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Dammriss: Eine gefürchtete und dennoch häufige Verletzung während der Geburt

Du erwartest ein Baby und möchtest dich optimal auf die Geburt vorbereiten? Dann gehört auch das Thema Dammriss dazu – wir haben die wichtigsten Infos für dich!

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Dammriss
© iStock

Halt, nicht gleich aufhören, weiterzulesen! Ja, wir wissen: Es gibt schönere Themen als den Dammriss. Aber je besser man über ein Thema informiert ist, desto mehr verliert es auch an Schrecken.

Der Dammriss ist die häufigste Verletzung während einer natürlichen Geburt. Deshalb haben wir die wichtigsten Infos dazu für dich zusammengetragen. Wie und warum er entsteht, wie man ihn verhindern kann, wie er am besten verheilt … all das und mehr erfährst du in unseren Fast Facts zum Thema Dammriss!

Was ist ein Dammriss?

Als Damm bezeichnet man das Gewebe zwischen Scheide und After. Dieses ist von Frau zu Frau unterschiedlich elastisch. Während einer Geburt wird der Damm stark gedehnt, damit das Köpfchen deines Babys durch den Geburtskanal passt.

Wird der Druck auf das Gewebe während der Austreibungsphase zu groß, kann dieses einreißen. Man spricht dann von einem Dammriss.

Welche Faktoren begünstigen einen Dammriss?

Wie bereits erwähnt, hat die Elastizität des Gewebes Einfluss darauf, wie wahrscheinlich ein Dammriss ist. Es gibt jedoch auch andere Faktoren, die einen Dammriss begünstigen:

  • großes oder schweres Baby
  • sehr schnelle Geburt
  • lang dauernde Geburt
  • zu frühes Pressen
  • Geburt mit Saugglocke oder Geburtszange
  • Geburt mit Periduralanästhesie (Kreuzstich)
  • Dammschnitt bei einer vorherigen Geburt

Die gute Nachricht: Während der Geburt bemerken die meisten Frauen einen Dammriss gar nicht und spüren auch keinen zusätzlichen Schmerz. Generell kommen schwerere Verletzungen eher selten vor – kleinere Risse sind in der Regel unkompliziert und heilen ganz von alleine.

Welche Schweregrade gibt es?

Je nach Ausmaß der Verletzung unterscheiden Ärzt:innen bei einem Dammriss unterschiedliche Schweregrade:

  • Dammriss Grad 1: nur Oberhaut und Teile des Unterhautgewebes sind verletzt
  • Dammriss Grad 2: Dammmuskulatur gerissen, aber Afterschließmuskel intakt
  • Dammriss Grad 3: Riss durch den äußeren Afterschließmuskel
  • Dammriss Grad 4: Riss durch die Schleimhaut des Rektums

Zugegeben: All das klingt nicht gerade nach einem Partyspaß. Aber: Die Häufigkeit eines Dammrisses dritten oder vierten Grades ist sehr gering – er kommt nur bei 1,5 bzw. 0,1 Prozent aller Geburten vor! Außerdem heilen auch diese mit der richtigen Versorgung in der Regel gut ab.

Wie wird ein Dammschnitt versorgt?

Nach der Geburt untersucht der/die Gynäkolog:in noch im Kreißsaal sorgfältig deinen Damm und deine Scheide, während du mit deinem Baby kuschelst. Je nach Schweregrad wird ein eventueller Dammriss dann entsprechend versorgt:

  • Dammriss Grad 1: häufig Heilung ohne notwendige Naht
  • Dammriss Grad 2: Damm wird unter lokaler Betäubung genäht
  • Dammriss Grad 3: Schließmuskel, Dammmuskulatur und Haut werden genäht
  • Dammriss Grad 4: Schließmuskel, Darmschleimhaut, Dammmuskulatur und Haut werden genäht (eventuell unter Vollnarkose)

Wie lange dauert der Heilungsprozess und wie kann ich ihn unterstützen?

Je nach Schweregrad des Dammrisses kann die Heilung zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen dauern. Während dieser Zeit kann es zu einem unangenehmen Spannungsgefühl und Schmerzen kommen.

Um den Heilungsprozess zu unterstützen, kannst du einige Tipps ausprobieren:

  • Wunde sauber halten
  • regelmäßig duschen und Vorlage wechseln
  • langes Stehen, Sitzen und Gehen vermeiden
  • Treppensteigen vermeiden
  • Wunde mit Cool-Packs kühlen
  • Sitzbäder mit Kamillen- oder Ringelblumenessenz

Tipp: Wenn die Naht Schmerzen beim Wasserlassen verursacht, kannst du währenddessen aus einer Flasche lauwarmes Wasser über deine Scheide gießen. Das verdünnt den Urin und vermindert das Brennen.

Wie kann man einem Dammriss vorbeugen?

Bereits vor der Geburt kannst du einiges tun, um die Wahrscheinlichkeit eines Dammrisses zu minimieren. Das erste Mittel der Wahl: die Dammmassage. Dafür einfach ab der 36. Schwangerschaftswoche zwei Mal pro Tag das Dammgewebe mit einem entsprechenden Öl massieren.

Weitere Faktoren, die einen Dammriss eventuell verhindern können:

  • Beckenbodenübungen
  • Epi-No Trainingsgerät (dehnt das Dammgewebe)
  • Sitzbäder
  • Dampfbäder (Heublumendampfbad)
  • Himbeerblätter-Tee
  • eine Gebärposition, die den Damm entlastet (Stand, Hocke)
  • spezielle Grifftechnik der Hebamme

Und was ist mit dem Dammschnitt?

Noch vor wenigen Jahren wurde während der Geburt häufig ein Dammschnitt durchgeführt. Dafür wird der Scheideneingang operativ per Schnitt erweitert, um einen Dammriss zu verhindern. Heute wird ein Dammschnitt jedoch nur noch durchgeführt, wenn es unbedingt nötig ist. Der Grund: Verletzungen nach einem Dammriss verheilen oft besser als nach einem Dammschnitt.

Fazit

Keine Frage: über einen Dammriss freut sich keine Frau. Aber erstens kannst du bereits während der Schwangerschaft etwas zur Vorbeugung beitragen. Und zweitens verläuft der Heilungsprozess meist unproblematisch. Am besten, du sprichst mit deinem/r Gynäkolog:in oder deiner Hebamme im Vorfeld über das Thema – er oder sie hat bestimmt noch ein paar gute Tipps auf Lager!

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog "Hand aufs Herz" darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt's auf HandaufsHerzblog.

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