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Sexpuppen-Bordell: "Da muss ja keiner Rücksicht nehmen"

Evelyn Schwarz ist 29 - und betreibt mit dem "Bordoll" das erste Sexpuppen-Bordell Deutschlands. Ein Gespräch über schwache Männer und schwere Puppen.

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Sexpuppen-Bordell: "Da muss ja keiner Rücksicht nehmen"

Coco: Aus Silikon und deshalb immer willig

© Bordoll

Manchmal, da steht Evelyn Schwarz in ihrem Haus in Dortmund-Schüren und fühlt sich wieder wie ein kleines Mädchen. Vor ihr sitzen 12 Puppen, die hübsch frisiert, geschminkt und angekleidet werden müssen. "Es ist schon irgendwie lustig. Ich bin jetzt 29 Jahre alt – und besitze 12 überdimensionale Barbie-Puppen."

Mit ein paar nicht ganz unwesentlichen Unterschieden. Denn nicht Evelyn spielt mit den bis zu 1,60 Meter großen Silikon-Puppen, sondern ihre Kunden. Erwachsene Männer. Französisch, Russisch, Fusserotik, Anal, Deep Throat, Dildo-Spiele und GV – wer 50 (halbe Stunde) oder 80 Euro (ganze Stunde) zahlt, bekommt im "Bordoll" eine immer willige, biegsame und unkomplizierte Spielgefährtin.

Seit April betreibt Evelyn Schwarz das erste Sexpuppen-Puff Deutschlands. In Japan gibt es bereits 70 Dolls only-Etablissements, auch in Barcelona und im französischen Nantes eröffneten heuer die ersten Bordelle, in denen statt Prostituierten ausschließlich Silikon-Ware ausliegt.

Das "Bordoll" sei eher aus der Not denn aus Trendbewusstsein entstanden, sagt Evelyn. Die hat früher selbst als Prostituierte gearbeitet, wollte immer schon ein eigenes Bordell eröffnen. Als sie das Geld zusammen hatte, stand sie vor einem neuen Problem: Gute Mitarbeiterinnen sind im deutschen Ruhrgebiet Mangelware. "Die Mädels, die fesch sind und gut deutsch sprechen, die gehen nach München, Hamburg oder Berlin, wo sie als Prostituierte mehr Geld verdienen können."

Sabrina: Die beliebteste Puppe im "Bordoll"

Warum also nicht Sexpuppen?, dachte sich Evelyn. Die Puppen werden aus Japan importiert, mit 1.000,- bis 2.000,- Euro pro Doll bleibt die Investition überschaubar. Klar, die Puppen müssen gereinigt und manchmal auch repariert werden. Dafür muss ihr Stundenumsatz nicht geteilt werden, sondern wandert direkt in Evelyns Tasche. WOMAN sprach mit der ersten Sexpuppen-Puffmutter Deutschlands.

WOMAN: Mein Eindruck war ja immer, dass diese Sexpuppen eine komplette Fetisch-Geschichte sind. Was kommen da für Männer ins "Bordoll"?
Evelyn Schwarz: Lustig, dass du das so siehst. Ich würde sagen: Von den Typen haben vielleicht ein bis zwei einen echten Fetisch. Dann gibt es noch ein paar, die unter einer echten sozialen Störung leiden. Die stottern, wenn eine Frau sie anspricht, die schaffen es nicht einmal, uns in die Augen zu schauen. Die können nur, wenn da etwas liegt, vor dem sie keine Angst haben müssen, bei dem sie sich nicht eingeschüchtert fühlen. Die meisten Kunden sind aber völlig normale Männer und zunächst mal vor allem neugierig. Wie fühlt sich so eine Silikon-Puppe an? Törnt mich das an ?

WOMAN: Kommen dann viele ein zweites Mal?
Evelyn Schwarz: Einige, nicht alle. Du musst wissen: Mit einer Puppe Sex zu haben, das ist ein völlig anspruchsloser Service. Ich habe das am Anfang selbst nicht ganz verstanden. Aber klar: Es fehlt die Ansprache, es fehlt die Emotion, es ist völlig passiv. Eigentlich ist es wie Masturbation, so, wie wenn wir Frauen einen Vibrator verwenden. Ein Kunde, der jede Woche kommt, hat mir mal gesagt: 'Das, was ich hier mache, ist total skurril. Ich weiß das. Aber ich muss beim Sex mit diesen Puppen auf niemanden Rücksicht nehmen. Ich muss nicht fragen, wenn ich sie von hinten nehmen will, es braucht kein Vorspiel. Ich komme. Und gehe wieder.'"

WOMAN: Für mich ist es trotzdem etwas anderes. Im Gegensatz zu einem Vibrator ist so eine Puppe vermenschlicht...
Evelyn Schwarz: Klar macht es auch einen Reiz aus, dass diese Puppen perfekt aussehen. Die haben einen riesigen Busen, der prall nach oben steht, ihr Hintern ist dellenfrei und rund. Die beliebtesten Modelle sind dann auch Sabrina, die Blondine. Und die asiatische Puppe Yuki, die bedient so ein bisschen die Manga-Fans. Ich kann dir aber nicht sagen, was in den Köpfen von Männern vorgeht. Ob sie sich vorstellen, das wäre eine echte Frau oder ob es sie anmacht, dass es genau das nicht ist...

Yuki: Silikones Lustgeschöpf

WOMAN: Mittlerweile gibt es ja auch Sex-Puppen, die dank künstlicher Intelligenz sprechen und mit den Wünschen ihres Besitzers mitlernen können.
Evelyn Schwarz: Ja, habe ich auch gesehen. Aber für ein Bordell wäre das nichts. Stell dir das mal vor. Da kommen am Tag 12 Männer mit 12 unterschiedlichen Bedürfnissen. Und die Puppe lernt jedes Mal mit...

WOMAN: Da würde ihr die Festplatte durchbrennen.
Evelyn Schwarz: Haha, genau. Error.

WOMAN: Es gibt ja Kritiker, die meinen, dass Sexpuppen in ihrer absoluten Willfährigkeit Vergewaltigungsphantasien verstärken können.
Evelyn Schwarz: Hm. Ehrlich: Wer davon fantasiert, einer Frau Gewalt anzutun, der hat das in sich. Das entsteht nicht erst durch Sex mit einer Puppe. Und wenn jemand so tickt, dann ist es mir ehrlicherweise lieber, er tobt sich an einer Silikon-Hülle aus, als an einer lebendigen Frau.

WOMAN: Wie gehen denn die Kunden mit den Puppen um?
Evelyn Schwarz: Da passiert wenig Abartiges. Ich habe vier Hausdamen, die den Kunden zuerst erklären, was sie mit den Puppen machen dürfen – und was nicht. Beißen, Kratzen, das ist zum Beispiel nicht erlaubt. Aber wirklich heftige Sachen passieren da nicht. Es gibt nur Männer, die wir unter uns die "Tätowier-Rammler" nennen. Die hämmern so rein, dass da schon mal das Silikon zwischen Vagina und Anus der Puppe reißt .

WOMAN: Äh, sehr schön. Was macht ihr dann? Näht ihr die Puppen?
Evelyn Schwarz: Das geht nicht. Wir müssen die gerissenen Stellen kleben, das ist eine ziemliche Pfriemelei. Wenn der Verschleiß zu groß ist, dann müssen wir die Puppe wegschmeißen. Das war aber erst einmal der Fall. Deren Rückgrat war gebrochen, die konnte man nicht mehr hinsetzen, ohne dass sie zusammengeklappt ist.

WOMAN: Brauchen die Puppen sonst noch Pflege?
Evelyn Schwarz: Das ist schon ein wenig bizarr. Wenn die Puppen verschmutzt sind, dann müssen wir sie in die Dusche stellen und schrubben. Und nach jedem Kunden desinfizieren wir natürlich die Körperöffnungen. Das war gar nicht so einfach, ein Mittel zu finden, das nicht so aggressiv ist und das Silikon zersetzt.Und nach etwa fünfmaliger Benutzung verlieren sie Farbe. Das ist eigentlich am lästigsten. Dann müssen wir sie frisch schminken.

WOMAN: Ihr sitzt dann da und bemalt die Puppen?
Evelyn Schwarz: Ja, lustig, nicht wahr? Wir bemalen sie, wir ziehen ihnen Kleidung aus dem Sex-Shop an. Die sind so groß wie echte Frauen, da findet man schon genug sexy Teile. Wenn die Kunden kommen, übergeben wir ihnen die Doll, die sie im Vorfeld reserviert haben, hübsch für sie zurechtgemacht .

WOMAN: Wie? Die klemmen ihre Gespielin unter den Arm und tragen sie aufs Zimmer?
Evelyn Schwarz: Hahaha. Ja. Du musst dir vorstellen: Diese Puppen wiegen bis zu 30 Kilo. Da gehen manche Kerle ordentlich ein, wenn sie ihre Sex-Fantasie über die Schwelle schleppen.

WOMAN: Irgendwie schwache Typen, oder?
Evelyn Schwarz: Das hast jetzt du gesagt...

Thema: Sex & Erotik