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Fehlgeburt: Warum wir viel mehr darüber offen sprechen sollten

Fehlgeburt? Ein Albtraum! Und noch immer ein Tabu-Thema. Dabei erlebt viele Frauen einen Abort. Oft sogar, ohne es überhaupt zu bemerken! Viele Frauen, die sich wünschen, schwanger zu werden, quält danach ein schlechtes Gewissen: Habe ich etwas falsch gemacht? Aber die Gründe für eine Fehlgeburt liegen in den meisten Fällen ganz woanders!

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Fehlgeburt
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Eine Fehlgeburt in der Schwangerschaft stellt für viele Frauen eines der traumatischsten Erlebnisse in ihrem Leben dar. Aufgrund dieses Traumas und des damit einhergehenden quälenden Schamgefühls wird in den seltensten Fällen darüber gesprochen und dieses Thema in der Öffentlichkeit tabuisiert. Auch der Umgebung fällt der Umgang damit meist sehr schwer.

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Fehlgeburt und Totgeburt

Von einer Fehlgeburt oder auch einem Abort spricht man, wenn das Kind mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm tot geboren wird. Die meisten Fehlgeburten passieren innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate. Diese treten sehr häufig auf. Oft geschieht eine Fehlgeburt sogar noch bevor die Schwangerschaft mit dem ersten Schwangerschaftstest festgestellt wurde. Diese ist meist symptomlos und wird daher gar nicht bemerkt.

Ein Frühabort ist eine Fehlgeburt vor der 13. Schwangerschaftswoche. Ereignet sich der Abort nach der 16. Schwangerschaftswoche, bezeichnet man ihn als Spätabort.

Ereignet sich die Fehlgeburt aus natürlichen Gründen, nennt man dies Spontanabort. Bei mehreren Fehlgeburten sprechen Ärztin:innen von einem habituellen Abort.

Wenn ein Kind tot geboren wird oder während der Geburt verstirbt und ein Gewicht von 500 Gramm oder mehr hat, spricht man medizinisch von einer Totgeburt oder auch "Stille Geburt". Babys, die zwischen der 24. und der 37. Schwangerschaftswoche lebend geboren werden, gelten als Frühgeburten, auch wenn sie kurze Zeit nach der Geburt versterben.

Häufigkeit und Symptome von Fehlgeburten

Im ersten Drittel einer Schwangerschaft kommen sie recht häufig vor. Offizielle Statistiken zur Fehlgeburtenrate gibt es nicht, da diese in Österreich nicht offiziell angegeben werden müssen. Aber geschätzt 30-40 Prozent aller Schwangerschaften enden in den ersten 12 Wochen mit einer Fehlgeburt.

Bei Frauen unter 30 können sich knapp die Hälfte der befruchteten Eizellen nicht weiterentwickeln. Bei älteren Frauen kann das Risiko sogar höher sein

Ab der 5. Schwangerschaftswoche, also ab dem Zeitpunkt, an dem eine Schwangerschaft festgestellt werden kann, kommt es bei ungefähr 10 bis 20 Prozent der Fälle zu einer Fehlgeburt.

In folgendem Artikel erfährst du mehr über die einzelnen ➠ Schwangerschaftswochen.

Abort Frühschwangerschaft

Viele Frau erleiden im Laufe ihres Lebens zumindest eine Fehlgeburt. ForscherInnen gehen sogar davon aus, dass eine Fehlgeburt viel häufiger vorkommt als die Geburt eines gesunden Kindes. Viele Aborte passieren bereits kurz nach der Einnistung, sodass sie von den betroffenen Frauen oft gar nicht bemerkt werden. In diesen Fällen verschiebt sich die Regelblutung um ein paar Tage, weshalb gerade Frauen mit unregelmäßigen Zyklen häufig gar nicht bemerken, dass sie schwanger waren und eine Fehlgeburt hatten.

Symptome einer Fehlgeburt

Das bekannteste Warnsignal für eine Fehlgeburt sind Blutungen in der Schwangerschaft. Blutungen können aber auch auf andere Komplikationen wie beispielsweise eine Eileiterschwangerschaft hinweisen. Unterleibskrämpfe oder frühzeitige Wehen kommen bei betroffenen Frauen oft hinzu.

Es gibt aber auch frühe Fehlgeburten, die symptomlos verlaufen. Erst ein Ultraschall oder eine Blutuntersuchung zeigen dann, ob die Frau noch schwanger ist.

Vorgehen nach Fehlgeburt

Im Falle einer Fehlgeburt können Gewebereste in der Gebärmutter verbleiben. Dann wird von einen unvollständigen Abort gesprochen. Diese bilden eine Infektionsgefahr für die Mutter und müssen durch eine Ausschabung entfernt werden.

Mutterschutz

Nach einer Fehlgeburt besteht in Österreich kein Anspruch auf Mutterschutz. Im Falle einer gesundheitlichen Beeinträchtigung danach besteht die Möglichkeit eines Krankenstandes.

Ursachen und Risiken

Nicht immer lässt sich die Ursache finden auch wenn sich viele Frauen fragen, was eine Fehlgeburt auslöst. Meist sind es verschiedene Faktoren, die zusammenkommen. So können sich auch Stress oder eine erhöhte Feinstaubbelastung negativ auswirken.

Genetische Faktoren

Einer der häufigsten Gründe weshalb es zu einer Fehlgeburt kommt, sind genetische Fehlverteilungen im Embryo. Die Erbgutinformationen liegen auf den Chromosomen im Zellkern. Eine Hälfte der Chromosomen kommt von der Mutter, die andere vom Vater. Treten Abweichungen in Anzahl oder Form dieser Chromosomen auf, führt dies zu Fehlanlagen beim Embryo. Infolgedessen ist die Lebensfähigkeit eingeschränkt oder gar nicht gegeben. Der Fötus stirbt ab, und es kommt zur Fehlgeburt. Durch diese Abweichungen im "Bauplan" des Embryos hört dieser auf zu wachsen und stirbt ab. "Unsere Studien haben ergeben, dass bis zu 80% der Fehlgeburten auf genetische Ursachen zurückzuführen sind" so Feichtinger. "Diese genetischen Fehlverteilungen sind auch der Grund, warum Frauen über 40 haben eine höheres Risiko. Mit zunehmendem Alter der Frau häufen sich genetische Fehler in der Eizelle und dadurch auch die Fehlgeburten" erklärt der Kinderwunschexperte.

Risikofaktoren beim Vater

Defekte Spermien können das Abort-Risiko erhöhen. Bei vermehrten Fehlgeburten empfiehlt sich ein Spermiogramm. Dabei werden Aussehen, Anzahl und Beweglichkeit dieser beurteilt. Studien zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für veränderte Spermien mit dem Lebensalter zunimmt.

Immunsystem

Der Blutgruppen-/ Rhesus-Faktor spielt manchmal bei Fehlgeburten eine Rolle. Ist eine Schwangere Rhesus negativ und das Ungeborene Rhesus positiv, bildet das Immunsystem der Mutter Antikörper. Diese führen zu einer Abwehrreaktion gegen das Ungeborene und lösen eine Fehlgeburt aus.

Um solche Fehlgeburten zu verhindern, werden Schwangere vorab auf die entsprechenden Antikörper getestet. Um deren Bildung vorzubeugen, erhalten betroffene Schwangere eine Spritze (Anti-D-Prophylaxe).

Weitere Risikofaktoren laut dem österreichischen Gesundheitsportal:
Erkrankungen der Schwangeren wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Schilddrüsenfunktionsstörungen, HELLP-Syndrom.
Infektionen – können einerseits zu Entwicklungsstörungen des Kindes führen, andererseits einen vorzeitigen Blasensprung und vorzeitige Wehen auslösen.
Veränderungen in der Gebärmutter der Schwangeren wie z.B. gutartige Tumore (Leiomyome), Polypen, Vernarbungen oder Schwäche des Muttermundes (Zervixinsuffizienz).
Störungen der Plazenta oder der Nabelschnur können dazu führen, dass das Kind nicht genug versorgt wird.
Alkoholkonsum, Drogen und Rauchen
vorangegangene Fehl- oder Totgeburten, Unfall oder Trauma

Nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden

Der Kinderwunsch jedoch bleibt, selbst nach dem oftmals traumatischen Erlebnis ein ungeborenes Kind verloren zu haben. Aber wann kann einen neuen Versuch gestartet werden?

Dafür gibt es unterschiedlichsten Empfehlungen: Zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation WHO rät sechs Monate zu warten, einzelne Ärztinnen und Ärzte sprechen von drei Monaten, aber rein biologisch ist eine neue Schwangerschaft natürlich auch schon beim nächsten Eisprung möglich. Körperlich ist also ein neuer Versuch unbedenklich, jedoch muss man das Erlebte erst psychisch verarbeiten. Daher ist der Zeitpunkt immer eine persönliche Entscheidung.

Ärzt:innen raten jedoch eher davon ab, sofort nach einer Fehlgeburt wieder schwanger zu werden. Körper und Geist müssen sich beide wieder erholen. Eine gute seelische Verfassung wirkt sich positiv auf eine Schwangerschaft aus.

Wann der beste Zeitpunkt für dich ist, um es mit einer neuen Schwangerschaft nach einem Abort zu versuchen, solltest du am besten individuell mit deinem Arzt oder Ärztin besprechen!

Mehr dazu erfährst du im folgenden Video:

© Video: G+J Digital Products

Gesunder Lebensstil erhöht die Chance auf positiven Schwangerschaftsverlauf

Eine Studie aus Latein- und Südamerika zeigt dass Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben und innerhalb der ersten sechs Monate wieder schwanger geworden sind, ein geringeres Risiko einer neuerlichen Fehlgeburt haben, als wenn sie länger warten. Sie dokumentierte darüber hinaus, dass ein Großteil der Frauen, die nach einer Fehlgeburt versucht wieder schwanger zu werden, besonders viel Wert auf einen gesunden Lebensstil und Ernährung legt. Dies verbesserte zusätzlich die Voraussetzungen für einen positiven Schwangerschaftsverlauf.

Immer noch ein Tabuthema

Aber vor allem, wenn man sich sehnlich ein Kind wünscht, verursacht eine Fehlgeburt meist Schuldgefühle. Frauen fragen sich, ob ein Fehler ihrerseits vielleicht etwas mit dem Abort zu tun hatte. Fast immer ist diese Frage jedoch mit NEIN zu beantworten. Denn in vielen Fällen geschieht eine Fehlgeburt sogar als eine Art Schutzverhalten des Körpers, da der Embyro nicht lebensfähig gewesen wäre.

Dennoch ist die Trauer und oftmals auch die Scham danach groß. Und daher ist es so wichtig, darüber zu reden und das eigene Leiden nicht zu verstecken. Schon das Wissen, dass man nicht alleine ist, sondern dass man dieses Schicksal mit vielen teilt, hilft. Noch mehr kann es helfen, Erfahrungen auszutauschen und so wieder Hoffnung zu fassen.

Diese Promis sprechen über ihre Fehlgeburten

Michelle Obama ist es passiert. Gwyneth Paltrow, Beyoncé und Pink. Influencerin Hilaria Baldwin war sogar zwei Mal innerhalb von sieben Monaten betroffen und hat das auf Instagram veröffentlicht. Die Gefühle, die das in den betroffenen Frauen auslöst, bringt Michelle Obama auf den Punkt:

»Ich habe mich einsam, verloren und als komplette Versagerin gefühlt. Ich wusste einfach nicht, wie häufig Fehlgeburten sind, weil niemand darüber redet.«

Bis heute schweigt man zu dem Thema. Die Gesellschaft, weil sie Schwangerschaft in erster Linie als Erfolgsgeschichte wahrnimmt. Die betroffenen Mütter und Väter, um sich mitleidige oder unsensible Kommentare zu ersparen. Bemerkungen wie "Du kannst ja ein anderes Baby bekommen" oder "Das war ja ohnehin noch kein richtiges Kind" – vor allem bei frühen Abgängen – sind weit verbreitet. Doch für die Betroffenen ist das alles andere als tröstend. Viele Mütter leiden furchtbar. Dass sie häufig auf so wenig Empathie stoßen, verstärkt die negativen Emotionen weiter. Deshalb ist es sehr wichtig, diesem Thema, das zu einem Tabu in unserer Gesellschaft zählt, Raum zu geben.

Chrissy Teigen: John Legend singt für seine Frau bei den Billboard Awards

2020 ging ihr Instagram-Posting viral: Chrissy Teigen zeigt sich vor Schmerzen gebückt im Krankenbett, kurz nachdem sie eine Fehlgeburt erlitten hatte. "Wir sind geschockt und fühlen einen so tiefen Schmerz, wie wir ihn noch nie empfunden haben", schrieb die 34-Jährige zu der Bild-Strecke in Schwarz-Weiß, die das Model mit ihrem verstorbenen Kind in den Armen zeigt. Ehemann John Legend hält seiner Frau die Hand und steht ihr zur Seite. Es wäre das dritte Kind der jungen Eltern gewesen – ein Junge. "Jack hat so hart gearbeitet, ein Teil unserer kleinen Familie zu sein. Und er wird es auch für immer sein."

Nur wenige Wochen nach dieser schmerzhaften Erfahrung, trat John Legend am Mittwochabend bei den Billboard Music Awards in Los Angeles auf. Mit seiner Performance der Ballade "Never Break" sorgte er für den emotionalsten Moment des Abends. Der Song erschien im Juni dieses Jahres auf dem aktuellen Album des Sängers – ein Liebeslied an seine Frau Chrissy Teigen. Die ersten Zeilen lesen sich angesichts der Fehlgeburt noch anders als im Juni: "Whenever life is hard we'll never lose our way."

Bevor er am Flügel loslegt, hauchte der 41-Jährige "Das ist für Chrissy" ins Mikrofon. Die Gastgeberin des Abends, Kelly Clarkson, richtete kurz nach der Performance ihr Wort an John Legend: "Unsere Herzen gehören euch beiden in dieser sehr schwierigen Zeit und ich bin dankbar, dass ihr weiterhin euer Licht und euer Talent mit uns allen teilt." Das Paar ist seit 2013 verheiratet und hat zwei gemeinsame Kinder.

Ihr Posting inspirierte hunderte Eltern, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, ihre Geschichte zu erzählen. Es hagelte aber auch Kritik für ihre Offenheit. Nun erschien ein ausführlicher Brief auf Instagram, in dem Teigen nicht nur berichtet, wie es ihr seit der Fehlgeburt ergangen ist, sondern auch erklärt, warum sie dies alles mit der Öffentlichkeit teilt.

"Ich wusste nicht, wann ich bereit sein würde, diese Worte niederzuschreiben. In welchem Zustand ich dann sein würde. Aber jetzt weiß ich, dass es mit einem Danke beginnen muss. Denn in den letzten Wochen sind so viele Nachrichten reingekommen, die wir alle mit eigenen, tränenverkrusteten Augen gelesen haben. Auf Social Media wurden die meisten mit den Worten 'Du wirst das wahrscheinlich nie lesen, aber...' begonnen. Und nur, damit ihr es alle wisst: Ich habe sie gelesen.", beginnt Teigen ihren Brief. Und weiter schreibt sie: "Ich kann euch nicht sagen, wie egal es mir ist, dass ihr die Fotos hasst. Es ist mir auch egal, dass ihr sagt, ihr hättet das nie so gemacht. Denn dies ist mein Leben und ich entscheide, wie ich mich darüber äußere. Meine Fotos sind für Personen, die ähnliches erlebt haben. Für jene, die sie brauchen können."

Und, dass solch ein Erfahrungsbericht Trost spenden kann, weiß Simone Strobl, Leiterin des Vereins Pusteblume. Der Verein engagiert sich nicht nur dafür, Trauer in der Gesellschaft zu entabuisieren, sondern bietet betroffenen Eltern die Möglichkeit, um ihre Sternenkinder zu trauern. "Jeder Mensch trauert anders. Trauer ist bunt! Es gibt da keinen Zeitplan, keinen vorgegeben Ablauf, wann es wieder vorbei ist. Jedes Elternpaar braucht nämlich etwas anderes für den eigenen Trauerweg.", so die Expertin. Wobei Strobl das Wort "Expertin" nicht auf die leichte Schulter nimmt: "In diesem Thema kann man nur ein Experte oder eine Expertin sein, wenn man selbst ein Kind verloren hat.", und so sprach sie mit uns nicht nur als Leiterin des Vereins, sondern auch als Mutter zweier Sternenkinder.

WOMAN: Chrissy Teigen wurde nicht nur für ihre Offenheit, sondern auch für die Bilder selbst kritisiert. Man warf ihr vor, die Fotos seien zu "durchgestylt" und würden deshalb dem Anlass nicht entsprechen. Was sagen Sie dazu, dass Teigen überhaupt für ihre Art des Trauerns kritisiert wird?
Strobl: Jemand für die Art zu kritisieren, wie er oder sie trauert, das geht wirklich nicht. Manche Menschen ziehen sich zurück, andere wollen ihre Geschichte erzählen. Beide Wege sind gut so. Warum sie überhaupt kritisiert wird, kann ich mir damit erklären, dass wir in unserer Gesellschaft nie gelernt haben, zu trauern. Wir haben gelernt, zu lieben und Wut zu zeigen – aber eben nicht, zu trauern. Bezüglich der Fotos finde ich, dass sie das Schöne an der traurigen Situation hervorheben. Bei der Dein-Sternenkind-Stiftung können Eltern österreichweit FotografInnen anfordern, die kostenfrei Erinnerungsfotos von ihrem Sternenkind machen. Diese Bilder sind dann auch in schwarz-weiß, weil das einfach ein guter Weg ist, es so abzubilden.

WOMAN: Können solche Erfahrungsberichte als Trost für Betroffene dienen oder sind sie negative Trigger?
Strobl: Das Credo unseres Vereins und der Selbsthilfegruppe lautet: "Du bist nicht allein. Wir sind viele." Und dieses Gefühl von Zusammengehörigkeit kann durch einen solchen Erfahrungsbericht ausgelöst werden. Weil viele Betroffene denken: "Bin ich die einzige, die sich so fühlt? Habe nur ich diese Gedanken?" Die Geschichte einer anderen Person zu hören, wirkt unterstützend. Aber es kann natürlich auch triggern, vor allem, wenn die Person noch nicht so weit auf ihrem Trauerweg ist und den Verlust noch nicht aufgearbeitet hat. Außerdem zeigen diese Erfahrungsberichte, dass getrauert werden darf – offen & deutlich sichtbar!

WOMAN: Habt ihr bei euch im Verein oder in der Selbsthilfegruppe über das Schicksal von Chrissy Teigen gesprochen?
Strobl: Ja, ihr Name ist einige Male gefallen. Und man muss sagen, dass die Reaktionen ähnlich wie jene im Netz waren: Manche fanden die Herangehensweise gut, andere meinten, dass sie sich das nie getraut hätten.

WOMAN: In ihrem Brief schreibt sie auch, dass sie niemals vergessen wird, dass auch ihr Mann unter diesem Schicksal gelitten hat und noch immer leidet. Tatsächlich ist aber in den Medien meistens nur von ihr als Betroffener die Rede. Wie wichtig ist es, die Rolle des Vaters in die Narrative einzubeziehen?
Strobl: Es ist sehr wichtig, über die Trauer der Männer zu sprechen. Man sagt auch: "Väter trauern anders." Das liegt einerseits daran, dass eben jeder einzelne Mensch seine Emotionen anders zeigt. Andererseits haben die Väter oft das Gefühl, stark sein zu müssen, um für die Mütter da zu sein. Deshalb ist es wichtig, auch sie in die Trauerarbeit aktiv miteinzubeziehen. Denn es gibt nicht nur die Mutter, den Vater, sondern die Eltern – und als Paar müssen sie gemeinsam einen Weg finden, das zu verarbeiten.

WOMAN: Welchen Tipp hast du für jene Menschen, die sich von Chrissy Teigens Postings getriggert fühlen? Wie sollen sie am besten mit solchen öffentlichen Meldungen umgehen?
Strobl: Wenn man merkt, dass der Schmerz noch sehr stark ist, dann ist es vielleicht besser, manche Inhalte zu meiden. Wenn das jedoch nicht mehr möglich ist, weil man aus Versehen ein Posting gesehen oder einen Text gelesen hat, dann kann es helfen sich zu fragen, was den Schmerz ausgelöst hat und wo genau es wehtut. Denn dann weiß man, an welcher Stelle noch Trauerarbeit nötig ist. Man sollte sich auch fragen, ob man diesen Trauerweg alleine oder mit Unterstützung gehen will. Das kann eine Selbsthilfegruppe oder aber auch eine Freundin sein, der man die Gefühle berichtet. Wer sich aber von dem Schmerz auf jeden Fall zurückgeworfen fühlt, sollte sich um fachliche Unterstützung bemühen. Dann kann man gemeinsam herausfinden, wo noch Heilung bedarf.

Demi Moore hatte während der Beziehung mit Ashton Kutcher eine Fehlgeburt

2019 erschien die Autobiografie von Schauspielerin Demi Moore in den USA. Sie offenbart im Buch, dass sie im Jahr 2004 von Ashton Kutcher schwanger war, das Kind aber im sechsten Monat verlor. Das Paar erwartete eine gemeinsame Tochter, deren Name bereits festgestanden hatte – das Mädchen sollte Chaplin Ray heißen. Die Fehlgeburt sei für Demi Moore schmerzlich gewesen. Laut den Memoiren gab sie sich selbst daran die Schuld und tröstete sich mit Alkohol und Schmerzmitteln.

Mittels künstlicher Befruchtung versuchte sie erneut schwanger zu werden – ohne Erfolg. Die Schauspielerin war damals 43 Jahre alt und Kutcher 27. "Ich genoss meine zweite Chance. So als könnte ich einfach die Zeit zurückdrehen und mit ihm erleben, wie es ist, jung zu sein - viel mehr, als ich es in meinen Zwanzigern erleben konnte", beschreibt sie die Beziehung zu Ashton. 2011 trennte sich das Paar schließlich.

Aus ihrer Ehe mit Schauspieler Bruce Willis, mit dem sie zwischen 1987 und 2000 verheiratet war, gingen die Töchter Rumer (31), Tallulah Belle (25) und Scout LaRue (28) hervor.

Ashton Kutcher & Demi Moore mit Bruce Willis und den gemeinsamen Kindern bei der Premiere von "Charlie's Angels 2" im Jahr 2003.

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Olympia-Sportlerin Shawn sprach 2017 offen über ihre Fehlgeburt

In den USA veröffentlichte die Top-Athletin Shawn Johnson East, ehemalige olympische Kunstturnerin, mit ihrem Mann ein Video auf ihrem Youtube-Channel, in dem sie über ihre erlittene Fehlgeburt spricht:

Besonders berührend ist der Aufbau des Clips. Denn eigentlich sollte das Video der Anfang einer 'Wir erwarten ein Baby!'-Reihe werden, in der das Paar vom Schwangerschaftstest bis zum verhängnisvollen Arzttermin begleitet wird. Doch schon 48 Stunden nach dem positiven Schwangerschaftstest verlor die Sportlerin ihr Kind. Sie befand sich in der 6. Schwangerschaftswoche, als sie am Tag nach der gynäkologischen Untersuchung plötzlich heftige Blutungen bekam.

»Sie sind nicht schuld.«

"Sie sind nicht schuld", sagt ihr Frauenarzt im Clip und räumt damit Shawns Zweifel und Selbstvorwürfe aus. "Die Fehlgeburt wurde wahrscheinlich durch einen Chromosomen-Fehler verursacht, nicht durch irgendetwas, was Sie getan haben."

Die Sportlerin und ihr Mann wollen nun weiter versuchen, Eltern zu werden. Sie hätten jetzt erst so richtig gemerkt, dass sie wirklich ein Baby wollten. "Das heutige Video ist kein fröhliches," sagt die Sportlerin am Anfang des Clips, "Aber wir sind uns sicher, dass viele dasselbe durchleben und deshalb wollen wir unsere Geschichte mit euch teilen."

Die Beiden haben auch ein Nachfolge-Video gepostet, in dem sie von den Veränderungen in ihrer Beziehung und vor allem über die hormonelle Auswirkung einer beginnenden Schwangerschaft sprechen. Ihre Botschaft: "Gebt nicht auf!"

Hilara Baldwin äußerte sich öffentlich auf Instagram

Fehlgeburten sind etwas völlig Normales – Hilara Baldwin will daran mitwirken, dieses Thema zu enttabuisieren. Auf Instagram machte die Ehefrau von Schauspieler Alec Baldwin (61) die Meldung über ihre Fehlgeburt öffentlich. Kein leichter Schritt darüber zu sprechen, trotzdem tat es die 35-Jährige: "Ich möchte daran mitwirken, dass sich die Einsicht durchsetzt, dass Fehlgeburten etwas Normales sind und nicht stigmatisiert werden sollten", schrieb sie vor einigen Tagen auf Instagram, als der Herzschlag des Embryos schwächer wurde.

Heute dann die traurige Nachricht: "Es gab keinen Herzschlag bei der heutigen Untersuchung ... es ist also vorbei." Hilara Baldwin findet Kraft bei ihrer Familie: "Ich bin von so viel Liebe umgeben und fühle mich sehr beschenkt", erklärt sie auf Instagram. Auf dem Bild sind neben Ehemann Alec die vier gemeinsamen Kinder zu sehen.

"Danke fürs Zuhören, für eure Unterstützung, für eure persönlichen Geschichten. Ich hoffe, die Konversation über dieses Thema geht weiter und wir halten weiterhin zusammen – durch all die guten aber auch herausfordernden Zeiten im Leben", richtet die Vierfach-Mama ihren Followern aus.

Verona Pooth über ihre Fehlgeburt

Verona Pooth spricht in ihrer Biographie über die schwerste Zeit ihres Lebens. Nach der Geburt von Söhnchen San Diego wünschte sich die damals 40-Jährige Verona mit Mann Franjo noch ein zweites Baby. Doch es sollte nicht sein - eine Fehlgeburt folgte. Im Alter von 42 Jahren wurde sie noch einmal schwaner, 2011 kam Rocco auf die Welt.

Mehr über "Nimm Dir alles, gib viel! Das Verona-Prinzip" und die frühere Verona Feldbusch erfährst du im Video:

Fehlgeburt 2009: Verona Pooth über die schwerste Zeit ihres Lebens

Sängerin Pink verarbeitete ihre Erfahrungen in einem Song

Die meisten Fehlgeburten werden nämlich nicht einmal bemerkt – sie passieren in den ersten Tagen nach der Befruchtung. Bei späteren Fehlgeburten und vor allem, wenn man sich sehnlichst ein Kind wünscht, ist die Erfahrung für die werdenden Eltern oft sehr schmerzlich. So hat auch die US-Sängerin Pink ihre Erfahrungen in einem Song verarbeitet. Wie sie in einem Interview mit US-Today verriet, erlitt sie im Alter von 17 Jahren eine Fehlgeburt. Mehr Infos dazu im Video:

Das sagt Beyoncé zu ihren Fehlgeburten

Erfolgreiche Menschen haben oft Eines gemeinsam: Sie lassen sich von Rückschlägen und Fehlversuchen nicht ablenken oder gar von ihrem Vorhaben abhalten. Und es ist nicht so, dass Menschen wie Beyoncé keine Steine aus dem Weg räumen mussten, bis sie dorthin kamen, wo sie heute sind. Die Misserfolge als Lektionen betrachten... das hat sich die Sängerin ganz groß auf ihre Fahnen geschrieben. In einem aktuellen Interview berichtet sie dem Magazin "Elle" sogar von Fehlgeburten. Bevor sie und Ehemann Jay-Z 2012 Eltern der kleinen Blue Ivy wurden, mussten die beiden mit einigen Fehlgeburten klarkommen.

Doch auch die betrachtet Beyoncé heute als Lektionen: "Fehlgeburten haben mich gelehrt, dass ich meine eigene Mutter werden musste, bevor ich jemand anderes Mutter sein konnte. Dann bekam ich Blue und die Suche nach meinem Ziel wurde viel tiefsinniger", so die 38-Jährige. Auf einmal sei es nicht mehr das Wichtigste gewesen, die "Nummer 1" zu sein, sondern etwas zu schaffen, das Bestand hat, sagt die Sängerin im Interview. "Erfolg sieht für mich jetzt anders aus. Ich habe gelernt, dass jeder Schmerz und Verlust ein Geschenk ist." Blue Ivy ist nicht das einzige Kind: 2017 brachte die Sängerin ihre Zwillinge Rumi und Sir zur Welt.

Meghan Markle machte ihre Fehlgeburt öffentlich

"Die Verluste, die wir teilen" lautet der Titel des emotionalen Gastbeitrags der ehemaligen Herzogin in der "New York Times". Das Jahr 2020 sei von Verlust und Schmerz geplagt, so die 39-Jährige. Sie schildert die Ereignisse an dem Tag, an dem sie im Juli ihr zweites Kind verlor: Sie hätte gerade ihren eineinhalbjährigen Sohn Archie gewickelt und einen starken Krampf verspürt. "Ich fiel zu Boden mit ihm in den Armen und murmelte ein Schlaflied, um uns beide zu beruhigen. Ich wusste, als ich mich an mein erstgeborenes Kind klammerte, dass ich mein zweites gerade verlor."

Sie fand sich später in einem Krankenhaus wieder, in dem sie vom Bett aus beobachten konnte, wie "das Herz meines Mannes brach, als er versuchte, meine zerbrochenen Teile zu halten". Das Paar hätte "fast unerträgliche Trauer" verspürt, ihr Herz sei gebrochen. Meghan Markle folgt mit ihrer öffentlichen Trauer über den Verlust ihres ungeborenen Kindes den oben genannten prominenten Frauen.

Machst du selbst eine schwere Zeit durch? Der Verein Pusteblume unterstützt Eltern bei ihrem Trauerweg.

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