Ressort
Du befindest dich hier:

Abnehmen mit dem Handvoll-Trick

Diäten scheitern oft daran, dass man keine Lust mehr auf die strengen Regeln hat. Doch bei dieser Methode gibt es (fast) keine! Die Hände sind die Maßeinheit, Kalorienzählen ist unnötig, auch Süßes ist erlaubt. Autorin Suzy Wengel erzählt, wie sie mit der einfachsten Diät der Welt 40 Kilo abgenommen hat.

von

Handvoll Essen

FRESSANFÄLLE. 17 Jahre dauerte der Ess-Leidensweg von Suzy Wengel. Sie hatte regelmäßig Fressanfälle, dachte an (fast) nichts anderes. Erst als sie das Handvoll-Prinzip entwickelte, gelang der Ausstieg aus dem Teufelskreis.

© iStockphoto.com

Stylishes Wohnen, cleaner Fashionstil und jetzt auch noch Ernährung. Das Skandinavien-Fieber greift ungebremst um sich. Der neueste Coup aus Dänemark ist der Leitfaden "Schlank mit dem Handvoll-Prinzip". Die einfachste Diät der Welt soll das sein, wie der Untertitel des Rezeptbuchs selbstbewusst verkündet. Und da ist viel Wahres dran: kein Abwiegen, kein Kalorienzählen, keine Verbote, (fast) keine Regeln.

Nur einen wirklich simplen Leitfaden gibt einem Autorin Suzy Wengel, 39, an die Hand: Drei Mahlzeiten täglich, jede besteht aus ein bis zwei Handvoll Gemüse, einer Handvoll Proteine, einer Handvoll Kohlenhydraten & ein bis drei Esslöffeln Fett. Wengel ist der lebende Beweis, dass das funktioniert. Die zweifache Mutter hat eine 17-jährige Ess-Leidensgeschichte hinter sich. Die begann als leicht pummeliger Teenager, der seine Probleme mit Diätpillen zu lösen versuchte. Dadurch geriet sie aber in einen Teufelskreis, pendelte zwischen Hardcore-Diäten & Binge-Eating-Anfällen. Als sie nach ihrer zweiten Schwangerschaft über 100 Kilo wog, bei 163 cm Körpergröße, stellte sie fest: So ruiniere ich mich selbst! Etwas muss ich ändern!

ESSKISTEN. Also studierte Wengel Ernährungsrichtlinien, wissenschaftliche Erkenntnisse und mehr. Und entwickelte daraus das oben beschriebene Handvoll-Prinzip. Diese Art der Mengenbestimmung kombinierte die Dänin mit dem Modell der Esskisten: Stell dir vor, du hast drei Kisten täglich zur Verfügung, jede wird mit einer Mahlzeit nach dem Handvoll-Prinzip gefüllt und dann geschlossen (mehr erfährst du im Interview). Mit diesen beiden Methoden verlor Suzy Wengel 40 Kilo in neun Monaten und hält ihre 60 Kilo problemlos seit mittlerweile sechs Jahren. Über ihre Methode hat sie ein Buch geschrieben, das in Dänemark sofort zum Bestseller wurde. Jetzt erobert es auch den deutschen Sprachraum. Wir wollten mehr zu ihrer persönlichen Geschichte wissen, warum das Handvoll-Prinzip so gut funktioniert, und waren danach überzeugt: Es braucht keinen Zaubertrick zur Ernährungsumstellung.

Ihre Gewichtsprobleme haben Sie lange begleitet und Ihr Leben bestimmt. Was war die Ursache dahinter?
WENGEL:
Angefangen hat das als Teenager. Ich war ein bisschen moppelig und habe mich mit den anderen Mädchen in meiner Klasse verglichen. Ich wollte groß, blond und schlank sein wie sie. Ersteres war nicht möglich, aber abnehmen konnte ich. Als ich meinem Hausarzt erzählte, wie unglücklich ich mit meinem Gewicht war, hat er mir Diätpillen verschrieben. Die haben aber meine natürliche Appetitregelung total durcheinandergebracht und mich in einen Teufelskreis aus Hungern und Fressen katapultiert.

Und wie haben Sie es geschafft, aus dieser Spirale auszubrechen?
WENGEL:
Meine Fressanfälle wurden im Lauf der Jahre immer schlimmer, ich entwickelte sogar Strategien, sie vor meinem Ehemann zu verheimlichen. Ich habe meinen Anblick im Spiegel gehasst. Fast meine gesamte Kraft ging für das Thema Essen drauf. Irgendwann wurde mir klar, dass ich keine Energie mehr für meine Kinder habe. Gleichzeitig wusste ich, dass eine Diät nicht funktionieren würde, das hatte ich ja oft genug versucht. Da war alles schwarz oder weiß, erlaubt oder total böse. Davon musste ich mich lösen, mehr Zwischentöne zulassen.

War es schwer, das umzusetzen?
WENGEL:
Schwer würde ich nicht sagen, eher langweilig. Es gab keinen Zaubertrick, kein Superfood, das die Kilos schmelzen ließ. Die Spannung beim Essen war weg. Ich musste, um mich einzuschränken, einfach immer wieder das Gleiche tun. Manchmal war ich sauer, dass ich nicht einfach zu McDonald 's gehen und alles in mich reinstopfen konnte. Ich musste lernen, nein zu sagen. Da ist das System mit den Esskisten entstanden.

Was steckt da dahinter?
WENGEL:
Wenn ich während meiner Diäten einen Fressanfall hatte und alles in mich reinstopfte, hatte ich danach einerseits ein unendlich schlechtes Gewissen. Andererseits war da dieses Gefühl, jetzt sei ohnehin schon alles egal. Also habe ich weitergefressen. Es hat oft mehrere Tage gedauert, bis ich wieder zu meiner strengen Disziplin zurückgefunden habe. Dann war ich eines Tages bei Ikea und habe dort all die Boxen gesehen. Da dachte ich mir: Was ist, wenn einfach jede Mahlzeit eine solche imaginäre Box ist? Alles kommt da hinein, und dann wird sie zugemacht. Fertig. Vorbei. Und wenn ich einmal über die Stränge schlage und die Box übergeht, dann lasse ich sie trotzdem hinter mir. Normal schlanke Menschen essen ja auch manchmal zu viel, und das ist kein Drama. Man behält mit den Kisten leichter den Überblick über die verspeisten Mengen.

Inwiefern helfen die genau?
WENGEL:
Es gibt drei Esskisten täglich, jede steht für eine Mahlzeit. Da rein kommen jeweils ein bis zwei Hände Gemüse, eine Handvoll Proteine, eine Handvoll Kohlenhydrate und ein bis drei Esslöffel Fett. Das ist so viel ausgewogenes Essen, dass man davon gut satt wird und der Blutzuckerspiegel stabil bleibt. Wenn ich weiß, dass ich am Abend eingeladen bin und mehr essen werde, kann ich zum Frühstück und Mittagessen etwa meine Essenskisten nur halb befüllen. Bleiben zwei für den Abend. Oder ich möchte einen Snack. Dann adaptiere ich die nächste Mahlzeit entsprechend. Bleiben Sie die ersten zwei Wochen strikt bei diesem System. Dann haben Sie es verstanden und können anfangen, herumzuprobieren.

Ihr Prinzip kommt ohne Regeln und Verbote aus. Macht es das so erfolgreich?
WENGEL:
Ich glaube ja. Es gibt nur eine einzige Regel: Mindestens zwei Ihrer drei täglichen Mahlzeiten sollten nach dem Handvoll-Prinzip sein. Und es gibt gewisse Lebensmittel, Genussmittel, Süßes, Chips, die man nur in Maßen essen sollte. Aber sie sind nicht verboten. Ich trinke zum Beispiel täglich ein Glas Wein mit meinem Mann, das ist meine Lebensqualität. Entsprechend adaptiere ich meine Esskisten.

Sport ist kein großes Thema bei Ihrem Prinzip. Fehlt da nicht etwas?
WENGEL:
Fitness und Bewegung sind enorm wichtig für den gesunden Lifestyle, das kann man nicht genug betonen. Machen Sie deshalb so viel Sport, wie Sie gut in Ihren Alltag integrieren können. Aber beim Abnehmen ist er zweitrangig. Wir verbrauchen nur zehn bis 15 Prozent der zu uns genommenen Kalorien durch Bewegung, den Rest verarbeiten Stoffwechsel und Gehirn. So viel Sport zu machen, dass man jede Extraportion wegtrainiert, wird also schwierig.

Was ist das Schönste an Ihrer jetzigen Leichtigkeit?
WENGEL:
Ich habe so viel Zeit. All die Stunden, die ich mit negativen Gedanken und Selbsthass beschäftigt war, habe ich jetzt zur freien Verfügung. Für mich, für meine Familie und um anderen Menschen zu helfen. So ist auch dieses Buch entstanden. Das ist so schön!

Schlank mit dem Handvoll-Prinzip

Essen mit den Händen wiegen

Beim Handvoll-Prinzip gibt es kein Abwiegen oder Kalorienzählen, deine Hände sind die Maßeinheit. Jede Mahlzeit besteht aus drei bis vier Händen voll Essen. Und zwar eine oder zwei Hände voll Gemüse, eine Handvoll Eiweiß und eine Handvoll Kohlenhydrate oder Obst. Dazu kommen ein bis drei Esslöffel Fett pro Mahlzeit und wahlweise bis zu 300 ml Milchprodukte pro Tag.

Handvoll 1 (+2). Je nach Hungerausmaß essen Sie pro Mahlzeit eine oder zwei Hände voll Kohlenhydrate in Form von Gemüse. Roh oder gekocht ist egal.

Handvoll 3. Zumindest zwei Ihrer drei täglichen Mahlzeiten sollten Proteine enthalten. Dazu zählen Fleisch, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte, Eier, magerer Käse oder Hülsenfrüchte. Bei verarbeiteten Proteinen wie Schinken oder Wurst steigen Sie auf die Bremse.

Handvoll 4. Jetzt kommen die Carbs in Form von Frühstücksflocken, Brot, Pasta, Kartoffeln, Reis und Obst oder Beeren. Sie können diese auch durch mehr Gemüse ersetzen oder mit bis zu einer halben Handvoll Proteine.

Fett. Verpflichtend zu jeder Mahlzeit sind ein bis drei Esslöffel gesundes Fett. Dazu zählen Oliven-, Raps-oder Leinöl, Nüsse, Körner, Mayonnaise, Avocado, Pesto, Butter, Schlagobers, fetter Käse oder auch dunkle Schokolade.

Schlank mit dem Handvoll-Prinzip
BESTSELLER. Kein Abwiegen , kein Kalorienzählen, ohne Sport -das "Schlank mit dem Handvoll-Prinzip" von Suzy Wengel will die einfachste Diät der Welt sein. südwest, € 20,60.


Thema: Diät