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Geburt: Der Zauber des ersten Dates

Selbst Quentin Tarantino hätte bei einer Geburt erschrocken "CUT" gerufen, meint unsere Autorin Verena Sedelmayer, seit kurzem Mitglied im Club der Mütter.

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Geburt: Der Zauber des ersten Dates

Simon says: Chill mal, Mama!

© Verena Sedelmayer

Seit ein paar Tagen bin ich Mitglied in einem ganz besonders elitären Club. Über Wochen und Monate hinweg wird man gleich einem Anwärter für ein Spezialkommando auf Herz und Nieren geprüft, physisch wie psychisch unterzieht man sich einem erbarmungslosen Screening, bei dem man eine Ahnung erhält, wie das wahre ICH unter Schlafentzug, Blasenschwäche, und stetiger Gewichtszunahme in Extremsituationen reagiert…

Oder zumindest denkt man das.

Denn niemand – wirklich niemand (!) – bereitet einen auf das Unvermeidbare vor! Alle Soldaten, die bereits Mitglied dieser Einheit sind, versuchen einem weis zu machen, dass der Schmerz zwar seinesgleichen sucht, aber man diesen am Ende vergisst, wenn man erst einmal sein kleines Bündel Glück in Armen hält.

Auch behaupten selbige, dass die Schamgrenze während der Geburtsparty nebensächlich ist und man sich ganz auf das Geschenk des Lebensspendens konzentriert (by the way: alles bullshit!).

Nur der „inner circle“ der engsten Freundinnen und Vertreterinnen des ersten Verwandtschaftsgrades flüstern einem vage Andeutungen zu, die man aber zu diesem Zeitpunkt noch lässig hinweg lächelt, weil man sich bestens auf den D-Day vorbereitet fühlt.

»Man lächelt lässig, weil man glaubt, auf den D-Day vorbereitet zu sein«

Hat man bei der Geburt aber erst ein ganz bestimmtes Schmerzlevel erreicht, geben sich die skurrilsten Gedanken zwischen den Presswehen die Klinke in die Hand. Vom dringenden Wunsch den diensthabenden Leibarzt unter zur Hilfenahme bereitliegender Akupunkturnadeln zu kastrieren (spitze Gegenstände oder gar Skalpelle werden wohl an dieser Stelle bewusst außer Reichweite aufbewahrt) bis hin zur ernsthaften Überlegung, man könne eine Zweitkarriere in der Lesbenporno-Synchronstimmen-Branche mit dem Knüller „Lüsternes Stöhnen der geilen Schönen“ starten – es ist wirklich alles dabei.

Selbst Schock-Regisseur Quentin Tarantino hätte irgendwann erschrocken „CUT“ gerufen, um sich dem Anblick unvorstellbarer Mengen an Körperflüssigkeiten in diesen Geburtsszenen entziehen zu können (mein ganzer Respekt gilt hier dem Mann meiner wahr gewordenen Träume, hat der doch so ganz nebenbei die Hebamme bei Humboldt gemacht und war mein Fels in der gebärenden Brandung ☺).

Aber genau dann, wenn man den ganz persönlichen Abspann herbeisehnt und man allen Göttern und Göttinnen schwört, niemals einen zweiten Teil drehen zu wollen, ist es da, das „HAPPY END“.

»Und plötzlich fühlst du es: Du bist Mama.«

Das hat zwar mit romantischen Hollywood-Klischees wenig gemein. Blutverschmiert und erschöpft zitternd hält man den noch bläulichen Mitbewohner der letzten 40 Wochen in Händen und versucht zu begreifen, was einem vom glücklichen Auserwählten des männlichen Geschlechts gerade angetan wurde.

Während einem die nicht minder schmerzhafte Verabschiedung der Nachgeburt vor eventuell aufsteigenden Racheakten ablenkt, passiert es: Man sieht in die allwissenden Augen jenes Geschöpfes, für das man die reine Liebe empfinden wird. Und dann schaut man in das stolze (wenn auch noch leicht blässliche) Gesicht jenes Mannes, der ab dieser Sekunde mit dir im selben Team spielt. Und plötzlich fühlst du es: Du bist Mama.

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