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Mein Leben als Zehnfachmama

Lisa Schrenk ist 33 Jahre alt. Und hat zehn Kinder. Wie funktioniert das Leben als Big Family? Wie organisiert man den Alltag? Ein Besuch bei einer ungewöhnlichen Familie.

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© Kalinka Photography / Karolina Horner

"Achtung, ich bin ungeschminkt und schaue fertig aus", schickt uns Lisa Schrenk, 33, noch schnell eine SMS, bevor wir uns zum Videochat sehen. Bei unserem Treffen ist sie noch schwanger. Mittlerweile ist das Baby auf der Welt - und Lisa zehnfache Mama.

"Unser Zweitjüngster, Josef, hatte eine schlechte Nacht", erzählt die gebürtige Wienerin. "Wir haben ein großes Familienbett, die vier Kleinsten schlafen eigentlich bei uns, aber mein Mann Johannes (Anm.: 39 und studierter Lebensmitteltechnologe) wandert meistens aufs Sofa aus. Und wenn ihm die Kinder nachgehen, bringt er sie mir wieder zurück." Durchgeschlafen hat die 33-Jährige mit zehn Kindern zwischen null und zwölf Jahren schon lange nicht mehr. Sie lacht: "Vier- bis fünfmal Aufwachen ist normal. Josef (1) schläft halb auf mir, und Frieda (4) robbt auch irgendwann auf mich." Der Morgen ist mehr oder weniger durchgetaktet: "Wir stehen gegen sieben Uhr auf, dann teilen mein Mann und ich uns auf - ich mache die Jausenboxen, er zieht die Kinder an. Otti (2) und Josef sind sowieso noch zu Hause, Adam (5) und Frieda gehen in den Kindergarten. Die Zwillinge Anton und Greta (7), Emil (8), Oskar (10) und Finn (12) in die Schule."

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Auch in einer Großfamilie bleibt jedes Kind etwas Besonderes. "Natürlich merke ich mir, was jeder mag", so Mama Lisa, hier im Bild mit der vierjährigen Frida. (c) Kalinka Photography


Gerade das vergangene Jahr war mit Home Schooling und Lockdown eine große Herausforderung. "Wir haben es gehasst", sagt Lisa ganz direkt. "Ja, wir haben uns für viele Kinder entschieden, aber wir können nicht alle Rollen gleichzeitig übernehmen. Ich wollte nie Pädagogin sein. Außerdem kommt mir vor, dass die Kinder bei den eigenen Eltern auch nicht so viel Motivation aufbringen. Jetzt sind sie zum Glück zurück in der Schule." Und auch die Abläufe in der Familie wieder geregelter: "Durch das viele Hin und Her haben wir die Struktur im Alltag etwas verloren." Am ersten Tag des Lockdowns im März 2020 kam noch dazu Baby Josef zur Welt: "Unser Corona-Peppi!"

Die soziale Isolation war extrem schwer für alle, "auch, weil wir mit den Kindern normal viel unternehmen - wir gehen schwimmen, treffen Freunde. Mir ist wichtig, dass wir jeden Tag draußen sind, zumindest spazieren gehen oder im Garten spielen." Nebenbei steckt die Familie gerade auch mitten im Umzug. In den nächsten Monaten werden sie aus ihrer Eigentumswohnung in Pressbaum in ein Haus nach Mödling ziehen. Die 150 Quadratmeter große Wohnung ist zu klein geworden, im neuen Heim hat dann jeder genügend Platz für sich.

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Bald wollen sie aus der Wohnung in ihr Haus ziehen. or der Eingangstür: Lisa mit Anton, Greta, Josef, Frieda und Finn. (c) Kalinka Photography


Chaotisch, bunt und liebevoll

"Johannes, was hat Josef da im Mund?", ruft Lisa auf einmal während des Interviews zu ihrem Mann. "Ein Stück Brot, okay "- Gutes Stichwort! Weiß sie eigentlich immer, wo ihre Sprösslinge gerade sind: "Klar! Ich brauch auch nie durchzählen, ein Blick reicht, und ich sehe sofort, wenn jemand fehlt." Über ihr Leben als Großfamilie schreibt Lisa auch auf ihrem Blog 9imglück.at. Dort hat sich die Wienerin eine beachtliche Community aufgebaut, das Hobby ist zum Job geworden.

Nun muss Lisa aber den Titel ändern - im vor ein paar Tagen, am 23. Mai, kam Baby Nummer zehn, ein Bub namens Ludwig, zur Welt. Den Plan, als Großfamilie zu leben, hatte Lisa, die selbst mit drei Geschwistern aufgewachsen ist, nie. "Es hat sich so ergeben", meint sie. "Ich hab mir zwischendurch immer wieder gedacht: Jetzt ist Schluss! Irgendwie kam es dann doch anders. Jetzt sind wir aber wirklich komplett! Ich merke auch, dass mein Körper nicht mehr so mitspielt wie bei den ersten Schwangerschaften." Trotzdem ist sie überzeugt: Man wächst mit seinen Aufgaben, auch als Mama. Beim ersten Kind, erinnert sich Lisa, "war ich natürlich auch noch unsicher. Und viel dogmatischer: Kein Zucker im ersten Lebensjahr usw. Zwölf Jahre später bin ich da wesentlich entspannter - Otti hat Josef schon mit sechs Monaten den ersten Schlecker in den Mund gesteckt." Ständiges Hintergrundgeräusch im Hause Schrenk: Geschirrspüler und Waschmaschine. "Die laufen den ganzen Tag durch."

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Die kleine Otti hat schon ihr erstes Spielzeug im neuen Heim platziert. (c) Kalinka Photography


Seit elf Jahren ist Lisa mit ihrem Mann Johannes zusammen. Der älteste Sohn, Finn, ist aus einer früheren Beziehung: "Unser Patchwork-Alltag funktioniert sehr gut. Wir sind nach wie vor befreundet, waren auch schon gemeinsam auf Urlaub." Es klappt, davon ist die 33-Jährige überzeugt, "weil wir alle unkompliziert miteinander sind. Man muss das eigene Ego zurückschrauben. Wenn uns etwas stört, sprechen wir das direkt an." Wichtig sind der Mama-Influencerin ein paar Regeln: "Den Süßigkeiten-und Medienkonsum reglementieren wir, sonst würden sie den ganzen Tag vor dem Fernseher hocken." Und um spätestens acht Uhr müssen alle in ihren Zimmern sein. Dann liegt sie meistens mit Kopfhörern neben den Kleinsten und hört sich noch ein Hörbuch oder einen Podcast an.

"Ich sehe vieles locker",

meint Lisa, angesprochen auf ihren Erziehungsstil. "Wir gestalten unser Leben wahrscheinlich freier, als das andere Eltern tun. Wenn sie gerade keine Schuhe anziehen wollen, dann gehen sie eben auch mal barfuß. Ich vertraue da meinen Kindern. Otti ist erst letztens ohne Jacke raus, es war wirklich kalt. Nach zehn Minuten ist sie dann von selbst gekommen: ,Jacke anziehen!' Ich mute ihnen etwas zu, deshalb sind sie auch motorisch gut entwickelt." Hin und wieder komme es vor, dass online jemand kommentiert, dass die Kinder unerzogen seien. Lisa kennt diese Vorwürfe und zuckt mittlerweile nur mehr mit den Schultern: "Wenn man eine große Familie hat, suchen die Leute gezielt nach Fehlern. Sie wollen nicht wahrhaben, dass es funktionieren kann." Überhaupt müsse man sich immer rechtfertigen: "Will man keine Kinder, wird man als Egoist abgestempelt. Hat man viele, dann heißt es, die sind bestimmt sozial schwach und doch eh nur überfordert."

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Das Verhältnis ist innig. Hier kuschelt Emil mit Josef (c) Kalinka Photography


Zeit für sich selbst ist bei Müttern ohnehin schon knapp. Wie ist das, wenn man zehn Kids hat? "Es ist bestimmt sechs oder sieben Jahre her, dass ich allein in der Wohnung war", überlegt Lisa. "Mein Mann und ich haben erst gestern darüber gesprochen, dass wir uns Freiräume nehmen müssen. Ich habe da zwar immer Gewissensbisse, aber ich weiß, dass es wichtig ist."

Worüber man sich in einer Großfamilie hingegen nie Sorgen machen muss: "Dass man allein ist."

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