Epidermis und Dermis, Lipide oder bestimmte Strukturproteine wie Kollagen oder Elastin abzielt, wirkt Neurokosmetik auf sensorische Nervenfasern der Haut sowie auf Moleküle, die für die Übertragung von Nachrichten zwischen Haut und Gehirn verantwortlich sind. Das funktioniert über bestimmte Pflegewirkstoffe, die die Aktivität von Neurotransmittern beeinflussen, also von jenen chemischen Botenstoffen, die elektrische Signale über Synapsen von einer Nervenzelle zu einer anderen übertragen. Wie das konkret aussehen kann, erklärt Pauline Poussin: „Für die Entwicklung von Neur|aé haben unsere Expert:innen Wirkstoffe natürlichen Ursprungs ausgewählt, die das Gleichgewicht der Haut aufrechterhalten, indem sie direkt auf die Neurotransmitter der Haut einwirken – entweder auf die ‚positiven‘ (z.B. Endorphine und GABA) oder auf die ‚negativen‘ (wie etwa Cortisol oder CGRP). So reguliert beispielsweise der Extrakt aus rotem Indigo einen Überschuss an Cortisol und fördert die Endorphinproduktion, um die Haut wieder in Balance zu bringen, während Eperua-Extrakt einen Überschuss an CGRP reguliert, wodurch die Haut beruhigt und besänftigt wird.“ Je nach Wirkstoffen können neurokosmetische Produkte also für Entspannung und Ruhe sorgen oder unsere Laune verbessern.

Effektive Hilfe gegen Hautalterung

Die Steigerung unseres Wohlbefindens wirkt sich aber nicht nur positiv auf unsere allgemeine Hautgesundheit aus, sondern auch auf die Sichtbarkeit von (ungewollten) Alterungserscheinungen. Denn wir wissen: Unsere Emotionen spiegeln sich in unserem Gesicht wider – und sie prägen sich in Form von Falten und Linien direkt in die Haut ein. „Bisher dachten wir bei Hautalterung an genetische Alterung, die in unserer DNA verankert ist, und an epigenetische Alterung, die mit unserer Umwelt und unserem Lebensstil zusammenhängt. Angesichts der jüngsten neurowissenschaftlichen Erkenntnisse wissen wir heute jedoch, dass auch unsere emotionalen Zustände die Qualität unserer Haut beeinflussen und mit der Zeit Spuren in unserem Gesicht hinterlassen können“, so Poussin. Besonders stark wird das sichtbar, wenn wir längere Zeit unter Stress leiden. Aber auch Müdigkeit hat nachweislich Auswirkungen auf die Qualität und Gesundheit unserer Haut, da sie mit einem verlangsamten Zellstoffwechsel, einer nicht mehr optimal funktionierenden Zellfunktion und einer beeinträchtigten Zellerneuerung einhergeht.

Neurokosmetik als Holistic Skincare

Dass Neurokosmetik als der Beauty-Trend für 2026 gilt, hat allerdings noch einen weiteren Grund: Das moderne Leben wird zunehmend stressiger, Menschen sehnen sich nach innerem Wohlbefinden, das über kurze Self-Care-Rituale, Duftkerzen und Gesichtsmasken hinausgeht. „Neurokosmetik deckt diese Bedürfnisse und Wellness-Ziele besser ab als herkömmliche Kosmetika. Dieser erweiterte Zweck spricht Menschen aller Altersgruppen und Lebensstile an, die eine ganzheitliche Selbstpflege anstreben. Dadurch ist Neurokosmetik auch für ein Publikum weit über die traditionellen Beauty-Liebhaber:innen hinaus äußerst attraktiv“, so Maya Regan, Assistant Trends Editor für Beauty bei Stylus. Mit diesem Wellbeing-Gedanken wird die neue Skincare als Gegenbewegung zu herrschenden Schönheitsidealen verstanden, da sie den Fokus vom äußeren Erscheinungsbild hin zu einem umfassenden, inneren Wohlbefinden verschiebt. „Sie fördert die Vorstellung, dass Schönheit eng mit dem Geist verbunden ist, und ermutigt Verbraucher:innen dazu, Schönheit als ein Gleichgewicht zwischen äußeren Verbesserungen und innerer Ruhe zu betrachten“, so Regan. Empfohlen sind bei der Anwendung von Neurokosmetik deshalb entspannende Massagerituale, die zusätzlich für Wohlbefinden sorgen sollen. Düfte von Kerzen, Diffusern oder Aroma-Ölen können den Eff kt der Hautpflege ebenfalls verstärken und unterstützen. So etwa sollen Lavendel oder Sandelholz vor dem Zubettgehen oder zwischen Deadlines Stress lindern und Gelassenheit fördern. Zitrone, Rosmarin oder Eukalyptus hingegen wirken belebend und erfrischend. Unser Learning: Wenn Pflege unsere Stimmung beeinflussen kann – und umgekehrt –, dann dürfen wir sie auch nach Lust und Laune auswählen.

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