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"Mein Leben als Domina ist vorbei!": nach dem tödlichen Sexunfall

Ihr Fall ging durch die Medien. Der Wiener Domina Pamela Fuchs wurde nach dem tödlichen Sexunfall mit einem Freier der Prozess gemacht. Offen spricht die 29-Jährige nach der Urteilsverkündung mit uns über schnelles Geld, Tabus und ihr Männerbild.

von

Pamela Fuchs

Selbstbewusst. Pamela Fuchs möchte sich nicht verstecken: "Ich habe immer offen erzählt, was ich beruflich mache."

© ERNST KAINERSTORFER

Klein und zart, fast kindlich wirkt sie. Ihr selbstbewusstes Auftreten, der feste Händedruck und ihre raue Stimme passen so gar nicht zu ihrer äußeren Erscheinung. Dass Pamela Fuchs bis vor einem Jahr als Domina arbeitete, würde man ihr nicht ansehen.

"Der Job war absolut okay. Wenigstens musste ich für meine Freier nicht mehr die Beine breit machen." Doch Ende September 2015 passierte ihr ein schrecklicher Unfall mit einem Kunden.

In einem Hotelzimmer knotete sie ihm auf Wunsch ein Schuhband um den Hals. Dann sollte er, nach Abmachung, in eine Seilschlinge sinken und durch "Atemreduktion" im bewusstlosem Zustand Lust empfinden. Das Sexspiel endete tödlich, und die Wienerin wurde am 26. September 2016 verurteilt: zwei Jahre Haft, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung.

Welcher Mensch steckt hinter diesen vielen Schlagzeilen? Wir sprachen mit der 29-Jährigen über ihre Vergangenheit, geprägt von Missbrauch und Gewalttätigkeit, der Liebe zu ihren Geschwistern und Zukunftsträumen.

WOMAN: Wie intensiv verfolgt Sie der Sexunfall heute noch?
Pamela Fuchs: Sehr! Das Bild, wie er da so gehangen ist, bekomme ich wohl nie mehr aus dem Kopf. Mit meinem Leben als Domina habe ich abgeschlossen. Es ist zu riskant und einfach gefährlich.

WOMAN: Wie sind Sie in das Sexgewerbe reingerutscht?
Pamela Fuchs: Durch meinen zweiten Freund. Damals war ich 19 und verdiente als Frisörin gerade mal 750 Euro im Monat. Er hat mir erzählt, wie leicht man mit Sexarbeit an Geld kommt. Ich dachte, ich probiere es mal aus. Zunächst tanzte ich in einer Peep-Show. Aber natürlich lief da auch mehr. Das war aber kein Problem für mich.

WOMAN: Und wie viel haben Sie verdient?
Pamela Fuchs: Das war Vereinbarungssache. Zahlen möchte ich keine nennen.

WOMAN: Gab es je Tabus für Sie?
Pamela Fuchs: Ja, ohne Schutz ging gar nichts. Und wenn ein Freier ungepflegt war, habe ich ihn kein zweites Mal angenommen. Nach sechs Jahren habe ich dann zur Domina umgesattelt. Ehrlich gesagt, peitschte ich die Männer lieber aus, anstatt die Beine für sie breit zu machen.

WOMAN: Wie reagierte Ihr Umfeld auf Ihren Job und letztendlich den Unfall?
Pamela Fuchs: Unterschiedlich: Manche verurteilen mich, die meisten aber akzeptieren es. Ich habe meinen Job betreffend nie gelogen. Nur ein Teil meiner Familie gibt mir die Schuld an dem Unfall und sagt, ich gehöre eingesperrt. Auch egal.

"Unsere Mutter ist verstorben. Seitdem bin ich ein Mutterersatz für sie."

WOMAN: Sie sorgen sich ja auch um Ihre jüngeren Geschwister...
Pamela Fuchs: Ja, unsere Mutter ist im letzten Jahr gestorben. Seitdem bin ich so etwas wie ein Mutterersatz für sie. Meine jüngste Schwester ist 18 und Verkäuferin. Mit ihr, ihrem Freund und ihrem gerade geborenen Baby lebe ich noch zusammen. Meine zweite Schwester ist 21 und besucht eine Höhere Schule, mein Bruder ist 27 und jobbt mal da, mal dort.

WOMAN: Wie denken die drei über Ihre Vergangenheit im Sexbusiness?
Pamela Fuchs: Natürlich waren sie darüber nicht glücklich, aber ich habe schon immer gemacht, was ich wollte. Außerdem brauchten wir Geld. Jetzt freuen sie sich, dass ich aufgehört habe.

WOMAN: Wäre es okay, wenn eine Ihrer Schwestern als Hure arbeiten würde?
Pamela Fuchs: Um Gottes willen, nein! Es ist ja kein schöner Job, das kann man sich nicht schönreden. Ich würde niemals wollen, dass meine Schwestern damit in Berührung kommen.

WOMAN: Als Domina haben Sie bestimmt viel erlebt...
Pamela Fuchs: Ja, schon. Ich hatte einmal einen Kunden, für den musste ich eine ganze Nacht lang in einem Latexanzug in einer Ecke stehen, während er sich, hinter mir im Hotelzimmer, ganz normal beschäftigt hat: ferngesehen, Musik gehört, Essen und Alkohol bestellt. Ein anderer kam mit Anzug und einem Aktenkoffer, in dem er Babyhaube, Windeln, Fläschchen und Schnuller verstaut hatte. Ich musste ihn dann wickeln und füttern.

WOMAN: Wie würden Sie die Männer mit diesen speziellen Vorlieben beschreiben?
Pamela Fuchs: Oft haben sie sehr verantwortungsvolle Jobs. Ich denke, sie wollen bei diesen Sexpraktiken einmal loslassen. Das nimmt ihnen den Druck. Bei vielen spielen Kindheitstraumata eine Rolle. Ich kannte einen, der sich beim Frisör immer fesseln ließ. Er hat erzählt, dass er als Kind festgebunden wurde, da er nicht stillsitzen konnte. Ich habe jedoch nie nachgefragt, das wussten meine Kunden sehr zu schätzen. Es war ja ohnehin alles unangenehm genug.

WOMAN: Kommen eigentlich immer nur Männer zu Dominas oder auch Frauen?
Pamela Fuchs: Nein, nur Herren. Wenn Frauen sexuell devot sein möchten, zahlen sie nicht dafür. Dominante Machos finden sie leicht. Ab und zu werden die Kunden aber von ihrer Frau begleitet. Viele wissen von den sexuellen Lüsten ihrer Männer. Sie probieren das zu Hause aus, aber das klappt meistens nicht, da die Frau es oft ins Lächerliche zieht. Sie steht mir dann als Zofe zur Seite.

WOMAN: Muss man als Domina eine sadistische Ader haben?
Pamela Fuchs: Nein, aber eine dominante. Anders kann das nicht funktionieren. Die Männer merken sofort, wenn man nicht den bösen Blick draufhat, die Stimme zu weich ist oder man Hemmungen davor hat, mit einer Peitsche fest zuzuschlagen.

WOMAN: Was denken Sie über Männer?
Pamela Fuchs: Nichts Gutes. Ich habe keinerlei Vertrauen. Mein Vater hat uns verprügelt. Mein Stiefvater und Stiefopa haben mich sexuell missbraucht. Und mein Erster hat mich auch geschlagen. Er war elf Jahre älter und ich habe einen Vaterersatz in ihm gesucht. Wo soll man da Vertrauen lernen?

Pamela Fuchs
Pamela Fuchs als Kind.

WOMAN: Können Sie sich trotzdem eine normale Beziehung vorstellen?
Pamela Fuchs: Ja, ich wünsche sie mir. Ich träume von einem lieben Mann, der mich gut behandelt, und ja, ich gebe es zu, auch verwöhnt und genug Geld verdient. Mir ist bewusst, dass ich da eher altmodisch denke. Aber ich würde kochen, putzen, den Mann verwöhnen und mich um die Kinder kümmern.

WOMAN: Wovon leben Sie jetzt?
Pamela Fuchs: Von Erspartem, aber ich habe einen Job als Sekretärin in Aussicht.

WOMAN: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Pamela Fuchs: In einem eigenen Haus, mit einem lieben Mann und meinen drei Hunden. Warum soll ich nicht einmal Glück haben?

Pamela Fuchs
Thema: Report