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Lymphdrainage: Wie du mit der Massagetechnik dein Immunsystem stärkst

Sexy klingt anders? Falsch gedacht! Wir finden, dass es nichts Attraktiveres als die Gesundheit gibt. Womit du dein Lymphsystem wieder auf Vordermann bringst und welche Rolle die Lymphdrainage dabei spielt, zeigen wir dir hier.

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Lymphdrainage: Wie sie funktioniert und was sie bewirkt
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Fast schon merkwürdig, wenn man mal darüber nachdenkt, was wir eigentlich tagtäglich in unserem Körper mit uns herumtragen. Das Absurdeste: Bei den meisten Dingen wissen wir nicht einmal, dass sie existieren, geschweige denn, wofür sie da sind. Das trifft in vielen Fällen auch auf das Lymphsystem zu, welches aber manchmal von außen unterstützt werden muss. Da hilft vor allem eins: die Lymphdrainage!

Wozu ist unser Lymphsystem da?

Heute lernen wir unseren Körper ein wenig näher kennen! Nein, keine Sorge, hier geht's nicht um Biologie - zumindest nicht primär. Trotzdem ist es manchmal gar nicht so schlecht, wenn man mit ein paar Abfolgen und Warnsignalen des eigenen Körpers bekannt ist.

Eine sehr wichtige Rolle spielt das Lymphsystem, das zusammengefasst für den Transport von Nähr- und Abfallstoffen zuständig ist und aus dem Knochenmark, der Milz, den Mandeln und den Lymphknoten besteht. Nerd Fact: Das Lymphsystem ist neben dem Blutkreislauf das zweitwichtigste Zirkulationsorgan!

Lymphdrainage: Wie sie funktioniert und was sie bewirkt

Durch das fein verzweigte Netz aus Kanälen fließt die sogenannte Lymphe, welche auch unter Zwischenzellflüssigkeit oder Gewebswasser bekannt ist. Hiermit können Fette, Bakterien, abgestorbene Zellen etc. in das Venensystem und letztendlich über den Nieren-Blasen-Trakt und die Haut abgeleitet werden. Die Lymphknoten, wovon der Mensch ungefähr 600 Stück besitzt, fungieren dabei als eine Art Filter, durch den Krankheitserreger aus dem Weg geräumt werden. Das Ende vom Lied: ein funktionstüchtiges Immunsystem.

Worum handelt es sich bei einer Lymphdrainage?

Auch das zweitwichtigste Organ darf mal nach Hilfe schreien. Sollte das Lymphsystem nicht richtig funktionieren und die Lymphflüssigkeit somit schlecht ablaufen, kommt es zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe. Um dem entgegenzugehen, kann die Lymphdrainage herangezogen werden!

Die medizinische Massage und Therapieform bildet eine der vier Säulen der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) und hilft dabei, den Lymphfluss wieder anzuregen und somit den Stau zu lösen. Statt Knetbewegungen, wie man es bei einer Massage erwartet, wird von verschiedenen Grifftechniken Gebrauch gemacht: Schröpfgriff, Pumpgriff, Drehgriff und stehende Kreise. Dies nennt sich dann manuelle Lymphdrainage.

Neben der manuellen Lymphdrainage existiert auch die maschinelle Variante. Hier werden - vor allem im Beauty-Bereich - spezielle Hosen oder Armmanschetten angebracht, die mit Hilfe von einer Gleitwellenmassage das Lymphsystem unterstützen.

Lymphdrainage: Wie sie funktioniert und was sie bewirkt

Je nach Stärke der Schwellung kann die Lymphdrainage bei akutem Krankheitsbild täglich und bei Besserung ein bis zwei Mal wöchentlich angewandt werden.

Bietet sie noch weitere Vorteile?

Neben dem bereits genannten Abbau von Flüssigkeitsansammlungen kann die entspannende Massage dabei helfen, das Wohlbefinden der Patient:innen zu steigern und den Stoffwechsel anzukurbeln. Netter Nebeneffekt: Lymphdrainagen wirken fast schon wie ein Detox-Booster und zaubern ein strafferes, aber innen gleichzeitig weicheres (Lymph-)Gewebe. Hallo zum gesunden Körper und auf Wiedersehen zur Cellulite? Count me in!

Unter diesen Umständen solltest du eine Lymphdrainage in Betracht ziehen

Lymphödeme - der Stau von Lymphflüssigkeit - weisen zwei unterschiedliche Ursprungsvarianten auf: Bei einem primären Lymphödem handelt es sich um angeborene Erkrankungen wie Fehlbildungen der Lymphknoten, Lymphstau oder eine Schwäche des gesamten Lymphsystems. Ein sekundäres Lymphödem hingegen tritt oft nach Verletzungen, Operationen - vor allem bei Krebspatient:innen - und Entzündungen auf.

Auch bei Fettverteilungsstörungen im Oberschenkel- und Hüftbereich, die als Lipödeme bekannt sind, kann eine Lymphdrainage eingesetzt werden. Hierbei ist das primäre Ziel die Schmerzreduktion.

Außerdem: Es muss nicht immer ein Krankheitsbild sein, das einen zur Drainage bewegt! Aufgrund ihrer vielseitigen Vorteile bietet sie sich auch im Sportbereich an, womit Zerrungen, Verstauchungen oder Muskelkater behandelt werden können.

Lymphdrainage: Wie sie funktioniert und was sie bewirkt

An welchen Stellen wendest du sie an?

Da unser gesamter Körper vom Lymphsystem durchzogen ist, gibt es nicht die eine spezifische Stelle, die behandelt werden sollte. Kurz gesagt: Lymphdrainagen sind theoretisch überall da möglich, wo auch unser Lymphsystem entlangläuft. Hier kommt es schlichtweg auf Präferenzen und individuelle Beschwerden an.

Die bekanntesten Behandlungsstellen sind Arme und Beine, Gesicht und Hals sowie der Bauch- und Genitalbereich. Letzteres wusstest du bestimmt noch nicht, oder?

Aber Vorsicht: Lymphdrainagen sind nicht geeignet, sollte eine Thrombose, Herzinsuffizienz, Venenerkrankung, allergische Reaktion oder Entzündung vorliegen.

So bringst du deinen Lymphfluss in den eigenen vier Wänden in Schwung

Wer keine akuten Probleme hat und sich selbst mal an einer Lymphdrainage ausprobieren möchte, kann diese auch easy von zu Hause aus durchführen! Um den Prozess nicht als medizinisches Erlebnis wahrzunehmen, sondern viel mehr als Möglichkeit, seinen Körper besser zu deuten, sollte dementsprechend auch für ein angenehmes Ambiente gesorgt werden: Mach' dir deine liebste Meditationsmusik an, trag' weite, luftige Kleidung und dimm' das Licht. Auf geht's!

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Setz' dich in eine für dich bequeme Position und führe mit den Schultern große Kreisbewegungen durch - zuerst nach oben, dann nach hinten. Wieso? Um den Schultergürtel und den Beginn des Lymphsystems aufzulockern! Nun wird der Kopf zuerst zur rechten, dann zur linken Seite gedreht und anschließend langsam nach oben und unten rotiert.

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Jetzt ist das eigentliche Lymphsystem dran! Hierfür setzt du deine Finger hinter bzw. unter dem Schlüsselbein an und führst kreisende, von außen nach innen gehende Bewegungen durch, als würdest du die Lymphe zur Seite schieben. Dabei tief ein- und ausatmen und ungefähr 10 Mal wiederholen. Wichtig: Übe nicht zu viel Druck aus! Du weißt am besten, bis wohin es angenehm ist.

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Nun darfst du dich hinlegen - aber bitte nicht einschlafen! Leg' ein Kissen unter deinen Kopf und ein schweres Buch auf deinen Bauch. Atme wieder tief ein und aus. Auf diese Weise wird das Lymphsystem aktiviert! Dies kannst du circa 20 Mal wiederholen, jedoch ohne Anspannung im Bauch.

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Daraufhin winkelst du deine Beine an oder legst sie auf einem Kissen ab. Beide Hände tauchen nun knapp über der Leiste in den Unterbauch ein und schieben in kreisenden Bewegungen - wieder mit etwas Druck - die Haut nach oben. Dasselbe wird beim Rippenbogen wiederholt, jeweils 8 bis 10 Mal, diesmal von außen nach innen zur Mitte. Auch hier darf keinesfalls Schmerz entstehen!

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Zum Schluss bekommen die stehenden Kreise ihren großen Auftritt, um die Lymphflüssigkeit abzudrainieren! Du führst sie durch, indem du deine Hände flach an die Leiste legst und die Haut jeweils circa 8 bis 10 Mal im Kreis nach oben schiebst. Der Druck sollte dabei Richtung Kopf und Brustkorb ausgehen. Stehende Kreise können außerdem auch in der Achsel und am Hals gemacht werden!

Um später Ergebnisse zu sehen, müssen Bein und Arm nach der manuellen Lymphdrainage bandagiert oder mit einem medizinischen Kompressionsstrumpf versorgt werden.

Wer noch immer Fragezeichen im Kopf hat, sollte auf YouTube vorbeischauen! Dort gibt es viele nützliche Tutorials, die das Ganze etwas anschaulicher darstellen.

... und wie läuft es beim Profi ab?

Berufe werden nicht umsonst erlernt - so ist es auch bei Physiotherapeut:innen und Masseur:innen! Keep in Mind: Als Laie kann man oft mehr kaputt machen als reparieren. Ist von akuten Problemen die Rede, so sollten doch lieber immer Ärzt:innen aufgesucht werden. Diese können einen Überweisungsschein an die jeweiligen Expert:innen ausstellen.

Liegt ein Überweisungsschein vor, so übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in Österreich einen Teil der Behandlungskosten. Bei einer Privatversicherung kann es sogar sein, dass es eine komplette Kostenübernahme gibt.

Lymphdrainagen dauern in der Regel zwischen 20 und 60 Minuten, je nach Wünschen und Zielen. Bei 60 Minuten ist mit ungefähr 60€ zu rechnen, unabhängig von einer eventuell späteren Zurückerstattung.